Einführung
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die sich unter anderem durch motorische und nicht-motorische Symptome auszeichnet. Die Bewältigung von Dysphagie bei Morbus Parkinson ist eine Herausforderung, die nicht unterschätzt werden sollte. Schluckstörungen betreffen 70-80% der Parkinson-Patienten, insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung. Die Fähigkeit zu schlucken ist entscheidend für die Nahrungsaufnahme und damit für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Ohne eine effektive Schluckfunktion wird die Nahrungsaufnahme zur täglichen Herausforderung und kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach dem Auftreten von Dysphagie beträgt nur noch 1-2 Jahre, was die Dringlichkeit unterstreicht, diese Störung effektiv zu behandeln.Neben den erwähnten Komplikationen führt die Dysphagie auch zu einer relevanten Einschränkung der Lebensqualität und erschwert die Medikamenteneinnahme.
Ein weiteres häufiges Problem bei Parkinson-Patienten ist die Dehydration. Dehydration bezeichnet den Zustand, in dem der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als er aufnimmt - ist der Körper stark ausgetrocknet, spricht man von Exsikkose. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Maßnahmen zur Dehydratationsprophylaxe bei Parkinson-Patienten.
Ursachen und Risikofaktoren für Dehydration bei Parkinson
Der menschliche Körper verliert den gesamten Tag über Flüssigkeit, beispielsweise beim Schwitzen, durch Ausscheidungen oder aber auch über die Atemluft. Führen Sie gleichzeitig Flüssigkeit nach, ist das auch kein Problem. Verlieren Sie jedoch mehr, als Sie zuführen, kann es zu einer Dehydration kommen. Aber wie entsteht ein solches Missverhältnis?
Grundsätzlich sollte jede Person darauf achten, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ältere und pflegebedürftige Menschen sind aus mehreren Gründen anfälliger für eine Dehydration. So tragen bestimmte Krankheiten dazu bei, dass der Bedarf an Flüssigkeit erhöht ist. Darüber hinaus sind pflegebedürftige Menschen oft auf die Hilfe anderer angewiesen, sei es aufgrund von Mobilitätseinschränkungen oder kognitiven Einschränkungen. Mit zunehmendem Alter nimmt unser Durstgefühl ab - Dehydrierung im Alter ist deshalb ein weit verbreitetes Problem. Dabei ist der Flüssigkeitsbedarf im Alter nicht anders als bei anderen Menschen. Empfohlen werden 30 bis 40 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht, die dem Körper teils durch Getränke, teils über die Ernährung im Alter zugeführt werden sollten. Eine Person, die beispielsweise 70 Kilogramm wiegt, sollte also in etwa 2,1 bis 2,8 Liter Wasser trinken. Vorsicht ist jedoch geboten bei bestimmten Erkrankungen. Der individuelle Flüssigkeitsbedarf hängt von vielen Faktoren wie Aktivität, Zustand und aber auch Vorerkrankungen und Medikation ab. Sollten Sie an chronischen Erkrankungen leiden oder regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie das Thema einmal mit Ihrem Arzt besprechen.
Einige Medikamente können die Thermoregulation negativ beeinflussen bzw. Das Landesgesundheitsamt in Niedersachsen (NLGA) weist auf Risiken durch weitere Arzneien hin. Eine Dehydratation kann zu einer erhöhten Toxizität von Wirkstoffkonzentrationen im Körper führen (z. B. Bei transdermalen Systemen (z. Reiseberatung: Bei Reisen in Ländern mit heißem oder feuchtheißem Klima ist eine Beratung bzgl. salzreiche Ernährung bzw. Häufig kalt duschen ohne Reinigungs- bzw. Waschmittel (um einer Talgverarmung vorzubeugen); ggf.
