LMU Epilepsie Zuchtempfehlung: Ein umfassender Leitfaden zur Epilepsie bei Hunden

Die Epilepsie ist eine seit alter Zeit bekannte Erkrankung, die auch bei Hunden auftreten kann und für Betroffene äußerst belastend ist. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Epilepsie bei Hunden geben, einschließlich der verschiedenen Arten von Anfällen, Diagnosemethoden, Behandlungsoptionen und Empfehlungen für Zucht und Haltung. Dabei werden auch die Erfahrungen eines Hundebesitzers mit den Anfällen seiner älteren Hündin und die daraus resultierenden medizinischen Untersuchungen und Behandlungen berücksichtigt.

Einführung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Anfälle entstehen durch abnormale elektrische Aktivität im Gehirn. Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein, darunter genetische Veranlagung, Hirnverletzungen, Infektionen oder Tumore. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unbekannt (idiopathische Epilepsie).

Anfallsarten bei Hunden

Es gibt verschiedene Arten von Anfällen, die bei Hunden auftreten können:

  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen den ganzen Körper und gehen oft mit Bewusstseinsverlust, Krämpfen, Speicheln und unkontrolliertem Kot- oder Urinabsatz einher. Ein Beispiel hierfür ist der Anfallstyp A, bei dem der Hund auf die Seite fällt oder liegt und Krämpfe am ganzen Körper und am Kopf zeigt.
  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle betreffen nur einen Teil des Körpers, z. B. Zuckungen in einem Bein oder im Gesicht. Der Hund kann dabei bei Bewusstsein bleiben oder das Bewusstsein verlieren.
  • Psychomotorische Anfälle: Diese Anfälle äußern sich durch Verhaltensänderungen, wie z. B. zielloses Umherwandern, Bellen oder Schnappen nach imaginären Fliegen.

Im Fall der älteren Hündin traten zunächst leichte Zuckungen im Gesichtsbereich auf, wobei sich ihr Körper relativ versteifte. Später rutschten ihr im Stehen einfach die Beine weg, manchmal nur hinten, manchmal jedoch alle viere, wobei sie auch hier leicht zuckte. Seit einiger Zeit fällt der Hund mehrmals täglich seitlich und dann leicht auf den Rücken um und hat dabei starke Zuckungen, welche ca. 5-10 Sekunden anhalten.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie basiert in der Regel auf der Anamnese (Krankengeschichte) des Hundes, der Beschreibung der Anfälle durch den Besitzer und einer neurologischen Untersuchung. Um andere Ursachen für die Anfälle auszuschließen, können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z. B.:

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  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann helfen, Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Vergiftungen als Ursache für die Anfälle auszuschließen. Im Fall der Hündin wurde eine Blutuntersuchung durchgeführt, bei der ein erhöhter Leberwert festgestellt wurde, der entweder auf eine Herzkrankheit oder auf das Cushing-Syndrom hindeuten könnte.
  • Urinuntersuchung: Eine Urinuntersuchung kann helfen, Nierenerkrankungen oder Harnwegsinfektionen als Ursache für die Anfälle auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können helfen, Hirntumore, Entzündungen oder andere strukturelle Veränderungen des Gehirns als Ursache für die Anfälle zu identifizieren. Bei der Hündin wurde ein Herzultraschall durchgeführt, der das Sick-Sinus-Syndrom als Diagnose ergab. Ein Leberultraschall zeigte, dass die Nebenniere und die Leber leicht vergrößert sind und die Bauchwand ziemlich dick ist, was auf eine starke bzw. chronische Entzündung hindeuten sollte. Außerdem hat sie leichte Verkalkungen an den verschiedensten Organen.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Ein EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, epileptiforme Entladungen zu identifizieren, die auf Epilepsie hindeuten. Im Kinder-Schlaflabor wird die Möglichkeit zur Ableitung eines kompletten 20-Kanal-EEGs angeboten, so dass eine differenzierte neurologische Diagnostik möglich ist. Darüber hinaus wird die Möglichkeit zum Video-EEG-Monitoring angeboten. Hierdurch können Kinder mit unklaren Krampfleiden über mehrere Tage unter permanentem EEG-Monitoring überwacht werden und das Auftreten eines Krampfanfalles analysiert werden.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren oder idealerweise ganz zu verhindern. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

  • Antiepileptische Medikamente (Antikonvulsiva): Antiepileptische Medikamente sind die häufigste Behandlungsmethode für Epilepsie bei Hunden. Es gibt verschiedene Antiepileptika, die bei Hunden eingesetzt werden können, wie z. B. Phenobarbital, Primidon, Kaliumbromid und Levetiracetam. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Anfälle, der Schwere der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Hundes ab.
  • Chirurgische Eingriffe: In seltenen Fällen kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um die Ursache der Epilepsie zu beheben, z. B. die Entfernung eines Hirntumors. Durch eine Gehirnoperation, bei der der Ursprungsherd der Epilepsie chirurgisch entfernt wird, können Patient:innen anfallsfrei werden. Manche Patient:innen sind aber aus medizinischen Gründen keine Kandidat:innen für solche Operationen, etwa weil bei ihnen das Sprachzentrum betroffen ist. Für diese Patient:innen haben wir seit einigen Jahren Stimulationsverfahren zur Verfügung (Vagusnervstimulation und Thalamusstimulation). Manche Patient:innen haben hier Vorbehalte und Sorgen. Daher gibt es Bedarf an alternativen, weniger invasiven Methoden, an denen intensiv geforscht wird. Das eignet sich für Patient:innen, bei denen die Epilepsie von einer bestimmten Stelle ausgeht, die genau bekannt ist, aber nicht herausoperiert werden kann. Die EASEE®-Elektrode wird genau über der Stelle platziert. Hierfür muss der Schädelknochen nicht eröffnet werden. Sie stimuliert den Hirnbereich sehr präzise und individualisiert.
  • Ernährungsumstellung: In einigen Fällen kann eine Ernährungsumstellung helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Eine ketogene Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, kann bei einigen Hunden mit Epilepsie wirksam sein.
  • Alternative Therapien: Einige Tierbesitzer berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Homöopathie oder Kräutermedizin. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapien bei Epilepsie nicht wissenschaftlich belegt ist.

