Markus Babbel, ein ehemaliger deutscher Nationalspieler, erlebte eine Karriere, die von Triumphen und schweren gesundheitlichen Rückschlägen geprägt war. Seine Geschichte ist ein Zeugnis menschlicher Widerstandsfähigkeit und des unbezwingbaren Willens, Widrigkeiten zu überwinden. Dieser Artikel beleuchtet Babbels Kampf gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber und das Guillain-Barré-Syndrom, seltene und potenziell verheerende Krankheiten, die seine Karriere bedrohten und sein Leben veränderten.
Die ersten Anzeichen: Müdigkeit und Erschöpfung
Die ersten Anzeichen von Babbels Erkrankung traten fast genau ein Jahr vor seinem Comeback im Millennium Stadium von Cardiff auf. Er verspürte eine ungewöhnliche Müdigkeit, die er zunächst auf die Luft in dem überdachten Stadion schob. Doch die Erschöpfung wurde von Spiel zu Spiel schlimmer. "Schon nach 20 Minuten fühlte ich mich wie tot", erinnerte sich Babbel. Sein damaliger Manager Gerard Houllier schickte ihn zur Untersuchung nach Deutschland, wo eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) diagnostiziert wurde, dem Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers.
Die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber und seine Tücken
Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch bekannt als "Kusskrankheit", wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst, das schätzungsweise 80 Prozent der Erwachsenen in sich tragen. Die Krankheit wird durch Speichel übertragen, beispielsweise durch Küssen oder das gemeinsame Benutzen von Besteck und Trinkflaschen. Bei den meisten Menschen verläuft die Erkrankung mild, mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopf- und Gliederschmerzen.
Doch in seltenen Fällen kann die EBV-Infektion zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), eine seltene neurologische Erkrankung, die zu Muskelschwäche und Lähmungen führen kann. Dies war bei Babbel der Fall.
Der Rückschlag: Das Guillain-Barré-Syndrom
Nachdem Babbel scheinbar von dem Pfeifferschen Drüsenfieber genesen war und das Training in Liverpool wieder aufgenommen hatte, spürte er "kein Gefühl mehr in meinen Füßen und Beinen". Er verlor seine Kraft und Energie und erkannte, dass die Krankheit zurückgekehrt war. Tatsächlich hatte sich aufgrund einer Immunschwäche das Guillain-Barré-Syndrom entwickelt, eine sehr seltene Erkrankung der Nerven, die zu Muskelschwäche führt.
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Babbel befand sich in einem äußerst kritischen Zustand. Er war auf einen Rollstuhl angewiesen und litt unter Erstickungsanfällen. An Besuche seiner Mitspieler konnte er sich nicht länger als zehn Minuten erfreuen, da ihn die Erschöpfung übermannte.
Der lange Weg zurück: Reha und Willensstärke
Mit großer Willensstärke und der Unterstützung des FC Liverpool kämpfte Babbel gegen seine Krankheit. Der Verein verlängerte seinen Vertrag für eine weitere Saison, ohne zu wissen, ob er jemals wieder spielen könnte. "Der einzige Weg, diesen Großmut zu vergelten, ist für mich dabei zu helfen, Titel zu gewinnen", sagte Babbel.
Er unterzog sich einer intensiven Rehabilitation in einer bayerischen Klinik. Der Weg zurück war lang und beschwerlich. Babbel musste lernen, wieder zu gehen, zu laufen und seine Muskeln zu stärken. Doch er gab nicht auf.
Das Comeback: Ein Triumph des Willens
Neun Monate nach seiner Diagnose kehrte Markus Babbel auf den Fußballplatz zurück. In der 78. Minute des Spiels um den englischen Supercup gegen Arsenal London wurde er als rechter Verteidiger eingewechselt. Der Jubel der Zuschauer war überwältigend. Für den 29-Jährigen war es das Ende eines langen Albtraums und der Beginn eines neuen Kapitels in seiner Karriere.
"Ich bin jetzt 90 Prozent wieder fit und der Rest wird mit den Spielen kommen", sagte Babbel. Sein Beispiel gab einem 14-jährigen Spieler in Liverpools Jugendmannschaft neuen Mut, der an der gleichen Krankheit litt. "Ich hoffe, dass ich ihm helfen konnte, nicht seine Motivation zu verlieren. Man muss einfach daran glauben, dass man diese Krankheit besiegen kann."
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Eine veränderte Perspektive: Lebensqualität statt Geld
Babbels Krankheitserfahrung veränderte seine Perspektive auf das Leben. "Physisch ist alles wieder normal. Aber ich habe mich verändert. Nun weiß ich, dass die Lebensqualität nicht von Geld abhängt sondern davon, wie fit man ist", sagte er.
Er lernte, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Gesundheit, Familie und Freunde.
Lehren aus Babbels Krankheitsgeschichte
Markus Babbels Krankheitsgeschichte ist eine Inspiration für alle, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Sie zeigt, dass man mit Willensstärke, Entschlossenheit und der Unterstützung von Familie, Freunden und medizinischem Fachpersonal auch schwerste Krankheiten überwinden kann.
Babbels Geschichte lehrt uns auch, dass Gesundheit das höchste Gut ist und dass wir unsere Lebensqualität nicht als selbstverständlich ansehen sollten.
Guillain-Barré-Syndrom: Eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem des Körpers die peripheren Nerven angreift. Dies führt zu Muskelschwäche, Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten. In schweren Fällen kann das GBS zu Lähmungen und Atemversagen führen.
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Die genaue Ursache des GBS ist nicht bekannt, aber es wird oft durch eine bakterielle oder virale Infektion ausgelöst. Zu den bekannten Auslösern gehören Campylobacter-Bakterien, das Zikavirus und das Dengue-Virus. In seltenen Fällen wurde das GBS auch mit Impfungen in Verbindung gebracht.
Die Behandlung des GBS umfasst in der Regel Immunglobulin-Therapie oder Plasmapherese, um die schädlichen Antikörper aus dem Blut zu entfernen. Mit frühzeitiger Diagnose und Behandlung können sich die meisten Menschen mit GBS vollständig erholen.
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