Die Parkinson-Krankheit, eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, führt zu motorischen Störungen, die die Bewegungsfähigkeit einschränken. Die Verlangsamung und Instabilität der Bewegung, Zittern, Muskelsteifheit und starre Mimik gelten als klassische Symptome der Parkinson-Krankheit. Durch das Absterben von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin herstellen, kommt es bei Morbus Parkinson zu zunehmenden Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit. Im weiteren Verlauf kommen oft weitere Symptome wie eine Demenz hinzu. Patienten mit Parkinson sind besonders anfällig für die Entwicklung von Druckgeschwüren (Dekubitus). Dieser Artikel beleuchtet das Dekubitusrisiko bei Parkinson-Patienten und bietet umfassende Informationen zu Prävention und Behandlung.
Was ist ein Dekubitus?
Als Dekubitus bezeichnet man ein Druckgeschwür (auch Wundliegegeschwür oder Dekubitalgeschwür), das entsteht, wenn der Körper längere Zeit in derselben Position an einer Stelle verharrt. Dadurch wird Druck auf die immergleichen Körperstellen ausübt, wodurch der Blutfluss in diesem Bereich eingeschränkt wird. Haut, Gewebe und schlimmstenfalls sogar Knochen werden folglich nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Dadurch kommt es zu offenen Stellen, die sich infizieren und schwer entzünden können.Besonders gefährdet sind bettlägerige Menschen, die sich aus eigener Kraft kaum mehr aus einer Position bewegen können. Aber auch im Sitzen, beispielsweise im Rollstuhl, kann ein Dekubitus entstehen. Ebenso an Körperstellen, auf die dauerhafter Druck oder Reibung ausgeübt wird, wie bei schlechtsitzenden Prothesen, engen Verbänden, Kathetern oder venösen Zugängen.Die Gefahr, dass es zu einem Dekubitus kommt, steigt außerdem durch fortgeschrittenes Alter und Vorerkrankungen.
Die Entstehung eines Dekubitus wird häufig als Pflegefehler bezeichnet, da er sich in vielen Fällen mit der richtigen Pflege vermeiden lässt. Mit einem ausgewogenen Plan zur Dekubitusprophylaxe kann das Risiko nahezu eliminiert werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Dekubitus kann immer dann entstehen, wenn zu lange ein erhöhter Druck auf eine prädisponierte Körperstelle einwirkt. Dadurch kommt es im Gewebe durch Sauerstoffmangel und Azidose zu einer Ischämie. In der Folge bilden sich Ödeme und/oder Blasen. Es kommt zur Gewebsschädigung bis zur Ausbildung von Nekrosen. Besonders gefährdet sind alle Körperstellen, an denen wenig Unterhautfettgewebe den Betroffenen schützt. In Rückenlage sind dies vor allem Kreuz- und Steißbein, Fersen und Achillessehnen, Ellbogen, Schulterblätter und Hinterhauptknochen.
Mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für die Entstehung eines Dekubitus bei Parkinson-Patienten:
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- Eingeschränkte Mobilität: Die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit, wie Bradykinese (Verlangsamung der Bewegung) und Rigor (Muskelsteifheit), können die Fähigkeit, sich selbstständig zu bewegen und die Position zu verändern, erheblich einschränken.
- Sensorische Defizite: Parkinson kann auch das sensorische Empfinden beeinträchtigen, wodurch es für Betroffene schwierig wird, Druck oder Beschwerden an bestimmten Körperstellen wahrzunehmen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Im weiteren Verlauf der Parkinson-Krankheit kann es zu kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz kommen. Dies kann die Fähigkeit der Betroffenen, präventive Maßnahmen zu verstehen und umzusetzen, verringern.
- Weitere Risikofaktoren: Zu den allgemeinen Risikofaktoren für Dekubitus gehören höheres Alter, Mangelernährung, Inkontinenz, Hauterkrankungen (z.B. Ekzeme, Allergien, Pergamenthaut), Diabetes mellitus, Tumoren, Durchblutungsstörungen und psychische Störungen. Auch das Auf- und Erweichen der Haut durch längere Einwirkung von Feuchtigkeit ist nachteilig. Es gilt heute als erwiesen, dass Hautfeuchtigkeit einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung eines Dekubitus darstellt. Bei einer Mazeration kommt es zur Absorption von Flüssigkeit in der Epidermis mit nachfolgender Quellung, was die Hautbarrierefunktion einschränkt. Bei Inkontinenz wird die Haut zusätzlich durch Urin oder Stuhlgang gereizt. Kachektische Menschen haben ein erhöhtes Dekubitusrisiko durch hervorstehende Knochenvorsprünge und adipöse Menschen durch einen erhöhten Auflagedruck.
