Liquor Carbonis Detergens: Anwendung, Eigenschaften und Risiken

Einführung

Liquor Carbonis Detergens (LCD), auch bekannt als Steinkohlenteerlösung, ist ein Extrakt aus Steinkohlenteer, der in der Dermatologie zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Eigenschaften, Risiken und Alternativen von LCD, um ein umfassendes Verständnis dieser Substanz zu vermitteln.

Was ist Liquor Carbonis Detergens?

Steinkohlenteer ist ein Stoffgemisch, das bei der Verarbeitung von Steinkohle gewonnen wird. Liquor Carbonis Detergens (LCD) ist eine Steinkohlenteerlösung, die als Rezeptursubstanz in der Apotheke erhältlich ist. Im Gegensatz zu reinem Steinkohlenteer enthält LCD Tenside und Ethanol, die seine Löslichkeit und Anwendbarkeit verbessern.

Eigenschaften und Wirkungsweise

Steinkohlenteer, und damit auch LCD, besitzt eine Reihe von therapeutisch relevanter Eigenschaften:

  • Antiphlogistisch: Entzündungshemmend
  • Antiproliferativ: Hemmt die übermäßige Zellteilung
  • Antiseptisch: Wirkt gegen Mikroorganismen
  • Antipruriginös: Juckreizstillend

Diese Eigenschaften machen LCD zu einer potenziellen Therapieoption bei Hauterkrankungen, die durch Entzündungen, übermäßige Verhornung und Juckreiz gekennzeichnet sind.

Anwendungsgebiete

LCD wird hauptsächlich zur Behandlung von:

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  • Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte): Besonders bei den typischen roten, schuppigen Hautarealen.
  • Seborrhoischem Ekzem: Abgegrenzte rote oder rotbraune Flecken mit Hauterhebungen.
  • Chronisch entzündlichen Hautkrankheiten: Auch bei anderen chronischen Hautkrankheiten können Ärzte Steinkohlenteerpräparate verordnen.
  • Neurodermitis: Teerzubereitungen zeichnen sich durch eine antientzündliche, antimikrobielle (bakterienabtötende) und juckreizlindernde Wirkung aus.
  • Juckender, roter und schuppiger Kopfhaut: Shampoos mit Steinkohlenteer sind eine gute Therapiemöglichkeit.

Anwendung von LCD

LCD ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:

  • Lösungen: Zur Herstellung von Rezepturen in der Apotheke.
  • Cremes und Salben: Zur lokalen Anwendung auf betroffenen Hautstellen.
  • Shampoos: Zur Behandlung von Kopfhauterkrankungen.

Die Anwendung von LCD sollte immer gemäß den Anweisungen des Arztes oder Apothekers erfolgen.

Rezepturherstellung

Steinkohlenteerlösung ist auch unter dem Namen Liquor carbonis detergens (LCD) bekannt. Das DAC/NRF enthält Rezepturen für verschiedene Zubereitungen mit den beiden Lösungen auf: sowohl lipophile als auch hydrophile Präparate mit unterschiedlichen Grundlagen und Wirkstoffkombinationen. Der pH-Wert der Rezeptur muss für beide Lösungen bei pH 2 bis 8 liegen. Für Psoriasispatienten mit juckender, roter und schuppiger Kopfhaut bieten Shampoos mit Steinkohlenteer eine gute Therapiemöglichkeit. Da ein entsprechendes Fertigarzneimittel lange nicht lieferbar war, wurde in das DAC/NRF ein Rezepturarzneimittel aufgenommen (NRF-Rezeptur 11.143).

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Abendliche Anwendung: Aufgrund der phototoxischen Wirkung sollte LCD vorzugsweise abends aufgetragen werden.
  • Vermeidung von UV-Strahlung: Während der Behandlung mit LCD sollte intensive Sonnenbestrahlung oder künstliches UV-Licht vermieden werden, da dies zu Sonnenbrand und Blasenbildung führen kann.
  • Nicht auf entzündete Hautstellen: Teerhaltige Präparate dürfen nicht bei feucht-entzündlicher bzw. einer pustulöser Psoriasis und nicht auf großen Hautflächen eingesetzt werden.
  • Vorsicht bei empfindlichen Körperregionen: Vorsicht ist außerdem in Körperregionen geboten, die den Wirkstoff vermehrt aufnehmen: z.B. Gesicht, Hautfalten, Leistenbeuge, Hodensack oder um den After.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Teerhaltige Produkte dürfen nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden.
  • Einwirkzeit bei Shampoos: Shampoos mit Teer müssen 10 bis 15 Minuten einziehen, um wirksam werden zu können.

