Kribbeln in der Hand oder in den Fingerspitzen, oft als Parästhesien bezeichnet, ist eine Missempfindung oder Sensibilitätsstörung, die viele Menschen irgendwann in ihrem Leben erfahren. Diese Empfindungen können von leicht irritierend bis hin zu schmerzhaft und beeinträchtigend reichen. Es ist wichtig zu verstehen, dass überall im Körper Nerven vorhanden sind, die Signale über Nervenbahnen zum Gehirn leiten. Wenn diese Nervenbahnen gestört sind, kann dies zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen führen.
Häufige Ursachen im Alltag
Oftmals sind Kribbeln und eingeschlafene Hände auf alltägliche Bewegungsabläufe zurückzuführen. Stundenlanges Tippen auf einer Tastatur oder Maus sowie handwerkliche Tätigkeiten mit Drehbewegungen oder Vibration können die Nerven beeinträchtigen. Durch Überlastung des Handgelenks kann es zu Verdickungen oder Schwellungen an den Sehnen kommen, was Druck auf den Nerv ausübt. In solchen Fällen können eine Schiene zur Ruhigstellung, Physiotherapie oder sogar Operationen als Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden.
Schulter-Arm-Syndrom und Nervenkompression
Beschwerden an der Schulter können ebenfalls ein Kribbeln in den Händen und Fingern auslösen. Dies geschieht, wenn verhärtete oder ungleich trainierte Muskulatur Nerven komprimiert oder einklemmt. Der Plexus brachialis, das Armnerven-Geflecht, verlässt das Rückenmark im Wirbelkanal auf Höhe der letzten drei Halswirbel und des ersten Brustwirbels. Eine Kompression in diesem Bereich kann zu den genannten Symptomen führen.
Zentrales Nervensystem und Stoffwechsel
Im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) können Durchblutungsstörungen, Verletzungen, Infektionen und chronische neurologische Entzündungen wie Multiple Sklerose Kribbeln und Taubheitsgefühle verursachen. Auch ein Kubitaltunnelsyndrom kann dazu führen, dass der kleine Finger und der Ringfinger kribbeln oder taub werden. Die Symptome können sich auf die Handfläche ausbreiten und auch den Unterarm betreffen.
Dysbalancen im Stoffwechsel und Hormonhaushalt, wie sie bei Diabetes, Vitamin-B12- und Calciummangel auftreten können, können ebenfalls die Nerven- und Gefäßfunktionen beeinträchtigen. In manchen Fällen können Kribbeln und Taubheitsgefühle als Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten, sind aber meist von begrenzter Dauer. Schwangerschaft kann auch zu vermehrten Flüssigkeitsansammlungen führen, die Nerven komprimieren können.
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Veranlagung und Gewebeanpassung
Veranlagung, Stoffwechselfaktoren und der Hormonhaushalt können Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen begünstigen. Muskeln, Faszien und Sehnen passen sich an Belastungen an und können unnachgiebiger und fester werden, wenn sie stark beansprucht werden. Das Gewebe kann bei Überlastung auch anschwellen. Eine schlechtere Durchblutung äußert sich oft durch kalte Hände.
Übungen und Selbsthilfe
Es gibt Übungen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern. Eine einfache Übung besteht darin, die Finger nach außen und immer weiter zurückzudrehen, bis die Finger im besten Fall nach hinten zeigen. Dabei sollte die Handfläche am Boden oder auf dem Tisch bleiben, um eine intensive Dehnung am Handgelenk zu erzeugen. Um die Dehnung zu intensivieren, können die Schultern zurückbewegt werden.
Es ist wichtig, bei Übungen auf die richtige Intensität zu achten und im Zweifelsfall lieber mit etwas geringerer Intensität zu üben. Man sollte dabei einen intensiven Schmerz spüren, aber während der Dehnung noch ruhig atmen können. Es ist ratsam, den Körper zu beobachten und einzuschätzen, um Verletzungen zu vermeiden.
Karpaltunnelsyndrom im Detail
Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Ursache für Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel, einem Kanal im Handgelenk, durch den auch Sehnen verlaufen. Die Einengung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Überlastung: Wiederholte Bewegungen oder Belastungen des Handgelenks können zu Schwellungen im Karpaltunnel führen, die den Nerv einengen.
- Entzündungen: Entzündungen der Sehnen oder des umliegenden Gewebes können ebenfalls den Druck im Karpaltunnel erhöhen.
- Anatomische Faktoren: Manche Menschen haben von Natur aus einen engeren Karpaltunnel.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Schilddrüsenerkrankungen können das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom erhöhen.
- Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft können zu Flüssigkeitsansammlungen im Karpaltunnel führen.
- Verletzungen: Ein Bruch oder eine Verstauchung des Handgelenks kann ebenfalls ein Karpaltunnelsyndrom auslösen.
Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind typischerweise:
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- Kribbeln und Taubheitsgefühle: Betroffen sind vor allem Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und ein Teil des Ringfingers.
- Schmerzen: Die Schmerzen können im Handgelenk, in der Hand oder in den Fingern auftreten und bis in den Arm ausstrahlen.
- Nächtliche Beschwerden: Die Symptome treten oft nachts auf, da viele Menschen die Hände im Schlaf anwinkeln.
- Funktionseinschränkungen: Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten wie Knöpfe schließen oder eine Tasse halten.
- Kraftverlust: Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Kraftverlust in der Hand kommen, insbesondere beim Greifen.
Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms wird in der Regel anhand der Symptome und einer körperlichen Untersuchung gestellt. Eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Elektroneurographie) kann die Diagnose bestätigen und den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.
