Anatomie und Nerven der linken Hand: Ein umfassender Überblick

Die menschliche Hand ist ein komplexes und faszinierendes Körperteil, das uns ermöglicht, die Welt zu ertasten, zu greifen und zu manipulieren. Ihre komplizierte Anatomie, bestehend aus Knochen, Muskeln, Sehnen, Nerven und Blutgefäßen, ermöglicht eine Vielzahl von Bewegungen und Funktionen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Anatomie der linken Hand, insbesondere auf die Nervenversorgung und die damit verbundenen Erkrankungen.

Aufbau der Hand

Die Hand besteht aus drei Hauptabschnitten:

  • Handwurzel (Carpus): Acht Handwurzelknochen bilden das Handgelenk und verbinden die Hand mit dem Unterarm.
  • Mittelhand (Metacarpus): Fünf Mittelhandknochen bilden das Gerüst der Handfläche.
  • Finger (Digiti manus): Vier Finger bestehen aus drei Knochen (Phalangen), während der Daumen nur zwei Phalangen hat.

Muskeln der Hand

Die Muskulatur der Hand ist komplex und ermöglicht eine Vielzahl von Bewegungen. Es gibt zwei Hauptgruppen von Muskeln:

  • Extrinsische Muskeln: Diese Muskeln befinden sich im Unterarm und ihre Sehnen verlaufen in die Hand, um die Finger zu bewegen.
  • Intrinsische Muskeln: Diese Muskeln befinden sich vollständig in der Hand und steuern die feinen Bewegungen der Finger.

Die intrinsischen Muskeln lassen sich weiter in drei Gruppen einteilen:

  • Thenarmuskeln: Diese Muskeln befinden sich am Daumenballen und steuern die Daumenbewegung. Zu ihnen gehören der M. abductor pollicis brevis, M. flexor pollicis brevis, M. opponens pollicis und M. adductor pollicis.
  • Hypothenarmuskeln: Diese Muskeln befinden sich am Kleinfingerballen und steuern die Bewegung des kleinen Fingers. Zu ihnen gehören der M. palmaris brevis, M. abductor digiti minimi, M. flexor digiti minimi brevis und M. opponens digiti minimi.
  • Interossei und Lumbricales: Diese Muskeln befinden sich zwischen den Mittelhandknochen und steuern die Abduktion, Adduktion, Flexion und Extension der Finger. Die Mm. interossei dorsales I bis IV flexieren die Finger im MCP, abduzieren den 2. und 4. Finger. Die Mm interossei palmares I bis III adduzieren den 2., 4. und 5. Finger. Die Mm. lumbricales I und II (laterale Seite der Hand) werden vom N. medianus innerviert. Die Mm. lumbricales III und IV (mediale Seite der Hand) werden vom N. ulnaris innerviert.

Sehnen und Sehnenscheiden

Die Sehnen übertragen die Kraft der Muskeln auf die Knochen und ermöglichen so die Bewegung der Hand und der Finger. Die langen Beuge- und Streckmuskelsehnen der Unterarmmuskeln sind teilweise von schützenden Hüllen umgeben, den Sehnenscheiden. Diese enthalten Flüssigkeit, die als Gelenkschmiere dient und dafür sorgt, dass sich die Sehnen reibungsarm bewegen können. An der Hand setzen die Sehnen die optimale Kraftübertragung um. Sie verlaufen eng an den Fingerknochen vorbei. Die Sehnen liegen innerhalb ihrer Scheiden, in einer Gelenkschmiere eingebettet. Auf diese Weise wird ein reibungsloses Gleiten der Sehnen ermöglicht.

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Nervenversorgung der Hand

Die Hand wird hauptsächlich von drei Nerven versorgt:

  • Nervus medianus (Mittelarmnerv): Dieser Nerv versorgt die Thenarmuskeln (mit Ausnahme des M. adductor pollicis) und die Haut an der radialen Seite der Hand (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und die radiale Hälfte des Ringfingers). Der Mittelnerv ist für die Bewegung der Daumenballenmuskeln und der restlichen Zwischenfingermuskeln zuständig. Er ist zudem verantwortlich für die Wahrnehmung von Hautreizen an der Handinnenfläche, an Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie an der Haut des Ringfingers, die an den Mittelfinger grenzt.
  • Nervus ulnaris (Ellennerv): Dieser Nerv versorgt die Hypothenarmuskeln, die Interossei, die Lumbricales III und IV und die Haut an der ulnaren Seite der Hand (Kleinfinger und die ulnare Hälfte des Ringfingers). Der Ellennerv bewegt die Muskeln des Kleinfingerballens, die Zwischenknochenmuskeln der Mittelhand, den Muskel, der den Daumen heranführt (Adduktor) und zwei der Zwischenfingermuskeln. Außerdem leitet der Nerv die Hautempfindungen aus dem Bereich über dem kleinen Finger und der angrenzenden Seite des Ringfingers.
  • Nervus radialis (Speichennerv): Dieser Nerv versorgt hauptsächlich die Streckmuskulatur des Unterarms und die Haut auf dem Handrücken. Der Speichennerv aktiviert die Fingerstrecker und die Muskeln, die die Hand im Handgelenk strecken.

Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Erkrankung, die durch die Kompression des Nervus medianus im Karpaltunnel verursacht wird. An der Handinnenfläche, auf Höhe des Handgelenks, verlaufen Muskelsehnen, Nerven und Gefäße durch den „Karpaltunnel“ vom Unterarm zur Hand. Beim Karpaltunnelsyndrom (CTS) wird der Nerv im Karpaltunnel am Handgelenk gequetscht. Dies führt zu Kribbeln und Schmerzen sowie bei Nicht-Behandlung zu Nervenschäden und Muskelschwund.

Ursachen und Risikofaktoren

Auch wenn in den meisten Fällen der tatsächliche Auslöser nicht bekannt ist, gibt es Ursachen und Risikofaktoren für diese Erkrankung. Entstehen kann ein Karpaltunnelsyndrom entweder durch zu voluminöses Gewebe im Kanal oder durch einen zu engen Kanal. Letzteres ist zufällig angeboren, vererbt oder Folge einer Verletzung.Die wichtigsten Ursachen für eine Gewebsschwellung sind:

  • Handgelenksnahe Verletzungen (z. B. Speichenbruch oder Handwurzelluxation)
  • Rheumatische Entzündungen oder Entzündungen der Sehnenscheiden
  • Handgelenksarthrose
  • Chronische Nierenschwäche, insbesondere bei nötiger Dialyse
  • Wassereinlagerungen in den Gelenken und Bändern (z. B. durch Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder hormonelle Veränderungen)
  • Tumore und andere Geschwulste (z. B. Lipome oder Ganglien)

Die wichtigsten Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom sind:

  • Weibliches Geschlecht, insbesondere in/nach der Menopause
  • Einnahme oraler Verhütungsmittel oder Östrogene
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Belastende Tätigkeiten mit Hand-/Handgelenk-Wiederholungen oder Umgang mit vibrierenden Werkzeugen
  • Adipositas
  • Alkohol- und Nikotinkonsum

Symptome

Häufige Symptome des Karpaltunnelsyndroms:

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  • Kribbeln und Stiche in Fingern und Handflächen (vorwiegend nachts)
  • Taubheitsgefühl und einschlafende Hände (vorwiegend nachts)
  • Einschränkungen des Tastsinns und der koordinativen Fähigkeiten
  • Nächtliche oder morgendliche Schmerzen im Handgelenk und am Unterarm
  • Bewegungsschmerzen der Hand
  • Bewegungseinschränkung des Daumens
  • Kraftverlust in Hand und Handgelenk
  • Schwund der Daumenballenmuskulatur (Thenaratrophie)

Manche Menschen haben anfangs jahrelang nur leichte Beschwerden, die kommen und gehen. Der Großteil der Betroffenen hat dauerhafte Beschwerden, die sich im Laufe der Zeit und besonders nach starker Belastung, während der Schwangerschaft und nach Verletzungen am Arm verschlimmern.

Diagnose

Klinische Untersuchung der Hand: Nach der Anamnese und dem daraus folgenden Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom gibt die Beweglichkeit der Handgelenke einen ersten Anhaltspunkt bei der klinischen Untersuchung. Der sog. Phalen-Test fällt positiv aus, wenn bei maximaler Beugung des Handgelenks in Richtung der Handinnenfläche über eine Minute Gefühlsstörungen in den Fingern auftreten - ein recht sicheres Indiz für ein Karpaltunnelsyndrom. Im fortgeschrittenen Stadium bildet sich die Daumenballenmuskulatur zurück und die Betroffenen können ihren Daumen nicht mehr zur Kuppe des kleinen Fingers führen. Beim Hoffmann-Tinel-Test wird die innen gelegene Seite des Handgelenkes mit zwei Fingern beklopft. Das Hoffmann-Tinel-Zeichen ist dann positiv, wenn dabei ein unangenehmer, fast elektrisierender Schmerz auftritt. Auch die Oberflächensensibilität wird geprüft.

