Die Parkinson-Krankheit und die Alzheimer-Krankheit sind beides fortschreitende neurodegenerative Erkrankungen, die das Gehirn betreffen und zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen können. Obwohl beide Erkrankungen ähnliche Symptome aufweisen können, gibt es wesentliche Unterschiede in Bezug auf die betroffenen Gehirnregionen, die zugrunde liegenden Ursachen und den typischen Verlauf.
Was ist Parkinson-Krankheit?
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende, unheilbare Nervenkrankheit und nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Bei der Parkinson-Erkrankung sind Gehirnregionen betroffen, die für Beweglichkeit und die Motorik verantwortlich sind.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Das Hauptsymptom der Parkinson-Krankheit besteht in einer chronischen Verlangsamung aller Bewegungsabläufe, einer Unfähigkeit neue Bewegungen zu initiieren und einer Störung der Feinmotorik (sogenannte Hypokinese). Obwohl bei den Patienten keine wirklichen Lähmungen vorliegen, kann die Bewegungsstörung so schwere Ausmaße annehmen, dass die Betroffenen völlig bewegungslos und starr erscheinen (sogenannte Akinese). Der Gang ist vornübergebeugt und kleinschrittig, die Mimik wirkt starr und ausdruckslos.
Bei vielen Kranken tritt darüber hinaus in Ruhe ein charakteristisches Zittern (sogenannter „Pillendreher“-Tremor) und bei der neurologischen Untersuchung eine typische Steifigkeit der Arme und Beine (sogenannter Rigor) in Erscheinung. Das gleichzeitige Auftreten der Symptome Hypo-/Akinese, Tremor und Rigor wird als Parkinson-Syndrom bezeichnet.
Ursachen der Parkinson-Krankheit
Beim Morbus Parkinson im engeren Sinne wird das Parkinson-Syndrom durch ein Absterben derjenigen Hirnareale in der Tiefe des Gehirns verursacht, die den Botenstoff Dopamin produzieren (Substantia Nigra). Ein Parkinson-Syndrom kann jedoch auch durch andere Ursachen ausgelöst werden. Hierzu zählen z.B. Durchblutungsstörungen/Schlaganfälle in der Tiefe des Gehirns oder aber Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (insbesondere Neuroleptika). Im letztgenannten Fall kann ein Absetzen des Medikaments zu einer Rückbildung der Symptome führen.
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Die genauen Ursachen und Zusammenhänge für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht geklärt. Eine entscheidende Rolle scheint ein Protein namens Alpha-Synuclein zu spielen. Es verklumpt sich in den Nervenzellen zu kleinen Ablagerungen. Lewy-Körperchen (rund) sind in den Hirnnervenzellen bei Menschen mit Parkinson nachweisbar. Das Risiko für eine Parkinson-Demenz steigt vor allem mit dem Alter. In der Altersgruppe der Menschen über 75 entwickelt ungefähr jeder zweite Person mit Parkinson zusätzlich eine Demenz. Außerdem wird vermutet, dass ein genetischer Faktor, die so genannte GBA1-Mutation, eine Rolle spielt. Diese könnte sowohl das Risiko für Parkinson als auch für eine Parkinson-Demenz erhöhen.
Parkinson-Demenz
Bei vielen Menschen mit Parkinson treten im Verlauf der Erkrankung kognitive Beeinträchtigungen auf. Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Wie stark diese Einschränkungen sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Häufig sind die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache oder die Orientierung betroffen. Auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann bei Menschen mit Parkinson-Demenz nachlassen. Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Beeinträchtigte Aufmerksamkeit: Menschen mit Parkinson-Demenz haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zielgerichtet zu erledigen. Probleme beim Planen und Problemlösen: Es fällt schwer, Aufgaben vorausschauend zu planen und umzusetzen.
Diagnose von Parkinson-Demenz
Um die geistigen Fähigkeiten zu überprüfen, gibt es spezielle Gedächtnistests. Ein Test, der extra für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, heißt PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Damit werden zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wortfindung getestet. Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, können weitere Tests wie eine MRT-Untersuchung zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind.
Behandlung von Parkinson-Krankheit und Parkinson-Demenz
Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und damit die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer). Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. Die Erkrankten werden dabei unterstützt, ihre bestehenden kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten. Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen.
Was ist Alzheimer-Krankheit?
