Das Medizinstudium in Mainz, insbesondere im Bereich der Neurologie, steht immer wieder im Fokus von Diskussionen. Erfahrungen von Studierenden, wie die von Manfred E., werfen Fragen bezüglich der Organisation, Flexibilität und Praxisnähe des Studiengangs auf. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Mainzer Medizinstudiums, insbesondere im Hinblick auf das Blockpraktikum Neurologie, und vergleicht es mit anderen Studienmodellen. Dabei werden sowohl positive als auch negative Aspekte berücksichtigt, um ein umfassendes Bild der Situation zu zeichnen.
Kritikpunkte am Mainzer Medizinstudiengang
Manfred E. schildert in seinem Bericht vom 17. Februar 2011, dass die Module im Studiengang festgelegt sind und in einer bestimmten Reihenfolge absolviert werden müssen. Dies führt zu einer unnötigen Unflexibilität, da die Module nicht zwingend aufeinander aufbauen, um einen solchen Verlauf zu rechtfertigen.
Online-Lehre während der Pandemie
Im ersten Semester (WiSe 2021/22) wurden Vorlesungen und Seminare aufgrund der Pandemie online abgehalten. Das Immunologiepraktikum wurde ersatzlos gestrichen und durch weitere Online-Seminare ohne Anwesenheitspflicht ersetzt. Dies führte zu einer fehlenden Praxiserfahrung, die bis heute besteht, da kein weiteres Praktikum angeboten wurde.
Molekulare Biologie im zweiten Semester
Im zweiten Semester wurde Molekulare Biologie gelehrt, was per se interessante Inhalte bot, aber auch eine große Ansammlung an vielen verschiedenen Themen war. Ein roter Faden war hier nicht erkennbar. Die mündliche Abschlussprüfung in diesem Modul wurde durch mehrere verschiedene Dozenten durchgeführt, was einen sinnvollen Vergleich unmöglich machte und zu teils extrem unterschiedlichen Noten führte.
Neurologieklausur mit Datenschutzmängeln
Bei der Neurologieklausur wurden die Ergebnisse in einer unverschlüsselten Exceldatei verschickt. Dies ermöglichte es den Studierenden, die Ergebnisse ihrer Kommilitonen einzusehen, was einen klaren Verstoß gegen den Datenschutz darstellt.
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Projektarbeit und Wahlmodule im dritten Semester
Das dritte Semester war durch die Projektarbeit und die Wahlmodule sehr stressig. Die Wahlmodule hätten problemlos ins erste Semester gelegt werden können, da es keine Zugangsvoraussetzungen gab. Die Projektarbeit war in der AG als deutlich mehrschichtiger beschrieben.
Masterarbeit als positive Erfahrung
Die Masterarbeit in einer anderen AG war eine sehr positive und lehrreiche Erfahrung.
Mangelnde Kommunikation und Organisation
Während der gesamten Studiendauer wurde die fehlende Kommunikation und Organisation bemängelt. Praktika wurden teilweise sehr kurz im Voraus konkret festgemacht und Vorlesungszeiten eine Woche vor Semesterstart angekündigt.
Forschung unter finanziellen Engpässen
Die Universitätsmedizin steckt tief in den roten Zahlen, was sich in den veralteten und unhygienischen Räumlichkeiten und Gerätschaften widerspiegelt. Das "Trinkwasser" in den Laboren ist nur bedingt trinkbar. In der AG, in der das Masterpraktikum absolviert wurde, wird Ethidiumbromid für die Agarosegele verwendet, was ein vermeidbares Gesundheitsrisiko darstellt und per Sondermüll entsorgt werden muss.
Fazit des Studierenden
Insgesamt hat dieser Studiengang sehr viel Kraft und Energie gekostet und fachlich nicht besonders viel gebracht. Der Studiengang sollte besser wieder der Biologie übereignet werden, so wie es vor vielen Jahren war.
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Das Blockpraktikum Neurologie in Mainz
Das Blockpraktikum Neurologie in Mainz ist ein wichtiger Bestandteil der klinischen Ausbildung. Es findet in Kleingruppen, montags, dienstags und donnerstags 2-wöchentlich statt (6 Termine) im 5. Klinischen Semester. Diese Termine werden im Erdgeschoss, Geb. 503, Neurologische Poliklinik ausgehängt. Insgesamt gibt es 15 Gruppen.
Inhalte und Ablauf
Im Rahmen des Praktikums werden die wichtigsten neurologischen Krankheitsbilder anhand von stationären Patienten vorgestellt. Unter Mitarbeit der Studenten werden Anamnese und Untersuchungsbefund erhoben, die Differentialdiagnosen diskutiert, sowie das diagnostische und therapeutische Procedere besprochen. Alternativ dazu finden am Ende des Semesters Blockpraktika statt, mit einer mündlichen Klausur am Ende.