Prävention von Dekubitus bei Parkinson
Die Prävention von Dekubitus ist ein wesentlicher Bestandteil der umfassenden Versorgung von Parkinson-Patienten. Ein individueller Dekubitusprophylaxeplan sollte folgende Elemente beinhalten:
1. Druckentlastung
An erster Stelle der Dekubitusprophylaxe steht die Druckentlastung der gefährdeten Körperregionen. Dadurch wird eine richtige Durchblutung und somit Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen ermöglicht.
- Regelmäßige Positionswechsel: Insbesondere für bettlägerige Menschen ist eine abwechselnde Lagerung von großer Bedeutung. Patienten sollten regelmäßig, idealerweise alle zwei Stunden, umgelagert werden, um den Druck auf gefährdete Bereiche zu reduzieren. Die 90-Grad-Lagerung sollte bei der Dekubitusprophylaxe nicht mehr angewandt werden, weil dabei zu viel Gewicht auf den Oberschenkelknochen (Trochanter) einwirkt. Stand der aktuellen Forschung ist die sogenannte 30-Grad-Schräglagerung. Sie gilt als risikoärmste Positionierungsmöglichkeit und beugt Druckschäden an anderen Körperstellen vor. Jede Positionierung muss individuell auf den Betroffenen und die Lokalisation des Dekubitus am Körper abgestimmt sein.
- Hilfsmittel zur Druckentlastung: Hilfsmittel, wie spezielle Weichlagerungssysteme oder kleine Kissen, Watteverbände, Wasserkissen und Fersenschoner helfen darüber hinaus, den Druck auf besonders gefährdete Hautpartien zu verringern. Zur weiteren Druckentlastung und zur Beobachtung der Haut muss sichergestellt werden, dass auch eine komplette Umlagerung von einer Seite auf die andere erfolgt. Nur so können eventuelle Hautveränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Feste Zeitintervalle, wie oft die Pflegepersonen den Patienten umlagern sollen, gibt es nicht. Eine weitere Möglichkeit zur Druckreduzierung sind spezielle Lagerungssysteme. Diese werden in Form von Schaumstoff- und Wechseldruckmatratzen oder anderen Speziallagerungssystemen gewichtsadaptiert angeboten. Sie sind jedoch nicht für alle Patienten geeignet, da sie auch unerwünschte Wirkungen haben können. Zum Beispiel verschlechtern sie die Körperwahrnehmung dadurch, dass die Eigenbewegung auf einer Spezialmatratze erschwert wird. Dadurch nimmt die Immobilität weiter zu. Die energetischen Systeme haben durch den Motor einen erhöhten Geräuschpegel, was das Wohlbefinden, vor allem bei dementen Menschen negativ beeinflussen kann. Bei Tumorerkrankten können Schmerzen besonders durch Wechseldrucksysteme verschlimmert werden, weil der Druck an verschiedenen Stellen ansetzt.
- Mikrolagerung: Eine Mikrolagerung kann mit einfachen Mitteln, zum Beispiel kleinen Kissen oder gefalteten Handtüchern, erfolgen. Damit werden in kurzen Abständen Arme, Beine oder abwechselnd eine Hüftseite unterlegt.
- Sitzkissen: Für Patienten, die längere Zeit im Rollstuhl sitzen, sind spezielle Sitzkissen zur Druckentlastung empfehlenswert.
2. Mobilisation und Bewegung
Neben der Druckentlastung sollte eine regelmäßige Mobilisation stattfinden. Sie kann zum Beispiel durch Aufstehen oder auch Bewegungsübungen im Sitzen oder Liegen erfolgen.
- Bewegungsförderung: Jeder Betroffene soll so gut wie möglich mobilisiert und in seiner Bewegung gefördert werden. Die aktivierende Pflege ist ein Grundprinzip in der modernen Pflege. Sie können sie fördern, indem Sie zum Beispiel Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ermutigen, bei Bewegungsübungen so aktiv wie möglich mitzumachen.
