Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und anderen Symptomen, gekennzeichnet ist. Sie ist die dritthäufigste Krankheit der Welt und beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Während die genauen Ursachen der Migräne komplex und vielfältig sind, deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass Mangelerscheinungen bestimmter Nährstoffe eine Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Migräneattacken spielen könnten. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Mangelerscheinungen, die mit Migräne in Verbindung gebracht werden, und gibt einen Überblick über mögliche Präventions- und Behandlungsstrategien.
Die Rolle von Vitaminen und Mineralstoffen bei Migräne
Diverse Studien zeigen, dass Migräne-Patienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10. Vitamin B2, B6, B12, Niacin, Coenzym Q10 und Magnesium haben eine wichtige Funktion bei der Energiebereitstellung und unterstützen so z. B. den Energiestoffwechsel im Gehirn. Da bei Migräne wahrscheinlich der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert ist, führt eine ausreichende Versorgung der Mikronährstoffe zu einem verbesserten Wohlbefinden.
Vitamin D
Vitamin D, auch bekannt als das "Sonnenvitamin", wird hauptsächlich in der Haut unter Einwirkung von UV-Strahlung gebildet und kann nur in geringen Mengen über die Nahrung aufgenommen werden. Studien haben gezeigt, dass viele Menschen, insbesondere in Mittel- und Nordeuropa, unterversorgt sind. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte beispielsweise, dass die Gabe von Vitamin D - zusätzlich zur üblichen Migränemedikation - sehr hilfreich sein kann. Teilnehmer waren 53 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren, die alle an Migräne litten. Vor Beginn der Studie hatten alle Gruppen etwa 7 Migräneattacken pro halbem Jahr. Während der Therapie nahm die Zahl der Migräneattacken in allen vier Gruppen stark ab. Zu Beginn der Studie wurde der aktuelle Vitamin-D-Status der Probanden bestimmt. Jungs und junge Männer hingegen hatten eher einen Vitamin-D-Mangel.
Riboflavin (Vitamin B2)
Schon seit Anfang der 1990er Jahre weiss man, dass bei Migräne ein Vitamin-B2-Mangel vorliegen kann. Bei Migräne ist eindeutig der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert. Das Gehirn von Migränepatienten ist zwischen zwei Attacken durch eine Reduzierung der Mitochondrienaktivität gekennzeichnet. Da Vitamin B2 die Mitochondrienaktivität steigern kann, verordneten die Wissenschaftler in ihrer Studie 49 Migränepatienten täglich 400 mg Vitamin B2 über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Vitamin B2 arbeitet an der Energiegewinnung mit. Es ist für den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel daher unentbehrlich. Auch für die Augen ist das Vitamin B2 wichtig und für die Haut.
Coenzym Q10
Coenzym Q10 wird vom Körper normalerweise aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin hergestellt und ist massgeblich an wichtigen Energieherstellungsprozessen im Organismus beteiligt. Folglich kann der Stoff bei vielen Krankheiten Heilprozesse anstossen. Dr. Hagler und Team stellten fest, dass besonders Mädchen und junge Frauen an einem Coenzym-Q10-Mangel leiden.
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Magnesium
Auch Magnesium ist für das ordnungsgemässe Funktionieren der Mitochondrien unverzichtbar. Darüber hinaus wird Magnesium für viele Aktionen im Körper benötigt, die allesamt - wenn es in deren Ablauf zu Fehlern kommt - eine Migräneattacke auslösen oder verschlimmern können. Zu diesen Aktionen gehören beispielsweise die Entspannung der Gefässwande, die Hemmung der Blutgerinnung, die Serotoninausschüttung und die Beruhigung der Nervenerregbarkeit. Einige Studien zeigen, dass Menschen mit Migräne oft weniger Magnesium aufnehmen und häufiger einen Magnesiummangel aufweisen. Teilweise konnte sogar ein linearer Zusammenhang festgestellt werden: Je weniger Magnesium, desto häufiger die Migräneattacken. Zusätzliches Magnesium konnte in einigen Studien die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken senken.
