Wolfgang Joop: Gesundheit, Familie, Karriere und Ansichten des deutschen Modedesigners

Wolfgang Joop, zweifellos einer der erfolgreichsten deutschen Designer, feierte am 18. November 2024 seinen 80. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums blickt diese umfassende Analyse auf sein Leben, seine Karriere, seine gesundheitliche Situation und seine persönlichen Ansichten.

Gesundheitliche Bedenken und Entwarnung beim GNTM-Finale 2024

Wolfgang Joop nahm am diesjährigen Finale von "Germany's Next Topmodel" teil. Sein Auftritt löste bei vielen Zuschauern Besorgnis aus. Einige äußerten im Netz Bedenken rund um sein Wohlbefinden, da er zerbrechlich, zittrig und verwirrt gewirkt habe.

Edwin Lemberg, Joops Partner, konnte jedoch Entwarnung geben. Gegenüber "RTL" erklärte er: "Es ist alles gut. Wolfgang hatte gestern Abend aufgrund der Aufregung zu wenig gegessen und war einfach ein bisschen unterzuckert und zittrig." Die Familie zeigte sich selbst überrascht über die vielen Reaktionen und betonte, dass kein Grund zur Sorge bestehe.

Familie und Privates

Wolfgang Joop wurde 1944 in Potsdam geboren und wuchs auf dem Bauernhof seiner Großeltern auf. 1954 zog die Familie nach Braunschweig, wo sein Vater als Chefredakteur arbeitete. Nach der Wiedervereinigung kehrten Joops Eltern nach Bornstedt zurück, und seit 2018 lebt auch Joop wieder dort.

1970 heiratete er Karin Benatzky. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter: Jette Joop, eine erfolgreiche Designerin, und Florentine Joop, eine bekannte Malerin und Schriftstellerin. Die Ehe wurde 1985 nach 15 Jahren geschieden.

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Seit der Scheidung bekennt sich Wolfgang Joop offen zu seiner Homosexualität. In Edwin Lemberg hat er seine große Liebe gefunden. Das Paar ist seit 2013 offiziell zusammen. Zur Familie gehören neben den Töchtern auch vier Enkelkinder. Nach einigen medienwirksamen Streitigkeiten in der Familie kam es zu einer Versöhnung. Im Jahr 2019 zog Joop sogar mit seinem Ehemann zu seiner Tochter, Exfrau und den Enkelinnen nach Bornstädt.

Karriere als Designer

Nach dem Abitur begann Joop 1966 ein Studium der Kunstpädagogik, das er abbrach, um als Restaurator und Maler zu arbeiten. Seine Karriere als Designer startete 1970 mit einem Modewettbewerb, den er und seine Frau gewannen. 1979 stellte er seine Pelzkollektion in New York vor, was seinen internationalen Durchbruch bedeutete.

1982 gründete Joop seine Marke JOOP!, die schnell zu einer erfolgreichen Lifestyle-Marke wurde. Durch den Verkauf seiner Firmenanteile 1998 wurde er zum Multimillionär. 2001 verließ er das Unternehmen endgültig. 2003 gründete Joop das Modelabel Wunderkind, das internationale Beachtung fand, aber auch finanziellen Schwankungen unterlag. Trotz aller Herausforderungen bleibt ihm das Label wichtig, und er finanziert es weiterhin aus eigener Tasche.

Neben seiner Arbeit als Designer war Joop auch als Juror bei „Germany’s Next Topmodel“ tätig und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter seine Autobiografie. Sein geschätztes Vermögen beträgt 40 Millionen Euro.

Joops Ansichten und Persönlichkeit

Rückblick auf das Leben zum 80. Geburtstag

Im Interview mit BILD anlässlich seines 80. Geburtstags erklärte Wolfgang Joop, dass er wenig aus seinem Leben berichten könne, das er bereuen würde. Er freue sich über das, was er habe, und vieles habe er „aus der Verunsicherung“ und „aus dem Schmerz“ erreicht. Er äußerte sich froh über seine kindliche Prägung und sagte, er sei „zum Glück zu sehr Preuße und Junge vom Bauernhof gewesen, um wirklich durchzudrehen“. Mit seinem 80. Geburtstag verbindet er das Gefühl, endlich erwachsen zu werden, was er „lange verdrängt“ habe.