- Individuelle Bewegungspläne: Wundern Sie sich also nicht, wenn die Pflegefachkraft Sie darauf hinweist, dass sie einen individuellen Bewegungsplan erstellen und durchführen möchte.
- Gehhilfen: Durch medikamentöse Behandlung und andere Therapien (z.B. Gehhilfen - vom einfachen Gehstock über den Rollator bis zum E-Mobil - halten Sie trotz Ihrer Einschränkungen in Bewegung und schenken Ihnen Unabhängigkeit.
- Bewegungstrainer: Besonders häufig kommen bei Parkinson diese Hilfsmittel zum Einsatz: Bewegungstrainer
- Alltagshilfen: Verschiedene Alltagshilfen für den häuslichen Bereich wie Wandgriffe, Greifzangen oder Anziehhilfen unterstützen Sie in Ihrem Alltag zu Hause.
3. Hautpflege
Ein weiterer wichtiger Faktor, der in der Dekubitusprophylaxe beachtet werden sollte, ist der Hautzustand. Eine rissige und trockene Haut erhöht das Risiko für einen Dekubitus. Eine schonende Körperpflege mit pH-neutralen Seifen und Cremes trägt daher weiterhin zur Risikominimierung bei.
- Regelmäßige Hautinspektion: Am besten lässt sich ein Dekubitus durch eine tägliche Hautkontrolle während der Hautpflege vermeiden. Wird eine betroffene Stelle erkannt, kann mit einem Fingertest kontrolliert werden, ob es sich um einen beginnenden Dekubitus handelt.
- Feuchtigkeitspflege: Eine gesunde elastische Haut ist eine gute Vorbeugung vor einem Dekubitus. Leider lässt gerade das Alter die Haut eher spröde, dünn und trocken werden.
- Hautschutz bei Inkontinenz: Bei Haut, die viel Feuchtigkeit ausgesetzt ist, zum Beispiel durch Inkontinenz, empfiehlt sich ein Hautschutz. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle transparente Hautschutzfilme, die vom Arzt verordnet werden können. Eine spezielle Hautschutzcreme schützt die Haut im Alter unter anderem vor Beschädigungen durch Ausscheidungen, verstopft aber nicht die Poren. Viele Hautschutzfilme sind zwar verordnungs- und erstattungsfähig, allerdings lehnen viele Krankenkassen die Kostenerstattung für Ihren Hautschutzfilm ab. Bitten Sie in diesem Fall Ihren behandelnden Arzt oder Ärztin um Unterstützung. Möglicherweise stellt er oder sie Ihnen eine kurze schriftliche Begründung aus, weshalb Sie in Ihrem Einzelfall den Hautschutzfilm dringend benötigen. Dieses Schreiben können Sie dann dem Folgeantrag auf Kostenerstattung bei Ihrer Kasse anfügen. Für Hautschutzcremes gilt: Sie sind grundsätzlich weder verordnungs- noch erstattungsfähig.
4. Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
Es gibt keine Studien, die belegen, dass sich ein Dekubitus allein durch die richtige Ernährung verhindern lässt. Dennoch können Sie bei Pflege eines Angehörigen darauf achten, dass er ausreichend und abwechslungsreich isst sowie ausreichend trinkt. Eine Mangelernährung kann zum Entstehen eines Dekubitus beitragen. Reichern Sie bei Bedarf die Lieblingsspeisen mit Kalorien und Nährstoffen an. Holen Sie bei Schluckstörungen (Dysphagie) professionelle Hilfe durch Logopäden oder Ergotherapeuten.
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- Ausgewogene Ernährung: Eine ausreichende Zufuhr von Kalorien, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Hautgesundheit und die Wundheilung.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Haut hydratisiert zu halten.