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Symptome der Dehydration
Zu den Symptomen bei Dehydrierung zählen daneben auch trockene Schleimhäute und die sogenannte stehende Hautfalte. Sie können Flüssigkeitsmangel mit einem Hauttest feststellen. Dafür drücken Sie Ihre Haut beziehungsweise die Ihres pflegebedürftigen Angehörigen an der Hand oder am Unterarm zu einer Falte zusammen. Wenn die Haut nicht innerhalb weniger Sekunden wieder glatt wird, hat man wahrscheinlich zu wenig getrunken - ein erstes Anzeichen für eine Dehydration. Mit leichtem Flüssigkeitsmangel fangen Ihre Schleimhäute an auszutrocknen und Ihr Körper produziert weniger Schweiß. Ist die Dehydration stärker fortgeschritten, trocknen Ihre Schleimhäute vollständig aus. Zudem ist Ihre Haut weniger stark gespannt. Es findet kaum bis gar keine Harnausscheidung mehr statt. Ihre Herzfrequenz steigt an, während Ihr Blutdruck sinkt. Bei einer schweren Dehydration scheiden Sie schließlich keinen Urin mehr aus. Ihr Puls ist schnell, Ihr Blutdruck erheblich zu niedrig. Die Verfassung kann als verwirrt oder apathisch beschrieben werden.
Pflegerische Maßnahmen der Dehydrationsprophylaxe
Die Dehydrationsprophylaxe erfolgt nach dem Pflegestandard. Eine der wichtigsten Maßnahmen der Dehydratationsprophylaxe in der Pflege ist das regelmäßige Anhalten zum Trinken. Da Senioren häufig nur ein verringertes Durstgefühl verspüren, kann man der Erinnerung auf die Sprünge helfen, in dem Wassergläser überall vorbereitet stehen, beispielsweise in der Küche, im Wohnzimmer, am Bett etc. Um Flüssigkeit zu verabreichen, können auch Fruchtsäfte oder Saftschorlen nützlich sein. Sie schmecken gut, wecken die Trinklust und enthalten oft auch Vitamine oder Mineralien, die dem Körper guttun. Bestehen Schluck- oder Trinkbeschwerden, sollten Hilfsmittel zur Unterstützung herangezogen werden. Dazu gehören unter anderem Trinkhalme oder Andickpulver.
Eine flüssigkeitsreiche Ernährung kann helfen, Trinkdefizite auszugleichen: Wassermelonen oder andere wasserreiche Früchte oder Gemüsearten, Suppen spenden nicht nur Flüssigkeit, sondern sind auch voll von Vitaminen und Mineralien. Demente Patienten profitieren von farbigen Flüssigkeiten, die gut sichtbar sind und somit nicht so schnell vergessen werden, aber auch Wecker, die an die Flüssigkeitsaufnahme erinnern, sind beliebte Möglichkeiten der Unterstützung. Rituale helfen, die Flüssigkeitsaufnahme in den Alltag zu integrieren. So ist ein Glas Orangensaft am Morgen oder eine Tasse Kaffee zum nachmittäglichen Kuchen eine gute Gelegenheit, Flüssigkeit zu verabreichen, ohne sie als störend oder belastend wahrzunehmen. Auch ein kühles Bier an einem sonnigen Tag kann, sofern medizinisch nichts dagegenspricht, dazu beitragen, etwas für den Flüssigkeitshaushalt zu tun.
Wichtig bei allen Maßnahmen ist: Der Patient entscheidet über die letztendliche Aufnahme von Flüssigkeit. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte niemals unter Zwang stattfinden, sondern liebevoll und vielleicht sogar mit etwas Humor. So kann der Patient selbst darüber entscheiden, wann und viel Flüssigkeit er zu sich nimmt und schaltet nicht auf Konfrontation.
Praktische Tipps zur Vorbeugung von Dehydration
Um einer Exsikkose vorzubeugen, ist es entscheidend, regelmäßig und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese Tipps können dabei im Alltag helfen:
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- Aufklärung: Machen Sie sich bewusst, welche Folgen eine Austrocknung haben kann. Pflegebedürftige Menschen sollten ebenfalls über den Flüssigkeitsmangel aufgeklärt werden. Es ist wichtig, ihnen Ängste zu nehmen und gemeinsam Ziele zu setzen.
- Trinkprotokoll: Dokumentieren Sie eine Zeit lang, wann Sie wie viel getrunken haben und welche Getränke Sie dabei zu sich genommen haben. Das hilft Ihnen zu identifizieren, was Sie gerne trinken und wann das Trinken für Sie gut funktioniert.