Calcium
Eine neue umfangreiche Studie ergab nun, dass sowohl Magnesium als auch Calcium eine Rolle spielen, und zwar beide gemeinsam, aber auch jeder Mineralstoff einzeln. Das verwundert kaum, da Calcium bei vielen Funktionen im Körper eng mit Magnesium verknüpft ist. Das Fazit der Studie: Je mehr Magnesium und Calcium die TeilnehmerInnen der Studie zu sich nahmen, desto seltener traten starke Kopfschmerzen auf.
B-Vitamine (B6, B12, Folsäure)
Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass hohe Homocystein-Werte im Körper eine Migräne begünstigen können. Dazu untersuchte eine australische Studie den Effekt der Homocystein-senkenden Therapie auf die Migränehäufigkeit. Um die Homocystein-Konzentrationen im Körper zu senken, wurden den Probanden Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure über sechs Monate verabreicht. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann.
Folat
Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Neben Vitamin B12 ist Folat ein wichtiger Kofaktor für Enzyme wie die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die eine wesentliche Rolle im Homocystein-stoffwechsel spielen.
Diagnostik und Therapie von Mangelerscheinungen bei Migräne
Überprüfen Sie also - wenn Sie immer wieder an Migräneattacken leiden - Ihren Vitaminstatus. Lassen Sie nicht nur die drei genannten checken, sondern alle anderen leicht überprüfbaren ebenfalls, wie z. B. bei einem Vitamin B12-Mangel. Lassen Sie ferner überprüfen, ob Sie möglicherweise von einer KPU (Kryptopyrrolurie) betroffen sind, einer Stoffwechselstörung, die mit gravierenden Vitalstoffmängeln einhergeht und die Anfälligkeit für chronische Krankheiten aller Art verstärkt.
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Nahrungsergänzungsmittel
Inzwischen gibt es für diese Zwecke ein Präparat, das die bei Migräne erforderlichen Vitalstoffe und Dosen enthält (Migravent®). Es besteht in der Hauptsache aus Magnesium (600 mg), Vitamin B2 (400 mg) und Coenzym Q10 (150 mg) plus einer Vielzahl weiterer Vitalstoffe, u. a. auch Vitamin D. Der Migräneschmerzen nahmen im Vergleich zur Placebogruppe ab und mit ihnen die Belastung durch die Krankheit. Nebenwirkungen gab es kaum. Lediglich zu Durchfall kam es gelegentlich durch die hohe Magnesiumdosis.
Ernährungsempfehlungen
- Trinken Sie täglich mindestens 1,5 Liter, am besten mineralstoffreiche Wässer.
- Achten Sie auf genügend Magnesium. Gute Magnesiumquellen sind neben Vollkornbrot, Hülsenfrüchten, Nüssen und Bananen vor allem magnesiumreiche Mineral- und Heilwässer wie das natürliche Ensinger Schiller Quelle Heilwasser mit 105 mg Magnesium pro Liter.
- Nehmen Sie zudem genug Calcium auf. Milch und Milchprodukte, Samen und Nüsse sowie einige grüne Gemüse sind calciumreich. Als Top-Calciumquelle ohne Kalorien bieten sich Mineral und Heilwässer an. Das natürliche Ensinger Schiller Quelle Heilwasser liefert 573 mg Calcium pro Liter.
- Regelmäßige Mahlzeiten versorgen den Körper gleichmäßig mit Nährstoffen und vermeiden Blutzuckerspitzen. Auch der Koffeinkonsum sollte nicht zu stark schwanken. Denn Unregelmäßigkeiten können Kopfschmerzen triggern.
Medikamentöse Therapie
Kopfschmerztabletten und Migränemedikamente helfen, sollten aber maximal 10 Tage pro Monat eingenommen werden.