5. Risikoeinschätzung
Um Hautschäden vorzubeugen, muss man Gefahren richtig einschätzen können. Dazu gibt es Risikoskalen, die Patienten mit erhöhtem Risiko frühzeitig (bei Aufnahme ins Krankenhaus, Pflege- oder Altenheim, nach Operationen oder in vergleichbaren Situationen) erkennen lassen und auch zum schnellstmöglichen Handeln anleiten sollen. Beispielhaft sei hier die Braden-Skala genannt, in der in sechs Kategorien (sensorisches Empfinden, Ernährung, Mobilität, Aktivität, Feuchtigkeit der Haut und Reibung) jeweils bis zu vier Punkte vergeben werden können. Je niedriger die Gesamtpunktzahl ist, umso höher ist das Risiko für ein Druckgeschwür. Zur frühzeitigen Diagnose trägt auch der sogenannte Fingertest bei. Damit kann man erkennen, ob eine bestimmte Körperstelle gefährdet ist, einen Dekubitus zu entwickeln. Wenn man bei einem Patienten eine gerötete Stelle bemerkt, drückt man auf diese mit dem Finger. Im Normalfall verfärbt sich die gedrückte Stelle kurz weiß, bevor sich die Hautfarbe wieder normalisiert. Ist jedoch keine Weißfärbung, sondern anhaltende Rötung zu sehen, ist das Risiko, dass dort ein Dekubitus entsteht, sehr hoch.
- Braden-Skala: Beispielhaft sei hier die Braden-Skala genannt, in der in sechs Kategorien (sensorisches Empfinden, Ernährung, Mobilität, Aktivität, Feuchtigkeit der Haut und Reibung) jeweils bis zu vier Punkte vergeben werden können. Je niedriger die Gesamtpunktzahl ist, umso höher ist das Risiko für ein Druckgeschwür.
- Fingertest: Zur frühzeitigen Diagnose trägt auch der sogenannte Fingertest bei. Damit kann man erkennen, ob eine bestimmte Körperstelle gefährdet ist, einen Dekubitus zu entwickeln. Wenn man bei einem Patienten eine gerötete Stelle bemerkt, drückt man auf diese mit dem Finger. Im Normalfall verfärbt sich die gedrückte Stelle kurz weiß, bevor sich die Hautfarbe wieder normalisiert. Ist jedoch keine Weißfärbung, sondern anhaltende Rötung zu sehen, ist das Risiko, dass dort ein Dekubitus entsteht, sehr hoch.
Behandlung von Dekubitus
Trotz aller Präventionsbemühungen kann es bei Parkinson-Patienten zur Entwicklung eines Dekubitus kommen. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad des Geschwürs und umfasst in der Regel folgende Maßnahmen:
- Druckentlastung: Die wichtigste Maßnahme ist die konsequente Druckentlastung des betroffenen Bereichs.
- Wundreinigung: Die Wunde muss regelmäßig gereinigt werden, um Infektionen vorzubeugen.
- Wundversorgung: Zur Wundbehandlung eignen sich die sogenannten hydroaktiven Wundauflagen. Bei der Auswahl der richtigen Auflage müssen neben der aktuellen Heilungsphase der Wunde auch lokale Störfaktoren wie Infektionen, Nekrosen, Beläge oder Mazerationen erkannt und entsprechend behandelt werden. Bei Nekrosen kann zum Beispiel eine Abtragung der Beläge durch Hochdruckwasserstrahl erfolgen. In dieser Phase ist der Dekubitus häufig von schmierigen Belägen aus avitalem nekrotischem Gewebe bedeckt (Abbildung 4). Diese müssen vor jeder weiteren Behandlung durch ein Débridement beseitigt werden. Dafür stehen verschiedene konservative und operative Verfahren zur Verfügung. Die schnellste und effektivste Methode zur Nekrosenabtragung ist das chirurgische Debridement. Hierbei wird mit einem Skalpell abgestorbenes Gewebe entfernt. Nach der Säuberung der Wunde sollten in der Reinigungsphase Wundverbände eingesetzt werden, die sehr saugfähig sind und trotzdem die Wunde feucht halten. Ein Sekretstau kann eine Wundinfektion begünstigen. Zudem sollten Mazerationen der umliegenden Hautareale vermieden werden. Als Barriereschutz kann ein flüssiger Hautschutzfilm indiziert sein, der gleichzeitig als Haftgrundlage für klebende Wundauflagen dient. Obsolet ist das Eincremen der Wundumgebung mit Pasten auf fetthaltiger oder öliger Basis. Geeignete Wundauflagen in der Reinigungsphase enthalten Alginate, Hydrogele und/oder Polyurethan-(PU)-Schaumstoffe. Bei infizierten Wunden müssen zusätzlich aseptische Maßnahmen, zum Beispiel lokale Antiseptika (Octenidin- oder Polyhexanid-haltige Lösungen), angewandt oder silberhaltige Wundauflagen eingesetzt werden. In der Granulationsphase ist es wichtig, das wachsende Gewebe durch permanentes