Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Viele Betroffene suchen nach nicht-medikamentösen Möglichkeiten zur Vorbeugung von Migräneattacken. Magnesium, ein essenzieller Mineralstoff, der an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt ist, hat sich als eine solche Option etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Magnesiumoxid bei der Migräneprävention, seine Wirkungsweise, empfohlene Dosierungen und die aktuelle wissenschaftliche Evidenz.
Magnesium: Ein wichtiger Mineralstoff für den Körper
Magnesium ist ein Mengenelement, das für zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper unerlässlich ist. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von Enzymen, dem Energiestoffwechsel, der Reizübertragung von Nerven auf Muskeln sowie der Muskelkontraktion. Darüber hinaus trägt Magnesium zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Erhaltung von Knochen und Zähnen bei. Ein Magnesiummangel kann sich durch Symptome wie Zittern, Krämpfe, Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen äußern.
Der Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Migräne
Es gibt Hinweise darauf, dass bei Kopfschmerz- und Migränepatienten häufig ein Magnesiummangel vorliegt oder dass ein niedriger Magnesiumspiegel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Spannungskopfschmerzen und Migräne in Verbindung steht. Untersuchungen bei Migränepatienten haben eine verringerte Magnesiumkonzentration im Gehirn nachgewiesen.
Dieser Zusammenhang lässt sich folgendermaßen erklären: Magnesium ist ein wichtiger Biofaktor für die Funktion der Nerven. Es moduliert die NMDA-Rezeptoren im Nervensystem, die unter anderem für die Schmerzübertragung zuständig sind. Eine übermäßige Aktivierung der NMDA-Rezeptoren kann die neuronale Erregbarkeit erhöhen und die Schmerzwahrnehmung verstärken, was zu chronischen Schmerzen wie Migräne führen kann. Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.
Die Rolle von Magnesiumoxid in der Migräneprophylaxe
Die orale Magnesiumsupplementierung, insbesondere mit Magnesiumoxid, hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Studien haben gezeigt, dass Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg Magnesiumoxid im Vergleich zu Placebo zu weniger Anfällen führten, die zudem in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten. Kurz gesagt: Durch oral substituiertes Magnesium kann eine signifikante Reduktion der Migränetage und Migräneattacken erreicht werden.
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Laut der aktuellen Leitlinie sollten Betroffene über eine solche Migräneprophylaxe nachdenken, wenn die Anfälle länger als 72 Stunden anhalten, pro Monat mindestens drei schwere Anfälle auftreten, die Häufigkeit der Anfälle zunimmt, von Auren begleitet sind und/oder eine Akuttherapie mit Triptanen oder Analgetika nicht wirksam bzw. verträglich ist.
Magnesium und Vitamin D: Ein Synergismus
Es gibt einen Synergismus zwischen Magnesium und Vitamin D. Magnesium wird benötigt, um Vitamin D in seinen aktiven Metaboliten, das Calcitriol, umzuwandeln. Ohne ausreichend Magnesium kann diese Umwandlung gestört sein, so dass weniger Calcitriol für den Stoffwechsel zur Verfügung steht. Umgekehrt fördert Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption.
Formen von Magnesium und ihre Anwendung bei Migräne
Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten bei Migräne einnehmen können, um sich das benötigte Magnesium zuzuführen, enthalten entweder Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat oder Magnesiumcitrat. Welches Magnesium du nun genau bei Migräne anwenden kannst, hängt von deiner individuellen Situation und Verträglichkeit ab: Bei Magnesiumoxid erfolgt der Einsatz meist zur Prävention von Migräne-Attacken, Magnesiumcitrat findet Verwendung bei akuten Beschwerden. Möglicherweise speichert der Körper Magnesiumoxid besser im Körper - Citrat nimmt er hingegen schneller auf. Die Magnesium-Art nimmt keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Präparaten - Unterschiede gibt es nur in der Zeit, die der Körper benötigt, um es aufzunehmen. Oral eingenommene Substanzen lösen sich zunächst im Magen auf, anschließend gelangen sie zum Dünndarm und in die Blutbahn, wo sie ihre Wirkung im Körper entfalten. Für die Einnahme von Magnesium bei Migräne kannst du auf verschiedene Darreichungsformen zurückgreifen: Tabletten, Granulate, Kapseln oder Kaudragees.
