Lokalisierung neuropathischer Fußschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Neuropathische Fußschmerzen stellen eine besondere Herausforderung in der Medizin dar. Sie entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems und unterscheiden sich von Schmerzen, die durch Gewebeschäden verursacht werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte neuropathischer Fußschmerzen, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems verursacht werden. Diese Art von Schmerz unterscheidet sich von den klassischen Schmerzen, die durch Gewebeschäden entstehen, da sie direkt aus einer Fehlfunktion der Nerven resultieren. Füße sind aufgrund ihrer komplexen Struktur und der vielfältigen Belastungen, denen sie täglich ausgesetzt sind, besonders anfällig für neuropathische Schmerzen. Dieser Artikel zielt darauf ab, ein besseres Verständnis für die Ursachen und Symptome von neuropathischen Schmerzen in den Füßen zu vermitteln und die verschiedenen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten vorzustellen, die zur Linderung dieser Schmerzen beitragen können.

Ursachen neuropathischer Fußschmerzen

Neuropathische Schmerzen in den Füßen können durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Eine der häufigsten Ursachen ist die Polyneuropathie, insbesondere bei Menschen mit Diabetes.

Diabetische Neuropathie

Bei der diabetischen Neuropathie kommt es durch den erhöhten Blutzuckerspiegel zu Veränderungen im Bereich der Nervenfasern, die Schmerzen auslösen können. Diese Erkrankung führt zu einer Schädigung der Nerven, die sich in Symptomen wie Brennen, Kribbeln und Taubheitsgefühlen äußern kann. Die diabetische Neuropathie, charakterisiert als eine zunehmende Glykolisierung („Verzuckerung“) der Nervenzellen und konsekutive Schädigung des Nervengewebes, erfasst autonome, sensorische und motorische Fasern gleichermaßen.

Diabetisches Fußsyndrom (DFS)

Unter den diabetischen Folgekomplikationen nimmt das Diabetische Fußsyndrom (DFS) - umgangssprachlich auch „diabetischer Fuß“ genannt - eine herausragende Stellung ein. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) liegt die jährliche Neuerkrankungsrate für ein DFS bei ca. 2 %. Die Wahrscheinlichkeit eines DFS für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes mellitus beträgt 19 bis 34 %. Kausalfaktoren für die Entstehung diabetischer Fußläsionen sind das Vorliegen einer diabetischen (Poly-)Neuropathie und / oder einer peripheren arteriellen Durchblutungsstörung (PAVK) auf dem Boden einer diabetischen Makroangiopathie.

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Die diabetische Neuropathie ist in ca. 40 % der Fälle die alleinige Ursache, bei weiteren 50 % handelt es sich um eine Mischform aus Neuropathie und einer PAVK-bedingten Ischämie. Etwa 10 % sind auf eine isolierte periphere Durchblutungsstörung zurückzuführen. Klinisch führen diese Schädigungen allein oder gemeinsam zu den typischen Veränderungen am Fuß des Diabetikers: Es kommt zu Funktionsverlusten der Fußmuskeln mit Schädigungen der Knochen, wobei sich das Fußgewölbe bis in das Sprunggelenk hinein verändern kann. Die Folgen davon sind Störungen der Bewegungsabläufe und Fehlstellungen der Zehen, unnatürliche Druckverteilung beim Stehen und Gehen mit Überlastung einzelner Stellen, häufig verstärkt durch nicht physiologisch geformtes Schuhwerk (zu hohe Absätze, schlecht passende Schuhe usw.). Es bilden sich Schwielen (Hyperkeratosen) und Blasen, die sich infizieren und zur typischen Wunde des neuropathischen Fußes, dem „Malum perforans pedis“ (auch „Mal perforant“) entwickeln. Die am häufigsten betroffene Stelle ist die Fußsohle im Bereich der Zehengrundgelenke, weil hier beim Gehen eine hohe Druckbelastung entsteht.