Dusch-PUVA-Therapie

Eine spezielle Anwendungsform ist die Dusch-PUVA-Therapie, bei der der Patient nach dem Duschen mit einer LCD-haltigen Lösung einer UVA-Bestrahlung unterzogen wird. Eine klinische Studie verglich die Dusch-PUVA-Therapie mit dem Berliner Schema (eine andere Form der PUVA-Therapie) bei Psoriasis-Patienten und fand ein deutlich besseres Ansprechen auf die Dusch-PUVA-Therapie.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Anwendung von LCD ist nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen:

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  • Hautreizungen: Gelegentliche Hautreizungen können auftreten, verschwinden aber meist nach kurzer Zeit.
  • Phototoxizität: Erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung.
  • Geruch: Viele Anwender empfinden den Geruch von Teer als unangenehm.
  • Verfärbung der Wäsche: Teer kann zu Verfärbungen der Kleidung führen.
  • Kanzerogenität: Steinkohlenteer enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen einige als krebserregend eingestuft sind. Das Krebsrisiko hängt jedoch maßgeblich von der Anwendungsdauer ab. Bei langjähriger Anwendung kann ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Krebs nicht ausgeschlossen werden.

Umgang mit Bedenken

Wegen möglicher erbgutschädigender und krebserregender Effekte von Steinkohle-Teerverbindungen sind die teerhaltigen Shampoos und Cremes in Verruf geraten. Diese Entscheidung war aber zwischen Experten stets umstritten. Professor Roland Niedner von der Hautklinik Potsdam sprach von „ unkritischen Krebswarnungen“ und hielt die „sporadische Anwendung des altbewährten Steinkohleteers“ weiterhin für vertretbar. Andere Experten verweisen auf die jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen und die zahlreichen Studien an Patienten. Die Patientenzeitschrift PSOaktuell wies darauf hin, dass ein Krebsrisiko nur besteht bei „ununterbrochenem Dauergebrauch und an Körperstellen, an denen die Haut den Wirkstoff vermehrt aufnimmt.

Arbeitsschutz in der Apotheke

Wer Steinkohlenteer in der Rezeptur verarbeitet, muss aufgrund der Kanzerogenität des Gemischs entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen einhalten. Mit den von der Bundesapothekerkammer empfohlenen Maßnahmen kann das Risiko auf ein Minimum reduziert werden. Durch Schutzbrille, Atemschutz und Handschuhe ist es weitgehend möglich, jeden Kontakt mit dem Steinkohlenteer zu vermeiden.

Alternativen zu LCD

Aufgrund der genannten Risiken und Nebenwirkungen werden heute oft alternative Behandlungsmethoden bevorzugt. Zu den Alternativen gehören:

  • Kortikosteroide: Entzündungshemmende Cremes und Salben.
  • Calcineurin-Inhibitoren: Immunmodulierende Cremes und Salben.
  • Vitamin-D-Analoga: Zur Behandlung von Psoriasis.
  • UVB-Therapie: Bestrahlung mit ultraviolettem Licht.
  • Sulfoniertes Schieferöl (Ammonium-Bitumino-Sulfonat): Es wird oft mit teerhaltigen Präparaten gleichgestellt, hat aber laut Herstellerangaben andere Eigenschaften und weniger Nebenwirkungen.
  • Natürliche und pflanzliche Alternativen: Viele pflegende Cremes enthalten Harnstoff (Urea), einen natürliche, körpereigene Substanz, die den Wasseranteil in der obersten Hautschicht erhöht und somit die Hautflexibilität normalisiert. Als weiterer juckreizlindernder Zusatz wird häufig Polidocanol eingesetzt. Gerbstoffe werden im Kindesalter wegen ihrer guten Verträglichkeit gerne bei leichten Formen der Neurodermitis oder als unterstützende Maßnahme auch bei schweren Verläufen der Erkrankung eingesetzt. Die Phytopharmaka (pflanzliche Präparate) umfassen antientzündliche Wirkstoffe wie Kamille und Echinacea sowie pflanzliche Gerbstoffe wie Hamamelis virginiana.

Interaktionen und Inkompatibilitäten

Bei der Herstellung von Rezepturen mit LCD sind einige Inkompatibilitäten zu beachten:

  • Kühlsalbe: LCD ist nicht kompatibel mit Kühlsalbe, da diese O/W-Emulgatoren enthält.
  • Wasserreiche W/O-Cremes: LCD ist mit allen wasserreichen W/O-Cremes inkompatibel.

Rechtliche Aspekte

Steinkohlenteer unterliegt aus diesem Grund auch der Verschreibungspflicht. Der Einsatz in Kosmetika ist verboten.

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Versorgungsrelevanz

Steinkohlenteer, Betamethasonsalze, Salicylsäure und Steinkohlenteer sind vom BfArM nicht mehr als versorgungsrelevant eingestuft.

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