Mark Richt und die Parkinson-Krankheit: Ein umfassender Überblick

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, von der Hunderttausende in Deutschland betroffen sind. Sie wird auch als Schüttellähmung bezeichnet. Die Krankheit betrifft das Nervensystem und kann sich ähnlich wie Demenz bereits Jahre zuvor ankündigen. Dabei sterben nach und nach Gehirnzellen ab, die Dopamin herstellen und für die Bewegung zuständig sind.

Ein typisches Symptom von Parkinson ist das Zittern von Händen und Füßen im Ruhezustand. Allerdings kann sich die Krankheit bereits durch weniger eindeutige Frühwarnsignale bemerkbar machen, die nichts mit der Motorik zu tun haben.

Frühe Warnzeichen der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit macht sich oft schleichend bemerkbar und kann bereits Jahre zuvor mit bestimmten Frühwarnsignalen auftreten. Da diese meist nichts mit der Motorik zu tun haben und weniger eindeutig sind, werden sie oftmals nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Folgende frühe Beschwerden könnten ein Hinweis auf die Krankheit sein:

  • Schlafstörungen
  • Verdauungsprobleme wie etwa Verstopfung
  • Eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn (kann mit Oregano getestet werden)
  • Übermäßige Verspannung der Muskeln
  • Erektionsstörungen
  • Veränderte Handschrift

Diagnose der Parkinson-Krankheit

Liegt ein Verdacht auf Parkinson vor, dann können Ärzte über eine Hautprobe feststellen, ob der Patient tatsächlich an der Schüttellähmung leidet. So kann eine Diagnose in einem frühen Krankheitsstadium durch den Nachweis von bestimmten Eiweißablagerungen in den Nervenenden der Haut gelingen. Im Durchschnitt sind die Betroffenen bei der Diagnose durchschnittlich 60 Jahre alt.

Was geschieht im Gehirn bei Parkinson?

Bei Parkinson sterben Gehirnzellen ab, die für die Bewegung zuständig sind. Normalerweise unterstützt Dopamin die Nervenzellen dabei, dass Muskelbewegungen sowie die Motorik richtig ablaufen. Wenn im Falle von Parkinson jedoch Gehirnzellen, die für die Produktion von Dopamin verantwortlich sind, absterben, dann können die Nervenzellen die Bewegungsabläufe nicht mehr richtig koordinieren. So kommt es bei Patienten mit Parkinson zu einer zunehmend eingeschränkten Bewegungsfähigkeit. Treten die typischen Beschwerden wie etwa das Zittern auf, dann ist die Krankheit bereits so weit fortgeschritten, dass die betroffenen Nervenzellen schon weitgehend ausgeschaltet sind.

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Neuere Erkenntnisse und Forschungsansätze

Die Forschung zu Parkinson ist sehr aktiv, und es gibt ständig neue Erkenntnisse über die Ursachen und den Verlauf der Krankheit. Einige aktuelle Entwicklungen sind:

  • Biomarker: Die Suche nach Biomarkern, die auf die Entstehung und die Progression der Krankheit hinweisen, ist ein wichtiges Ziel der Forschung. Ein neuer Ansatz, Krankheiten wie Parkinson noch vor Auftreten von Symptomen mit Hilfe von Biomarkern im Blut nachzuweisen, wird von der Humangenetikerin Caroline Diener im Team von Professor Eckart Meese am Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes erforscht.
  • Genetische Faktoren: Während in den meisten Fällen die Parkinson-Krankheit sporadisch auftritt, wurden in den letzten Jahren auch vermehrt genetische, vererbliche Formen identifiziert, vor allem bei Patienten mit einem sehr frühen Erkrankungsbeginn.
  • Frühphasen-Forschung: Die Kieler Neurologin Daniela Berg lenkt mit ihrem Team in einer aktuellen Publikation den Blick auf die Frühphase der Parkinsonkrankheit, da diese eine Vorhersage über den Krankheitsverlauf ermöglicht.
  • Mechanismen: Ein internationales Team unter Kölner Beteiligung hat einen neuen Mechanismus für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit definiert, der sich als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer gezielten Therapie der Parkinson-Krankheit erweisen könnte. Das Ergebnis wurde jetzt im Journal Nature Communications veröffentlicht.
  • Proteinstabilität: Ein Team von Forschenden um Dr. Eugenio F. Fornasiero, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Neuro- und Sinnesphysiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), konnte in Kooperation mit Ass. Prof. Dr. Giordano Lippi, Assoziierter Professor in der Abteilung Neurowissenschaften am „Scripps Research Institute“, USA, bereits in vorangegangenen Studien im Tiermodell zeigen, dass einige Proteine, die mit neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung stehen, im gealterten Gehirn nicht mehr so effizient ausgetauscht werden.
  • microRNAs: Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des „Scripps Research Institute“ in Kalifornien, USA, erforschen in einem gemeinsamen Projekt die Rolle winziger Moleküle, sogenannter microRNAs, die bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer eine entscheidende Funktion übernehmen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern können. Dazu gehören:

