Der Musculus sternocleidomastoideus (Kopfnicker) und der Nervus vagus (10. Hirnnerv) sind zwei wichtige anatomische Strukturen im Halsbereich. Der Musculus sternocleidomastoideus ist ein markanter Muskel, der den Hals in zwei Dreiecke teilt, während der Nervus vagus eine weitreichende parasympathische Innervation von Kopf bis Bauch gewährleistet. Ihre räumliche Nähe und funktionelle Bedeutung machen das Verständnis ihrer anatomischen Beziehungen unerlässlich für klinische Untersuchungen und chirurgische Eingriffe.
Anatomie des Musculus Sternocleidomastoideus
Der Musculus sternocleidomastoideus, auch als Kopfnicker bezeichnet, ist ein oberflächlicher Halsmuskel. Er ist am Hals gut sichtbar. Er besteht aus zwei Köpfen:
- Caput mediale (sternaler Anteil): Ursprung an der Vorderfläche des Manubrium sterni (Brustbein).
- Caput laterale (claviculärer Anteil): Ursprung an der Oberkante und Vorderfläche des medialen Drittels der Clavicula (Schlüsselbein).
Die beiden Köpfe vereinigen sich und verlaufen schräg über den seitlichen Halsbereich nach oben zum Processus mastoideus des Os temporale (Schläfenbein) und zur Linea nuchae superior (obere Nackenlinie) am Hinterhauptbein.
Funktion:
- Einseitige Kontraktion: Lateralflexion des Kopfes zur gleichen Seite (ipsilateral) und Rotation des Kopfes zur Gegenseite (kontralateral).
- Beidseitige Kontraktion: Dorsalextension des Kopfes (Neigung des Kopfes nach hinten).
Innervation:
- Nervus accessorius (11. Hirnnerv)
- Äste aus den zervikalen Spinalnerven (C2-C3)
Durch seinen Verlauf teilt der Musculus sternocleidomastoideus den Hals in zwei Dreiecke:
- Trigonum colli laterale (seitliches Halsdreieck)
- Trigonum colli mediale (vorderes Halsdreieck)
Die Region über dem Muskel wird als Regio sternocleidomastoidea bezeichnet.
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Anatomie des Nervus Vagus
Der Nervus vagus (10. Hirnnerv) ist der längste Hirnnerv und hat ein sehr weites Versorgungsgebiet, das vom Kopf bis zum Bauch reicht. Er enthält motorische, sensible, sensorische und parasympathische Fasern.
Verlauf:
Der Nervus vagus tritt aus der Medulla oblongata (verlängertes Mark) aus und verläuft zwischen der Vena jugularis interna (inneren Drosselvene) und der Arteria carotis interna (inneren Halsschlagader) nach unten in die Brusthöhle.Der rechte Nervus vagus verläuft weiter vor der Arteria subclavia (Schlüsselbeinarterie) zur rechten Seite der Trachea (Luftröhre) und gibt dabei den Nervus laryngeus recurrens (Kehlkopfnerv) ab, der sich um die Arterie windet. Von der Luftröhre zieht der Nervus vagus weiter hinter den rechten Bronchus bis zur Rückseite der Speiseröhre und zur Rückseite des Magens.Der linke Nervus vagus zieht zwischen der Arteria carotis communis (gemeinsamen Halsschlagader) und der Arteria subclavia zum Aortenbogen, gibt dann nach hinten und oben einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) ab und gelangt hinter dem Lungenhilus zur vorderen Fläche der Speiseröhre und des Magens.
Funktion:
- Motorisch: Innervation der Gaumensegelmuskulatur, der Atemwege und der oberen Speisewege.
- Sensibel: Innervation des äußeren Gehörgangs, des Kehlkopfs, der Luftröhre, des unteren Rachens, der Speiseröhre, der Lunge, des Magens, des Herzens, der Leber, der Niere, der Milz und vieler Gefäße.
- Parasympathisch: Regulation der Herzfrequenz, der Atmung und der Verdauung.
Wichtige Äste:
- Nervus laryngeus superior: Innerviert den Musculus cricothyreoideus (Kehlkopfmuskel) und die Schleimhaut des Kehlkopfes oberhalb der Stimmbänder.
- Nervus laryngeus recurrens: Innerviert die restliche Kehlkopfmuskulatur und die Schleimhaut des Kehlkopfes unterhalb der Stimmbänder.