Behandlung des Karpaltunnelsyndroms
Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Konservative Maßnahmen, die oft im Frühstadium eingesetzt werden, umfassen:
- Ruhigstellung: Das Tragen einer Handgelenkschiene, insbesondere nachts, kann das Handgelenk ruhigstellen und den Druck auf den Nerv reduzieren.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können Schmerzen und Entzündungen lindern.
- Kortikosteroid-Injektionen: Injektionen von Kortikosteroiden in den Karpaltunnel können Entzündungen reduzieren und die Symptome lindern.
- Ergotherapie: Ein Ergotherapeut kann Übungen zeigen, die die Beweglichkeit und Kraft der Hand verbessern und die Nervenfunktion fördern.
- Anpassung der Arbeitsumgebung: Ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, wie z.B. eine ergonomische Tastatur und Maus, können die Belastung des Handgelenks reduzieren.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Operation erforderlich sein. Bei der Operation wird das Karpalband durchtrennt, um den Druck auf den Nerv zu entlasten. Die Operation kann offen oder endoskopisch durchgeführt werden.
Ulnarisrinnensyndrom: Wenn der Ellennerv betroffen ist
Eine weitere mögliche Ursache für Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern ist das Ulnarisrinnensyndrom, auch Sulcus-Ulnaris-Syndrom genannt. Dabei wird der Ellennerv (Nervus ulnaris) im Bereich des Ellenbogens eingeklemmt. Dies kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Direkter Druck: Häufiges Aufstützen des Ellenbogens auf harten Oberflächen kann den Nerv reizen und einklemmen.
- Verletzungen: Ein Bruch oder eine Verrenkung des Ellenbogens kann den Nerv schädigen oder einengen.
- Anatomische Faktoren: Manche Menschen haben von Natur aus eine engere Rinne für den Ellennerv.
- Wiederholte Bewegungen: Tätigkeiten, die wiederholte Beugungen und Streckungen des Ellenbogens erfordern, können den Nerv reizen.
Die Symptome des Ulnarisrinnensyndroms sind typischerweise:
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- Kribbeln und Taubheitsgefühle: Betroffen sind vor allem der kleine Finger und der Ringfinger.
- Schmerzen: Die Schmerzen können im Ellenbogen, im Unterarm oder in der Hand auftreten.
- Kraftverlust: Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Kraftverlust in der Hand kommen, insbesondere beim Greifen.
- Muskelschwund: Bei längerer Kompression des Nervs kann es zu einem Muskelschwund in der Hand kommen, insbesondere im Bereich des kleinen Fingers.
Die Diagnose des Ulnarisrinnensyndroms wird in der Regel anhand der Symptome und einer körperlichen Untersuchung gestellt. Eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung kann die Diagnose bestätigen und den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.
Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms
Die Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Konservative Maßnahmen, die oft im Frühstadium eingesetzt werden, umfassen:
- Vermeidung von Druck: Vermeiden Sie es, den Ellenbogen auf harten Oberflächen abzustützen oder anzulehnen.
- Ruhigstellung: Das Tragen einer Ellenbogenschiene, insbesondere nachts, kann den Ellenbogen ruhigstellen und den Druck auf den Nerv reduzieren.
- Ergotherapie: Ein Ergotherapeut kann Übungen zeigen, die die Beweglichkeit und Kraft der Hand verbessern und die Nervenfunktion fördern.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Operation erforderlich sein. Bei der Operation wird der Ellennerv freigelegt und von einengendem Gewebe befreit. In einigen Fällen kann der Nerv auch in eine andere Position verlegt werden, um ihn vor Druck zu schützen.
Weitere Ursachen und Abklärung
Es ist wichtig zu beachten, dass Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern auch andere Ursachen haben können, wie z.B.:
- Durchblutungsstörungen: Eine schlechte Durchblutung der Hände und Finger kann zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen führen.
- Nährstoffmängel: Ein Mangel an Vitamin B12, Magnesium oder anderen Nährstoffen kann die Nervenfunktion beeinträchtigen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Kribbeln und Taubheitsgefühle verursachen.
- Vergiftungen: Schwermetalle oder andere Giftstoffe können die Nerven schädigen.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose oder Rheuma können Kribbeln und Taubheitsgefühle verursachen.
Bei anhaltendem oder wiederkehrendem Kribbeln in Armen, Händen oder Fingern sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Im Zweifelsfall sollte man Kribbeln in den Händen immer in der Hausarztpraxis abklären lassen. Zwar ist das Kribbeln oft zunächst harmlos, aber es ist wichtig, aktiv zu werden und die Nerven von zu hohem Druck zu befreien. Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite können auf einen Schlaganfall hinweisen, in welchem Fall umgehend der Notruf unter 112 zu wählen ist.
Diagnose und Abklärung
Die hausärztliche Praxis ist die erste Anlaufstelle, um Kribbeln und Taubheitsgefühle abklären zu lassen. Um die genauen Ursachen herauszufinden, ist ein ausführliches persönliches Gespräch wichtig. Nimmt man Reize auf der Haut nicht mehr richtig wahr, etwa einen Piks mit der Nadel, sind meist die kleinen Nervenenden geschädigt. Mit Bluttests lassen sich weitere Hinweise auf die möglichen Ursachen finden, wie der Blutzuckerspiegel, die Menge bestimmter Vitamine und Mineralstoffe sowie Entzündungswerte. Je nach Verdachtsdiagnose kommen weitere Untersuchungen infrage.
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