Das Neurologie-Team im LKH Villach: Umfassende Versorgung und Expertise

Das Landeskrankenhaus (LKH) Villach stellt mit seinen 10 bettenführenden Abteilungen und 4 Instituten einen zentralen Versorgungsauftrag für die Regionen Mittel- und Oberkärnten sicher und betreut ein Einzugsgebiet von etwa 250.000 Menschen. Mit fast 2.000 Mitarbeitern und über 650 Betten bietet das LKH Villach eine umfassende medizinische Versorgung. Die Abteilung für Neurologie des LKH Villach sucht Verstärkung im Bereich der AssistenzärztInnen und bietet eine umfassende Ausbildung in einem interdisziplinären Umfeld.

Die Abteilung für Neurologie im LKH Villach

Die Abteilung für Neurologie umfasst 60 Betten, eine Ambulanz und eine Notaufnahme. Sie verfügt über eine Stroke Unit mit 5 Betten sowie Frührehabilitationseinheiten der Phase B mit 8 Betten und Phase C mit 5 Betten. Das Spektrum der Abteilung umfasst sämtliche neurologische Krankheitsbilder.

Zusätzlich werden Ambulanzen mit speziellen Schwerpunkten geführt. Dazu gehören die Krankheitsbilder Demenz, Bewegungsstörungen inklusive Botulinum Toxin Therapie, Epilepsie, Multiple Sklerose, Schwindel und Schlaganfall. Eine spezielle Expertise besteht in der klinischen Beurteilung von MRT-Untersuchungen inklusive Spektroskopie.

Diagnostische Möglichkeiten und Expertise

Die Abteilung verfügt über sämtliche neurologische Diagnosemöglichkeiten, darunter:

  • Sonographie inklusive Nervenschall
  • EEG (Elektroenzephalographie)
  • Evozierte Potentiale
  • EMG/NLG (Elektromyographie/Nervenleitgeschwindigkeit)
  • Neuropsychologisches Testlabor
  • Liquorlabor

Die Abteilung besitzt Ausbildungskompetenz für EEG und EMG/NLG Vollausbildung (jeweils 2 zertifizierte Ausbildnerinnen) und ist Botulinum Toxin Ausbildungsstätte. In Kooperation mit der Medizinischen Abteilung wird ein Schlaflabor betrieben.

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Schwerpunkte und Projekte

Ein von der Abteilung betriebenes Polypharmazie-Projekt bietet einen zusätzlichen pharmakologischen Schwerpunkt. Die Abteilung organisiert Arbeitsgruppen innerhalb der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und bietet dadurch zusätzliche Expertise in den Bereichen Neuroimaging und Neuropalliation. Auch in der Organisation erweiterter Fortbildungsveranstaltungen ist die Abteilung aktiv. Hier konnten zum Beispiel der „Villacher Vertigo“ und der österreichweite „Kongress für Neuropalliativmedizin“ über die Jahre als fixe Fortbildungsveranstaltungen etabliert werden.

Ausbildungsmöglichkeiten

Die Abteilung verfügt über 7 Vollausbildungsstellen. Es stehen neben der Basisausbildung und der Sonderfach Grundausbildung die Module „Neurorehabilitation, Klinische Neurophysiologie, Neurogeriatrie, Notfall/Intermediate Care/Intensiv Neurologie und vertieftes Schlaganfall Management“ zur Verfügung.

Die Abteilung für Neurologie ist Teil des Lehrkrankenhauses LKH Villach für die Medizin Universität Graz und für die Medizin Universität Wien. Neben KPJ Ausbildungen und Famulaturen beteiligt sich die Abteilung auch an dem, von der Radiologie organisiertem, Speziellem Studien Modul (SSM) „Das Gehirn vom Fötus bis ins hohe Alter - an der Grenze zwischen gesund und krank“ für die Medizin Universität Graz.

Zusätzliche Angebote für Mitarbeiter:innen

  • Eine Kernarbeitszeit von 8:00 - 14:00 Uhr
  • Logbuch basierte Ausbildung in einem aufgeschlossenen, kommunikativen Team
  • Mentoren gestützte Begleitung in der Ausbildung
  • Ein Fortbildungscurriculum inklusive Bedside Teaching
  • Großzügige Finanzierungsmöglichkeiten von Fortbildung
  • Einen elektronischen Bibliothekszugang für Fachliteratur
  • Arbeiten in einer lebenswerten Umgebung mit mannigfaltigem Freizeitangebot
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Individuelle Arbeitszeitmodelle
  • Bezahlte Mittagspause
  • Erhöhtes Urlaubsausmaß von mindestens 224 Stunden (+ 3 Tage zu UrlG)
  • Sozialleistungen wie Geldaushilfen, Bezugsvorschüsse
  • Unterstützung bei der Wohnungssuche