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Auf die Frage, was er von der ihm bevorstehenden Dekade erwarte, sagte der Modedesigner augenzwinkernd, dass er diese am besten „wie eine lange Reise“ planen sollte, von der er „einfach nicht zurückkomme“. Er verriet, dass er in der Nacht vor dem Interview den Gedanken gehabt habe, dass ihn nach seinem Tod „das Nichts“ erwarten würde, welches „weder dunkel noch hell“ sei. Joop zeigte sich gewiss, dass es hinter allem, das wir erkennen können, „eine Regie“ geben müsse, und er glaube an diese Gewalt, die uns alle lenkt. Zu seinem 80. Geburtstag wünschte er sich keine Geschenke, sondern dass sich in seiner Patchwork-Familie „alle gut verstehen“.

Glaube und Religion

Im Dezember 2016 sprach Wolfgang Joop im Interview mit der Tageszeitung Die Welt ausführlich über sein Verhältnis zu Glaube und Religion. Dabei gab er zu erkennen, dass er an Gott glaubt, aber den Dogmen innerhalb der Religion kritisch gegenübersteht. Er könne mit einem Bild von Gott, der uns in Angst hält, nichts anfangen und sehe vielmehr, dass unsere menschliche Fantasie für die Erfassung des Göttlichen „sehr begrenzt“ sei. Er empfinde Dankbarkeit für die Balance, das Bewahrtsein und die göttliche Kraft, die wir nicht fassen können, die aber uns, die Sterne, das Universum hält.

Inspiration in seiner Auseinandersetzung mit der Frage nach Gott findet Wolfgang Joop bei der französischen Philosophin und Mystikerin Simone Weil, deren Erklärungen für das Unerklärliche er „sehr klug“ findet. So wie die Sehnsucht nach Liebe im Menschen stets da sei, glaube er, „dass meine Seele das Göttliche spürt“. Das Göttliche beschreibt er dabei mit Begriffen wie „das Bewahrende, das Behütende, auch das Rettende“. Die Aussage Weils, dass das größte Geschenk Gottes für die Menschen die leere Stelle in unserer Seele sei, empfindet Joop als „etwas Wunderbares“.

Anders als Karl Marx sieht Wolfgang Joop Religion nicht als Opium fürs Volk. Während Opium eine still machende Droge sei, sei Religion „nicht nur beruhigend“, sondern gebe „Stabilität, wenn alles zusammen bricht“. Er beschreibt das Christentum, basierend auf der Leidensgeschichte Christi, als Spiegelbild des Lebens, in dem Leid dazu gehört, und betont die Bedeutung der Nächstenliebe. Als kritisch beschreibt er dagegen „Übertreibung in der Ausübung der Religion“ sowie einen auf Dogmen basierenden Glauben, der „etwas Autoritäres“ habe und dessen Auftreten man heutzutage „generell“ nicht mehr ertrage.

Gedanken zum Älterwerden

Kurz vor seinem 80. Geburtstag denkt Wolfgang Joop über das Älterwerden nach. Er hätte nicht damit gerechnet, 80 zu werden, und beschäftigt sich mit dem Unkontrollierbaren des Alterns: "Dieses Verletzbare, das Gefühl, da geschieht was mit mir, was ich nicht kontrollieren kann und was ich nicht kenne."

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Trotz seines Optimismus gibt Joop auch zu, dass das Altern nicht immer leicht ist. Er gesteht, dass er nach dem Tod seines Kollegen Karl Lagerfeld geweint habe, weil er dachte: "Jetzt ist das vorbei. Denn es war auch so geil! Mein Gott war das geil."

Gesellschaftliche Ansichten und Kritik

Joop nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um gesellschaftliche Entwicklungen geht. Während man früher "alte weiße Männer" mit Weisheit verband, seien diese heute oft "ein bisschen ugly und reden sich um Kopf und Kragen". Er ist überzeugt, dass Politik dem Aussehen abträglich ist, sie mache »innen und außen hässlich«, ist der Modeschöpfer überzeugt.

Eine Ausnahme bildet Sahra Wagenknecht, die er als irritierend und toll empfindet.

Stil und Mode

Über seinen eigenen Look verrät Joop: „Mein Stil ist bewusste Stillosigkeit. Ich suche mir aus meinem Vintage-Fundus Kleinode heraus und beginne, mit ihnen zu experimentieren. Das Ergebnis sieht manchmal völlig chaotisch aus, aber so fühle ich mich dann auch. Eine Referenz ans Alter ist, dass ich bequemes Schuhwerk trage.“

Er betont, dass heutzutage der Wunsch, die Morphologie des eigenen Körpers zu verändern, wichtiger sei als Mode. Neue Brüste oder eine Nasenkorrektur seien dringender als die neue It-Bag. Nichts mache Menschen länger glücklich als eine gelungene Schönheitsoperation - Betonung auf ‚gelungen‘.

