Lustiger Affe, Migräne und die Tücken der Wahrnehmung

Einführung

Die Welt der Primaten ist voller Überraschungen. Von Gorillas, die sich an Lianen drehen, bis hin zu Bonobos, die durch Sex soziale Bindungen stärken, zeigen uns diese faszinierenden Tiere immer wieder neue Perspektiven auf Verhalten und soziale Strukturen. Dieser Artikel beleuchtet kuriose Verhaltensweisen von Affen, die uns zum Nachdenken anregen, und verbindet diese Beobachtungen mit einem Phänomen der menschlichen Wahrnehmung, der sogenannten Unaufmerksamkeitsblindheit, und der oft missverstandenen Krankheit Migräne.

Schwindelerregende Erkenntnisse: Wenn Affen sich im Kreis drehen

In der Welt der Primaten gibt es ein faszinierendes, wenn auch etwas seltsames Verhalten: das absichtliche Drehen um die eigene Achse. Der Psychologe Adriano Lameira von der Universität Warwick stieß bei einer Internetrecherche auf ein Video eines Gorillas, der sich an einer Liane klammerte und sich im Kreis drehte. Dies veranlasste ihn und sein Team, nach weiteren Videos zu suchen. Sie fanden über 40 Filmsequenzen, die Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans zeigten, die sich absichtlich den Gleichgewichtssinn verwirrten.

Dieses Verhalten erinnert an Kinder, die sich drehen, bis ihnen schwindelig wird, oder an Erwachsene, die den Drehschwindel beim Tanzen oder in Jahrmarktattraktionen genießen. Sogar muslimische Derwische nutzen Drehungen, um in eine Art spirituelle Trance zu gelangen.

Die Forscher verglichen die Primaten-Rotationen mit Videos von Ballett-Pirouetten und traditionellen Tänzern. Sie versuchten sogar, sich selbst mit vergleichbaren Frequenzen zu drehen, mussten aber meist schnell aufgeben. Lameira erklärte, dass das Drehen den Bewusstseinszustand verändert. Das Forschungsteam wollte herausfinden, ob das Drehen ein ursprüngliches Verhalten ist, mit dem sich schon unsere Vorfahren in andere Bewusstseinszustände versetzen konnten. Die Auswertung der Videos liefert nun einen Beleg dafür, dass dies wahrscheinlich der Fall war, da alle großen Menschenaffen die künstliche Orientierungslosigkeit suchen.

Es ist wichtig anzumerken, dass die Forscher einen möglichen Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und Langeweile oder einem Mangel an Reizen nicht ausschließen wollen, da die meisten Aufnahmen Tiere in Gefangenschaft zeigen.

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Der unsichtbare Gorilla: Unaufmerksamkeitsblindheit im Alltag

Die menschliche Wahrnehmung ist fehlerhaft, und eine dieser Fehlerquellen ist die sogenannte Unaufmerksamkeitsblindheit. Dieses Phänomen beschreibt die Tatsache, dass wir selbst offensichtliche Dinge übersehen können, wenn unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet ist.

Das berühmteste Beispiel hierfür ist das "Gorilla-Experiment" der Psychologen Christopher Chabris und Daniel Simons. In diesem Experiment wurden Probanden gebeten, die Pässe von Basketballspielern in weißen T-Shirts zu zählen. Währenddessen lief ein Schauspieler im Gorillakostüm durch das Bild. Erstaunlicherweise bemerkte die Mehrheit der Probanden den Gorilla nicht.

Dieses Ergebnis mag zunächst überraschen, aber eine Studie der Psychologin Carina Kreitz von der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigt, dass die Unaufmerksamkeitsblindheit unabhängig von der kognitiven Kapazität auftritt. Das bedeutet, dass selbst Menschen mit hohen geistigen Fähigkeiten anfällig dafür sind, den "Gorilla im Raum" zu übersehen.

Kreitz fand heraus, dass je deutlicher sich ein unerwarteter Reiz vom Fokus der Konzentration unterscheidet, desto leichter entgeht er der Wahrnehmung. Dies liegt daran, dass eine fordernde Aufgabe den Fokus verengt und das Gehirn gezwungen ist, alle Reize auszublenden, die vom Raster abweichen.

Die Unaufmerksamkeitsblindheit wurde in vielen Studien in Laborversuchen und Freiland-Experimenten beobachtet. Beispiele hierfür sind ein Clown auf dem Einrad, der von Smartphone-nutzenden Menschen übersehen wird, oder eine Prügelei am Wegesrand, die von ahnungslosen Versuchspersonen übersehen wird, die einen Bekannten einholen sollen.

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Der Psychologe Daniel Memmert von der Sporthochschule Köln zeigte, dass Trainer, die ihren Spielern zu viele Anweisungen geben, dazu führen können, dass die Spieler unerwartete, aussichtsreiche Situationen übersehen. Die Spieler konzentrieren sich so sehr auf die spezifischen Spielzüge, dass sie blind für abweichende Muster werden.

Es gibt keine Möglichkeit, die Unaufmerksamkeitsblindheit durch Training zu vermindern. Sogar Spezialisten sind anfällig, wie eine Studie des Psychologen Trafton Drew zeigte. Er versteckte Bilder eines Affen in Scans von Lungen und legte sie Radiologen vor. Die Ärzte sollten nach Knötchen im Lungengewebe suchen, übersahen aber mehr als drei Viertel der Affenbilder, obwohl diese bis zu 84-mal so groß waren wie ein Knötchen.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die von starken Kopfschmerzen begleitet wird, oft in Kombination mit Übelkeit, Erbrechen und extremer Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Anfälle können Stunden oder sogar Tage dauern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Im Gegensatz zu dem, was manche humoristische Darstellungen suggerieren, ist Migräne keine Ausrede oder ein Mittel, um unangenehmen Situationen zu entgehen. Für Menschen, die unter Migräne leiden, ist es eine ernste und quälende Erkrankung. Sie sind oft nicht in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen und müssen sich in einem dunklen, ruhigen Raum zurückziehen, um die Schmerzen zu lindern.

Migräne betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Kinder und Männer. Die Ursachen sind komplex und noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren, hormonelle Veränderungen und Umweltfaktoren eine Rolle spielen.

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Es ist wichtig, Migräne ernst zu nehmen und Betroffenen mit Verständnis und Unterstützung zu begegnen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.

Schimpansen und Bonobos: Zwei Seiten einer Medaille

Die Verhaltensforschung an Affen kann uns auch Einblicke in die menschliche Natur geben. Schimpansen und Bonobos, unsere nächsten Verwandten, zeigen unterschiedliche soziale Strukturen und Verhaltensweisen, die uns zum Nachdenken über unsere eigene Gesellschaft anregen.

Schimpansen gelten oft als Machtfanatiker, während Bonobos als friedfertige und sexuell aktive Tiere beschrieben werden. Bei Schimpansen sind die Männchen dominant und aggressiv, während bei Bonobos die Weibchen den Ton angeben und Sex zur Stärkung der Gemeinschaft nutzen.

Die Anthropologin Amy Parish untersuchte die Beziehungen unter Bonobofrauen und fand heraus, dass gleichgeschlechtlicher Sex eine wichtige Rolle bei der Etablierung von Machtverhältnissen spielt. Rangniedere Weibchen initiieren Sex mit ranghohen Weibchen, um deren Kooperation zu erleichtern.

Die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Schimpansen und Bonobos tragen ebenfalls zu ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen bei. Bonobos leben in üppigen Regenwäldern, wo sie reichlich Nahrung finden, während Schimpansen in kargeren Umgebungen leben und härter für ihre Nahrung kämpfen müssen.

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