  • Medikamente: Wichtigster Bestandteil der Behandlung sind Medikamente zum Ausgleich des Dopaminmangels, die lebenslang eingenommen werden müssen. L-Dopa (Levodopa) ist die Vorstufe von Dopamin und soll das fehlende Dopamin im Gehirn ersetzen. Es lindert die Beschwerden am besten und ist das Medikament der ersten Wahl bei Patienten über 70 Jahren. Bei Jüngeren wird es möglichst vermieden, da es nach 5-10 Jahren häufig an Wirkung verliert und möglicherweise selbst zu Bewegungsstörungen führt.
  • Tiefe Hirnstimulation: Erzielen Medikamente keinen ausreichenden Erfolg oder können sie wegen zu starker Nebenwirkungen nicht "ausgereizt" werden, kommt für einen Teil der Patienten ein Hirnschrittmacher (genauer gesagt eine tiefe Hirnstimulation) in Betracht. Dabei werden dünne Elektroden in die gestörten Stellen im Gehirn eingepflanzt und mit einem Impulsgeber am Brustkorb verbunden (ähnlich wie beim Herzschrittmacher).
  • Physiotherapie: Unverzichtbarer Teil der Behandlung ist die Physiotherapie. Studien weisen darauf hin, dass ein früher Beginn der Physiotherapie die Dosierung der benötigten Medikamente reduziert. Darüber hinaus fördern sie die Beweglichkeit, beugen vor allem im fortgeschrittenen Stadium Folgeerkrankungen (z. B. Gelenkversteifungen) vor und tragen wesentlich dazu bei, die Selbstständigkeit des Betroffenen möglichst lange zu erhalten.
  • Ergotherapie: Bei der Bewältigung konkreter Alltagsprobleme hilft die Ergotherapie.
  • Logopädie: Bei (deutlichen) Veränderungen der Sprache kann der Logopäde (Sprachtherapeut) helfen.
  • Selbstmanagement: Nach der Diagnose "Parkinson-Krankheit" ist ein hohes Maß an Eigeninitiative, Mitarbeit und Verantwortungsbewusstsein seitens des Patienten notwendig, um das Voranschreiten der Krankheit möglichst lange hinauszuzögern.

Parkinson-Demenz

Als Parkinson-Demenz bezeichnen Mediziner eine Demenz-Erkrankung bei Menschen mit Parkinson-Syndrom, die bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Dazu gehört, dass die Demenz schleichend beginnt und langsam fortschreitet. Außerdem müssen mindestens zwei sogenannte kognitive Funktionen beeinträchtigt sein, also zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Sprache oder das Gedächtnis.

Nicht alle Menschen mit Parkinson bekommen eine Demenz. Das Risiko dafür ist aber etwa sechsmal höher als für die Allgemeinbevölkerung. Experten gehen davon aus, dass etwa 40 bis 80 Prozent der Betroffenen im Krankheitsverlauf eine Parkinson-Demenz entwickeln.

Symptome der Parkinson-Demenz

Die Parkinson-Demenz macht sich durch verschiedene Störungen der kognitiven Funktionen bemerkbar:

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  • Beeinträchtigte Aufmerksamkeit
  • Schwierigkeiten beim Planen und Ausführen von Tätigkeiten
  • Verlangsamtes Denken
  • Beeinträchtigungen bei der räumlichen Orientierung und Wahrnehmung
  • Schwierigkeiten, kürzliche Ereignisse oder neu erlernte Inhalte abzurufen
  • Manchmal Schwierigkeiten, Worte zu finden und Probleme, komplizierte Sätze zu bilden

Behandlung der Parkinson-Demenz

Es gibt Medikamente, die gezielt die Symptome der Parkinson-Demenz lindern. Dazu zählen vor allem Präparate mit dem Wirkstoff Rivastigmin. Das ist ein sogenannter Acetylcholinesterase-Hemmer:Die Acetylcholinesterase ist ein Enzym, das im Gehirn den Nerven-Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin abbaut. Wie bei der Alzheimer-Demenz besteht auch bei der Parkinson-Demenz ein Mangel an Acetylcholin.

Neben Medikamenten sind auch nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Parkinson-Demenz (und anderen Demenzen) sehr wichtig. Empfehlenswert sind zum Beispiel Krankengymnastik, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung.

Frank Elstner und sein Leben mit Parkinson

Frank Elstner, eine der größten TV-Legenden Deutschlands, lebt seit seiner Parkinson-Diagnose im April 2016 mit der unheilbaren Krankheit. Dabei habe er schon Jahre vorher Symptome bemerkt.

Im Leben mit der Krankheit helfe ihm unter anderem Sport, der laut Elstner eine „wichtige Rezeptur“ sei. Außerdem habe er von seinem Arzt Professor Volkmann das positive Denken und die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung mitgenommen. Auch eine neue Leidenschaft hilft Elstner dabei, mit Parkinson zu leben - die Arbeit an Filmen über bedrohte Tierarten.

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