- Trinkplan: Hier wird individuell festgelegt, wann Sie welche Getränke trinken sollten. Diese Routine kann Ihnen Sicherheit im Alltag geben. Sie ist vor allem für pflegebedürftige Personen sinnvoll und kann mit der Hausärztin / dem Hausarzt besprochen werden.
- Rituale: Um das Trinken zur Gewohnheit zu machen, sollten Sie bestimmte Rituale einüben. Dazu gehört zum Beispiel, immer nach dem Aufstehen oder zu jeder Mahlzeit ein Glas Wasser zu trinken.
- Getränke bereitstellen: Stellen Sie sich Getränke und Trinkgefäße in Sichtweite bereit, um an das Trinken erinnert zu werden. Bei pflegebedürftigen Personen sollte die Pflegekraft bereits am Morgen Getränke in Reichweite stellen.
- Abwechslung: Variieren Sie die Art der Getränke, die Sie für sich oder eine pflegebedürftige Person bereitstellen. Beispielsweise können verschiedene Säfte und warme Getränke für Genuss und Abwechslung sorgen.
- Ansprechende Optik: Ein kleines Glas mehrmals zu leeren kann leichter fallen, als ein großes Gefäß auf einmal zu leeren. Außerdem kann etwa die eigene Lieblingstasse zum Trinken motivieren. Wer sich mit dem regelmäßigen Trinken schwertut, kann damit die Flüssigkeitszufuhr erhöhen.
- Angedickte Flüssigkeiten: Patienten mit Schluckstörungen können dickere Flüssigkeiten oft leichter aufnehmen.
- Unterstützung beim Trinken: Pflegekräfte können geistig oder körperlich eingeschränkten Patienten beim Trinken helfen.
Ernährung bei Parkinson
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist für alle Menschen wichtig, gewinnt jedoch bei chronischen Erkrankungen wie der Parkinson Krankheit an besonderer Bedeutung. Eine richtige Ernährung kann die Lebensqualität verbessern, Symptome lindern und das allgemeine Wohlbefinden enorm steigern. Bei Parkinson ist es besonders wichtig, auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr zu achten und bestimmte Lebensmittel strategisch zu integrieren, um die Wirkung der Medikamente zu unterstützen und Nebenwirkungen zu minimieren.
Levodopa ist eines der Hauptmedikamente zur Behandlung von Parkinson. Allerdings kann die Wirkung von Levodopa durch Eiweiß beeinträchtigt werden. Levodopa und Eiweiß um die gleichen Transportmechanismen im Darm und Blut konkurrieren, kann eine hohe Eiweißzufuhr die Aufnahme und Wirkung des Medikaments verringern. Timing der Eiweißzufuhr:: Konsumieren Sie eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte vorzugsweise abends. Levodopa sollte idealerweise mindestens in einem Abstand von einer halben Stunde vor, bzw. anderthalb Stunden nach dem Essen eingenommen werden. Verteilung der Mahlzeiten:: Essen Sie kleinere, häufigere Mahlzeiten über den Tag verteilt, um die gleichmäßige Aufnahme von Nährstoffen zu gewährleisten. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell, um die Verdauung zu unterstützen, die Körperfunktionen zu erhalten und Nebenwirkungen der Medikamente wie Verstopfung zu vermeiden. Empfohlene Menge: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser. Geeignete Getränke: Bevorzugen Sie Wasser oder ungesüßten Tee. Ballaststoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Förderung einer gesunden Verdauung und der Vorbeugung von Verstopfung, einem häufigen Problem bei Menschen mit Parkinson. Haferflocken, Vollkornbrot), Hülsenfrüchte (z.B. Linsen, Bohnen), Obst (z.B. Äpfel, Beeren) und Gemüse (z.B. Langsame Umstellung: Erhöhen Sie die Ballaststoffzufuhr schrittweise, um Verdauungsprobleme wie Blähungen zu vermeiden. Probiotika: Erwägen Sie den Einsatz von probiotischen Lebensmitteln wie Kefir, Sauerkraut und anderen fermentierten Produkten, die die Darmflora unterstützen können. Vitamin D und Vitamin B12 spielen eine wesentliche Rolle in der Gesundheit von Menschen mit Parkinson. Quellen: Sonneneinstrahlung fördert die Produktion von Vitamin D in der Haut. Bedeutung: Unverzichtbar für die Nervenfunktion und die Bildung roter Blutkörperchen. Quellen: Vitamin B12 ist hauptsächlich in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und angereicherten Lebensmitteln vorhanden. Vielfältige Ernährung: Setzen Sie auf eine bunte Vielfalt an frischen und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, um eine breite Palette an Nährstoffen zu erhalten. Zucker und verarbeitete Lebensmittel vermeiden:: Diese können den Blutzuckerspiegel schnell erhöhen und dann schnell wieder abfallen lassen, was die Energiebilanz negativ beeinflusst und zu Müdigkeit führen kann. Außerdem fördern sie das Wachstum ungesunder Bakterienstämme im Darm.
