Makuladegeneration und Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine weit verbreitete Augenerkrankung, die vor allem Menschen über 50 betrifft und zu einer Verschlechterung des zentralen Sehvermögens führt. Epilepsie hingegen ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle aufgrund von abnormalen elektrischen Entladungen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl diese beiden Erkrankungen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, gibt es interessante Zusammenhänge, insbesondere im Hinblick auf die Diagnose und mögliche Auswirkungen auf das Sehvermögen.

Was ist Makuladegeneration?

Makuladegeneration ist eine altersbedingte Augenerkrankung, die den zentralen Bereich der Netzhaut betrifft, der als Makula bekannt ist. Diese Region ist entscheidend für scharfes Sehen und Farberkennung. Bei Makuladegeneration wird die Makula allmählich geschädigt, was zu einer Verschlechterung der Sehkraft im zentralen Sichtfeld führt. Die Makuladegeneration ist eine weit verbreitete Augenerkrankung, von der weltweit Millionen von Menschen betroffen sind. Eine Beeinträchtigung der Farbwahrnehmung, das Auftreten dunkler Flecken im Gesichtsfeld und ein allmählicher Verlust der Sehkraft sind typische Symptome dieser Erkrankung.

Trockene und feuchte Makuladegeneration

Es gibt zwei Hauptformen der Makuladegeneration: die "trockene" und die "feuchte" Form. Die trockene Form macht etwa 80-90% der Fälle aus und wird durch Ablagerungen in der Netzhaut verursacht, die zu einem allmählichen Verlust von Sehzellen führen. Die feuchte Form, obwohl seltener, ist aggressiver und tritt auf, wenn abnormale Blutgefäße unter der Netzhaut wachsen und Blutungen oder Flüssigkeitsansammlungen verursachen, was zu schnellerem Sehverlust führt.

Obwohl die genauen Ursachen der Makuladegeneration nicht vollständig verstanden sind, spielen Faktoren wie Alter, genetische Veranlagung, Rauchen, UV-Strahlung und Ernährung eine Rolle. Es gibt keine Heilung für Makuladegeneration, aber es gibt Behandlungsmöglichkeiten, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und das Sehvermögen zu erhalten oder zu verbessern.

Diagnose der altersbedingten Makuladegeneration

Eine frühe Diagnose und regelmäßige Augenuntersuchungen sind entscheidend, um Makuladegeneration frühzeitig zu erkennen und das Risiko von schwerwiegenden Sehverlusten zu minimieren. Es ist wichtig, dass Personen ab dem mittleren Alter regelmäßig ihre Augen überprüfen lassen, insbesondere wenn sie Risikofaktoren für die Erkrankung haben.

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Die Diagnose der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) erfordert eine sorgfältige Untersuchung der Augen durch einen erfahrenen Augenarzt. Zu Beginn wird oft eine umfassende Anamnese durchgeführt, bei der der Arzt Informationen über die medizinische Vorgeschichte des Patienten sowie bestehende Symptome und Risikofaktoren sammelt.

Die eigentliche Diagnose erfolgt in der Regel durch verschiedene diagnostische Tests, darunter:

  1. Untersuchung des Augenhintergrunds: Hierbei betrachtet der Augenarzt den Augenhintergrund mit einem Ophthalmoskop, um Anomalien wie abnormale Blutgefäße, Ablagerungen oder Blutungen zu erkennen, die auf AMD hinweisen können.
  2. Visuelle Tests: Visuelle Tests wie Sehschärfe- und Gesichtsfeldtests werden durchgeführt, um den Grad der Sehbeeinträchtigung zu bestimmen und das Ausmaß der Makuladegeneration zu erfassen.
  3. Bildgebende Verfahren: Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine fortschrittliche Bildgebungstechnologie, die bei der Diagnose und Überwachung der Makuladegeneration (AMD) von entscheidender Bedeutung ist. Diese nicht-invasive Untersuchung ermöglicht eine detaillierte Visualisierung der Netzhautschichten und bietet wertvolle Informationen über den Zustand der Makula, dem zentralen Bereich der Netzhaut.

Während einer OCT-Untersuchung wird ein hochauflösendes Bild der Netzhaut erzeugt, indem ein Lichtstrahl in das Auge gesendet und die reflektierten Lichtmuster gemessen werden. Dies ermöglicht es dem Augenarzt, subtile Veränderungen in der Dicke und Struktur der Netzhautschichten zu erkennen, die mit der Makuladegeneration in Verbindung stehen können.

Bei der trockenen AMD kann die OCT helfen, die Dicke der sogenannten Drusen zu quantifizieren, Ablagerungen unter der Netzhaut, die charakteristisch für diese Form der Erkrankung sind. Darüber hinaus kann die OCT helfen, Veränderungen im Pigmentepithel, einer wichtigen Schicht der Netzhaut, zu identifizieren.