Anatomische Beziehungen
Der Musculus sternocleidomastoideus und der Nervus vagus stehen in enger anatomischer Beziehung zueinander. Der Nervus vagus verläuft tief zum Musculus sternocleidomastoideus im Halsbereich. Am Vorderrand des mittleren Muskeldrittels des Sternocleidomastoideus kann der Karotispuls aufgrund des Verlaufes der Arteria carotis communis getastet werden. Der Gefäß-Nerven-Strang mit der Arteria carotis communis (Halsschlagader), der Vena jugularis interna, dem Nervus vagus und der Ansa cervicalis (Nervenschlinge) verläuft unter dem Musculus sternocleidomastoideus.
Klinische Bedeutung
Die anatomischen Beziehungen zwischen dem Musculus sternocleidomastoideus und dem Nervus vagus sind von großer klinischer Bedeutung.
- Chirurgische Eingriffe: Bei Operationen im Halsbereich, insbesondere bei Schilddrüsenoperationen oder Halslymphknotenausräumungen, besteht die Gefahr einer Verletzung des Nervus vagus oder seiner Äste. Eine Schädigung des Nervus laryngeus recurrens kann zu einer Stimmbandlähmung führen.
- Diagnostik: Der Musculus sternocleidomastoideus dient als wichtiger anatomischer Orientierungspunkt bei der Untersuchung des Halses. Am Vorderrand des Muskels kann der Karotispuls getastet werden.
- Erkrankungen: Verspannungen oder Verletzungen des Musculus sternocleidomastoideus können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Halsbereich führen. Eine krankhafte Veränderung des Muskels kann zu einem Schiefhals führen.
Fallbeispiel: Komplettierungs-Operation nach Hemithyreoidektomie
Nach einer Hemithyreoidektomie (Entfernung einer Schilddrüsenhälfte) wegen eines papillären Schilddrüsenkarzinoms kann eine Komplettierungs-Operation erforderlich sein. Bei diesem Eingriff wird die verbliebene Schilddrüsenhälfte entfernt.
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Atypisches Vorgehen:
Da bereits eine Hemithyreoidektomie durchgeführt wurde, wird in diesem Fall nicht wie üblich die gerade Halsmuskulatur in der Mittellinie längs gespalten, sondern atypischerweise unmittelbar am Vorderrand des Musculus sternocleidomastoideus eingegangen.
Wichtige Schritte:
- Durchtrennung des Musculus omohyoideus: Zur besseren Übersicht über die Schilddrüsenloge wird der Musculus omohyoideus durchtrennt.
- Aufsuchen des Nervus vagus: Der Nervus vagus wird zwischen der Vena jugularis interna und der Arteria carotis communis aufgesucht.
Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung der genauen Kenntnis der anatomischen Beziehungen zwischen dem Musculus sternocleidomastoideus und dem Nervus vagus bei chirurgischen Eingriffen im Halsbereich.
Hirnnerven im Überblick
Die zwölf Hirnnerven haben unterschiedliche Funktionen und Qualitäten:
| Hirnnerv | Bezeichnung | Qualität |
|---|---|---|
| 1. | Nervus olfactorius (Riechnerv) | sensorisch |
| 2. | Nervus opticus (Sehnerv) | sensorisch |
| 3. | Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv) | parasympathisch-motorisch |
| 4. | Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 5. | Nervus trigeminus (Drillingsnerv) | sensibel-motorisch |
| 6. | Nervus abducens (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 7. | Nervus facialis (Gesichtsnerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 8. | Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv) | sensorisch |
| 9. | Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 10. | Nervus vagus ("umherschweifender" Nerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 11. | Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv) | motorisch |
| 12. | Nervus hypoglossus (Zungennerv) | motorisch |
Triggerpunkte im Musculus Sternocleidomastoideus
Verspannungen im Musculus sternocleidomastoideus können zur Entwicklung von Triggerpunkten führen. Das sind lokal begrenzte Verhärtungen in der Muskulatur, die Schmerzen auslösen können.
Symptome:
- Lokaler Druckschmerz im Muskel
- Ausstrahlende Schmerzen in Schläfe, Wange, Auge oder Hinterkopf
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Gleichgewichtsstörungen
Ursachen:
- Fehlhaltungen
- Überlastung
- Stress
- Psychische Belastung
Behandlung:
- Triggerpunkt-Massage
- Dehnübungen
- Kräftigungsübungen
- Wärmeanwendungen
- Entspannungstechniken
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