Die Lumbalpunktion, auch bekannt als Spinalpunktion oder Nervenwasserentnahme, ist ein medizinisches Verfahren, bei dem Liquor cerebrospinalis (Nervenwasser) zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken entnommen wird. Dieser Artikel beleuchtet die Details der Lumbalpunktion, ihre Anwendungsbereiche und die Erfahrungen, die in Marburg mit diesem Verfahren gemacht wurden.
Was ist eine Lumbalpunktion?
Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser, auch Rückenmarksflüssigkeit oder Liquor genannt, zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken. Liquor ist eine normalerweise klare Flüssigkeit und befindet sich in einem Hohlraumsystem zwischen zwei Hirnhäuten. Dieser Raum wird bei der Lumbalpunktion mit einer Nadel punktiert. Dies geschieht im unteren Lendenwirbelbereich. Der Arzt untersucht das gewonnene Nervenwasser, um bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel Entzündungen, Multiple Sklerose oder Demenz zu diagnostizieren oder auszuschließen.
Wann ist eine Lumbalpunktion notwendig?
Die Entnahme und Untersuchung von Nervenwasser erfolgt in der Regel zur Bestätigung oder zum Ausschluss verschiedener Diagnosen. Die Liquorpunktion ist, neben einer Hirnbiopsie, die einzige Methode, um Entzündungen im zentralen Nervensystem nachzuweisen. Lumbalpunktionen kommen vornehmlich in der Neurologie, Psychiatrie und Neurochirurgie zum Einsatz.
Abgewandelte Formen der Lumbalpunktion werden auch in der Anästhesie verwendet. Spinal- oder Periduralanästhesien werden via Lumbalpunktion durchgeführt. Jedoch wird hier kein Nervenwasser entnommen, sondern ein lokales Schmerzmittel injiziert. Abgewandelte Formen der Lumbalpunktion kommen auch in der Anästhesie vor, dann im Rahmen einer Spinal- oder Periduralanästhesie, zum Beispiel in der Geburtshilfe.
Ablauf einer Lumbalpunktion
Bevor es losgeht, wird der Arzt ausführlich mit Ihnen sprechen und Sie über den Ablauf und die Risiken sowie mögliche Alternativen zur Lumbalpunktion informieren. Die Punktion erfolgt entweder im Rahmen eines stationären Aufenthaltes oder beim niedergelassenen Arzt. Die Untersuchung findet unter keimfreien Bedingungen statt.
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Der Arzt tastet zunächst die Wirbelkörper ab, um den Raum zwischen zwei Wirbeln zu finden. Dies geht am besten, wenn der Rücken gekrümmt ist, wie beim Katzenbuckel. Sobald die Einstichstelle, welche zwischen dem 3. und 5. Lendenwirbelkörper lokalisiert ist, gefunden wurde, wird diese desinfiziert. Nach erfolgter Desinfektion kann ein lokales Schmerzmittel verabreicht werden, um die Einstichstelle schmerzunempfindlich zu machen. Danach führt der Arzt eine Nadel zwischen den Wirbelfortsätzen hindurch in den Liquorkanal ein. Nerven und Rückenmark werden hierbei nicht verletzt, da die Nervenenden weiter oben enden und das Rückenmark von den Wirbelkörpern geschützt wird.
Es wird empfohlen, mindestens 10 ml Liquor zu entnehmen, um Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden. Es kann jedoch auch etwas mehr oder weniger sein, je nachdem welche Untersuchungen angeordnet wurden. Wenn ausreichend Nervenwasser entnommen wurde, wird die Nadel entfernt und die Punktionsstelle verbunden. In der Regel sind ein paar sterile Kompressen mit einem großen Pflaster ausreichend. Nach der Untersuchung ist Ruhe sinnvoll, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Es wird empfohlen, viel Wasser zu trinken. Wenn nötig, kann Ihr Arzt auch Medikamente verschreiben, um die Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, zu reduzieren. Trinken Sie keinen Alkohol und schonen Sie sich.
Was wird bei der Untersuchung des Nervenwassers bestimmt?
Das entnommene Nervenwasser wird von einem Labor untersucht. Was genau bestimmt wird, hängt von dem vermuteten Krankheitsbild ab. Einen ersten Hinweis kann schon die Farbe des Liquors geben. Ist er blutig, liegt oft eine Blutung vor. Im Labor werden in der Regel die Zellen, welche im Liquor sind, untersucht. Bei einer Demenzabklärung wird nach besonderen Eiweißen geschaut. Was genau im Nervenwasser untersucht wird, ist individuell und hängt mit der jeweiligen Symptomatik zusammen.