Feuchthalten vor dem Austrocknen zu schützen. Trocknet die Wunde jetzt aus, sterben Zellen ab und die Wundheilung ist gestört. Gleichzeitig muss überschüssiges Wundexsudat gebunden werden, um einer Mazeration an den Wundrändern vorzubeugen. Ist die Wunde eher trocken, empfiehlt es sich, sie mit Hydrogelen zu befeuchten, um ein optimales Zellwachstum zu fördern. Bei stark nässenden Wunden eignen sich Verbände mit hoher Saugkapazität wie Alginate oder Schaumverbände. Das sehr empfindliche Granulationsgewebe muss außerdem vor Traumatisierung, zum Beispiel beim Verbandwechsel oder Druck von außen, geschützt werden. Der letzte und entscheidende Schritt bei der Wundheilung ist die Reepithelisierung (Abbildung 6). Das wachsende Epithelgewebe benötigt feuchte und warme Bedingungen zur Migration der Epithelzellen. Die Wunde sollte zudem vor mechanischen Einwirkungen von außen geschützt werden. Ein schweres Problem in der Wundversorgung ist eine fragile Wundumgebung (Abbildung 7). Klebende Wundauflagen können leicht zusätzliche Verletzungen beim Verbandwechsel verursachen. Eine bessere Möglichkeit bieten silikonhaltige Wundauflagen. Durch ihre Mikrohaftung verläuft der Verbandwechsel in der Regel atraumatisch.
- Infektionskontrolle: Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden.
- Chirurgische Maßnahmen: In schweren Fällen kann eine chirurgische Entfernung von nekrotischem Gewebe oder eine Hauttransplantation erforderlich sein.
Expertenstandards und Pflegegrade
Der Dekubitus beziehungsweise dessen Vermeidung werden in der gesundheitspolitischen Diskussion als Qualitätsindikator für die pflegerische und medizinische Versorgung von alten und kranken Menschen angesehen. Das deutsche Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege hat daher einen Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe herausgegeben (6). Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat in 2004 erstmals einen modellhaften „Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe“ herausgegeben. Sinn und Zweck des Expertenstandards ist es, einen Beitrag zur Qualitätssicherung und Qualitätsweiterentwicklung bei der Vermeidung von Dekubitus zu leisten. Laut Patientenrecht gibt es das Recht auf eine medizinische Behandlung, die dem aktuellen wissenschaftlichen Stand der Medizin entspricht. Der Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe nennt eine ganze Reihe von Zielen und Aufgaben, die die professionellen Pflegefachkräfte zu erfüllen haben. Spezielles Pflegewissen können Sie auch in Pflegekursen und individuellen Pflegeschulungen erlernen. Diese sind für pflegende Angehörige sowie ehrenamtliche Pflegepersonen kostenlos. Das oberste Ziel einer Dekubitusprophylaxe ist natürlich, die Entstehung eines Dekubitus von vornherein zu verhindern. Dennoch empfiehlt der Expertenstandard, den Willen des Betroffenen zu respektieren. Lehnt jemand prophylaktische Maßnahmen ab, weil sie ihm zu unbequem oder zu schmerzhaft ist, dann muss diese Ablehnung auch akzeptiert werden. Wird eine prophylaktische Maßnahme nicht gewünscht, muss dies von den Pflegefachkräften entsprechend dokumentiert werden. Bei persönlichen Wünschen, die dazu führen, dass vom normalen Pflegeprozess abgewichen wird, muss zudem eine Aufklärung des Patienten und gegebenenfalls der Angehörigen über die Risiken erfolgen. Bei all diesen Maßnahmen im Pflegealltag kann eine gründliche Hygiene vor Infektionen schützen. Gerade für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem ist der Infektionsschutz sehr wichtig. Mit anerkanntem Pflegegrad erstattet die Pflegekasse die Kosten für sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro pro Monat.
Menschen mit einem erhöhten Dekubitus-Risiko haben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Anspruch auf einen Pflegegrad und damit auf verschiedene Unterstützungsleistungen der Pflegekasse. Denn einen Pflegegrad erhalten Menschen, die in ihrer Selbständigkeit und Alltagskompetenz eingeschränkt sind. Insgesamt gibt es fünf Pflegegrade. Dabei gilt: Je höher der Pflegegrad, desto mehr Geld- und Sachleistungen können beantragt werden.
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