Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Triptane und Analgetika wie ASS helfen gut bei akuten Migräne-Attacken. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten zur Vorbeugung von Migräneanfällen, um die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Attacken zu reduzieren. Eine mögliche Option ist die Einnahme von Magnesium. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit von Magnesium bei der Migräneprophylaxe, die empfohlene Dosierung und weitere wichtige Aspekte.
Wann ist eine Migräneprophylaxe sinnvoll?
Laut der aktuellen Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ sollten Migräniker über eine Prophylaxe nachdenken, wenn:
- Sie an mindestens drei schweren Attacken pro Monat leiden.
- Die Migräneanfälle regelmäßig länger als 72 Stunden dauern.
- Sie auf Akuttherapien (u. a. Analgetika, Triptane) nicht ausreichend ansprechen oder diese nicht vertragen.
- Die Häufigkeit der Migräneanfälle zunimmt, sodass die Patienten an mehr als zehn Tagen im Monat Migränemittel anwenden.
- Eine komplizierte Migräne mit langen Auren vorliegt.
Ziel der Prophylaxe ist es, Anzahl, Schwere und Dauer der Attacken zu verringern. Bessert sich die Anfallshäufigkeit aufgrund einer Prophylaxe um mindestens 50 Prozent, spricht man von einer Wirksamkeit der Migränevorbeugung.
Klassische und innovative Migräneprophylaktika
Neben Magnesium gibt es eine Reihe weiterer Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Betablocker: Metoprolol oder Propranolol
- Calciumkanalblocker: Flunarizin
- Antiepileptika: Topiramat oder Valproinsäure
- Antidepressiva: Amitriptylin
- CGRP-Antikörper: Erenumab (Aimovig®), Fremanezumab (Ajovy®) und Galcanezumab (Emgality®). Eptinezumab (Vyepti®) wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA geprüft.
Die CGRP-Antikörper Fremanezumab und Galcanezumab beziehungsweise der CGRP-Rezeptor-Antikörper (Erenumab) sind speziell zur Migräneprophylaxe entwickelte Arzneimittel. Sie zeichnen sich durch eine gute Verträglichkeit und einen raschen Wirkeintritt aus. Zugelassen sind sie für Migräniker, die an mindestens vier Tagen pro Monat an Migräne leiden. Allerdings dürfen Ärzte CGRP- bzw. CGRP-Rezeptor-Antikörper erst dann verordnen, wenn der Migräne-Patient zuvor mindestens fünf Wirkstoffe aus vier pharmakologischen Gruppen erhalten hatte, diese aber nicht halfen oder der Patient sie nicht vertrug.
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Magnesium als Migräneprophylaxe: Die Studienlage
Die Leitlinien-Experten nennen Magnesium in einer Dosierung von zweimal täglich 300 mg als mögliche Migräneprophylaxe - allerdings mit „geringer Evidenzlage“. Diese Zurückhaltung stützen sie auf zwei Studien, die 1996 in „Cephalagia“ veröffentlicht wurden.
Studie mit Magnesiumaspartat
In einer multizentrischen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersuchten Wissenschaftler um Volker Pfaffenrath die vorbeugende Wirkung von zweimal täglich 10 mmol Magnesium bei Patienten mit zwei bis sechs Migräneanfällen pro Monat (ohne Aura). Die Migräneanamnese reichte mindestens zwei Jahre zurück. Sie erhielten sodann entweder zwölf Wochen Magnesium als Magnesiumaspartat Hydrochlorid 3-Hydrat oder Placebo. 10 mmol entsprechen 243 mg Magnesium (Ion).
Ziel war die Verringerung der Schwere und Dauer der Migräneattacken um mindestens 50 Prozent verglichen mit dem Ausgangswert. Allerdings sprachen jeweils nur zehn Patienten auf die jeweilige Therapie an (28,6 Prozent unter Magnesium; 29,4 unter Placebo). Es zeigte sich verglichen mit Placebo kein Vorteil einer Magnesiumtherapie, hinsichtlich der Anzahl der Migränetage oder der Migräneattacken. Die Nebenwirkungsrate lag unter Magnesium höher als unter Placebo (45,7 Prozent vs. 23,5 Prozent). Überwiegend berichteten die Patienten unter Magnesium über leichte unerwünschte Ereignisse, wie weichen Stuhl und Durchfall.