Dozenten und Teilnahmebedingungen
Der Unterricht wird von den Oberärzten der Klinik bzw. habilitierten externen Dozenten durchgeführt. Die Teilnahme am Kurs wird durch Unterschrift bestätigt. Eine erfolgreicher Abschluss des Praktikums setzt die Teilnahme von mindestens 6 Terminen voraus. Ein Ausweichen auf eine andere Gruppe ist in Ausnahmefällen für einzelne Termine möglich. Gegen Ende des Kurses erfolgt ab SS2004 eine Leistungsüberprüfung in Form einer Multiple Choice Prüfung.
Zusätzliche Informationen
Die Zuteilungen sowie den Vorlesungsplan für das laufende Semester sind am schwarzen Brett der Neurologie zu finden. Ferner finden für interessierte Studenten eine Reihe von Veranstaltungen, vor allem im Rahmen von Seminaren statt.
Vergleich von Regel- und Modellstudiengängen
Während viele Medizinstudierende oftmals erst nach Jahren in Kontakt mit Patienten kommen, sind andere von Anfang an mitten im Klinikalltag. Der Grund sind unterschiedliche Studienmodelle. Doch welches bringt besser durchs Studium und zum Arztberuf: der „Modellstudiengang“ oder der „Regelstudiengang“?
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Regelstudiengang
Der Regelstudiengang ist das klassische, bundesweit einheitlich geregelte Modell des Medizinstudiums in Deutschland, und das bereits seit DDR-Zeiten.
Vorklinik (1. bis 4. Semester)
Als Vorklinik wird das erste bis vierte Semester bezeichnet. Es geht hier vor allem um die Grundlagen. Der Fokus liegt daher stark auf Theorie und naturwissenschaftlichem Wissen. Abschließend wird im sogenannten Physikum überprüft, ob das Basiswissen auch wirklich sitzt. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen müssen insgesamt 320 Fragen aus den Bereichen Biochemie, Anatomie, Chemie, Physik, Physiologie, Psychologie, Soziologie und Biologie beantwortet werden. Als wäre das nicht schon genug, schließt sich dem auch noch eine mündliche Prüfung in Anatomie, Biologie und Physiologie an. Wer besteht, hat den 1.
Klinik (5. bis 10. Semester)
In der Klinik (etwa fünftes bis zehntes Semester) kommen, wie der Name schon sagt, die klinischen Fächer dazu: Dazu gehört zum Beispiel die Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Gynäkologie etc. Die Lehre bleibt allerdings oft theorielastig, Praxiserfahrung kommt eher durch Praktika und Famulaturen dazu. Letztere sind so etwas wie Praktika in Arztpraxen oder Kliniken. Im letzten Studienjahr folgt das Praktische Jahr (PJ). Hier arbeitet man ganztägig in der Klinik auf drei Stationen (Innere, Chirurgie und ein Wahlfach). Nach dem 10. Semester findet der 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung statt, umgangssprachlich auch „Hammerexamen“ genannt.
Kritik am Regelstudiengang
Bereits gegen Ende der 90er-Jahre wurden Stimmen gegen den Regelstudiengang laut: die Strukturen seien veraltet, die Inhalte des Studiums zu wenig praxisorientiert. Insbesondere die strikte Trennung von vorklinischen und klinischen Studienabschnitt wurde von vielen Fakultäten als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Zudem haben Studierende des Regelstudiengangs erst nach dem 4. Fachsemester Patientenkontakt, wenn man vom vorgeschriebenen Krankenpflegepraktikum absieht.
Modellstudiengang
Der Modellstudiengang ist eine etwas „innovativere“ Form des Medizinstudiums. Die Idee dahinter ist, das Studium praxisnäher, integrierter und studierendenfreundlicher zu gestalten. Die Grundlage dafür bietet § 41 der Approbationsordnung, der es Hochschulen erlaubt, eigene curriculare Konzepte zu entwickeln.
Verzahnung von Theorie und Praxis
Ein einheitliches und wichtiges Merkmal des Modellstudiengangs ist die Verzahnung von theoretischen und klinischen Inhalten, und das von Anfang an. So ist es möglich, dass die Studierenden bereits im ersten Semester Patient*innenkontakt haben und theoretisch Inhalte direkt mit Fallbezug lernen. Das Curriculums ist in themenfokussierten, oft organbezogenen, Fachblöcken organisiert, die praxisnah vermittelt werden. Für viele Studierende ist es dadurch leichter, medizinische Zusammenhänge zu verstehen.