Bei der feuchten AMD kann die OCT dazu beitragen, Flüssigkeitsansammlungen oder Blutungen unter der Netzhaut zu erkennen, die durch abnormale Blutgefäße verursacht werden. Diese Informationen sind entscheidend für die Überwachung des Krankheitsverlaufs und die Bewertung der Wirksamkeit von Behandlungen wie intravitrealen Injektionen oder Lasertherapie.

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Dank ihrer hohen Auflösung und Präzision ist die OCT ein unverzichtbares Instrument für Augenärzte bei der Beurteilung und Verwaltung der Makuladegeneration. Frühe Anzeichen von Veränderungen können erkannt werden, noch bevor sich Symptome entwickeln, was eine rechtzeitige Intervention ermöglicht, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und das Sehvermögen so lange wie möglich zu erhalten.

  1. Fluoreszein-Angiographie: Bei diesem Verfahren wird ein Farbstoff in die Vene injiziert, der durch die Blutgefäße des Auges zirkuliert. Der Augenarzt beobachtet dann mit einer speziellen Kamera, wie der Farbstoff durch die Blutgefäße der Netzhaut fließt. Dies ermöglicht die Beurteilung von Durchblutungsstörungen und abnormen Blutgefäßen, die für die feuchte Form der AMD charakteristisch sind.

Nach Abschluss aller diagnostischen Tests bespricht der Augenarzt die Ergebnisse mit dem Patienten und empfiehlt entsprechende Behandlungsoptionen. Eine frühzeitige Diagnose und regelmäßige Überwachung sind entscheidend, um das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen und das Sehvermögen so weit wie möglich zu erhalten.

Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration

Zu den Behandlungsoptionen gehören spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die für die Gesundheit der Netzhaut wichtig sind, Lasertherapie zur Behandlung von abnormen Blutgefäßen bei feuchter Makuladegeneration, Injektionen in das Auge, um das Wachstum abnormaler Blutgefäße zu blockieren, und Rehabilitationsmaßnahmen wie Low-Vision-Hilfen und visuelle Trainingsprogramme, um Patienten dabei zu unterstützen, mit ihrer veränderten Sehkraft besser umzugehen.

IVI-Therapie

Die Therapie mit intravitrealen Injektionen (IVI) beinhaltet die gezielte Verabreichung spezieller Medikamente direkt in den Glaskörper des Auges. Diese Medikamente wirken, indem sie die Aktivität des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) hemmen, welcher die Bildung neuer Blutgefäße im menschlichen Körper stimuliert.

Bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) kommt es zu vermehrter Bildung von „unreifen“ Blutgefäßen in der Netzhaut. Diese Gefäße weisen eine erhöhte Brüchigkeit auf und können leichter einbluten, was zu Schädigungen der Netzhaut führt. Die IVI-Medikamente hemmen das Wachstum dieser „unreifen“ Gefäße und verhindern so weitere Einblutungen in die Netzhaut.

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Die Injektion der Medikamente erfolgt in der Regel ambulant und dauert nur wenige Minuten, wobei eine örtliche Betäubung angewendet wird. Auf Wunsch kann zusätzlich eine sedative Medikation verabreicht werden. Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich, um den Therapieerfolg zu überwachen. Gegebenenfalls können weitere intravitreale Injektionen notwendig sein.

Die IVI-Therapie gilt derzeit als äußerst wirksame Behandlungsmethode bei feuchter Makuladegeneration und wird daher von den Krankenversicherungen vollständig übernommen.

Gängige Medikamente für die IVI-Therapie sind Aflibercept (Eylea®) und Ranibizumab (Lucentis®). Eine alternative Option könnte das Medikament Bevacizumab (Handelsname Avastin®) darstellen, das hauptsächlich in der Krebstherapie verwendet wird.

Bedeutung regelmäßiger Kontrollen und Therapieanpassung

Die AMD ist eine chronische Erkrankung, die mehr oder weniger ausgeprägt einen betroffenen Patienten ein Leben lang begleitet. AMD ist vergleichbar mit Diabetes, Herzschwäche, rheumatoider Arthritis, Epilepsie oder Asthma: Die Ärzte können den Verlauf dieser Erkrankungen positiv beeinflussen, ihr Fortschreiten bremsen oder die Symptome lindern - heilen können sie diese Krankheiten nicht.