Dysphagie bei Parkinson
Die Dysphagie stellt beim idiopathischen Parkinson typischerweise ein Symptom der Spätphase der Erkrankung dar und ist eng mit potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen wie Aspirationspneumonien vergesellschaftet. Die Diagnose stützt sich auf die Anamnese, klinische Befunde und Befunde der instrumentellen Schluckabklärung.
Schluckstörungen bei Patienten mit IPS werden mit einer Häufigkeit bis ca. 70–80 % angegeben, insbesondere im fortgeschrittenen Krankheitsstadium. Im Mittel tritt beim IPS nach ca. 10 Jahren Krankheitsdauer eine Dysphagie auf. Ist eine Dysphagie bereits früh im Krankheitsverlauf vorhanden, so weist dies allerdings oft auf das Vorliegen eines atypischen Parkinsonsyndroms wie eine Multisystematrophie oder progressive supranukleäre Blickparese hin. Sobald sich eine klinisch manifeste Dysphagie entwickelt, hat dies einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Prognose. Es wird eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 1–2 Jahren nach Auftreten der Dysphagie angenommen. Die hohe Mortalität ist auf das erhöhte Risiko einer Malnutrition, Dehydratation und Atemwegsinfektion zurückzuführen. Generell stellen Aspirationspneumonien die häufigste Todesursache bei Parkinsonpatienten dar. Neben den erwähnten Komplikationen führt die Dysphagie auch zu einer relevanten Einschränkung der Lebensqualität und erschwert die Medikamenteneinnahme.
Die zugrunde liegende Pathophysiologie ist bislang nicht vollständig verstanden. Es wird davon ausgegangen, dass sowohl dopaminerge als auch nicht dopaminerge Mechanismen eine Rolle spielen. Grundsätzlich ist beim Schluckakt das Zusammenspiel der motorischen und sensorischen Hirnnerven(-kerngebiete) entscheidend. Beteiligt sind auf Hirnstammebene der motorische und sensorische Anteil des N. trigeminus, des N. facialis, des N. glossopharyngeus (IX) und des N. vagus (X) sowie der N. accessorius und der N. hypoglossus. Auf kortikaler Ebene wird der Schluckakt über Netzwerke, die das frontale Operculum und den insulären Kortex miteinbeziehen, kontrolliert. Entsprechend dem Braak-Modell für die Krankheitsprogression beim IPS wird angenommen, dass degenerative Veränderungen bereits in der prämotorischen Phase im Hirnstamm, insbesondere im dorsalen Nucleus des IX und X und im Locus coeruleus, zu finden sind und sich in der motorischen Phase zunehmend nach rostral auf die Substantia nigra und in der Spätphase auf den Neokortex ausbreiten. Mittels fMRI konnte gezeigt werden, dass sowohl das Putamen als auch der Globus pallidus bilateral beim willkürlichen Schlucken aktiviert werden, was für eine Beteiligung der Basalganglien beim Schlucken spricht und ein indirekter Hinweis für die Mitbeteiligung des dopaminergen Systems bei der Pathophysiologie der Dysphagie sein könnte. Unterstützt wird diese Annahme durch das Ansprechen der Schluckstörung auf L-Dopa bei manchen Patienten. Da es meist erst im fortgeschrittenen Stadium zur Entwicklung einer Dysphagie kommt und der Schweregrad der Dysphagie nicht parallel mit der motorischen Verschlechterung einhergeht, scheinen jedoch vordergründig nicht dopaminerge Transmittersysteme bei der Dysphagie beim IPS beteiligt zu sein. Darüber hinaus wurde spekuliert, dass periphere Mechanismen eine Rolle spielen könnten, nachdem in Post-mortem-Studien die Ablagerung von Alpha-Synuclein in peripheren Nerven, die den Pharynx innervieren, nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus fand sich bei Parkinsonpatienten mit Schluckstörung ein höherer Anteil atropher Muskelfasern der pharyngealen Muskulatur.