Weitere Maßnahmen
- Versuchen Sie Stress und Anspannung zu reduzieren.
- Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Biofeedback können beim Loslassen und Entspannen helfen.
- Bewegen Sie sich möglichst regelmäßig. Ideal ist moderater Ausdauersport.
- Ausreichend und regelmäßig Schlafen hilft ebenfalls, Kopfschmerzen vorzubeugen.
Ernährung als Trigger für Migräne
Etwa 12-60 % der Migränepatienten berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Es ist zudem bekannt, dass durch den Konsum oder den plötzlichen Entzug bestimmter Substanzen wie beispielsweise Koffein oder Alkohol ebenfalls Kopfschmerzen ausgelöst werden können.
Häufige Trigger
- Alkohol: Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt.
- Glutamat: Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen.
- Aspartam: Der künstliche Süßstoff steckt vor allem in Light- und Diätprodukten, vielen Softdrinks und auch Kaugummis.
- Histamin: Ein Stück Hartkäse, ein Glas Wein und schon brummt der Schädel? Vermutlich sind dann Ihre Kopfschmerzen durch eine Ernährung mit Histamin bedingt.
- Nitrate und Nitrite: Sie kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz.
- Koffein: Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann.
Ernährungstagebuch
Um herauszufinden, welche Lebensmittel Sie besser von Ihrem Speiseplan streichen, kann ein sogenanntes Ernährungstagebuch hilfreich sein. Notieren Sie darin jeden Tag ausnahmslos alles, was Sie gegessen haben. Wichtig ist, dass Sie die Uhrzeit neben den Speisen vermerken. Dokumentieren Sie gleichzeitig, wann Kopfschmerzen durch Ihre Ernährung aufgetreten sind - und ob es andere Begleitsymptome gegeben hat (Übelkeit, Hautausschlag, Schwindel, Bauchweh). Nach einigen Wochen lässt sich meist nachvollziehen, ob die Kopfschmerzen tatsächlich durch die Ernährung bedingt sind.
Alternative Ernährungsansätze bei Migräne
Ketogene Diät
Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt. Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden.
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Oligoantigene Diät
In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden. Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme.
Vegane Ernährung
Eine US-Studie aus dem Jahr 2014 gibt Hinweise darauf, dass sich Migräne durch vegane Ernährung positiv beeinflussen lässt - da sich Häufigkeit und Intensität der Schmerzen der Migräne-Attacken bei den Patienten verringerten, die sich vegan ernährten.
Weitere Ursachen für Kopfschmerzen
Neben Mangelerscheinungen und Ernährung können auch andere Faktoren Kopfschmerzen auslösen:
- Lichtempfindlichkeit: Für manche Menschen können bestimmte Arten von Licht, insbesondere helles, flackerndes oder grelles Licht, Kopfschmerzen auslösen.
- Zahn- und Kieferprobleme: Eine schlechte Zahn- oder Kieferausrichtung kann zu Spannungskopfschmerzen führen.
- Emotionale Faktoren: Stress, Angst und Depressionen können Kopfschmerzen auslösen.
- Wetteränderungen: Diese können Veränderungen in der Sauerstoffversorgung und Durchblutung des Gehirns verursachen.
- Hormonelle Veränderungen: Fortpflanzungshormone können Chemikalien in deinem Gehirn beeinflussen, die zu Kopfschmerzen führen können.
- Schlafmangel: Unzureichender oder gestörter Schlaf kann die Schmerzverarbeitung des Gehirns beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit von Kopfschmerzen erhöhen.
- Nebenhöhlenentzündungen: Verstopfte Nebenhöhlen und Sinusinfektionen können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
- Schlechte Körperhaltung: Eine schlechte Körperhaltung und ergonomische Probleme können zu Nacken- und Rückenverspannungen führen, die Kopfschmerzen verursachen können.
- Umweltgifte: Die Exposition gegenüber bestimmten Umweltgiften kann Kopfschmerzen auslösen oder verschlimmern.