Erste Anzeichen neuropathischer Störungen in den Beinen sind:

  • Hauttemperatur warm
  • Hautbild trocken, rissig
  • Brennen und Kribbeln
  • Taubheitsgefühl, ggf. Schmerzen in Ruhe, insbesondere nachts
  • Kaum Schmerzempfindungen bei Verletzungen

Das verminderte Schmerzempfinden zieht oft eine riskante zeitliche Verschleppung bei der Behandlung nach sich. Denn bei der sich weiter ausbreitenden Infektion kommt es nicht selten zur Entzündung der Knochen (Osteomyelitis), die bis zum ölligen Zusammenbruch des Fußskelettes führen kann. Es entsteht der sogenannte Charcot-Fuß oder es entwickeln sich tiefe Entzündungen des Fußgewebes (Fußphlegmone), die die Blutzirkulation in den Zehen gefährden.

Morton-Neurom

Ein weiteres Beispiel für eine Ursache ist das Morton-Neurom, eine lokale Nervenkompression, die durch enge Schuhe oder Fußfehlstellungen verursacht werden kann.

Wirbelsäulenprobleme

Zusätzlich können auch Wirbelsäulenprobleme zu neuropathischen Schmerzen in den Füßen führen. Bei Bandscheibenvorfällen oder anderen Rückenproblemen kann es zu einer Nervenkompression kommen, die Schmerzen in die Füße ausstrahlt.

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Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für neuropathische Fußschmerzen sind:

  • Herpes Zoster Infektionen: Nervenschmerzen im Rahmen eines Herpes Zoster bzw. einer Gürtelrose können auftreten.
  • Medikamentöse Therapien: Nervenschmerzen können im Rahmen von medikamentösen Therapien auftreten.
  • Genetisch bedingte Erkrankungen: Es ist möglich, dass es zu Nervenschmerzen bei genetisch bedingten Erkrankungen kommt.
  • Tumorerkrankungen: Auch Nervenschmerzen im Rahmen von Tumorerkrankungen bzw. nach Tumorerkrankungen sind möglich.
  • Alkoholismus: Im Rahmen von Alkoholismus kommt es in sehr, sehr vielen Fällen zum Auftreten von Nervenschmerzen.

Symptome neuropathischer Fußschmerzen

Unabhängig von der Ursache sind die Symptome oft ähnlich: Betroffene berichten von einem brennenden oder kribbelnden Gefühl, das manchmal von Taubheit begleitet wird.

Plus- und Minussymptome

Es gibt eine Vielzahl von Missempfindungen, die in zwei grobe Richtungen unterschieden werden: Plus- und Minussymptome. Plus-Symptome äußern sich als Fehlsignale, von denen Kribbeln und Ameisenlaufen die geläufigsten sind. Minussymptome hingegen äußern sich als verminderte Wahrnehmung. Auf dem Weg in die Taubheit beziehungsweise zum Verlust der Empfindung sind Phasen mit teilweise absurden, quälenden, überschießenden Signalen keine Seltenheit, sozusagen als letztes Aufbäumen der geschädigten Nervenbahnen.

Weitere Symptome

Neben brennenden und elektrisierenden Schmerzen oder Ameisenlaufen können Nervenschmerzen auch viele andere Symptome hervorrufen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ein Taubheitsgefühl im Bereich der Füße
  • Stechend brennende Schmerzen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen

Diagnose neuropathischer Fußschmerzen

Die Diagnose von neuropathischen Schmerzen in den Füßen erfordert eine gründliche medizinische Untersuchung. Ein Arztbesuch ist vor allem dann ratsam, wenn die Schmerzen stark sind oder sich rasch verschlimmern.