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Je nach Höhenlokalisation lässt sich eine oropharyngeale und ösophageale Dysphagie unterscheiden. Die oropharyngeale Dysphagie ist beim IPS gekennzeichnet durch verschiedene Befunde wie eine verzögerte Initiierung des Schluckaktes, häufige Aspiration, nasale Regurgitation und unvollständiges Schlucken mit dem Verbleiben von Speiseresten in der Mundhöhle oder im Pharynx, hier vor allem im Bereich der Valleculae. Bei der oropharyngealen Dysphagie spielt ausserdem eine reduzierte Sensibilität im Pharynx eine Rolle. Repetitive Pumpbewegungen der Zunge werden ferner als typischer Befund beim IPS angesehen. Der ösophagealen Dysphagie liegen eine Hypomobilität oder Kontraktionen des Ösophagus zugrunde. Sie wird von Patienten eher als eine Passagestörung des Bolus wahrgenommen (Tab. 1).
Um eine IPS-assoziierte Schluckstörung zu erfassen, ist in einem ersten Schritt eine genaue Anamnese, in der gezielt nach entsprechenden Zeichen einer Dysphagie wie Verschlucken, Husten während des Essens, einer belegten Stimme nach dem Essen, Kostanpassung aufgrund häufigen Verschluckens bei bestimmten Speisekonsistenzen oder wiederholten Lungenentzündungen gefragt wird, notwendig. Auch ein kontinuierlicher Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund kann ein Hinweis auf das Vorliegen einer Dysphagie sein. Die Abfrage dieser Symptome kann durch standardisierte Fragebögen erleichtert werden. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich zwei validierte Fragebögen für die IPS-assoziierte Dysphagie, der Swallowing Disturbance Questionnaire (SDQ) und der Munich Dysphagia Test – Parkinson’s Disease (MDT-PD). Interessanterweise ist vermehrter Speichelfluss ebenfalls mit dem Vorliegen einer Dysphagie vergesellschaftet. Übereinstimmend damit konnten wir kürzlich zeigen, dass die Drooling Severity and Frequency Scale ebenfalls eine relativ gute Diskriminierung zwischen Parkinsonpatienten mit und ohne Dysphagie erlaubt. Ein hohes Patientenalter, eine lange Krankheitsdauer, ein höherer Behinderungsgrad (d.h. höhere Hoehn- und Yahr-Stadien) und das Vorliegen einer Demenz erhöhen darüber hinaus die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient an einer Dysphagie leidet. Das grosse Problem bei der Anamnese oder der systematischen Abfrage von Dysphagiezeichen ist jedoch, dass sich ca. 20–50 % der Patienten der Schluckstörung gar nicht bewusst sind. Neben anamnestischen Angaben können in einer klinischen Untersuchung Hinweise für eine Dysphagie wie orale Residuen oder ein verzögerter Schluckakt gesammelt werden. Es können zudem standardisierte Assessments, wie sie bei Schlaganfallpatienten zum Einsatz kommen, angewandt werden. Während für den standardisierten 150ml-Schlucktest noch eine gewisse Datenlage beim IPS besteht, wenngleich dieser Test nie im Vergleich zu einer instrumentellen Technik validiert wurde, gibt es für andere Tests wie z.B. den Parramatta Hospital’s Assessment Test keine Daten. Als Goldstandard der Abklärung einer IPS-assoziierten Dysphagie gelten instrumentelle Techniken wie die fiberendoskopische Evaluation des Schluckaktes (engl. «fiber endoscopic evaluation of swallowing»; Abk. FEES) oder eine videofluoroskopische Schluckstudie (VFSS). Bei der FEES wird ein flexibles Endoskop durch die Nase in den Hypopharynx vorgeschoben und der Schluckakt unter Videokontrolle beurteilt. Die FEES eignet sich besonders für die Untersuchung der späten oralen Phase und pharyngealen Phase. Bei der VFSS kann ebenfalls die orale und pharyngeale Passage mittels Barium-modifizierter Speisen und Flüssigkeiten unter Röntgenkontrolle untersucht werden. Die Ösophagusmanometrie (engl. «high resolution manometry»), die den zeitlichen Verlauf der Druckänderungen während des Schluckens im Ösophagus aufzeichnet, eignet sich besonders gut, um die ösophageale Phase des Schluckens zu beurteilen und hier besonders, um eine reduzierte Motilität oder Kontrakturen zu erfassen.