Prüfungsordnung
Auch in puncto Prüfungsordnung unterscheidet sich der Modellstudiengang maßgeblich vom Regelstudiengang. Erneut verzichtet der Modellstudiengang nämlich auf die klassische Zweiteilung in den 1. und 2. Abschnitt der ärztlichen Prüfung. Stattdessen wird auf kontinuierliche Prüfungen gesetzt. So gibt es nach jedem Modul eine abschließende Modulprüfung, oft in Form von Klausuren oder praktischen Prüfungen, auch mündlich kann das Wissen getestet werden. Inhalte aus Vorklinik und Klinik werden gemeinsam geprüft, also so, wie sie auch gelehrt werden. Zusammengefasst wird im Modellstudiengang früher, kleinteiliger und praxisnäher geprüft. Statt alles auf einmal wie im Physikum zu lernen, haben Studierende regelmäßig Prüfungen zu absolvieren.
Neue Approbationsordnung
Vier Jahre, nachdem der Masterplan Medizinstudium 2020 vorgelegt wurde, hat das Bundesgesundheitsministerium nun den Entwurf für die neue Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) vorgelegt. Damit soll sich die medizinische Ausbildung in Deutschland verändern. Zum einen sieht der Entwurf die Verzahnung theoretischer und klinischer Inhalte ab dem ersten Semester vor. Damit soll die strenge Trennung zwischen Vorklinik und Klinik aufgehoben werden. Eine weitere entscheidende Änderung: Das erste Staatsexamen soll aufgeteilt werden, entsprechend gäbe es dann insgesamt vier Staatsexamina. Das erste schriftliche Staatsexamen soll weiterhin nach dem vierten Semester stattfinden.
Aktuelle Situation
Mittlerweile bietet nur noch die Universität in Dresden sowohl Regel- als auch Modellstudiengang an. Modellstudiengänge bieten ein modernes Modulsystem, praxisorientierte Ansätze und teils auch eine größere Flexibilität. Durch das Wegfallen der großen Prüfungen erhöht sich jedoch auch die Prüfungsfrequenz, was ebenso ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert. Für manche Studierende kann das sogar belastender sein als die klaren Prüfungsphasen. Letztlich geht es um die persönliche Präferenz. Für Studierende, die mehr Freiheit und Praxiserfahrung wollen, ist ein Modellstudiengang eine gute Wahl.
Wechsel zwischen Studiengängen
Ein Wechsel zwischen Modell- und Regelstudiengang ist kaum möglich, weder innerhalb von Deutschland noch vom Ausland nach Deutschland. Die Ausbildung im Modellstudiengang ist sicherlich praxisnäher und macht mehr Spaß, ein Wechsel ist allerdings auch hier weitgehend ausgeschlossen.
Weitere Aspekte des Medizinstudiums in Mainz
Anmeldung zu Veranstaltungen
Die Anmeldung zu den Veranstaltungen des ersten Semesters an der Universität Mainz erfolgt über das jeweilige Studienbüro. In den kommenden Semestern findet die Anmeldung zu den Veranstaltungen in den drei vorletzten Wochen der Vorlesungszeit online über das Studien- und Prüfungsverwaltungssystem JOGU-STIne (CampusNet) statt. Die Gruppenzuteilung ist verbindlich. Persönliche Präferenzen (Erwerbstätigkeit, Doktorarbeit, Freizeitgestaltung etc.) können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Gruppeneinteilung, Stundenpläne, Termine und weitere Informationen können über JOGU-STIne (CampusNet) eingesehen werden.
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung
Da Studierende der klinischen Semester am Patientenbett eingesetzt werden, können sie Kontakt zu infektiösen Patienten haben. Aus diesem Grund bietet die Betriebsärztliche Dienststelle für alle Studierenden ab dem 1. klinischen Semester nach der Biostoffverordnung eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung, bestehend aus einer körperlichen Untersuchung, einer Blutentnahme mit Titerbestimmung bezüglich Hepatitis B, C und HIV sowie einer Impfberatung an.
Objective Structured Clinical Examination (OSCE)
Die Objective Structured Clinical Examination (OSCE) ist eine Methode zur Überprüfung klinischer Kompetenzen. Sie wurde entwickelt, um Studierende auf ihre spätere Tätigkeit als Ärztin bzw. Arzt vorzubereiten. Im Rahmen der OSCE werden verschiedene Fertigkeiten und Kenntnisse in simulierten Patientensituationen überprüft. Die Konsistenz des Parcours war jeweils mittelhoch (α=0,55/0,50).
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