Dosierung und Einnahme von Magnesiumoxid
Die empfohlene Tagesdosis von Magnesium liegt für Frauen bei 300 mg und für Männer bei 350 mg. In Studien zur Migräneprophylaxe wurden Dosierungen von 500 bis 600 mg Magnesium täglich verwendet, aufgeteilt auf zwei Einnahmen. Es ist ratsam, die Einnahme von Magnesium mit dem Arzt oder Apotheker abzusprechen, um die optimale Dosierung und Form für die individuelle Situation zu bestimmen.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Eine Überdosierung von Magnesium kann zu Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfen führen. In seltenen Fällen kann es auch zu Müdigkeit, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen kommen. Personen mit Nierenproblemen sollten vor der Einnahme von Magnesiumpräparaten ihren Arzt konsultieren.
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Die Verbraucherzentrale warnt außerdem davor, dass gleichzeitig aufgenommenes höher dosiertes Magnesium, Calcium, Eisen oder Zink sich gegenseitig bei der Aufnahme in den Körper behindern können.
Magnesiumreiche Ernährung als Ergänzung
Ein gesunder Mensch kann in der Regel seinen Tagesbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung decken. Magnesium ist vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Als wahre „Magnesiumbomben“ gelten Kerne und Samen, wie Mandeln, Kürbiskerne, Leinsamen und Sesam. Wichtige Magnesiumquellen sind auch Vollkornprodukte, grünes Blattgemüse wie Mangold oder Spinat und Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen.
Aktuelle Studienlage und wissenschaftliche Evidenz
Die Leitlinienexpert:innen beschreiben die Studiendaten zu Magnesium als Prophylaxe als nicht völlig schlüssig. Sie berichten von einer Studie, in der keine Wirksamkeit in Bezug auf Migräne Symptome und Anfallshäufigkeit gezeigt werden konnte. In einer anderen aufgeführten Studie hingegen verringerte sich die Anfallshäufigkeit in der Magnesium-Gruppe um 41,6 %. Auch die Anzahl der Tage mit Akutmedikation gingen in der besagten Gruppe deutlich zurück. Zusätzlich erwähnen sie weitere Studien, welche zur eher uneindeutigen Studienlage beitragen. Eine Meta-Analyse, die auf hohem wissenschaftlichen Niveau Ergebnisse aus vielen einzelnen Studien zusammenfassen konnte, zeigte eine signifikante Verbesserung der Frequenz und Intensität der Migräneattacken nachgewiesen werden konnte.
Insgesamt muss man aber leider sagen, dass Magnesium bisher noch als Prophylaktikum mit geringer wissenschaftlicher Evidenz gilt.
Kombination von Magnesium mit anderen Mikronährstoffen
Migräneärzten aus Deutschland ist es gelungen, die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachzuweisen. Die international publizierte Studie zeigt, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. Der Vorteil dieser Kombination ist neben der natürlichen Zusammensetzung die gute Verträglichkeit, Gegenanzeigen bestehen nicht.
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Weitere Faktoren bei der Migräneprophylaxe
Neben Magnesium spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Migräneprophylaxe. Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken, Anpassungen der Lebensweise und eine ausgewogene Ernährung. Neuere Studien zeigen nämlich, dass auch ein niedrig stabiler Blutzucker Migräne effektiv reduzieren kann. Denn insbesondere starke Blutzuckerschwankungen können bei der Entstehung von Migräneattacken eine bedeutende Rolle spielen. Deshalb ist eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält von großer Bedeutung.
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