Zur Behandlung der IPS-assoziierten Dysphagie gibt es in der Literatur nur wenige randomisierte kontrollierte Studien. In einer Studie wurde bei Parkinsonpatienten eine FEES zum Zweck des visuellen Biofeedbacks durchgeführt. Den Studienteilnehmern wurden anschliessend allgemeine Videos des Schluckprozesses während der FEES ebenso wie ihre eigenen FEES-Videos gezeigt. Diese videoassistierte Schluckbehandlung (VAST) wurde mit einer konventionellen Logopädie verglichen. Zwar kam es in beiden Behandlungsgruppen zu einer Verbesserung der Schluckfunktion im Sinne einer Reduktion der pharyngealen Speiseresiduen, allerdings war dieser Behandlungseffekt signifikant grösser in der VAST-Gruppe. Ebenso kam es in der VAST-Gruppe zu einer signifikanten Verbesserung Lebensqualität-bezogener Parameter. In einer anderen Studie wurde eine superfizielle elektrische Stimulation (SES) der submentalen Muskulatur als «Add-on» zur konventionellen logopädischen Behandlung untersucht, wobei für die SES nach einer dreiwöchigen Behandlungsdauer kein signifikanter Therapieeffekt gefunden wurde. Für das exspiratorische Muskelkrafttraining (EMST) hingegen konnte in einer randomisierten, verblindeten, Sham-kontrollierten Studie ein positiver Effekt auf die Schluckfunktion nachgewiesen werden. So zeigte sich nach einer vierwöchigen Behandlungsphase mit EMST in der VFSS eine Verbesserung der hyolaryngealen Funktionen und ein reduzierter Score auf der Penetration Aspiration Scale in der Behandlungsgruppe.
Beim Grossteil der IPS-Patienten mit Dysphagie stellt jedoch die konventionelle logopädische Behandlung die vordergründige Therapieoption dar, wenngleich es hierfür keine wissenschaftliche Evidenz im Sinne von randomisierten Studien gibt. Im Rahmen des logopädischen Schlucktrainings sollte nach Identifikation der vordergründig betroffenen Phasen des Schluckaktes in der klinischen oder instrumentellen Untersuchung in individualisierten Therapiekonzepten versucht werden, das Defizit zu verbessern bzw. zu beheben. Beispielsweise kann zur Behandlung von pharyngealen Residuen mittels einer gezielten Stärkung des Schluckaktes eine Verbesserung der Dysphagie erzielt werden. Interessanterweise konnte für das Lee Silverman Voice Treatment, das primär auf eine Verbesserung der Sprechfunktion beim IPS abzielt, in einer kleinen Studie eine Verbesserung v.a. der Zungenfunktion während des Schluckens festgestellt werden.