Studie mit Magnesiumcitrat
In einer weiteren Studie kamen die Wissenschaftler um Andreas Peikert zu einem anderen Schluss: „Hochdosiertes orales Magnesium scheint wirksam in der Prophylaxe von Migräne zu sein.“ 81 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren mit Migräne und einer mittleren Attackenfrequenz von 3,6 pro Monat hatten zwölf Wochen lang täglich 600 mg (24 mmol) Magnesium (Trimagnesiumdicitrat) oral oder Placebo erhalten. Bereits in den Wochen 9 bis zwölf hatte unter Magnesium die Attackenhäufigkeit um 41,6 Prozent abgenommen, in der Placebogruppe um 15,8 Prozent. Auch die Anzahl der Tage mit Migräne verringerte sich unter Magnesium stärker (2,49 Tage weniger) als unter Placebo (1,16 Tage weniger), sie nahmen wie der Medikamentenverbrauch zur symptomatischen Behandlung in der Magnesiumgruppe signifikant ab. Dauer und Intensität der Attacken und der Medikamentenverbrauch pro Attacke nahmen im Vergleich zu Placebo ebenfalls tendenziell ab, waren aber nicht signifikant. Unerwünschte Ereignisse waren Durchfall (18,6 Prozent) und Magenreizungen (4,7 Prozent).
Weitere Erkenntnisse und Expertenmeinungen
- Prof. Classen: Es gibt Hinweise, dass bei Kopfschmerz- und Migränepatienten häufig auch ein Magnesiummangel vorliegt bzw. dass ein niedriger Magnesiumspiegel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Spannungskopfschmerzen und Migräne in Verbindung steht. Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.
- Intravenöse Magnesiumtherapie: Eine intravenöse Magnesiumtherapie von ein bis zwei Gramm Magnesiumsulfat, je nach Schwere der Symptomatik, empfiehlt sich beim akuten Migräneanfall.
- Orale Magnesiumsupplementierung: Die orale Magnesiumsupplementierung hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Durch Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg traten in verschiedenen Studien im Vergleich zu Placebo weniger Anfälle auf, die zudem auch in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten.
- Synergismus mit Vitamin D: Es gibt einen Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D. Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption.
- »EviNews«-Newsletter: »Wenn Patient:innen ein verschreibungsfreies Präparat zur Migräneprophylaxe wünschen, scheint Magnesium eine vielversprechende Option zu sein, die Migränehäufigkeit, -stärke und -länge der Attacken zu verringern«, lautet das Fazit; auch wenn es insgesamt zu wenig Studiendaten gebe und die vorliegenden Studien zum Teil methodische Schwächen haben.
- Studie mit Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10: Eine Studie hat die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachgewiesen. Die Mikronährstoff-Kombination reduziert die Migränesymptome deutlich und signifikant und verbessert die Lebensqualität.
Dosierung und Formen von Magnesium
Die tägliche Magnesium-Zufuhr insgesamt soll gemäß Deutscher Gesellschaft für Ernährung 300 mg für Frauen und 350 mg für Männer betragen. In Studien betrug die Dosierung zwischen 500 und 600 mg Magnesium täglich.
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Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten bei Migräne einnehmen können, enthalten entweder Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat oder Magnesiumcitrat. Welches Magnesium du nun genau bei Migräne anwenden kannst, hängt von deiner individuellen Situation und Verträglichkeit ab: Bei Magnesiumoxid erfolgt der Einsatz meist zur Prävention von Migräne-Attacken, Magnesiumcitrat findet Verwendung bei akuten Beschwerden. Möglicherweise speichert der Körper Magnesiumoxid besser im Körper - Citrat nimmt er hingegen schneller auf. Die Magnesium-Art nimmt keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Präparaten - Unterschiede gibt es nur in der Zeit, die der Körper benötigt, um es aufzunehmen.
Für die Einnahme von Magnesium bei Migräne kannst du auf verschiedene Darreichungsformen zurückgreifen: Tabletten, Granulate, Kapseln oder Kaudragees.
Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Bei der zweimal täglichen Dosierung von 300 mg sind die Nebenwirkungen überschaubar, wenngleich manche Patienten mit Durchfällen reagieren könnten. Vorsicht gilt bei der Dosierung: Durchfall, Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit können mögliche Folgen einer Überversorgung sein.
Magnesiumreiche Ernährung
Ein gesunder Mensch kann in der Regel seinen Tagesbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung decken. Magnesium ist enthalten in:
- Vollkornprodukten
- Grünem Gemüse
- Nüssen und Samen
- Hülsenfrüchten
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