Zitate von Wolfgang Joop

Wolfgang Joop ist bekannt für seine geistreichen und pointierten Aussagen. Hier eine Auswahl seiner Zitate:

  • „(Schönsein) ist das Beste! Alle Türen fliegen dir auf. Ich hätte sofort einen Punkt von meinem IQ hergegeben, um noch schöner zu sein.“
  • „Ich mag das Autistische, Launische, eben auch Kindliche in der Mode. Das Perfekte ging mir schon immer auf die Nerven, das Unperfekte finde ich viel irritierender und auch humaner.“
  • „Eleganz ist ein Verhalten. Eine Souveränität, eine gewisse Coolness. Man muss heute bewusst und souverän auf ugly machen können, weil das die höchste Form von Eitelkeit ist und eine Art zu sagen: Ich will Distanz.“
  • „Fitness ist auch Scheiße! Ich fahr ja immer Fahrrad - jeden Tag. Schaue dem Tod in die Augen - jeden Tag. Und nehme es mit ihm auf!“
  • „Ich habe immer alles auf eine Karte gesetzt und bin damit meistens sehr gut zurechtgekommen. Lebenswerk bedeutet ja auch, nicht in die Knie gegangen zu sein. Und das ist allerhand.“
  • „Das Alter kommt zu plötzlich. Ich versuche, keine Erkältung zu bekommen und nicht hinzufallen.“
  • „Heute darf man alles tun, aber diese Freiheit, alles zu dürfen, ist die Höchststrafe. Man müsste eine Sekte gründen und erst mal alles verbieten. Und dann teilt man es wieder zu mit kleinem Löffel. Man darf wieder essen, wieder Sex haben, wieder lieben, wieder Drogen nehmen … Erst wenn man sie dosiert, werden die Dinge wieder spannend.“
  • „Ich habe keine Geheimnisse. Also: Vertraut mir bitte nichts an, ich kann nichts für mich behalten!“
  • „Es ist doch grotesk und reine Zeitverschwendung, wenn ältere Leute aus Eifersucht mit ihren Kollegen in Feindschaft geraten.“
  • „Ich habe eine stark ausgeprägte erotische Fantasie. Aus diesem Grund bin ich auch so wenig neugierig auf die sogenannte Sauerei. Aber ganz abgesehen davon kann ich sowieso nur so lange mit einem Menschen befreundet sein, solange ich eine erotische oder sinnliche Wahrnehmung von ihm oder ihr habe.“
  • „Der Trotz rettet mich immer wieder aus der Festgefahrenheit und der Erstarrung. … Falsche Fährten zu legen, nicht kalkulierbar zu sein, vor den kommerziellen Erwartungen keinen Kniefall zu machen - diese Trotzreaktion ist meine Rettung.“
  • „Meine Karriere war genau, das kann ich heute ja weiß Gott mehr als gestehen, sehr Rock ’n’ Roll. Eine Karriere, die ich eher mit David Bowie vergleichen könnte als mit, sagen wir mal, Karl Lagerfeld, bei dem alles sehr strikt und konzern-like ging. Bei mir war es doch eher die Karriere, wenn man so will, eines Popstars.“
  • „Wir brauchen den anderen, um zu ahnen, wer wir sind. Sexuelle Kontakte, Fetischkontakte, auch Businesskontakte: Der Rivale sagt dir, wie groß du bist. Aber mein Geheimnis gebe ich nicht preis, ich gestehe gar nichts.“
  • „Social Media erzieht zu Hass. Irgendjemand hat immer einen schickeren Arsch oder hatte den besseren Urlaub. Man kann vor dem Dauergebrauch des Smartphones nur warnen. Mein Handy wird nur zweimal am Tag eine halbe Stunde eingeschaltet - und dann wieder ausgeschaltet.“
  • „Es ist eine Epidemie unserer Zeit, dass Kleider nur noch entworfen werden, damit Models Handtaschen vorführen können.“
  • „Karl Lagerfeld sah aus wie meine Oma.“
  • „Castingshows sind ein bisschen menschenverachtend, aber da Exhibitionismus ein Teil unserer Kultur ist, finde ich es ganz gut, wenn ich meine korrektive Haltung da einbringe.“
  • „Ein Topmodel ist sie nicht, sondern ein Werbegirl“ (über Heidi Klum)
