Die Frage, ob Alkohol in eine gesunde Ernährung passt, insbesondere für Menschen mit Diabetes, ist oft Gegenstand von Diskussionen. Schlagzeilen wie "Bier ist gesund" oder "Wer Wein trinkt, lebt länger" in der Boulevardpresse suggerieren positive Eigenschaften von Alkohol. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen von Alkohol, insbesondere von Likör, auf den Blutzuckerspiegel und gibt Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Umgang damit.
Alkohol: Ein zweischneidiges Schwert
Alkohol entsteht durch die Vergärung von Zucker aus verschiedenen Quellen wie Obst, Getreide, Reis oder Kartoffeln. Nach der Aufnahme gelangt er schnell ins Blut und beeinflusst den Körper. Einerseits kann Alkohol in moderaten Mengen das "gute" HDL-Cholesterin erhöhen und die Blutgerinnung herabsetzen. Andererseits birgt er Risiken wie verminderte Reaktionsfähigkeit, Zellschädigung und Suchtpotenzial. Zudem kann übermäßiger Alkoholkonsum Blutdruck, Blutfette, Leber und Bauchspeicheldrüse schädigen.
Alkohol und Diabetes: Eine besondere Herausforderung
Für Diabetiker ist das Thema Alkohol besonders komplex. Einerseits kann Alkohol in kleinen Mengen positive Effekte haben, andererseits birgt er die Gefahr der Unterzuckerung. Dies liegt daran, dass die Leber, die normalerweise Glukose speichert und freisetzt, während des Alkoholabbaus vorrangig mit diesem Prozess beschäftigt ist. Dadurch wird die Freisetzung von Traubenzucker aus dem Leberspeicher blockiert, was zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels führen kann.
Unterzuckerungsrisiko
Das Risiko einer Unterzuckerung ist besonders hoch, wenn Alkohol auf nüchternen Magen, nach sportlicher Aktivität oder in Kombination mit bestimmten Medikamenten (Insulin, Sulfonylharnstoffe) konsumiert wird. Auch eine kohlenhydratarme Ernährung kann das Risiko erhöhen, da die Glykogenspeicher weniger gefüllt sind.
Likör und andere zuckerhaltige Getränke
Bestimmte alkoholische Getränke, wie Liköre und Süßweine, enthalten größere Mengen an Zucker. Diese sind für Diabetiker ungeeignet, da sie den Blutzucker sehr rasch erhöhen. Auch bei alkoholfreiem Bier ist Vorsicht geboten, da es mehr Malzzucker und somit viele Kohlenhydrate enthält.
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Empfehlungen für den Alkoholkonsum bei Diabetes
- Mäßigung: Frauen sollten nicht mehr als 10 Gramm und Männer nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag konsumieren. Dies entspricht etwa einer Flasche Bier (0,5 Liter) oder zwei kleinen Gläsern Wein (0,1 Liter pro Glas).
- Niemals auf leeren Magen: Alkohol sollte immer zusammen mit einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit getrunken werden. Geeignet sind beispielsweise Salzbrezeln, Kräcker oder Fingerfood.
- Blutzuckerkontrolle: Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker nach Alkoholgenuss, um mögliche Blutzuckerschwankungen zu erkennen und rasch reagieren zu können. Vor dem Schlafengehen sollte der Blutzucker höher liegen als sonst (z.B. 180 mg/dl statt 120 mg/dl).
- Vorsicht bei bestimmten Getränken: Vermeiden Sie süße alkoholische Getränke wie Liköre, Cocktails oder süße Weine, da diese den Blutzucker schnell ansteigen lassen. Bei Bier ist Kohlenhydrat-reduziertes Bier eine gute Wahl. Trockene Weine oder extra trockene Sekte sind ebenfalls geeignet.
- Kein Alkohol nach Sport: Nach Sport oder sonstiger körperlicher Aktivität sind alkoholische Getränke tabu, da ein stark erhöhtes Unterzuckerungsrisiko besteht.
- Nicht am Straßenverkehr teilnehmen: Alkohol verlangsamt Ihr Reaktionsvermögen. Deshalb und wegen erhöhter Unterzuckerungsgefahr kein Alkohol bei Teilnahme am Straßenverkehr!
- Begleitung: Konsumieren Sie Alkohol nicht allein, sondern in Begleitung einer Person, die über Ihre Diabeteserkrankung aufgeklärt ist und im Notfall helfen kann.
- Arzt konsultieren: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihren Alkoholkonsum, insbesondere wenn Sie Medikamente einnehmen.
Die Rolle der Leber
Die Leber spielt eine zentrale Rolle beim Abbau von Alkohol. Sie wandelt Alkohol in Acetaldehyd und dann in Essigsäure um. Dieser Prozess hat Vorrang vor anderen Aufgaben der Leber, wie der Glukoseproduktion. Daher senkt Alkohol den Blutzucker, da der Körper selbst kaum noch Glukose produziert, während er mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist.
Einschränkungen der Gegenregulation
Die Gegenregulation bei einer Unterzuckerung unter Alkoholeinfluss kann eingeschränkt sein oder fehlen. Da die Leber Alkohol abbaut, schüttet sie keinen Reservezucker aus und kann somit den niedrigen Blutzuckerspiegel nicht abfangen. Bei schweren Unterzuckerungen unter Alkoholeinfluss muss daher der Notarzt Glukoselösung in die Vene spritzen.
Auswirkungen von Alkohol auf den Stoffwechsel
Alkohol enthält viele Kalorien (7 kcal pro Gramm) und kann somit zu Übergewicht beitragen. Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Übergewicht und kann Folgeerkrankungen von Diabetes begünstigen, darunter Neuropathien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten.
Alkohol und Diabetes-Management
Eine Studie mit über 60.000 Menschen mit Diabetes hat gezeigt, dass Menschen, die Alkohol trinken, eher ihr Diabetes-Management vernachlässigen. Es ist daher wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein und verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen.
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