Linke Seite Schlafen Taubheitsgefühl Ursachen: Ein umfassender Überblick

Kribbeln und Taubheitsgefühle sind Empfindungsstörungen, die viele Menschen betreffen. Oft sind sie harmlos und vorübergehend, beispielsweise verursacht durch eine ungünstige Schlafposition. Wenn diese Beschwerden jedoch anhalten oder regelmäßig auftreten, können sie auf tieferliegende Ursachen hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Taubheitsgefühle, insbesondere im Zusammenhang mit dem Schlafen auf der linken Seite, und bietet Informationen zu Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Was sind Kribbeln und Taubheitsgefühle?

Kribbeln und Taubheitsgefühle sind Empfindungsstörungen, die durch über- oder unteraktive Nerven verursacht werden. Während Kribbeln eine Empfindungsstörung an der Körperoberfläche ist und in der Regel durch überaktive Nervenenden in der Haut vermittelt wird (Parästhesie), entstehen Taubheitsgefühle meist durch unteraktive Nerven (Hypästhesie). So kann beispielsweise ein taubes Gefühl in den Beinen entstehen, wenn der entsprechende Nerv durch langes Sitzen mit angezogenen Beinen abgedrückt wird und keine Signale mehr sendet.

Ein länger anhaltendes Taubheitsgefühl, das sich nicht auf einen unmittelbaren Auslöser wie eine Fehlhaltung zurückführen lässt, weist dagegen auf eine krankhafte Nervenschädigung hin. Andauerndes Kribbeln, das auch ohne vorhergehende Taubheitsgefühle auftritt, kann ebenfalls auf eine Nervenschädigung hinweisen, die zu falschen, krankhaften Reizen führt. Denn nur selten lässt sich das unangenehme und manchmal sogar schmerzhafte Kribbeln direkt auf einen äußeren Reiz zurückführen.

Ursachen für Taubheitsgefühle beim Schlafen auf der linken Seite

Je nachdem, in welchem Körperbereich Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln auftreten, sind in der Regel Störungen in den unterschiedlichen Nervenbahnen oder Blutgefäßen Ursache der Sensibilitätsstörungen. Meist gehen Taubheitsgefühle und Kribbeln dabei vom peripheren Nervensystem aus, das die Empfindungen von den verschiedenen Körperbereichen zum Gehirn leitet. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Taubheitsgefühlen führen können, insbesondere beim Schlafen auf der linken Seite:

Schlafposition und ihre Auswirkungen

Die Schlafposition spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Taubheitsgefühlen. Studien zeigen, dass das Schlafen auf der Seite besonders beliebt ist, dicht gefolgt von der Rückenlage. Seltener wird auf dem Bauch geschlafen. Jeder Mensch wechselt etwa 35 Mal pro Nacht die Schlafposition.

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  • Linke Seitenlage: Das Schlafen auf der linken Seite wird oft als gesundheitlich vorteilhaft angesehen, da der rechte Lungenflügel besser belüftet wird. Allerdings kann diese Position bei manchen Menschen zu Taubheitsgefühlen führen, wenn der Arm unter dem Körper eingeklemmt wird oder Druck auf bestimmte Nerven ausgeübt wird.
  • Rechte Seitenlage: Wer auf der rechten Seite schläft, übt etwas mehr Druck auf Herz, Lunge, Magen und Leber aus. Dafür soll das Schlafen auf dieser Seite beruhigend auf das vegetative Nervensystem wirken. Meistens wechseln Seitenschläfer sowieso immer wieder die Seite.
  • Embryonale Haltung: Eine Variante der Seitenlage ist die embryonale Haltung, bei der sich die Schlafenden stärker zusammenrollen und die Beine anziehen, wie ein Embryo im Mutterleib. Die Schlafenden fühlen sich sicher und geborgen. Nachteil: Nacken und Rücken werden überdehnt.

T-Rex-Arme und verkrampfte Schlafpositionen

Das Thema wird auf Social Media diskutiert: Wer im Schlaf unbewusst die Arme anwinkelt, die Hände abknickt und sie unter das Kinn zieht, leidet womöglich an T-Rex-Armen, auch Dinosaurier-Hände genannt. Diese ungünstige Schlafhaltung führt häufig dazu, dass die Finger steif und taub werden. Wacht man auf, fühlen sich Hände und Arme verkrampft und schmerzhaft an. Auch Martin Konermann, Schlafmediziner am Marienkrankenhaus Kassel, hat das bei Patienten im Schlaflabor schon beobachtet.

