Ambulante Lumbalpunktion in Bochum: Informationen und Perspektiven

Die Lumbalpunktion ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie. Dabei wird Liquor (Nervenwasser) aus dem Rückenmarkkanal entnommen, um verschiedene Erkrankungen des Nervensystems zu diagnostizieren. Dieser Artikel beleuchtet die ambulante Durchführung der Lumbalpunktion, insbesondere im Kontext von Bochum, und gibt Einblicke in die verschiedenen Aspekte dieses Verfahrens.

Einführung in die Lumbalpunktion

Das zentrale Nervensystem, bestehend aus Gehirn und Rückenmark, ist von einer Flüssigkeit, dem Liquor cerebrospinalis, umgeben. Diese Flüssigkeit schützt und nährt das Nervensystem. Die Lumbalpunktion ermöglicht die Entnahme von Liquor zur Untersuchung. Die Untersuchung des Liquors ist von entscheidender Bedeutung bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des Nervensystems.

Ablauf einer Lumbalpunktion

Die Untersuchung wird entweder im Sitzen oder im Liegen durchgeführt. Dabei werden alle hygienischen Maßnahmen wie Desinfektion, Verwendung steriler Handschuhe und Nadeln berücksichtig. Der Patient nimmt eine gekrümmte Haltung ein, oft als "Katzenbuckel" bezeichnet, mit nach vorn gezogenen Schultern und abgesenktem Kopf. Der Arzt führt die Nadel zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbelkörper ein. Das normalerweise klare und dünnflüssige Nervenwasser wird in mehrere Probenröhrchen abgelassen. Danach wird die Nadel wieder entfernt und ein steriler Verband angelegt. Der Patient hält anschließend Bettruhe ein. Es werden etwa 5-10 ml entnommen, eine geringe Menge, die innerhalb kürzester Zeit wieder nachgebildet wird.

Indikationen für eine Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion wird bei verschiedenen neurologischen Fragestellungen eingesetzt, darunter:

  • Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems: Zum Beispiel Multiple Sklerose oder Meningitis. Spezielle Untersuchungen des Liquoreiweißes sind wesentlich für die Diagnose der multiplen Sklerose.
  • Demenzielle Erkrankungen: Zur Unterscheidung verschiedener Demenzerkrankungen.
  • Druckmessung: Messungen des Liquordrucks sind möglich und geben Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen.
  • Medikamentengabe: Mittels einer Lumbalpunktion können Medikamente direkt in das Nervenwasser gegeben werden.

Ambulante Lumbalpunktion in Bochum

Die ambulante Lumbalpunktion bietet Patienten die Möglichkeit, die Untersuchung in einer Praxis oder einem medizinischen Versorgungszentrum durchführen zu lassen, ohne einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus zu benötigen. Das medizinische Versorgungs-Zentrum für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie von Dr. med. E. Mirzaian und F. Köhler in Herne bietet beispielsweise die ambulante Lumbalpunktion nach ausführlicher Aufklärung und schriftlicher Einwilligung an. In speziellen Situationen kann es aber auch erforderlich sein, die Untersuchung stationär in einer Klinik durchführen zu lassen.

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Die Gemeinschaftspraxis Dres. med. Thorsten Kleinfeld und Bernd Dietrich führten die Liquorpunktion circa 50-mal jährlich ambulant durch. Sie argumentierten, dass es bei der von ihnen angewandten Methode viel seltener zu postpunktuellen Kopfschmerzen käme, als bei stationär durchgeführten Punktionen.

Vorteile der ambulanten Lumbalpunktion

  • Kürzere Behandlungsdauer: Die ambulante Durchführung spart Zeit und reduziert die Belastung für den Patienten.
  • Geringere Kosten: Die ambulante Lumbalpunktion ist in der Regel kostengünstiger als ein stationärer Aufenthalt. Die Gemeinschaftspraxis Dres. med. Thorsten Kleinfeld und Bernd Dietrich argumentierten, dass die ambulante Durchführung bei niedrigen Materialkosten und kurzer Behandlungsdauer den Kassen viel Geld spare, weil die Durchschnittskosten für eine stationäre Lumbalpunktion mit Folgekosten weit mehr als 500 Euro pro Patient betrügen.
  • Weniger postpunktuelle Kopfschmerzen: Einige Ärzte berichten, dass bei der ambulanten Durchführung seltener Kopfschmerzen nach der Punktion auftreten.
  • Erhalt der Lebensqualität: Ambulante Behandlungen ermöglichen es den Patient:innen, ihre Lebensqualität weitgehend zu bewahren, im gewohnten Umfeld zu bleiben und unter Umständen sogar ihrem Beruf nachzugehen.