Risiken und Komplikationen
Wie jede Untersuchung birgt auch die Lumbalpunktion Risiken und kann zu Komplikationen führen. Diese sind jedoch im Normalfall äußerst selten. Da bei der Lumbalpunktion eine Nadel durch die Haut in den Liquorraum geführt wird, kann es in seltenen Fällen zu einer Entzündung der Einstichstelle oder auch des Liquorraumes führen.
In einigen Fällen kommt es nach der Entnahme von Nervenwasser zu Kopfschmerzen. Dieser sogenannte postpunktionelle Kopfschmerz geht in der Regel mit ausreichend Ruhe und Flüssigkeitszufuhr weg und dauert nur wenige Stunden. Wenn Sie unter Blutgerinnungsstörungen leiden oder Blutverdünner einnehmen, besteht das Risiko einer Blutung nach erfolgter Punktion. Daher ist es wichtig, den behandelnden Arzt auf diese Medikamente oder Vorerkrankungen hinzuweisen, damit entsprechende Vorkehrungen getroffen werden können und eine Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen kann. Gegebenenfalls können Blutverdünner abgesetzt oder durch andere Medikamente ersetzt werden.
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Darüber hinaus kann es zu Schmerzen an der Einstichstelle oder zur kurzzeitigen Irritation von Nervenenden kommen, welches sich durch Kribbeln in einem oder beiden Beinen bemerkbar macht.
Lumbalpunktion bei speziellen Patientengruppen
Kinder
Eine Lumbalpunktion ist auch bei Kindern möglich. Der Kinderarzt wird Sie genau informieren, warum die Untersuchung bei Ihrem Kind notwendig ist und wie genau der Ablauf sein wird. Je nach Alter des Kindes gibt es verschiedene Optionen der Schmerzbehandlung.
Schwangere
Wie mit jeder Untersuchung in der Schwangerschaft muss eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Lassen Sie Ihren Arzt wissen, dass Sie schwanger sind, insbesondere wenn die Schwangerschaft noch nicht sichtbar ist. Viele Schwangere entscheiden sich während der Geburt für eine Periduralanästhesie. Dies ist eine abgewandelte Form der Lumbalpunktion, da Schmerzmittel in den Liquorraum injiziert werden.
Erfahrungen mit Lumbalpunktionen in Marburg
Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) am Standort Marburg ist ein Zentrum für die Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen. Die Klinik verfügt über eine moderne Infrastruktur und ein erfahrenes Team von Ärzten und Pflegekräften.
Kompetenz und Engagement des medizinischen Personals
Patienten berichten von einer hohen fachlichen Kompetenz und einem großen Engagement der Ärzte und des Pflegepersonals in der Neurologischen Klinik in Marburg. Besonders hervorgehoben wird die umfassende Diagnostik und die individuelle Betreuung der Patienten.
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Moderne Ausstattung und gute Organisation
Die Klinik ist modern ausgestattet und die Abläufe sind gut organisiert. Patienten fühlen sich gut versorgt und die medizinische Behandlung erfolgt in selbstverständlicher Weise. Auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachbereichen, wie Neurologie, Gastroenterologie und Ökotrophologie, wird positiv hervorgehoben.
Positive Erfahrungen trotz schwieriger Umstände
Auch in schwierigen Situationen, wie z.B. bei Notfallaufnahmen oder während der Corona-Pandemie, wird die hohe Qualität der medizinischen Versorgung und die Freundlichkeit des Personals gelobt.
Kritikpunkte
Vereinzelt gibt es Kritik an der Kommunikation mit Angehörigen und an den Wartezeiten in der Notaufnahme. Auch die spartanische Ausstattung einiger Bereiche der Klinik wird bemängelt.
Die Rolle der Lumbalpunktion in der Alzheimer-Diagnostik in Marburg
Am Kreiskrankenhaus Frankenberg wird die Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers im Rahmen der Alzheimer-Diagnostik eingesetzt. Die gewonnenen Proben werden in spezialisierte externe Labore zur Analyse spezifischer Marker geschickt. Es wird angestrebt, die Kooperationen mit regionalen Kliniken zur Steigerung der Qualität der Patientenversorgung auszubauen.
Aktuelle Entwicklungen in der Alzheimer-Therapie
Ein Workshop in der Kreisklinik Frankenberg informierte über neue verlaufsmodifizierende Therapieansätze in der Alzheimer-Behandlung. Ein neues Präparat, das im September 2025 für den europäischen Markt zugelassen wurde, ist ein monoklonaler Antikörper, der gezielt gegen lösliche Beta-Amyloid-Protofibrillen gerichtet ist. Dieser Antikörper kann das Fortschreiten der Erkrankung merklich hinauszögern, aber nicht verhindern.
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