Voraussetzungen für eine Bewerbung

  • Bescheid Diplomstudium Humanmedizin ("Dr. med. univ.")
  • Staatsbürgerschaftsnachweis
  • Unbeschränkter Zugang zum österr. Arbeitsmarkt (Nachweis entfällt bei EU-Bürger:innen)
  • EU-Konformitätsbestätigung bzw. Nostrifikation der Ausbildung(en) (falls Ausbildung im Ausland absolviert wurde)
  • Deutsche Übersetzung der Diplome (falls Ausbildung im Ausland absolviert wurde)
  • Nachweis der Sprachkenntnisse Deutsch - mindestens C1 Niveau (effectiveness level des Europarates - Niveau C1) bzw. das Prüfungszertifikat für die Sprachprüfung Deutsch der Österreichischen Ärztekammer, oder den Nachweis über den Entfall der Sprachprüfung Deutsch der Österr. Ärztekammer
  • Bei männl. Bewerbern: Abgeleisteter Präsenz- oder Zivildienst oder Untauglichkeitsbescheinigung
  • Bereitschaft zur Durchführung der zum Schutze der Mitarbeiter:innen sowie der Patientinnen und der Patienten notwendigen Impfungen (gemäß der Empfehlung des Obersten Sanitätsrates)

Das Polypharmazieboard am LKH Villach

Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Versorgung im LKH Villach ist das Polypharmazieboard (PPB). Dieses wurde vor 5 Jahren ins Leben gerufen und arbeitet seither an der Vereinfachung der Medikationslisten multimorbider Patienten, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu eliminieren und Interaktionsrisiken zu minimieren.

Definition und Relevanz der Polypharmazie

Die WHO definiert Polypharmazie als „fünf oder mehr Arzneistoffe, die gleichzeitig eingenommen werden“. Dieses Thema ist klinisch relevant, da Polypharmazie mehr als 30 % der über 65-Jährigen in den USA betrifft. In Kärnten nehmen mehr als zwei Drittel der über 80-Jährigen 5 Medikamente und mehr ein. Dies hat weitreichende Folgen, da das Interaktionsrisiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) bei zwei Medikamenten 13 % beträgt, bei sieben Medikamenten jedoch auf 80 % ansteigt. Studien zeigen, dass ein erheblicher Prozentsatz der Krankenhauseinweisungen auf UAW zurückzuführen ist, wobei viele davon vermeidbar wären.

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Interdisziplinärer Ansatz des Polypharmazieboards

Das Polypharmazieboard (PPB) ist ein regelmäßiges, abteilungsübergreifendes, interdisziplinäres und nachhaltiges Angebot, das Abhilfe schaffen soll. Der Grundgedanke, der das Polypharmazieboard von allen anderen Ansätzen unterscheidet, ist die Interdisziplinarität. Seit Herbst 2012 besteht die Möglichkeit, interne sowie externe Patienten an das Spezialteam zuzuweisen. Das Polypharmazieboard arbeitet an der Optimierung der Patientenversorgung hinsichtlich der Medikamentensicherheit.

Zusammensetzung und Arbeitsweise des PPB

Das Kernteam des PPB besteht aus Fachärzten für Neurologie, Psychiatrie und Innere Medizin, einem klinischen Pharmazeuten und einem administrativen Mitarbeiter. Die Anwesenheit des zuweisenden Arztes, der die genauen Rahmenbedingungen des Patienten kennt, ist ebenfalls wichtig. Das Team trifft sich wöchentlich, um die Medikationsverordnungen ausgewählter Patienten zu besprechen. Die pharmakologischen Profile werden zuvor von den klinischen Pharmazeuten erstellt und für den interdisziplinären Diskurs vorbereitet. Kriterien bei der Patientenauswahl sind Multimorbidität, die Einnahme von 8 oder mehr Medikamenten täglich oder auch einer geringeren Anzahl, sofern schwierige Medikamentenkombinationen vorliegen. Aus der Besprechung der einzelnen Medikamente geht eine Liste mit Empfehlungen hervor, die dem zuweisenden Arzt übermittelt wird. Die Entscheidung über die Umsetzung der Empfehlungen obliegt dem zuweisenden Arzt.

Ergebnisse des Polypharmazieboards

Eine erste Evaluation im Jahr 2014 zeigte überraschende Ergebnisse. Die häufigsten Interventionsgründe waren fragliche Indikation des Arzneimittels, Beratung des Arztes und fehlende Indikation für das Arzneimittel. Erst mit einigem Abstand folgten Therapievereinfachung möglich und Hinweis auf AM-Interaktion. Dies deutet darauf hin, dass häufig Indikationen für bestimmte Arzneimittel nicht gefunden werden oder Dosierungen nicht mehr adäquat sind.

Eine Auswertung über einen Zeitraum von drei Jahren (2013-2015) ergab, dass durch die interdisziplinären Fallbesprechungen die Anzahl der Medikamente um ca. 20 % reduziert werden konnte. Diese Reduktion wurde vor allem bei den PIM (potenziell inadäquate Medikamente bei älteren Patienten) deutlich. Insgesamt wurde durch die Interventionsempfehlungen die Anzahl an PIM von 236 vor der Besprechung im PPB auf 140 danach reduziert.

Ausblick in die Zukunft

Die Etablierung eines PPB in Klagenfurt ist ein erster Schritt, weitere Häuser sollen dazukommen. Die Telemedizin wird dabei eine wichtige Rolle spielen, um Institutionen oder Experten zuzuschalten, die in einzelnen Krankenhäusern nicht vor Ort zur Verfügung stehen. Die Zusammenführung der Daten aus den einzelnen Krankenhäusern und die Erhöhung der Patientenzahlen sollen es ermöglichen, umfassende Aussagen zu machen - etwa auch hinsichtlich ökonomischer Aspekte der Medikamentenreduktion.

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