  • „Beim ersten Aufeinandertreffen (mit Heidi) musste ich mich erst mal entschuldigen. Ich hatte ja zuvor auch immer mal wieder in Karl Lagerfelds Horn gestoßen, nach dem Motto: Ein Model ist die nicht, in Paris haben wir die nie gesehen. Man muss verstehen: Heidi Klum steht nicht für Fashion, sondern für Entertainment. Sie hat mit eiserner Disziplin eine Megakarriere in den USA aufgebaut und ist somit unser einziger deutscher Superstar. Das schaffen nicht viele. Und vor dieser Lebensleistung habe ich absoluten Respekt.“
  • „Noch vor kurzem habe ich gesagt, dass Karl Lagerfeld der Einzige von uns ist, der uns hoffentlich alle überlebt. Jetzt ist auch er nicht mehr da. Vielleicht braucht man diese Art von Modestars auch gar nicht mehr, vielleicht ist diese Zeit auch einfach vorbei.“
  • „Sahra Wagenknecht hat mit ihrer Kleidung ein Statement gesetzt. Das ist eine Art von Propagandaschrift in Kleidung.“
  • „Ich persönlich finde auch eine Person, die mir vertraut ist, durchaus sexuell attraktiv. Ich bin nicht derjenige, der nur das Fremde sucht.“
  • „Im Hotel hab’ ich immer das Gefühl, ich bin im betreuten Wohnen.“
  • „Wenn man früh in einer Beziehung weiß, dass die Erotik besser ein Tabuthema bleibt, kann man weiter gehen.“
  • „Ich bin sehr stark abhängig von meinen Kopfschmerztabletten. Sehr abhängig davon, dass man mir ein gutes Bett macht. Sehr abhängig davon, dass jemand mir Mut zuspricht und dass jemand merkt, dass ich da bin, dass ich geliebt werde.“
  • „Es gibt eine Treue, die noch viel tiefer geht als die, die sich zwischen den Bettlaken abspielt.“
  • „Manchmal merke ich, dass das Alter kein echter Freund ist. Ich komme mir manchmal vor wie ein Haushaltsgerät, für das es kein Ersatzteil gibt.“
  • „Männer haben die gleiche Pflicht, mit ihren Outfits zu unterhalten, wie Frauen.“
  • „Verglichen mit meiner Jugend, in der wir alle Pickel und fettige Haare hatten, sind die jungen Männer heutzutage junge Götter.“
  • „Ich finde, das Alter bringt gar nichts. Ich sehe keinen Vorteil. Ich bin noch neugierig und ich bin dankbar, dass ich die Zeit vor Corona erlebt habe. Insgesamt habe ich bis jetzt das Gefühl, wirklich gut gelebt zu haben. Ich habe alles gemacht, was für mich möglich war.“
  • „Liebeskranksein ist Höllenschmerz. Wenn du jung bist, frisst du erst mal eine Handvoll Pralinen weg. Und dann wirst du älter und siehst, dass nur noch zwei Reihen in der Schachtel sind. Später erst genießt du und merkst, wie süß die Pralinen doch schmecken.“
  • „Ich kann gut mit Geld umgehen, weil ich die Magie des Geldes nicht verstehe.“
  • „Ich habe in Abgründe geschaut, ich habe einige Exzesse überlebt und bin jedes mal mit heiler Haut wieder rausgekommen. Ich bin weder verwöhnt noch abgefuckt noch bin ich zynisch oder frustriert. Ich finde, das Kind in mir hat keinen Schaden genommen. Immer, wirklich immer, wenn die Stulle runterfiel, lag die Seite mit der Butter oben.“
  • „Die Zeit ist zu knapp, um zu schmollen.“
  • „(Gott) kommt mir vor wie ein böser Liebhaber, der immerzu das Äußerste fordert, um dich noch mal auf die Probe zu stellen, ob du ihn auch wirklich liebst und dich unterwirfst, unterwirfst und nochmal unterwirfst. Auch diese schreckliche Jesus-Geschichte irritiert mich, weil der Arme immer rufen musste: ‚Hast du mich verlassen?‘ und keine Antwort bekam.“
  • „Es ist mir scheißegal, was mit meinem Vermächtnis, mit meinem Ruhm, mit meinem künstlerischen Werk passiert. Ich glaube nicht, dass Leonardo da Vinci auf Wolke sieben sitzt und immer noch die Mona Lisa anglotzt. … In dieser Beziehung bin ich Agnostiker.“
  • „Ich war immer ein Kind der Zeit. Das werde ich auch mit neunzig sein. Man macht jetzt Jagd auf die ach so bösen über Fünfzigjährigen. Ist doch Quatsch.“
  • „Wie dumm ist die Idee, Gott einen Mann sein zu lassen.“
  • „Ich hab heute keine Lust.“

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