An den T-Rex-Armen ist häufig die Psyche schuld. Viele Menschen nehmen Stress und Probleme mit ins Bett und verarbeiten sie nachts. Eine andere mögliche Ursache: das Karpaltunnelsyndrom, bei dem Nerven im Handgelenk eingeklemmt sind. Das, so Konermann, führe zu Schmerzen, die bis in die Schulter ausstrahlen können. Auch Menschen mit Autismus oder dem Asperger-Syndrom neigen zu der verkrampften Schlafposition.

Direkter Druck auf Nervenbahnen

Wenn der Kopf im Schlaf auf einen Arm gestützt wird, können Nervenbahnen im Arm abgeklemmt werden. Das führt dazu, dass einige Nervenleitungen nicht mehr vollständig durchblutet werden und sich deshalb taub und kribbelig anfühlen.

Karpaltunnelsyndrom

So können ein taubes, kribbelndes Gefühl und Schmerzen in den Händen, Füßen und Beinen durch die Kompression einzelner Nerven ausgelöst werden wie beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall. Eine Verengung drückt den mittleren Armnerv an der Handwurzel ab. Dies verursacht meist ein kribbelndes Gefühl am Daumen, Zeigefinger, zum Teil auch am Mittelfinger sowie kribbelnde Hände. Dieses Gefühl kann bis in den Unterarm ausstrahlen.

Muskelverspannungen

Zu nächtlichen Beschwerden in Händen und Finger können auch chronischen Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führen. Sie können durch Verschaltungen im Rückenmark ebenfalls zu Ameisenlaufen und sogar Schmerzempfindungen in den Händen sorgen.

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Weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle

Neben den direkten Auswirkungen der Schlafposition gibt es eine Vielzahl weiterer Ursachen für Taubheitsgefühle, die unabhängig von der Schlafseite auftreten können:

Neurologische Erkrankungen

  • Polyneuropathien: Erkrankungen der peripheren Nerven können unter anderem durch Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vergiftungen oder Infektionen entstehen. Zu den Hauptsymptomen der Erkrankung gehören Taubheitsgefühl, Kribbeln und ein Gefühl der Unsicherheit beim Gehen.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören das Gehirn und Rückenmark. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Das RLS äußert sich durch Missempfindungen wie schmerzhaftes Kribbeln, Ziehen und Brennen in den Beinen. Die Symptome bestehen oder verschlechtern sich in Ruhe, vor allem abends und nachts. Betroffene verspüren häufig den starken Drang, sich zu bewegen.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Bei der seltenen Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen die peripheren Nerven, greift sie an und zerstört sie. Zunächst äußert sich das häufig durch Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen. Im Verlauf können Lähmungserscheinungen hinzukommen, die sich mitunter auf den ganzen Körper ausbreiten. Einem GBS geht oft eine Infektion voraus.

Durchblutungsstörungen

  • Schlaganfall: Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet. Häufig passiert das durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft, seltener durch eine Hirnblutung. Die Minderdurchblutung führt zu einem Sauerstoffmangel, der je nach Ausmaß lebensbedrohlich sein kann. Kribbeln und Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in Arm, Bein oder Gesicht können auf einen Schlaganfall hinweisen - vor allem, wenn sie nur eine Körperseite betreffen.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Bei der PAVK ist der Blutfluss in den Beingefäßen behindert. Das äußert sich durch Schmerzen - zu Beginn nur beim Gehen. Typischerweise sind diese Schmerzen so ausgeprägt, dass sie immer wieder zum Stehenbleiben zwingen („Schaufensterkrankheit“).
  • Raynaud-Syndrom: Hier lösen zum Beispiel Kälte oder Stress Gefäßkrämpfe aus. Dies führt zu anfallsartigen Durchblutungsstörungen, vor allem in den Händen, manchmal auch an den Füßen. Bemerkbar macht sich das typischerweise durch kalte, blasse, bläuliche oder rote und gefühllose Finger, die wehtun und sich taub anfühlen können.

Stoffwechselstörungen

  • Diabetes mellitus: Hervorgerufen durch einen dauerhaft erhöhten Zuckerspiegel (beispielsweise durch fehlendes Insulin (Typ 1) oder eine erworbene Insulinresistenz (Typ 2)) kann eine sogenannte diabetische Neuropathie (Schädigung der Nerven) entstehen. Kleine Nervenenden werden geschädigt, die für Beschwerden sorgen.
  • Vitamin-B12-Mangel: Klagen beispielsweise Veganer über Empfindungsstörungen in den Händen und anderen Gliedmaßen, kann es sinnvoll sein ein Blutbild zu machen. In seltenen Fällen zeigt sich darin ein Vitaminmangel wie zum Beispiel der von Vitamin B12. Dieser Nährstoff wird normalerweise überwiegend aus tierischen Produkten aufgenommen. Verzichtet man bewusst darauf, kann sich daraus ein solches Defizit ergeben, das sich dann beispielsweise als Polyneuropathie auswirkt.

