Lupus Erythematodes: Ursachen von Taubheitsgefühl und Hautveränderungen

Lupus Erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Dies kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Taubheitsgefühl und Hautveränderungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Lupus Erythematodes, seine Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Lupus Erythematodes?

Bei Lupus Erythematodes handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gesundes Gewebe angreift. Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor Krankheitserregern wie Bakterien und Viren. Bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus richtet es sich jedoch gegen körpereigene Strukturen. Dies führt zu Entzündungen und Schäden in verschiedenen Organen und Geweben.

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) vs. Kutaner Lupus Erythematodes (CLE)

Es gibt zwei Hauptformen von Lupus Erythematodes:

  • Systemischer Lupus Erythematodes (SLE): Diese Form kann den ganzen Körper betreffen, einschließlich Organe, Organsysteme, Gefäße, Haut, Schleimhäute, Bewegungsapparat und Nervensystem.
  • Kutaner Lupus Erythematodes (CLE): Diese Form beschränkt sich ausschließlich auf die Haut.

Es ist wichtig zu beachten, dass bei etwa drei Vierteln der SLE-Patienten auch die Haut betroffen ist, was als SLE mit Hautbeteiligung bezeichnet wird. Außerdem kann ein kutaner Lupus in einen systemischen übergehen, was bei etwa 20 Prozent der CLE-Fälle vorkommt.

Ursachen von Lupus Erythematodes

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Lupus Erythematodes sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenspielen können:

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  • Genetische Veranlagung: Autoimmunerkrankungen wie Lupus, rheumatoide Arthritis und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen treten bei Verwandten von Lupus-Erkrankten häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
  • Hormone: Hormonelle Veränderungen, wie sie in der Pubertät, Schwangerschaft oder bei der Einnahme von Kontrazeptiva auftreten, können mit SLE in Verbindung gebracht werden.
  • Faktoren, die mit dem Immunsystem zusammenhängen: Eine Dysregulation von Enzymen, die für den Abtransport abgestorbener Zellbestandteile verantwortlich sind, wird ebenfalls diskutiert.
  • Infektiologische Faktoren: Virusinfektionen könnten eine Rolle spielen.
  • Umwelteinflüsse: Externe Faktoren wie UV-Bestrahlung, Medikamente und bestimmte Umwelteinflüsse werden in Zusammenhang mit der Entstehung oder Verschlechterung des SLE gesehen.

Risikofaktoren, die beeinflussbar sind

Es gibt zwei Risikofaktoren, die man selbst beeinflussen kann:

  • UV-Strahlung (Sonnenexposition): Sonnenlicht kann den Ausbruch der Krankheit begünstigen oder die Schübe verschlimmern.
  • Rauchen: Rauchen ist ein Risikofaktor für den kutanen Lupus Erythematodes. Es wird ausdrücklich empfohlen, aktives und passives Rauchen zu meiden.

Medikamente als Auslöser

Einige Medikamente können Lupus-ähnliche Symptome hervorrufen. In solchen Fällen verschwinden die Beschwerden zumeist nach dem Absetzen des jeweiligen Medikaments. Zu den häufigsten Medikamenten, die mit dem Auftreten eines SLE in Zusammenhang gebracht werden, gehören:

  • Dihydralazin (Bluthochdruckmedikament)
  • Chinidin und Procainamid (Medikamente bei Herzrhythmusstörungen)
  • Phenytoin (ein Medikament zur Behandlung von Epilepsie)
  • Isoniazid (ein Antibiotikum, das in der Therapie der Tuberkulose verwendet wird)
  • D-Penicillamin (Behandlung der rheumatoiden Arthritis)

Symptome von Lupus Erythematodes

Die Symptome von Lupus Erythematodes können sehr vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie können plötzlich oder eher langsam einsetzen und in wechselnden Schüben auftreten oder konstant aktiv über viele Jahre verlaufen.

