Lumbalpunktion: Risiken, Anwendung und Bedeutung bei der Diagnose von Bewusstseinsstörungen und neurologischen Erkrankungen

Einführung

Die Lumbalpunktion, auch bekannt als Spinalpunktion, ist ein medizinisches Verfahren, bei dem eine Nadel in den Wirbelkanal im unteren Rücken eingeführt wird, um Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) zu entnehmen. Diese Flüssigkeit umgibt und schützt das Gehirn und das Rückenmark. Die Lumbalpunktion dient sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Zwecken und ist ein wichtiges Instrument bei der Untersuchung von Bewusstseinsstörungen und verschiedenen neurologischen Erkrankungen.

Bewusstseinsstörungen und ihre Ursachen

Das Bewusstsein ermöglicht es dem Menschen, seine eigene Existenz zu reflektieren und mit der Umgebung zu interagieren. Es kann quantitativ (Bewusstseinsgrad, Wachheit) und qualitativ (Bewusstseinsinhalt) beschrieben werden. Bewusstseinsstörungen reichen von leichter Verwirrtheit bis hin zum Koma, dem tiefsten Zustand der Bewusstlosigkeit.

Koma

Koma bezeichnet die stärkste Ausprägung einer quantitativen Bewusstseinsstörung und geht einher mit dem Verlust aller kognitiven Leistungen, dem Verlust der elektiven Reagibilität und dem Fehlen der Erweckbarkeit. Koma kann durch strukturelle, toxische, metabolische und entzündliche Ursachen sowie durch epileptische Aktivität verursacht werden.

Andere Bewusstseinszustände

Das Kontinuum der Wachheitsgrade reicht von Wachheit über Somnolenz, Sopor bis zum Koma, wobei die Begriffe „Somnolenz“ und „Sopor“ nur unscharf definiert sind. Der Stupor wird z. B. bei psychiatrischen Erkrankungen beobachtet (depressiver Stupor, katatoner Stupor), kommt aber auch bei neurologischen Erkrankungen vor, z. B. dem Status epilepticus non-convulsivus.

Diagnostik bei Bewusstseinsstörungen

Die initiale Diagnostik und Behandlung muss zügig erfolgen. Nach Sicherung der Vitalfunktionen erfolgt die Suche nach der Ursache des Komas. Unbedingt muss eine Fremdanamnese erhoben werden, die frühere Krankheiten, derzeitige Medikation, zeitliche Dynamik der Komaentstehung und Beschwerden in der unmittelbaren Vorgeschichte umfasst. Es schließt sich eine kurze allgemeine und neurologische Untersuchung an.

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Indikationen für eine Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion wird in verschiedenen klinischen Situationen eingesetzt, darunter:

  • Diagnose von Infektionen des zentralen Nervensystems: Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Gehirnentzündung) können durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht werden. Die Analyse des Liquors ermöglicht die Identifizierung des Erregers und die Einleitung einer gezielten Therapie.
  • Diagnose von Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems: Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden der Nervenfasern angreift. Die Lumbalpunktion kann bei der Diagnose von MS helfen, indem sie spezifische Antikörper im Liquor nachweist.
  • Diagnose von Blutungen im Gehirn: Subarachnoidalblutungen sind Blutungen zwischen den Hirnhäuten. Die Lumbalpunktion kann bei der Diagnose von Subarachnoidalblutungen helfen, wenn bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) keine eindeutigen Ergebnisse liefern.
  • Diagnose von Tumoren des zentralen Nervensystems: Tumorzellen können sich im Liquor nachweisen lassen und so zur Diagnose von Hirntumoren oder Meningeosis carcinomatosa beitragen.
  • Abklärung von Bewusstseinsstörungen: Bei unklarer Ursache einer Bewusstseinsstörung kann die Lumbalpunktion helfen, Infektionen, Entzündungen oder andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems auszuschließen oder zu bestätigen.
  • Therapeutische Zwecke: In einigen Fällen wird die Lumbalpunktion zur Verabreichung von Medikamenten direkt in den Liquorraum eingesetzt, z. B. bei der Behandlung von Leukämie oder Meningitis.

Durchführung einer Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion wird in der Regel von einem Arzt in einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis durchgeführt. Der Patient liegt dabei auf der Seite oder sitzt aufrecht mit nach vorne gebeugtem Oberkörper. Nach Desinfektion der Punktionsstelle wird eine Lokalanästhesie durchgeführt, um Schmerzen zu minimieren. Anschließend wird eine dünne Nadel zwischen zwei Lendenwirbeln in den Wirbelkanal eingeführt. Sobald die Nadel den Liquorraum erreicht hat, wird der Liquordruck gemessen und eine bestimmte Menge Liquor entnommen. Nach Entfernung der Nadel wird die Punktionsstelle mit einem Pflaster versorgt.