Bei einem geringen Anteil der Patienten sprechen die Schluckstörungen auf die dopaminerge Medikation (im Sinne einer Dysphagie als Off-Phänomen) an. In diesen Fällen kann man versuchen, durch eine Behandlungsänderung bzw. -optimierung eine Verbesserung der Dysphagie zu erzielen. Kontinuierliche subkutane Apomorphin- oder intraduodenale L-Dopa-Infusionen oder transdermale Applikationsrouten stellen dabei interessante Therapieoptionen dar, da sie einen kontinuierlicheren Plasmaspiegel gewährleisten. Für die tiefe Hirnstimulation (engl. «deep brain stimulation», Abk.: DBS) konnte in einem 2013 veröffentlichten systematischen Review der Literatur hingegen weder ein positiver noch ein negativer Effekt von DBS des Nucleus subthalamicus oder Globus pallidus internus auf die Schluckfunktion beim IPS festgestellt werden. Interessanterweise zeigen neuere Daten, dass es bei 60Hz im Gegensatz zur routinemässig bei der STN-DBS verwendeten Frequenz von 130Hz zu einer signifikanten und über sechs Wochen anhaltenden Reduktion der Aspiration und Verbesserung der Schluckfunktion in der VFSS kam.
In sehr schweren Fällen, in denen die Dysphagie mithilfe der oben genannten Massnahmen nicht verbessert werden kann und weiterhin ein erhebliches Aspirationsrisiko oder eine Malnutrition besteht, muss die Einlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie diskutiert werden.
Maßnahmen bei Exsikkose
Welche Maßnahmen sind bei Exsikkose sinnvoll?Bei dehydrierten Patientinnen und Patienten ist die Therapie der Wahl eine kontrollierte Rehydratation, also die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Die Betroffenen können entweder selbstständig trinken oder die Flüssigkeit in kleinen Mengen oral zugeführt bekommen. Das ist auch über Nahrungsmittel möglich, die viel Wasser enthalten. Bei kognitiven Störungen oder Schluckbeschwerden kann die Flüssigkeit über eine Infusion erfolgen - etwa subkutan unter der Haut. In manchen Fällen kann die Rehydratation herausfordernd für das medizinische Personal sein, weil exsikkierte Patientinnen oder Patienten manchmal verwirrt sind, die Behandlung ablehnen oder versuchen, sich die Infusionskanüle herauszuziehen. Häufig werden kognitiv beeinträchtigte Patienten jedoch durch die Rehydratation schnell wieder „klarer“. Wichtig ist außerdem, die Ursache der Exsikkose zu behandeln. Dazu zählt etwa, das Fieber zu senken oder eine Ernährungsumstellung vorzunehmen. Wurde der Flüssigkeitsmangel erfolgreich behoben, zielt die weitere Behandlung darauf ab, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr aufrechtzuerhalten.
Was tun im Notfall?
Treten ein Notfall ein, sollten Sie die Notrufnummer 112 wählen. Je nach Schwere der Dehydration gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Bei schweren Symptomen müssen Betroffene im Krankenhaus behandelt werden: Eine Infusion bei Dehydrierung kann sinnvoll sein, Flüssigkeit wird dann durch einen sogenannten parenteralen Zugang zugeführt. Hierbei kommt es aber auch immer auf die genaue Situation an. Bei Dehydration durch Magendarmerkrankungen kann der Verlust wichtiger Blutsalze wie Kalium die größere Gefahr darstellen, als der Flüssigkeitsmangel als solcher. Für diese sollten Sie zunächst die Ursachen der Dehydration herausfinden - nur so können Sie passende Gegenmaßnahmen ergreifen. Es gibt auch Erkrankungen, bei denen eine Trinkmengenbeschränkung vorliegt, wie beispielsweise bei einer Herzschwäche oder wenn der Patient dialysiert wird. Um hier die richtige Trinkmenge zu finden, sollte mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden. Es ist nicht immer so einfach, ausreichend viel zu trinken. Die sogenannte Flüssigkeitsbilanzierung verfolgt das Ziel, einen ausgeglichenen Wasser- und Elektrolythaushalt herzustellen und zu überwachen. Um das zu erreichen, muss ermittelt werden, wie viel Flüssigkeit der Körper aufnimmt und ausscheidet. Wenn Sie Ihren Flüssigkeitshaushalt dokumentieren möchten, können Sie auf eine Vorlage zurückgreifen.
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