Häufige Symptome

Zu den häufigen Symptomen gehören:

  • Hautveränderungen:
    • Schmetterlingserythem: Schmetterlingsförmige Rötung, die sich ausgehend vom Nasenrücken spiegelsymmetrisch auf die Wangen ausweitet.
    • Scheibenförmige und gerötete Erhebungen (Plaques).
    • Rötung oder Verdunklung der Haut.
    • Lichtempfindlichkeit oder Überempfindlichkeit der Haut gegen Druck.
    • Verhornung.
    • Hautknötchen.
    • Schwellungen.
    • Geschwüre in der Mundschleimhaut.
    • Haarausfall.
  • Gelenkbeschwerden:
    • Steife Gelenke, Gelenkschmerzen und -entzündungen.
  • Allgemeine Symptome:
    • Schlappheit und Muskelschmerzen.
    • Fieber, Fatigue und ungewollter Gewichtsverlust.
    • Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen.
  • Weitere Symptome:
    • Bei Herz- oder Lungenbefall kann eine schmerzhafte Entzündung des Lungenfells oder des Herzbeutels auftreten.
    • Krampfhafte Verengung der Blutgefäße in Fingern und Zehen mit Farbveränderungen (Raynaud-Syndrom).
    • Befall der Nieren, der oft keine Beschwerden verursacht, aber mittels einer Laboruntersuchung festgestellt werden kann.

Neuropsychiatrische Symptome (NPSLE)

Wenn der Lupus das Nervensystem angreift, kann dies zu einer Vielzahl von neuropsychiatrischen Symptomen führen. Diese können leicht bis schwer sein und umfassen:

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  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Epileptische Anfälle
  • Psychosen
  • Sehstörungen
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Schlaganfall
  • Entzündung des Rückenmarks, die zu Bewegungsstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Lähmungen führen kann
  • Kognitive Beeinträchtigungen wie Gedächtnisprobleme oder Schwierigkeiten beim Planen und Organisieren
  • Entzündung der Hirnhäute (in seltenen Fällen)
  • Polyneuropathien, die zu Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen führen können

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle neurologischen Beschwerden automatisch im Zusammenhang mit Lupus stehen. Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Kribbeln, Depressionen oder kognitive Störungen können auch durch andere Faktoren verursacht werden.

Raynaud-Syndrom

Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die häufig in Verbindung mit SLE auftritt. Es ist gekennzeichnet durch anfallsartige Gefäßkrämpfe, die meist in den Fingern, seltener in den Zehen auftreten. Diese Krämpfe führen zu einer verminderten Durchblutung, wodurch sich die betroffenen Körperteile zunächst blass und dann blau färben. Viele Betroffene leiden unter Missempfindungen, Taubheitsgefühlen und Schmerzen.

Diagnose von Lupus Erythematodes

Die Diagnose von SLE ist nicht einfach, da die Erkrankung oft schleichend beginnt und jeder Betroffene unterschiedliche Symptome hat, die anderen Krankheitsbildern ähneln können.

Untersuchungen und Diagnoseverfahren

Wenn der Verdacht auf SLE besteht, erfolgt die Überweisung an einen Rheumatologen oder eine Rheumatologin. Er oder sie können verschiedene Untersuchungen veranlassen:

  • Blutuntersuchungen: Es können im Blut Antikörper nachgewiesen werden, die allerdings auch bei anderen Autoimmunerkrankungen vorkommen können.
  • Gewebeproben: Gegebenenfalls werden Gewebeproben entnommen und untersucht.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall oder Röntgen können zur Beurteilung der Organbeteiligung eingesetzt werden.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Das wichtigste bildgebende Verfahren, um mögliche Veränderungen im Gehirn oder Rückenmark sichtbar zu machen.
  • EEG (Hirnstrommessung): Wird durchgeführt, wenn Krampfanfälle oder andere elektrische Störungen im Gehirn vermutet werden.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Diese Untersuchung zeigt, wie gut die Nerven Reize weiterleiten.
  • Lumbalpunktion (Untersuchung des Nervenwassers): Hierbei wird etwas Nervenwasser aus dem Wirbelkanal im unteren Rückenbereich entnommen, um festzustellen, ob eine Entzündung im Gehirn oder Rückenmark vorliegt.
  • Kapillarmikroskopie: Untersuchung der kleinsten Gefäße (Kapillaren) der Hände, um beispielsweise eine Sklerodermie als Ursache eines sekundären Raynaud-Syndroms festzustellen.