Alzheimer-Demenz (lat. Fachbegriff: Morbus Alzheimer) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung - also eine Erkrankung, die mit dem Abbau von Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Fälschlicherweise wird Morbus Alzheimer häufig mit Demenz gleichgesetzt, dabei gilt: Demenz ist der Überbegriff für über 50 hirnorganische Erkrankungen.
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Symptome der Alzheimer-Krankheit
Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten: Demenzerkrankungen gehen mit einer Reihe von Symptomen einher, die je nachdem, wo das Gehirn geschädigt ist und in welchem Stadium sich die Demenzerkrankung befindet, stark variieren können. Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Urteilsvermögens, Veränderungen der Persönlichkeit. Viele Demenz-Symptome werden erst rückblickend als solche erkannt.
Ursachen der Alzheimer-Krankheit
Die Ursachen sind bislang nicht ausreichend geklärt. Eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen aber Eiweißablagerungen im Gehirn (Amylase-beta und Tau-Fibrillen), die die Gehirnfunktion zunehmend stören. Nervenzellen sterben nach und nach ab.
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Große Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung Alzheimer sind in nächster Zukunft zu erwarten. Sie werden die bisherige Behandlung der Krankheit auf den Kopf stellen. Was muss passieren, dass diese Innovationen bei den Menschen ankommen?
Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet.
Das Jahr 2025 wird in die Geschichtsbücher eingehen: Erstmals erhält ein Medikament in Europa eine Zulassung, das an den Ursachen der Alzheimer-Krankheit ansetzt. Wirken können derartige Therapien nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose. Doch daran hapert es in Deutschland all zu oft.
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Unterschiede zwischen Parkinson und Alzheimer
| Merkmal | Parkinson-Krankheit | Alzheimer-Krankheit |
|---|---|---|
| Betroffene Gehirnregionen | Schwarze Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn (Dopaminproduktion), im Verlauf auch andere Regionen, die Acetylcholin regulieren | Großhirnrinde (insbesondere Hippocampus und Bereiche, die für Gedächtnis, Sprache und Denken zuständig sind) |
| Hauptsymptome | Motorische Störungen (verlangsamte Bewegungen, Zittern, Steifigkeit), im späteren Verlauf kognitive Beeinträchtigungen | Gedächtnisverlust, Orientierungsprobleme, Sprachstörungen, Störungen des Urteilsvermögens, Veränderungen der Persönlichkeit |
| Typische kognitive Beeinträchtigung | Probleme mit Aufmerksamkeit, exekutiven Funktionen (Planung, Problemlösung), verlangsamte Denkprozesse; Gedächtnisprobleme treten eher im späteren Verlauf auf | Gedächtnisverlust (insbesondere Kurzzeitgedächtnis), Schwierigkeiten beim Erlernen neuer Informationen |
| Ursachen | Abbau von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, Ablagerung von Alpha-Synuclein (Lewy-Körperchen) | Ablagerung von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn, was zu einer Störung der Gehirnfunktion und zum Absterben von Nervenzellen führt |
| Reihenfolge der Symptome | Motorische Symptome treten in der Regel zuerst auf, kognitive Beeinträchtigungen entwickeln sich oft erst im späteren Verlauf | Gedächtnisstörungen treten in der Regel zuerst auf, motorische Probleme sind eher selten |
| Behandlung | Medikamente zur Erhöhung des Dopaminspiegels (z.B. Levodopa), nicht-medikamentöse Therapien (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie), in ausgewählten Fällen tiefe Hirnstimulation | Medikamente zur Verbesserung der kognitiven Funktion (Acetylcholinesterase-Hemmer, Memantin), Antikörper zur ursächlichen Behandlung (Abbau von Amyloid-Plaques), nicht-medikamentöse Therapien (kognitives Training, Ergotherapie, Musiktherapie) |
| Parkinson-Demenz | Tritt bei etwa 30-40% der Parkinson-Patienten im Verlauf der Erkrankung auf | Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz |
| Lewy-Körperchen-Demenz | Lewy-Körperchen finden sich vor allem in der Substantia nigra | Lewy-Körperchen befinden sich hauptsächlich in der Großhirnrinde |
Gemeinsamkeiten
Trotz der Unterschiede gibt es auch einige Gemeinsamkeiten zwischen Parkinson und Alzheimer:
- Neurodegenerative Erkrankungen: Beide Krankheiten sind durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Beide Krankheiten können zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen und Problemen mit exekutiven Funktionen führen.
- Keine Heilung: Bislang gibt es keine Heilung für beide Krankheiten. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
- Belastung für Betroffene und Angehörige: Beide Krankheiten stellen eine erhebliche Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen dar.