Massage bei Multipler Sklerose: Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vielfältige Symptome verursachen kann. Neben medikamentösen Therapien spielen auch nicht-pharmakologische Ansätze eine wichtige Rolle bei der Behandlung von MS. Physiotherapie, einschließlich Massagen, ist ein wichtiger Baustein, um die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers zu erhalten oder wiederherzustellen. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Massagen bei der Behandlung von MS, die verschiedenen Massagearten und ihre potenziellen Vorteile.

Physiotherapie als wichtiger Bestandteil der MS-Behandlung

Die Physiotherapie umfasst verschiedene Maßnahmen wie Krankengymnastik, Elektro- und Hydrotherapie sowie Massagen. Ziel ist es, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers so weit wie möglich wiederherzustellen. Da die Auswirkungen von MS auf den Bewegungsapparat sehr unterschiedlich sein können, werden auch die therapeutischen Maßnahmen der Physiotherapie individuell angepasst.

Individuelle Therapieansätze

Was dem einen MS-Patienten hilft, muss nicht zwangsläufig auch dem anderen nützen. Der Physiotherapeut wird daher vor Behandlungsbeginn Fragen zum Beschwerdebild und den Therapiezielen des Patienten stellen, um die individuell passende Therapie auszuwählen. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut ist dabei essenziell. Viele Menschen mit MS sind langfristig auf Physiotherapie angewiesen, was die Beantragung von Dauerrezepten erforderlich machen kann. Seit dem 1. Juli 2011 ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, ein solches Dauerrezept zu erhalten.

Neurophysiologische Verfahren

MS-Patienten profitieren häufig von neurophysiologischen Verfahren der Physiotherapie, die das Zentralnervensystem beeinflussen sollen. Zu diesen Verfahren gehören das Bobath-Konzept, die Vojta-Therapie und die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF).

  • Bobath-Konzept: Ziel ist es, trotz funktionaler Einschränkungen normale Bewegungsmuster zu vermitteln. Es basiert auf der Annahme, dass andere Bereiche im Zentralnervensystem die Funktion geschädigter Areale übernehmen können. Der Therapeut unterstützt den Patienten dabei, bestimmte Körperhaltungen einzunehmen, um Bewegungsabläufe zu ermöglichen.
  • Vojta-Therapie: Hier werden gezielt natürliche Reflexe ausgelöst, um ursprüngliche Bewegungsabläufe wieder zu ermöglichen. Der Therapeut übt Druck auf bestimmte Körperbereiche aus, um die gewünschte Reflexbewegung auszulösen.
  • PNF: Durch die Reizung von Propriozeptoren (Fühler an Muskeln und Gelenken) soll die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskulatur verbessert werden.

Weitere Verfahren sind die Brunkow-Therapie, bei der durch bestimmte Körperpositionen und Hautreize Muskeln angesprochen und gestärkt werden sollen, sowie die Elektrotherapie zur Behandlung von Spastiken und Tremor. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann bei Schmerzen helfen. Auch die Hydrotherapie, insbesondere Bewegungsübungen im Wasser, kann für MS-Patienten wohltuend sein. Kälteanwendungen können sich positiv auf die Bewegungsfähigkeit auswirken, während Wärme eher vermieden werden sollte, da sie die Leitfähigkeit der Nerven vorübergehend verschlechtern und Symptome verstärken kann.

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Nicht alle Übungen, die der Physiotherapeut zur Behandlung von Bewegungsstörungen oder Blasenfunktionsstörungen einsetzt, eignen sich für die Durchführung zu Hause. Sie müssen nach einem bestimmten Schema und unter Aufsicht durchgeführt werden, um Beschwerden zu verbessern und Probleme zu vermeiden. Der Therapeut sollte immer gefragt werden, welche Übungen zu Hause wiederholt werden können und welche nicht.

Die Rolle von Massagen bei der Linderung von MS-Symptomen

Massagen können eine wertvolle Ergänzung zur Physiotherapie bei MS sein. Sie können dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.

Schmerzlinderung durch Massage

Schmerzen gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen von MS. Massagen können helfen, neuropathische Schmerzen (aufgrund einer Schädigung der Nervenfasern oder -zellen) sowie Schmerzen im Rahmen von Begleitsymptomen zu lindern. Durch die Lockerung von Muskelverspannungen und die Verbesserung der Durchblutung können Massagen das Wohlbefinden und die Freude am Alltag steigern.

Massage bei Fatigue

Etwa zwei Drittel der MS-Patienten leiden unter Erschöpfungszuständen (Fatigue), die oft als das belastendste Symptom empfunden werden. Studien haben gezeigt, dass Massagetherapie, insbesondere in Kombination mit Entspannungsverfahren, die Fatigue reduzieren kann. Eine Meta-Analyse von 10 Studien mit insgesamt 421 Patienten ergab, dass Massage einen signifikanten lindernden Effekt auf Fatigue hat.

