Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem Menschen über 60 Jahren betrifft. Obwohl sie nicht heilbar ist, können die Symptome durch Medikamente, operative Eingriffe und verschiedene Therapieformen gelindert werden. Eine dieser Therapieformen, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Tanzen.
Was ist Tanzen mit Parkinson?
Tanzen mit Parkinson ist ein bewegungstherapeutisches Angebot, das darauf abzielt, die Mobilität der Betroffenen zu erhalten oder sogar zu verbessern. Es umfasst verschiedene Ansätze, von reinen Tanzkursen bis hin zu tanztherapeutischen Angeboten.
Wie wirkt Tanzen bei Parkinson?
Tanzen wirkt auf vielfältige Weise positiv auf Menschen mit Parkinson. Es verbessert die Körperhaltung, macht Bewegungen geschmeidiger und fördert einen flüssigeren Gang. Zudem werden der Gleichgewichtssinn und die Koordinationsfähigkeit geschult. Durch das Erleben von Bewegung im Raum wird die Selbstwahrnehmung geschärft.
Die positiven Auswirkungen des Tanzens beruhen auf verschiedenen Faktoren:
- Musik und Rhythmus: Musik und Rhythmus fördern den Bewegungsfluss und können Blockaden lösen, wie sie beim sogenannten „Freezing“ auftreten, bei dem sich die Betroffenen fühlen, als ob ihre Füße am Boden festkleben. Akustische Signale wie das Zählen von Schritten können ebenfalls helfen, den Bewegungsfluss zu verbessern. Es wird angenommen, dass die Musik Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin freisetzen kann, die die Bewegungssteuerung verbessern.
- Soziale Interaktion: Tanzen in der Gruppe macht Spaß, verbindet mit anderen und stärkt das Selbstvertrauen. Dies trägt zur Lebensqualität bei und kann Depressionen vorbeugen.
- Künstlerischer Ausdruck: Künstlerischer Tanz spricht nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und psychische Ebene an. Die Gestaltung von Bewegung wird freier Raum gelassen, was die Kreativität und das Selbstbewusstsein fördert.
Welche Tanzformen sind geeignet?
Es gibt verschiedene Tanzformen, die sich für Menschen mit Parkinson eignen. Einige Kurse bauen auf tanzgymnastischen Übungen auf, die zunächst im Sitzen und später im Stehen ausgeführt werden. Andere Kurse vermitteln Tanzfiguren und Choreografien verschiedener Tanzformen, wobei die individuellen Einschränkungen der Teilnehmer berücksichtigt werden.
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Martin Stubenrauch, selbst Parkinson-Patient und begeisterter Tänzer, tanzt beispielsweise argentinischen Tango in einem regulären Tanzkurs. Er betont, dass es ihm wichtig ist, sich nicht für seine Krankheit zu schämen und Freude an der Bewegung zu haben.
Studien belegen die Wirksamkeit
Eine systematische Übersichtsarbeit des deutschen Cochrane-Teams um Elke Kalbe von der Universitätsklinik Köln hat die Auswirkungen verschiedener Bewegungsangebote bei Menschen mit Morbus Parkinson untersucht. Die Auswertung von 156 Studien mit insgesamt 7.939 Teilnehmern ergab, dass strukturierte Bewegungsangebote leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität bewirken.
Besonders gute Ergebnisse wurden für das Tanzen gefunden: Die Schwere der Bewegungssymptome verbesserte sich auf einer gängigen Parkinson-Skala um gut 10 Punkte, wobei bereits Veränderungen ab 2,5 Punkten als klinisch relevant gelten.
Tanztherapie und Krankenkassen
Tanztherapeutische Angebote werden in manchen Fällen von den Krankenkassen übernommen, während reine Tanzkurse in der Regel selbst bezahlt werden müssen. Es lohnt sich jedoch, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob eine Kostenübernahme möglich ist.
Angebote in Deutschland
In Deutschland gibt es zahlreiche Angebote für Menschen mit Parkinson, die das Tanzen als Therapieform nutzen möchten. Viele Tanzschulen und Therapiezentren bieten spezielle Kurse an, die auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind.
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Ein Beispiel ist das "Hasting Zentrum für Tanz und Tanztheater" in München, das seit März 2021 eine wöchentliche Klasse für Parkinson-Erkrankte anbietet, an der man sowohl im Studio als auch online teilnehmen kann. Christine Hasting, die Leiterin des Zentrums, ist von der Wirkung des künstlerischen Tanzes auf Parkinson-Patienten beeindruckt: „In meinen Tanzklassen sehe ich ganz deutlich, dass der Tanz positive Auswirkungen auf die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hat, zum Beispiel eine verbesserte Standfestigkeit und flüssigere Bewegungen."
Auch das tanzhaus nrw bietet Tanzkurse für Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose an. Bridget Q. Fearn, eine der Dozentinnen, verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit diesen Zielgruppen und setzt ihr Know-how in Ballett, Modern, Jazz, Tap Dance und HipHop ein, um den Teilnehmern ein vielfältiges und ansprechendes Angebot zu bieten.
Persönliche Erfahrungen
Martin Stubenrauch ist ein Beispiel dafür, wie Tanzen das Leben von Menschen mit Parkinson positiv verändern kann. Bei ihm wurde die Krankheit im Alter von 42 Jahren diagnostiziert. Trotz der anfänglichen Schockdiagnose ließ er sich nicht entmutigen und fand im Tanzen eine Möglichkeit, seine Lebensqualität zu verbessern.
„Wir Parkinson-Patienten sind es gewohnt, dass Ärzte unsere Bewegungen überprüfen und uns dazu anhalten, jeden Tag Übungen zu absolvieren. Beim Tanzen dagegen geht es um Freude an der Bewegung, und der therapeutische Effekt kommt sozusagen als Geschenk dazu“, sagt Martin.
Auch Ralf-Peter Loewen, bei dem Parkinson im Mai 2023 diagnostiziert wurde, profitiert von Bewegung als Therapie. In einer Parkinson-Spezialklinik durchläuft er eine Komplextherapie, bei der seine Medikamente genau auf sein Krankheitsbild eingestellt werden. Er merkt bereits, dass er flüssiger gehen kann, seine Handschrift besser geworden ist und er weniger zittert.
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Tipps für den Einstieg
Für Menschen mit Parkinson, die mit dem Tanzen beginnen möchten, gibt es einige Tipps:
- Suchen Sie sich einen Kurs, der auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten ist. Die Kursleiter sollten Erfahrung in der Arbeit mit dieser Zielgruppe haben und die individuellen Einschränkungen der Teilnehmer berücksichtigen.
- Haben Sie keine Angst, Fehler zu machen. Tanzen soll Spaß machen und die Lebensqualität verbessern. Es geht nicht darum, perfekt zu sein.
- Tauschen Sie sich mit anderen Teilnehmern aus. Der soziale Aspekt des Tanzens ist sehr wichtig. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann helfen, die Krankheit besser zu akzeptieren und neue Motivation zu finden.
- Hören Sie auf Ihren Körper. Überanstrengen Sie sich nicht und machen Sie Pausen, wenn Sie sie brauchen.
- Seien Sie geduldig. Es braucht Zeit, bis sich die positiven Auswirkungen des Tanzens zeigen. Bleiben Sie dran und geben Sie nicht auf.