Risiken und Komplikationen einer Lumbalpunktion

Wie bei jedem medizinischen Eingriff birgt auch die Lumbalpunktion bestimmte Risiken und Komplikationen:

  • Postpunktioneller Kopfschmerz: Dies ist die häufigste Komplikation und tritt bei etwa 10-30 % der Patienten auf. Der Kopfschmerz wird durch den Verlust von Liquorflüssigkeit verursacht und verschlimmert sich im Stehen oder Sitzen. In den meisten Fällen klingt der Kopfschmerz innerhalb weniger Tage von selbst ab.
  • Blutung: In seltenen Fällen kann es an der Punktionsstelle zu einer Blutung kommen. Diese Blutung ist in der Regel geringfügig und stoppt von selbst.
  • Infektion: Eine Infektion an der Punktionsstelle ist sehr selten, kann aber schwerwiegende Folgen haben.
  • Nervenschädigung: Eine Nervenschädigung ist eine sehr seltene Komplikation, kann aber zu Schmerzen, Taubheit oder Schwäche in den Beinen führen.
  • Hirnhernie: Bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck kann die Lumbalpunktion zu einer Hirnhernie führen, einer lebensbedrohlichen Komplikation, bei der Hirngewebe durch eine Öffnung im Schädel verdrängt wird.

Kontraindikationen für eine Lumbalpunktion

In bestimmten Situationen ist eine Lumbalpunktion kontraindiziert oder sollte nur mit Vorsicht durchgeführt werden:

  • Erhöhter Hirndruck: Bei Patienten mit Verdacht auf erhöhten Hirndruck sollte vor der Lumbalpunktion eine Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) durchgeführt werden, um eine Hirnhernie auszuschließen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen an der Punktionsstelle.
  • Infektionen an der Punktionsstelle: Bei Infektionen an der Punktionsstelle sollte die Lumbalpunktion vermieden werden, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern.
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann die Lumbalpunktion zu Komplikationen führen.

Interpretation der Liquoranalysen

Die Analyse des Liquors umfasst verschiedene Parameter, die wichtige Informationen über den Zustand des zentralen Nervensystems liefern:

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  • Zellzahl: Eine erhöhte Zellzahl deutet auf eine Entzündung oder Infektion hin.
  • Proteingehalt: Ein erhöhter Proteingehalt kann auf eine Entzündung, Infektion oder Blutung hindeuten.
  • Glukosegehalt: Ein niedriger Glukosegehalt kann auf eine bakterielle Meningitis hindeuten.
  • Laktatgehalt: Ein erhöhter Laktatgehalt kann auf eine bakterielle Meningitis oder eine andere Stoffwechselstörung hindeuten.
  • Spezifische Antikörper: Der Nachweis von spezifischen Antikörpern kann bei der Diagnose von Autoimmunerkrankungen wie MS helfen.
  • Erregernachweis: Der Nachweis von Bakterien, Viren oder Pilzen ermöglicht die Diagnose von Infektionen des zentralen Nervensystems.
  • Zytologie: Die zytologische Untersuchung des Liquors kann Tumorzellen nachweisen.

Bedeutung der Lumbalpunktion bei der Diagnose neurologischer Erkrankungen

Die Lumbalpunktion ist ein wertvolles diagnostisches Instrument bei der Abklärung verschiedener neurologischer Erkrankungen. Sie ermöglicht die Analyse des Liquors, der wichtige Informationen über den Zustand des zentralen Nervensystems liefert. Die Lumbalpunktion kann bei der Diagnose von Infektionen, Entzündungen, Blutungen, Tumoren und Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems helfen.

Lumbalpunktion bei Multipler Sklerose (MS)

Die Lumbalpunktion spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von MS. Der Nachweis von oligoklonalen Banden im Liquor, spezifischen Antikörpern, unterstützt die Diagnose.

Lumbalpunktion bei der Parkinson-Krankheit

Seit langer Zeit wird jedoch daran geforscht, wie eine Früherkennung sicher möglich ist. Es ist bereits gelungen, die Krankheit durch eine Untersuchung des Nervenwassers zu erkennen. Dies wurde bei einer Lumbalpunktion gewonnen, wofür eine Nadel in den Wirbelkanal im unteren Rücken eingeführt wurde. Bei von der Parkinson-Krankheit Betroffenen konnte im Nervenwasser ein fehlgefaltetes Eiweiß namens alpha-Synuclein gefunden werden. Wenn es falsch gefaltet ist, verklumpt es und lagert sich an den Nervenzellen ab, deren Funktion es beeinträchtigt.

Lumbalpunktion bei der ALS

Tofersen-Therapie: Die Tofersen-Behandlung erfolgt durch eine Lumbalpunktion. Die Behandlung erfordert eine wiederholte Gabe des Medikamentes mit einer Injektion im Abstand von einem Monat. Die Therapie wird ambulant durchgeführt und allgemein gut vertragen.

Lumbalpunktion bei Psychosen

Alle Patienten, die zu mir in die Klinik kommen, bekommen das Angebot, dass wir ein ganz genaues Bild vom Gehirn machen, eine Kernspintomographie. Wir raten auch immer dazu, bei einer Psychose eine Nervenwasseruntersuchung zu machen, eine sogenannte Lumbalpunktion. All das dient dazu, um seltene andere Erkrankungen auszuschließen, die auch zu einer Psychose führen können.

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Alternative Diagnosemethoden

Obwohl die Lumbalpunktion ein wichtiges diagnostisches Instrument ist, gibt es auch alternative Methoden, die in bestimmten Situationen eingesetzt werden können:

  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) können detaillierte Bilder des Gehirns und des Rückenmarks liefern und helfen, strukturelle Veränderungen wie Tumoren, Blutungen oder Entzündungen zu erkennen.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann bei der Diagnose von Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen hilfreich sein.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können bei der Diagnose von Infektionen, Entzündungen und Stoffwechselstörungen hilfreich sein.

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