ARA-Kriterien

Um Ärzten bei der Genauigkeit der Diagnosestellung zu helfen, wurden von der American Rheumatism Association 11 Kriterien (ARA-Kriterien, heute „American College of Rheumathology“, also ARC-Kriterien) entworfen, die in engem Zusammenhang mit den oben genannten Erscheinungen und Symptomen stehen. Wenn vier oder mehr der elf Kriterien erfüllt sind, ist die Diagnose eines SLE sehr wahrscheinlich.

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Behandlung von Lupus Erythematodes

Lupus ist nicht heilbar, aber seine Symptome sind beherrschbar. Eine Behandlung sollte so schnell wie möglich erfolgen. Unbehandelter SLE erhöht das Risiko für Infektionen, die koronare Herzkrankheit, Osteoporose und bösartige Neubildungen.

Therapieansätze

Da die Ausprägungen von kutanem und systemischen Lupus so individuell sind, muss auch die Behandlung an die einzelnen Symptome angepasst werden. Es gibt nicht „die“ Therapieform.

  • Kutaner Lupus: Äußerliche Heilmittel wie Salben mit unterschiedlichen Wirkstoffen, darunter Cortison, kommen zum Einsatz. Auch können Medikamente gegen Malaria in manchen Fällen hilfreich sein. Grundsätzlich wird ein ausreichender Sonnenschutz empfohlen.
  • Systemischer Lupus: Antimalariamittel haben sich als wirksam bei der Symptombekämpfung erwiesen, vor allem in Bezug auf die Haut und den Bewegungsapparat. Zudem üben sie einen schützenden Effekt auf die Nieren aus und können den Krankheitsverlauf abschwächen. Deshalb stellen sie bei SLE die Basismedikation dar, wenn keine Nebenwirkungen auftreten.

Medikamentöse Therapie

Die Therapie des SLE muss innerlich erfolgen. Dies kann mit einem einzigen Präparat oder einer Kombination verschiedener Medikamente erfolgen. Im Wesentlichen stützt sich die Therapie auf vier Substanzgruppen:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Führen zu einer Verringerung der Entzündungsreaktion und der Schmerzen im Bereich der Muskulatur, der Gelenke und anderer Gewebe.
  • Kortikosteroide: Sind in der Reduktion der Entzündungsreaktion wesentlich wirksamer als NSAR und in Phasen stärkerer Krankheitsaktivität in Dosierungen von etwa 1 mg/kg KG Prednisolonäquivalent als initiale Tagesdosis empfohlen.
  • Antimalariamittel: Können die Häufigkeit der Schübe und die Krankheitsaktivität verringern. Es handelt sich um eine Langzeittherapie mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin.
  • Immunsuppressiva: Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Dies sind in erster Linie Azathioprin, Methotrexat, Ciclosporin A und Cyclophosphamid.

Behandlung des Raynaud-Syndroms

Beim Raynaud-Syndrom gilt es, Kälte zu meiden und Wärme zuzuführen. Die Hände mit warmem Wasser zu waschen, kann eine Möglichkeit sein, den Anfall zu lindern. Auch empfiehlt es sich, die Hände zu massieren oder zu bewegen, damit sich die Gefäße schnell wieder weiten.

Zusätzliche Maßnahmen

Patienten mit SLE sollten darauf achten, direkte Sonneinstrahlung zu vermeiden und (gegebenenfalls) das Rauchen unbedingt einstellen, da es selbst bei geeigneter Therapie den Krankheitsverlauf drastisch verschlechtern kann.

Leben mit Lupus Erythematodes

Ein neuropsychiatrischer Lupus kann das Leben ganz schön durcheinanderbringen. Wichtig ist, sich selbst Zeit zu geben und anzuerkennen, dass es in manchen Phasen leichter und in anderen schwieriger ist. Jede kleine Verbesserung ist ein Fortschritt.

Tipps für den Alltag

  • Stress reduzieren: Stress kann die Symptome des Raynaud-Syndroms und des Lupus verschlimmern. Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Meditation und Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Bewegung: Maßvoller Sport bringt großen Nutzen in der Lupus-Therapie. Speziell für die Finger gibt es muskelkräftigendes Fingertraining mit Grip-Trainern.
  • Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, kann möglicherweise helfen.
  • Wärme: Schütze deine Hände, ob es kalt oder auch nur kühl (ab 10° C) ist. Benutze Taschenwärmer. Halte dich und deinen Körper bei niedrigen Temperaturen insgesamt warm.

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