Neurologische Untersuchung der Hand: Eine objektive Diagnose ist durch eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG) möglich. Der Mittelarmnerv (Medianusnerv) wird mit einem schwachen elektrischen Impuls stimuliert. Bei einer Schädigung des Nervs zeigt sich eine verminderte Leitungsgeschwindigkeit. Zusätzlich kann eine kernspintomographische Bildgebung (MRT) Befunde für die weitere Therapie geben.

Therapie

Im Anfangsstadium: konservative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms (CTS). Das Karpaltunnelsyndrom lässt sich im Frühstadium, bei leichten Beschwerden konservativ gut behandeln. Dabei ist es das Ziel, den Nerv zu entlasten und eine dauerhafte Nervenschädigung zu verhindern. Werden die Beschwerden frühzeitig entdeckt und treten die Schmerzen noch nicht dauerhaft auf, kann das Karpaltunnelsyndrom in den meisten Fällen noch mittels nächtlicher Ruhigstellung des Handgelenks behandelt werden. Zum Ruhigstellen des Handgelenks werden neben Bandagen vor allem Orthesen verwendet. Ergänzend zur Ruhigstellung können entzündungshemmende Medikamente, Kälte- und Wärmetherapie sowie Ultraschallbehandlungen helfen. Weitere wichtige Bestandteile der konservativen Behandlung sind die Physiotherapie und eine Bewegungstherapie mit individuell abgestimmten Übungen.

Fortgeschrittenes Stadium: Operation. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten und helfen andere Behandlungen nicht ausreichend, kann eine Operation erforderlich sein. Sie kann die Beschwerden lindern oder ganz verschwinden lassen, ist jedoch nicht ohne Risiko. Bei einer Operation wird das Karpalband durchtrennt, das an der Beugeseite der Handwurzel verläuft. So wird der Mittelnerv entlastet. Dabei stehen zwei Operationsverfahren zur Verfügung:

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  • offener Eingriff (Zugang über Hautschnitt (ca. 4 cm) an der Innenseite des Handgelenks)
  • endoskopischer Eingriff (Zugang über kleine Hautschnitte an der Handinnenfläche und am Handgelenk)

Meist sind Betroffene nach der OP beschwerdefrei - bei Nervenschädigungen kann dies allerdings auch einige Wochen oder Monate dauern. Schmerzen vergehen oft schneller als Empfindungsstörungen. Eine jahrelange Nervenschädigung vor dem Eingriff kann nicht vollständig wieder rückgängig gemacht werden. Zur Nachbehandlung wird das Handgelenk meist mit einer Orthese ruhiggestellt. Für 2 bis 3 Wochen sollte die operierte Hand geschont werden. Voll belastbar ist sie nach 6 bis 8 Wochen.

Weitere Erkrankungen der Hand

Neben dem Karpaltunnelsyndrom gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen, die die Hand betreffen können, darunter:

  • Arthrose: Gelenkverschleiß, der zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Sehnenscheidenentzündung: Entzündung der Sehnenscheiden, die zu Schmerzen und Schwellungen führen kann.
  • Dupuytren-Kontraktur: Verdickung und Schrumpfung des Bindegewebes in der Handfläche, die zu einer Verkrümmung der Finger führen kann.
  • Triggerfinger: Eine Erkrankung, bei der ein Finger beim Beugen oder Strecken einrastet.
  • Ganglionzysten: Flüssigkeitsgefüllte Zysten, die sich in der Nähe von Gelenken oder Sehnen bilden können.
  • Knochenbrüche: Frakturen der Handwurzelknochen, Mittelhandknochen oder Fingerknochen.
  • Rheumatoide Arthritis: Eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die die Gelenke der Hände und Füße betrifft.
  • Ulnarisnerv-Syndrom: Eine Kompression des Nervus ulnaris, die zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln im kleinen Finger und Ringfinger führen kann.

Prävention von Handbeschwerden

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Handbeschwerden vorzubeugen, darunter:

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Arbeitsplatz so eingerichtet ist, dass Ihre Hände und Handgelenke in einer neutralen Position sind.
  • Regelmäßige Pausen: Machen Sie regelmäßig Pausen, um Ihre Hände und Handgelenke zu dehnen und zu bewegen.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie sich wiederholende, monotone Bewegungen und übermäßige Belastung der Hände.
  • Geeignetes Werkzeug: Verwenden Sie Werkzeuge, die gut in der Hand liegen und wenig Vibrationen verursachen.
  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, um Entzündungen vorzubeugen.

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