Die Löwenmähne (Hericium erinaceus), auch bekannt als Igel-Stachelbart oder Affenkopfpilz, ist ein faszinierender Pilz, der nicht nur durch sein ungewöhnliches Aussehen besticht, sondern auch durch sein Potenzial für die Gesundheit, insbesondere für das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen der Löwenmähne, ihre Anwendung in der traditionellen Medizin und moderne wissenschaftliche Erkenntnisse.
Was ist die Löwenmähne?
Die Löwenmähne ist ein Pilz, dessen Aussehen an eine Löwenmähne oder einen weißen Bommel erinnert. Er wächst auf abgestorbenen Laubbäumen, insbesondere Buchen und Eichen, und ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. In der Küche wird er wegen seines milden, an Hummer erinnernden Geschmacks geschätzt und als Fleischersatz in der vegetarischen Küche verwendet.
Traditionelle Verwendung und Inhaltsstoffe
In der traditionellen chinesischen und japanischen Medizin wird die Löwenmähne seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt. Der Fruchtkörper und das Myzel des Pilzes sind reich an Proteinen, Aminosäuren (insbesondere L-Alanin und L-Leucin), Mineralien (Kalium und Phosphor), Vitaminen und bioaktiven Stoffen. Die spezifischen Polysaccharide des Pilzes sind für viele seiner positiven Wirkungen verantwortlich.
Wirkung auf das Gehirn
Neuroprotektive Eigenschaften
Die Forschung hat gezeigt, dass die Löwenmähne neuroprotektive Eigenschaften besitzt, die zur Unterstützung der kognitiven Funktionen beitragen können. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Verbindungen in der Löwenmähne die Nervenwachstumsfaktoren (NGF) im Gehirn erhöhen können. Vor allem die sekundären Pflanzenstoffe Hericenon und Erinacin scheinen für die positive Wirkung auf das Nervensystem und die kognitive Leistungsfähigkeit verantwortlich zu sein.
Nervenwachstumsfaktor (NGF)
Der Nervenwachstumsfaktor NGF spielt eine bedeutende Rolle bei der Erhaltung, Reparatur und dem Wachstum von Neuronen. Die Löwenmähne kann die Produktion von NGF stimulieren und somit die Gesundheit und Funktion des Gehirns unterstützen.
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Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit
Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Löwenmähne die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. In einer Studie konnte festgestellt werden, dass die kognitive Leistungsfähigkeit mit der Dauer der Einnahme anstieg, nach Beendigung der Einnahme jedoch wieder absank. Dies deutet darauf hin, dass eine regelmäßige Einnahme des Pilzes notwendig sein könnte, um eine dauerhaft bessere Gehirnleistung zu erzielen.
Alzheimer und Gedächtnisverlust
Tierstudien zeigen, dass die Löwenmähne und darin enthaltene Extrakte die Symptome des Gedächtnisverlusts bei Mäusen reduzieren und neuronale Schäden verhindern können, die durch Alzheimer-Plaques verursacht werden. Dies macht die Löwenmähne zu einem vielversprechenden Kandidaten für die Erforschung von Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen.
Depressionen und Angstzustände
Die Entstehung von Depressionen und Ängsten kann durch viele Faktoren begünstigt werden, darunter chronische Entzündungen, eine eingeschränkte Neuroplastizität und ein Mangel an Neurotransmittern. Studien haben gezeigt, dass die Löwenmähne hier positive Effekte erzielen kann. Eine Studie an Frauen in den Wechseljahren zeigte, dass der tägliche Verzehr von Keksen, die den Pilz enthielten, zu weniger depressiven Symptomen und Angstgefühlen führte als Placebo-Kekse. Auch eine italienische Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass die Löwenmähne Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen verbesserte.
Weitere gesundheitliche Vorteile
Neben den positiven Auswirkungen auf das Gehirn hat die Löwenmähne auch andere gesundheitliche Vorteile:
Verbesserung des Hörvermögens
Eine taiwanesische Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass die Löwenmähne, vor allem durch seine antioxidative Wirkung, in der Lage ist, den Hörverlust bei Menschen zwischen 50 und 79 Jahren zu verbessern. Auch die Serumkonzentration des neurotrophen Faktors NGF erhöhte sich bei Menschen über 65 Jahren signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe.
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Unterstützung des Verdauungssystems
Mehrere Studien belegen, dass sich die Löwenmähne positiv auf das Verdauungssystem auswirken kann. So kann der Pilz etwa dabei helfen, Magengeschwüre zu verhindern. Eine norwegische Studie an Patienten mit Colitis ulcerosa zeigte, dass ein Arzneimittel mit Löwenmähnen-Extrakt nach drei Wochen zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität führte.
Förderung einer gesunden Darmflora
Die Löwenmähne kann die Artenvielfalt der Bakterien in der Darmflora erhöhen und die Häufigkeit von Bakterien fördern, die kurzkettige Fettsäuren produzieren. Gleichzeitig kann die Einnahme des Pilzes zu einer Reduktion von Darmbakterien führen, die mit der Entstehung von Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Ein gesunder Darm ist essentiell für ein starkes Immunsystem.
Herzgesundheit
Der Extrakt der Löwenmähne kann sich positiv auf einige der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen auswirken. Zellstudien ergaben, dass Löwenmähnen-Extrakt dazu beitragen kann, die Oxidation des LDL-Cholesterins im Blutkreislauf zu verhindern.
Blutzuckersenkende Wirkung
Die Löwenmähne kann die Aktivität des Enzyms Alpha-Glucosidase blockieren und somit den Blutzuckerspiegel senken. Dies könnte für die Behandlung von Typ-2-Diabetes von Bedeutung sein.
Nebenwirkungen und Dosierung
Studien zufolge hat die Löwenmähne nur selten und wenige Nebenwirkungen. In einer Studie berichteten lediglich einige Teilnehmer von Bauchbeschwerden, Übelkeit und Hautausschlag. Tierstudien zeigten, dass selbst hohe Dosen keine unerwünschten Wirkungen hervorriefen. Wer jedoch allergisch auf Pilze reagiert, sollte die Löwenmähne meiden.
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Es gibt keine Standarddosierung für die Löwenmähne, die für alle Menschen gilt. Um die kognitive Funktion zu verbessern, empfehlen Forscher 3-5 g des getrockneten Fruchtkörpers pro Tag einzunehmen.
Anwendung und Zubereitung
Die Löwenmähne ist vielseitig einsetzbar:
- In der Küche: Der Pilz kann als Fleischersatz verwendet werden und ist eine leckere Zutat für Risotto, Pasta oder Suppe.
- Als Pulver: Löwenmähnen-Pulver kann in heißes Wasser, Tee, Kaffee, Smoothies oder in Speisen eingerührt werden.
- Als Kapseln: Es gibt Kapseln, die entweder Pulver aus dem Fruchtkörper, Pulver aus dem Myzel oder eine Mischung aus beiden Pulverarten enthalten, sowie Kapseln mit Pilzextrakt.
Forscher sind der Meinung, dass die Löwenmähne am besten frisch verzehrt werden sollte, da durch die Verarbeitung und Erhitzung die positive Wirkung auf das Nervensystem beeinträchtigt werden kann.
Zucht der Löwenmähne
Mit etwas Geduld kann die Löwenmähne auch selbst gezüchtet werden. Die Zucht erfordert jedoch spezielle Bedingungen hinsichtlich Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
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