Rechtliche Aspekte und Sprechstundenbedarf

Die Regelungen der Sprechstundenbedarfsordnung halten viele Ärzte nicht für sinnvoll. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass es in Arztpraxen zu Verordnungen kommen kann, die nach der geltenden Sprechstundenbedarfsvereinbarung unzulässig sind. Im Fall der Gemeinschaftspraxis Dres. med. Thorsten Kleinfeld und Bernd Dietrich ging es um unzulässige Sprechstundenbedarfsartikel im Wert von 823,57 Euro für das Quartal I bis IV 1999. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Krankenkassen in Westfalen-Lippe hatte bei ihrer jährlichen Überprüfung der Sprechstundenbedarfsverordnungen der Arztpraxen auf Artikel wie Sterican-Kanülen, sterile Handschuhe, Einmalspritzen, Kolben und Pajunk-Kanülen gestoßen, die nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), A1, Punkt 2, 3. Spiegelstrich, bereits in den berechnungsfähigen Leistungen enthalten sind. Die Neurologen waren zwar bereit, die Preise für Kanülen und Spritzen umgehend zu bezahlen, weigerten sich jedoch gegen die Übernahme der Kosten für die sterilen Handschuhe und die Pajunk-Kanülen in Höhe von 455 Euro. Begründung: Diese hätten sie für so genannte Liquorpunktionen benötigt, eine Untersuchung des Nervenwassers im Rückenmark der Patienten. Bei dieser speziellen Untersuchung werde der Patient in der Regel stationär eingewiesen. Als Praxisbesonderheit führten sie die Liquorpunktion jedoch circa 50-mal jährlich ambulant durch. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass es bei der von ihnen angewandten Methode viel seltener zu postpunktuellen Kopfschmerzen käme.

Weitere neurologische Leistungen in Bochum und Umgebung

Neben der Lumbalpunktion bieten neurologische Praxen und Kliniken in Bochum und Umgebung ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen an. Dazu gehören:

  • Elektroenzephalographie (EEG): Hierbei wird über Elektroden, die auf die Kopfhaut aufgesetzt werden, die elektrische Aktivität des Gehirns fortlaufend aufgezeichnet.
  • Doppler-Sonografie: Mit einer Mess-Sonde, die Schallwellen aussendet und empfängt, kann die Geschwindigkeit des fließenden Blutes in den großen Hals- und Hirngefäßen aufgezeichnet werden.
  • Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP): Durch optische, akustische, elektrische oder magnetische Reize werden an den entsprechenden Nervenbahnen oder den zugehörigen Muskeln Reizantworten ausgelöst.
  • Elektro-Neurographie (ENG): Eine Untersuchung der Nervenleitung an peripheren Nerven.
  • Videoendoskopische Untersuchung des Schluckvorgangs: Ermöglicht die genaue Beurteilung des Schluckvorgangs bei Schluckstörungen.
  • Magnetstimulation: Mit einer Magnetspule werden die motorischen Zentren im Bereich des Gehirns oder des Rückenmarkes stimuliert.
  • Psychologische Testung: Zur Abklärung von Gedächtnisstörungen oder anderen Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit.

Das Katholische Klinikum Bochum (KKB) bietet eine umfassende neurologische Versorgung, einschließlich einer zertifizierten Stroke Unit und spezialisierter Ambulanzen für Multiple Sklerose, Parkinson und andere Bewegungsstörungen. Das KKB kooperiert auch mit dem Talentwerk des VfL Bochum 1848 und bietet internistische und orthopädische Vorsorgeuntersuchungen für Jugendspieler an.

Spezialisierte Zentren und Ambulanzen in Bochum

In Bochum und Umgebung gibt es mehrere spezialisierte Zentren und Ambulanzen für neurologische Erkrankungen:

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  • MS-Zentrum: Das KKB ist ein ausgewiesenes MS-Zentrum und bietet ambulante spezialfachärztliche Versorgung für Multiple Sklerose.
  • Parkinson-Spezialambulanz: Das KKB bietet eine Parkinson-Spezialambulanz unter der Leitung langjährig erfahrener Fachoberärzte.
  • Huntington Zentrum NRW: Die Neurologen des KKB forschen seit fast 20 Jahren im Huntington Zentrum NRW.
  • Gedächtnissprechstunde: Die Neurologie des KKB bietet eine Gedächtnissprechstunde an, um frühzeitig klinisch relevante kognitive Defizite zu erkennen.
  • Albrecht-Kossel-Institut Rostock: Ein überregionales akademisches ALS Zentrum, welches ca. 100 Patienten mit ALS und Frontotemporalen Demenzen/Jahr betreut.

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