Fußreflexzonenmassage

Die Fußreflexzonenmassage ist eine spezielle Massageform, bei der durch Druck auf bestimmte Punkte an der Fußsohle eine Wirkung auf andere Körperbereiche erzielt werden soll. Studien haben gezeigt, dass sowohl eine präzise Fußreflexzonenmassage als auch eine unspezifische Massage die Schmerzen von MS-Patienten signifikant lindern können. Die Schmerzintensität wurde in einer Studie um 50 % reduziert, und dieser Effekt hielt bis zu 12 Wochen an. Darüber hinaus wurden Verbesserungen bei Fatigue, Depression, Behinderung allgemein, Spastik und Lebensqualität beobachtet.

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Weitere Massageformen

Neben der klassischen Massage und der Fußreflexzonenmassage gibt es weitere Massageformen, die bei MS eingesetzt werden können:

  • Unterwasserdruckstrahlmassage: Hierbei wird der Körper mit einem Wasserstrahl massiert, was die Durchblutung fördert und Muskelverspannungen löst.
  • Triggerpunktbehandlung: Bei dieser Methode werden gezielt Triggerpunkte (verhärtete Stellen in der Muskulatur) behandelt, die Schmerzen ausstrahlen können.
  • Bindegewebsmassage: Diese Massageform zielt auf das Bindegewebe ab, um Verklebungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Colonbehandlung: Durch die Massage des Bauches können Verdauungsbeschwerden gelindert werden.
  • Manuelle Lymphdrainage: Diese spezielle Massagetechnik dient dazu, den Lymphfluss anzuregen und Ödeme zu reduzieren.

Entspannungsmethoden als Ergänzung zur Massage

Entspannungsmethoden können die Wirkung von Massagen bei MS unterstützen. Sie helfen, Stress abzubauen, das seelische Gleichgewicht zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern.

Stressbewältigung

Stress kann die Symptome von MS verstärken. Entspannungsmethoden helfen, Abstand von den täglichen Belastungen zu gewinnen und Stressreaktionen zu mildern.

Verschiedene Entspannungstechniken

Es gibt eine Vielzahl von Entspannungstechniken, die für MS-Patienten geeignet sind:

  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Durch bewusstes An- und Entspannen der Muskeln können Verspannungen und innere Anspannungen gelöst werden.
  • Benson-Meditation: Diese Meditationsform fördert innere Ruhe und gedankliche Leere.
  • Atemübungen: Gleichmäßiges, bewusstes Atmen kann helfen, das Nervensystem auszugleichen und Stressreaktionen zu mildern.
  • Yoga und Tai Chi: Langsame fließende Bewegungen in Kombination mit Aufmerksamkeit und Atmung sollen die Selbstheilungskräfte stärken und durch Stress blockierte Energie im Körper wieder zum Fließen bringen.

Sport und Bewegung bei MS

Sport und Bewegung sind für Menschen mit MS besonders wichtig. Gezielte Bewegungstherapie sollte in jede Behandlung integriert sein, um Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit zu stärken.

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Ziele der Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie bei MS hat folgende Ziele:

  • Verbesserung des Laufens und des Gangbildes
  • Unterstützung von Koordination und Balance
  • Stärkung von Kraft und Ausdauer
  • Ankurbelung von Herz und Kreislauf
  • Anregung des Stoffwechsels
  • Reduzierung von Darmproblemen
  • Förderung von Feinmotorik und Stabilität
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Entgegenwirkung von Spastiken und Muskelschwäche
  • Linderung von Fatigue und Depression
  • Gewichtskontrolle

Individuelle Trainingspläne

Art und Intensität der Bewegung sollten an die individuelle Situation des Erkrankten angepasst werden. Der Trainingsplan und die dazugehörigen Übungen werden vom Physiotherapeuten individuell zusammengestellt.

Worauf sollte man bei Massagen bei MS achten?

Es gibt einige Punkte, die bei Massagen bei MS beachtet werden sollten:

  • Empfindliche Bereiche aussparen: Bereiche, die empfindlich sind und schmerzen, sollten bei der Massage ausgespart werden.
  • Wirbelsäule aussparen: Die Wirbelsäule sollte bei der Massage immer ausgespart werden.
  • Reize in empfindlichen Bereichen vermeiden: Es sollte darauf geachtet werden, dass in empfindlichen Bereichen keine zu starken Reize ausgeübt werden.
  • Individuelle Erfahrung berücksichtigen: Jeder Mensch mit MS reagiert anders auf Massagen. Es ist wichtig, auf die eigenen Erfahrungen zu hören und die Massage entsprechend anzupassen.
  • Rücksprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten: Vor Beginn einer Massage sollte Rücksprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten gehalten werden, um sicherzustellen, dass die Massage für den individuellen Fall geeignet ist.

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