Mechanische Ursachen

  • Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern, die den Wirbelkanal bilden. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, darum herum liegen zahlreiche Nervenwurzeln. Tritt diese bei einem Bandscheibenvorfall aus, kann sie auf die Nervenwurzeln drücken und Schmerzen verursachen. Je nachdem, wo der Vorfall auftritt, sind beispielsweise Kribbeln und Lähmungserscheinungen im Bein oder in Arm und Hand möglich.
  • Eingeklemmter Nerv: Unfälle oder „falsche“ Bewegungen können dazu führen, dass Nerven eingeklemmt werden und diese dann nicht mehr in der Lage sind, Impulse zu senden. Je nachdem wo sich der betroffene Nerv befindet, können Symptome wie Kribbeln in den Beinen folgen.

Weitere Ursachen

  • Psychische Störungen: Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend zu Panikattacken oder Angstzuständen auftreten.
  • Medikamente und Umweltgifte: Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen, haben mitunter chronische Schäden an den Nerven zur Folge, die zu Missempfindungen führen. Kribbeln und Taubheitsgefühle treten bisweilen auch als unerwünschte, aber meist vorübergehende Nebenwirkung einiger Medikamente auf.

Diagnose und Behandlung

Grundsätzlich sollten Missempfindungen, die ohne erkennbare Ursache auftreten oder länger anhalten, ärztlich abgeklärt werden. Die hausärztliche Praxis ist die erste Anlaufstelle, um Kribbeln und Taubheitsgefühle abklären zu lassen.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Um die genauen Ursachen herauszufinden, ist zunächst ein ausführliches persönliches Gespräch wichtig. Nimmt man Reize auf der Haut nicht mehr richtig wahr, etwa einen Piks mit der Nadel, sind meist die kleinen Nervenenden geschädigt.

Bluttests

Mit Blut-Tests lassen sich weitere Hinweise auf die möglichen Ursachen finden. Gemessen werden zum Beispiel:

  • der Blutzuckerspiegel
  • die Menge bestimmter Vitamine und Mineralstoffe
  • Entzündungswerte

Weiterführende Untersuchungen

Je nach Verdachtsdiagnose kommen weitere Untersuchungen infrage, wie beispielsweise:

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  • Neurologische Untersuchung: zur Überprüfung der Nervenfunktion
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (NLG, EMG): zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelaktivität
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): zur Darstellung von Nerven, Rückenmark und Gehirn

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Taubheitsgefühle richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch helfen, die Beschwerden zu lindern:

  • Positionswechsel: Bei Taubheitsgefühlen durch ungünstige Schlafpositionen kann ein Wechsel der Position helfen, die Durchblutung wiederherzustellen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und kann Muskelverspannungen lösen.
  • Ergonomische Anpassung: Eine gute Matratze und ein ergonomisches Kopfkissen können dazu beitragen, eine gesunde Schlafposition zu fördern und Druck auf Nervenbahnen zu reduzieren. Die BODYGUARD® Matratze verfügt über zwei Liegehärten, damit haben Sie einen guten Spielraum, um das Liegefühl an Ihre Bedürfnisse anzupassen.
  • Entspannungstechniken: Stress kann Muskelverspannungen verstärken und somit Taubheitsgefühle begünstigen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Wärmeanwendungen: Lokale Wärmeanwendungen können Muskelverspannungen lösen und die Durchblutung fördern.
  • Medikamentöse Behandlung: Je nach Ursache können Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder spezielle Medikamente zur Behandlung von Nervenschäden eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Behandlungen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren.

Was Sie selbst tun können

Neben den oben genannten Maßnahmen gibt es einige Tipps, mit denen Sie Ihrem Nervensystem selbst etwas Gutes tun können:

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung, um dem Nervensystem die richtigen Nährstoffe zu liefern.
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol: Nikotin und Alkohol können Nervenschäden verursachen und die Durchblutung beeinträchtigen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskulatur.
  • Stressmanagement: Lernen Sie, mit Stress umzugehen, um Muskelverspannungen und andere stressbedingte Beschwerden zu vermeiden.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, um einen erholsamen Schlaf zu fördern. Dazu gehören regelmäßige Schlafzeiten, eine ruhige und dunkle Schlafumgebung sowie eine angenehme Schlaftemperatur.

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