Daher ist es wichtig zu wissen, dass nur eine regelmäßige Kontrolle und Therapie die feuchte Form der Erkrankung kontrollierbar machen und einem schnellen Verlust der Sehfähigkeit entgegenwirken. Die Intervalle richten sich nach der Stärke des Medikaments beziehungsweise Ihrer persönlichen Krankheitsaktivität. Je stärker Ihre Krankheitsaktivität ist, das heißt je höher die Botenstoffe, desto häufiger werden die Injektionen notwendig sein.

Epilepsie und ihre Auswirkungen auf das Sehvermögen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der das zentrale Nervensystem betroffen ist. Veränderungen der Gehirnaktivität können sich nicht nur in Anfällen zeigen, sondern auch über die Sinneswahrnehmung.

Augensymptome bei Epilepsie

Sehstörungen bei Epilepsie entstehen durch Veränderungen der elektrischen Aktivität im Gehirn. Visuelle Wahrnehmungen stehen in enger Verbindung zu neurologischen Abläufen, weshalb neurologisch bedingte Sehstörungen klinisch relevant sind. Anders als bei strukturellen Augenerkrankungen liegt die Ursache hierbei im zentralen Nervensystem.

Unmittelbare epileptische Aktivitäten im Gehirn führen oft zu spezifischen Effekten innerhalb des visuellen Systems, die sich direkt auf die Signalübertragung zwischen Netzhaut, Sehnerv und der weiterleitenden Sehbahn auswirken. Plötzlich auftretende elektrische Entladungen in bestimmten Arealen des Gehirns können eine vorübergehende Störung der Weiterleitung visueller Reize verursachen. Diese akuten Mechanismen ziehen eine kurzzeitige Über- oder Unteraktivität der Nervenzellen im Bereich der Sehbahn nach sich, wodurch sofortige Veränderungen in der Wahrnehmung entstehen.

Augenbezogene Symptome bei Epilepsie entstehen durch Störungen der elektrischen Aktivität im Gehirn - insbesondere in Hirnregionen, die visuelle Reize verarbeiten. Bei Epilepsie können verschiedene Veränderungen der visuellen Wahrnehmung auftreten, die auf die gestörte Gehirnaktivität zurückzuführen sind.

Neurodegeneration bei Epilepsie und die Rolle der OCT

Die Epilepsie geht mit fortschreitender Neurodegeneration einher, die zu einer ausgeprägten Hirnatrophie führen kann, vor allem bei Patienten mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen. Die Atrophie korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung und lässt sich per MRT nachweisen. Um bei einer halben Million Epilepsiepatienten in Deutschland als Verlaufsparameter zu dienen, bindet die MRT jedoch zu viel Zeit und Ressourcen.

Die optische Kohärenztomografie (OCT) wird bereits bei der MS genutzt, um anhand der Nervenzellschichten der Retina Krankheitsaktivität, -schwere und -progression zu monitoren. Auch bei der Alzheimerdemenz und der Parkinsonkrankheit lässt sich mit der OCT das Fortschreiten der Neurodegeneration dokumentieren.

Die Münchner Forscher haben 98 Epilepsiepatienten und 85 nach Alter und Geschlecht gematchte gesunde Kontrollen per OCT untersucht und bei allen geprüften Parametern signifikante Unterschiede zuungunsten der Epilepsiekranken gefunden, so bei der Dicke von peripapillärer Nervenfaserschicht und innerer Körnerschicht sowie dem Gesamtvolumen der Makula.

"Bei Epilepsiepatienten kommt es zu einer signifikanten neuroaxonalen Degeneration in allen inneren Retinaschichten", resümierte Delazer. Als Prädiktoren der retinalen Atrophie erwiesen sich männliches Geschlecht und höheres Lebensalter, die Zahl generalisierter Krampfanfälle und die Zahl aktuell eingenommener Antikonvulsiva sowie die Lokalisation der epileptogenen Hemisphäre links.

Delazer und ihre Kollegen schließen daraus, dass die OCT als Instrument der Präzisionsneurologie sowohl dem individualisierten Krankheitsmonitoring als auch daraus folgend der Therapie­optimierung dienen kann.

Differentialdiagnose und Bedeutung spezialisierter Abklärung

Bei Veränderungen des Sehens ist eine spezialisierte augenärztliche Abklärung wichtig, da sich neurologisch bedingte Effekte und andere Ursachen oft schwer unterscheiden lassen. Die ARTEMIS-Kliniken verfügen über moderne Diagnostik und ein erfahrenes Team, das individuelle Untersuchungen und bildgebende Verfahren einsetzt.

Das Zusammenspiel von Epilepsie und visuellen Veränderungen verdeutlicht die enge Verbindung zwischen neurologischer Aktivität und Sehwahrnehmung. Ein vertieftes Verständnis dieser Zusammenhänge hilft, Veränderungen im Seherleben differenzierter einordnen zu können.

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