Im Fall der älteren Hündin wurden verschiedene Medikamente eingesetzt, darunter Omeprazol zur Reduzierung der Magensäure und Terbutalin-Tabletten. Allerdings traten nach der Gabe von Omeprazol Erbrechen und Magenkrämpfe auf, so dass die Tabletten abgesetzt wurden.

Epilepsie und Zucht

Epilepsie kann erblich bedingt sein, daher ist es wichtig, bei der Zucht von Hunden auf Epilepsie zu achten. Hunde mit Epilepsie oder einer familiären Vorbelastung für Epilepsie sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden. Züchter sollten auch darauf achten, dass die Elterntiere auf andere Erkrankungen untersucht werden, die Epilepsie verursachen können, wie z. B. Hirntumore oder Stoffwechselstörungen.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Tierärztliche Hochschule Hannover und die Universität Helsinki (Finnland) verwenden einen Fragebogen, um die Forschung zur Epilepsie und Dyskinesie des Hundes zu erleichtern und vereinheitlichen. Der Fragebogen umfasst sechs Abschnitte, darunter Fragen zur Rasse, zum Namen, zum Geschlecht, zum Geburtsdatum des Hundes und zu dessen Anfällen oder Episoden. Außerdem werden Fragen zu möglichen Ursachen, Untersuchungen, Therapie und dem Verhalten des Hundes gestellt.

Verhalten während eines Anfalls

Wenn Ihr Hund einen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Maßnahmen zu ergreifen:

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  • Sorgen Sie für eine sichere Umgebung: Entfernen Sie alle Gegenstände, an denen sich der Hund verletzen könnte.
  • Bleiben Sie bei Ihrem Hund: Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Hund und streicheln Sie ihn sanft.
  • Versuchen Sie nicht, den Anfall zu stoppen: Halten Sie den Hund nicht fest und versuchen Sie nicht, ihm etwas in den Mund zu stecken.
  • Beobachten Sie den Anfall genau: Achten Sie auf die Art der Anfälle, die Dauer und die Symptome, die der Hund zeigt. Diese Informationen können Ihrem Tierarzt bei der Diagnose und Behandlung helfen.
  • Kontaktieren Sie Ihren Tierarzt: Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, wenn der Hund mehrere Anfälle kurz hintereinander hat oder wenn der Hund sich nach dem Anfall nicht normal verhält, sollten Sie umgehend Ihren Tierarzt kontaktieren.

Leben mit einem Hund mit Epilepsie

Ein Hund mit Epilepsie kann ein erfülltes Leben führen, wenn die Erkrankung gut behandelt wird. Hier sind einige Tipps für den Umgang mit einem Hund mit Epilepsie:

  • Geben Sie die Medikamente regelmäßig: Es ist wichtig, die antiepileptischen Medikamente regelmäßig und in der vom Tierarzt verordneten Dosis zu verabreichen.
  • Führen Sie ein Anfallstagebuch: Notieren Sie die Art, Dauer und Häufigkeit der Anfälle. Dies kann Ihrem Tierarzt helfen, die Behandlung anzupassen.
  • Sorgen Sie für eine stressfreie Umgebung: Stress kann Anfälle auslösen, daher ist es wichtig, eine ruhige und entspannte Umgebung für den Hund zu schaffen.
  • Vermeiden Sie bekannte Auslöser: Wenn Sie wissen, dass bestimmte Situationen oder Substanzen Anfälle auslösen können, sollten Sie diese vermeiden.
  • Seien Sie geduldig und verständnisvoll: Epilepsie kann für den Hund und den Besitzer belastend sein. Es ist wichtig, geduldig und verständnisvoll zu sein und dem Hund die Unterstützung zu geben, die er benötigt.

Schlafstörungen und Epilepsie bei Kindern

Schlafstörungen können bei Kindern mit Epilepsie häufig auftreten. Krampfanfälle haben häufig einen Bezug zum Schlaf. Im Kinder-Schlaflabor wird die Möglichkeit zur Ableitung eines kompletten 20-Kanal-EEGs angeboten, so dass eine differenzierte neurologische Diagnostik möglich ist. Darüber hinaus wird die Möglichkeit zum Video-EEG-Monitoring angeboten. Hierdurch können Kinder mit unklaren Krampfleiden über mehrere Tage unter permanentem EEG-Monitoring überwacht werden und das Auftreten eines Krampfanfalles analysiert werden.

Ansprechpartner und Beratungsstellen

Es gibt zahlreiche Ansprechpartner und Beratungsstellen für Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) bietet auf ihrer Webseite (www.dgfe.info) Informationen zu Epilepsiezentren, Epilepsie-Ambulanzen und Epilepsie-Beratungsstellen in Deutschland.

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