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Anamnese und körperliche Untersuchung

Der erste und für den Arzt einer der wichtigsten Punkte in der Diagnostik von Schmerzen und natürlich auch von Nervenschmerzen ist das Anamnesegespräch mit dem Patienten. Aus der Anamnese erfährt der Arzt auch genau, ob Erkrankungen vorliegen, die schon einen Hinweis geben, dass ein Nervenschmerz vorhanden sein kann. Ob beispielsweise eine Zoster-Infektion vorgelegen hat, ob Diabetes mellitus vorliegt, ob Alkoholismus vorhanden ist, ob der Patient raucht oder ob eine erblich bedingte Erkrankung vorhanden ist. Hier müssen zugänglich sein die Körperteile, die erkrankt sind. Beide Untersuchungen werden dann durchgeführt, wenn man sich davon ein weiteres wichtiges Ergebnis für die Diagnostik des Nervenschmerzes erhofft.

Neurologische Untersuchungen

Zu den diagnostischen Verfahren gehören eine ausführliche Anamnese und neurologische Untersuchungen. Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen und Elektromyographie (EMG) sind spezialisierte Tests, die häufig eingesetzt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Eine Elektroneurografie ist eine Untersuchung, bei der die Erregbarkeit des Nerven überprüft wird. Bei der Elektromyografie wird die Funktionalität des Muskels untersucht.

Bildgebende Verfahren

Eine hochauflösende Ultraschall-Untersuchung wird beispielsweise oft kombiniert mit einer Elektroneurografie. Nach der klinischen Untersuchung des Fersensporns kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz, um eine mögliche Fehlstellung oder Fehlbelastung der schmerzenden Ferse festzustellen. Nachfolgend führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung der Plantarsehne durch.

Nervenbiopsie

Die Nervenbiopsie ist die Standarduntersuchung für das Feststellen einer Erkrankung von dünnen Nervenfasern. Sie ist die Standarddiagnostik für die sogenannte Small-Fiber-Neuropathie.

Schmerzprotokollierung

Wenn es erforderlich ist, dass Sie Schmerzen protokollieren, dann bieten sich sogenannte Schmerztagebücher an. In diesen Schmerztagebüchern können Sie eintragen, wie der Nervenschmerz ist (brennend, elektrisierend, plötzlich auftretend), wo der Schmerz im Körper lokalisiert ist, ob die Schmerzen abhängig von Triggerfaktoren sind (Essen, Trinken, Sprechen) und ob die Schmerzen eher tagsüber oder in der Nacht auftreten.

Behandlung neuropathischer Fußschmerzen

Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen in den Füßen umfasst sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Ansätze.

Medikamentöse Therapie

Häufig werden Medikamente wie Antikonvulsiva und Antidepressiva eingesetzt, um die Schmerzen zu lindern. Es sind ganz bestimmte Medikamente, die bei Nervenschmerzen eingesetzt werden müssen, damit es zur Linderung Ihrer Symptomatik kommt. Die Medikamente, die Sie nehmen, wenn Ihnen der Rücken wehtut, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, können Sie bei Nervenschmerzen vergessen.

Nichtmedikamentöse Therapie

Nichtmedikamentöse Maßnahmen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Physiotherapie und Bewegungstraining können helfen, die Mobilität zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.

Fußpflege und -kontrolle

Regelmäßige Fußpflege und Kontrolle sind insbesondere bei Menschen mit Diabetes entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.

Invasive Verfahren

In einigen Fällen können auch invasive Verfahren wie Kortisoninjektionen oder operative Eingriffe notwendig sein, um die Nervenkompression zu beseitigen.

Ergonomische Hilfsmittel

Ergonomische Hilfsmittel können eine wesentliche Rolle bei der Linderung von neuropathischen Schmerzen in den Füßen spielen. Speziell angefertigte druckentlastende Einlagen und geeignetes Schuhwerk sind entscheidend, um Druckpunkte zu reduzieren und eine gleichmäßige Gewichtsverteilung zu fördern.

Selbsthilfemaßnahmen

Es gibt verschiedene Selbsthilfemaßnahmen, die zur Linderung von neuropathischen Fußschmerzen beitragen können:

  • Entspannung: Bei muskulären Verspannungen kann die Anwendung von Wärme wahre Wunder bewirken.
  • Bewegung: Bewegung kann Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern.
  • Geist anregen: Beschäftigungen, die guttun und uns ein Stück herausfordern, helfen dabei vom Schmerz abzulenken.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Obwohl viele Maßnahmen zur Selbsthilfe beitragen können, ist es wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Symptome anhalten oder sich verschlimmern. Anhaltende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder eine Beeinträchtigung der Mobilität sind klare Anzeichen dafür, dass eine spezialisierte Behandlung erforderlich sein könnte. Typische Symptome umfassen Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühle und elektrisierende Schmerzen. Ein Spezialist sollte aufgesucht werden, wenn die Schmerzen stark sind, sich verschlimmern oder wenn Taubheit und Gangunsicherheit auftreten.

Das Kamerad-Schnürschuh-Syndrom

Hinter dem kuriosen Namen Kamerad-Schnürschuh-Syndrom verbirgt sich eine Nervenkrankheit, welche die Füße betrifft. Es bezeichnet in der Medizin ein Engpasssyndrom, bei dem Druck beziehungsweise Kompression (Quetschungen) auf die peripheren Nerven (außerhalb des zentralen Nervensystems) ausgeübt wird. Der Begriff Kamerad-Schnürschuh-Syndrom hat seinen Ursprung im Ersten Weltkrieg. Ein ursächliches Beispiel sind zu enge sowie zu harte Schuhe, wie es auf Pumps, Stiefel oder Skischuhe zutreffen kann.

Fersensporn und Plantarfasziitis

Der untere Fersensporn und die meist zugrundeliegende Plantarfasziitis machen sich durch Fußschmerzen an der Fußsohle bemerkbar. Der untere Fersensporn entsteht meist durch eine Entzündung des fersenseitigen Ansatzes der Plantarsehne, einer sogenannten Plantarfasziitis. Die Entzündung der Plantarfaszie nennt man Plantarfasziitis. Die Plantarfaszie ist eine stabile Sehnenplatte, die sich vor allem am Sehnenansatz (Enthese) entzünden kann.

Diagnose des Fersensporns

Die Diagnostik des unteren Fersensporns ist nicht mit dem Nachweis eines Kalksporns ausgeschöpft. Die genaue Lokalisation des plantaren Fersenschmerzes erfordert eine genaue Diagnose. Der Fußspezialist untersucht den Fuß auf Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkungen. Grundlage für die Untersuchung ist die ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese).

Behandlung des Fersensporns

Die Behandlung einer Plantarfasziitis und eines Fersensporns beginnt stets mit konservativen Maßnahmen. Lokale Kälteanwendungen hemmen den Entzündungsprozess und lindern die Schmerzen. Weiche, gepolsterte Locheinlagen entlasten den Sehnenansatz der Fußsohle gezielt.

Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie setzt direkt am Plantarsehnenansatzes aus und beseitigt chronische Plantarsehnenentzündungen. Die Therapie kann zudem Verkalkungen lösen.

Kortisoninjektionen

Kortison kann die lokale, schmerzhafte Entzündung am Sehnenansatz schnell abklingen lassen. Wiederholte Kortisoninjektionen können die Strukturproteine an der Injektionsstelle dauerhaft schädigen.

Botulinumtoxin

Eine weitere Option zur Behandlung der Plantarfasziitis ist die Injektion von Botulinumtoxin. Botulinumtoxin lähmt vorübergehend Teile der Plantarfaszie und nimmt dadurch die Zugkraft vom Sehnenansatz.

Operation

Ein weiterer operativer Ansatz erfolgt über einen endoskopischen Zugang zum Plantarsehnenansatz am Fersenbein.

Neuropathische Osteoarthropathie (Charcot-Fuß)

Die neuropathische Osteoarthropathie ist auch bekannt als Charcotarthropathie und wird durch eine periphere Polyneuropathie verursacht. Die Polyneuropathie wird häufig durch einen Diabetes mellitus, chronischen Alkoholabusus oder durch neurotoxische Infektionen ausgelöst. Am meisten sind der Fuß und das Sprunggelenk betroffen.

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