Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Neben der Akutbehandlung von Migräneattacken spielt die medikamentöse Prophylaxe eine wichtige Rolle, insbesondere bei häufigen oder schweren Migräneanfällen.
Einleitung
Die medikamentöse Migräneprophylaxe hat das Ziel, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu vermindern. Außerdem soll das Risiko eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes (MÜK) gesenkt werden, der durch die Einnahme zu vieler Migräne- und Schmerzmittel ausgelöst wird. Eine solche Prophylaxe wird empfohlen, wenn:
- Die Anfallsbehandlung bisher zu keinem befriedigendem Ergebnis führt.
- Mehr als drei Migräneattacken pro Monat auftreten.
- Medikamente zur Behandlung der Migräneattacke schlecht oder gar nicht vertragen werden.
- Die Zahl der Migräneattacken zunimmt.
- An mehr als zehn Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel eingenommen werden.
- Die Lebensqualität durch die Migräne stark eingeschränkt ist.
- Es nach einer Migräne zu neurologischen Beschwerden kommt, die länger als sieben Tage andauern.
Gründe für die medikamentöse Migräneprophylaxe
Trotz der Fortschritte in der Akuttherapie von Migräne gibt es weiterhin wichtige Gründe für eine vorbeugende Behandlung. Einige Patienten können von Triptanen nicht profitieren, entweder weil Gegenanzeigen vorliegen (z.B. koronare Herzkrankheit) oder weil sie zu der Minderheit gehören, bei denen Triptane nicht wirksam oder verträglich sind. Zudem sollte die Einnahme von Kopfschmerzakutmedikation (Triptane wie Schmerzmittel) maximal an zehn Tagen pro Monat erfolgen, um das Risiko eines MÜK zu vermeiden. Das primäre Ziel der medikamentösen Migräneprophylaxe ist daher die Reduktion der Tage, an denen Migränebeschwerden auftreten und somit die Einnahmehäufigkeit von Akutmedikamenten zu senken.
Allgemeine Aspekte der medikamentösen Migräneprophylaxe
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe ist eine Dauertherapie, die nur bei guter Wirksamkeit und Verträglichkeit akzeptabel ist. Zudem muss die Unbedenklichkeit im Langzeiteinsatz gewährleistet sein. Es ist wichtig zu beachten, dass die Migräneprophylaxe ein spezifisches Verfahren zur Behandlung der Migräne ist und nicht von häufigen Kopfschmerzen generell. Kopfschmerzen aufgrund eines MÜK bleiben beispielsweise praktisch unbeeinflusst und erfordern eine Medikamentenpause. Die Effektivität hängt entscheidend von der eingesetzten Dosis ab, und es dauert meist 2 bis 8 Wochen, bis eine merkliche Abnahme der Migränehäufigkeit eintritt. Die Prophylaxe führt in der Regel nicht zu einer kompletten Migränefreiheit, sondern verlängert lediglich die Pausen zwischen den Attacken. Bei den meisten Substanzen ist eine vorsichtige und langsame Erhöhung der Dosis erforderlich, um Nebenwirkungen zu minimieren.
Medikamentöse Optionen zur Migräneprophylaxe
Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Nervenschmerzen im Fuß
- Betablocker: Substanzen wie Metoprolol oder Propranolol, die eigentlich zur Blutdrucksenkung verwendet werden. Sie beruhigen das Nervensystem, verlangsamen den Herzschlag und senken den Blutdruck. Zu den Nebenwirkungen können Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden gehören.
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, zeigt aber auch Effekte in der Migräneprophylaxe. Die Wirkweise basiert vermutlich auf der Blockade des Calciumstroms in die Muskelzellen. Allerdings kann es unter der Einnahme vermehrt zu Nebenwirkungen wie Depressionen und Gewichtszunahme kommen.
- Antiepileptika: Valproinsäure oder Topiramat, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Hautausschläge, Missempfindungen wie Kribbeln der Haut und Schwindel.
- Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, ein nicht selektiver Monoamin-Rückaufnahme-Hemmer, wird zur Vorbeugung von Migräne empfohlen. Mögliche Nebenwirkungen sind Verstopfung oder Kreislaufschwäche.
- CGRP-Antikörper und Gepante: Diese relativ neuen Medikamente zielen auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ab, der eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt. CGRP-Antikörper (z.B. Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab) werden unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben. Gepante (z.B. Atogepant, Rimegepant) sind oral einnehmbare CGRP-Rezeptor-Antagonisten. Als Nebenwirkungen können Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Verstopfung, Schwindel, Übelkeit, verminderter Appetit oder Gewichtsabnahme auftreten.
- Botulinumtoxin A: Injektionen eines Neuromodulators können die Zahl der Migräneanfälle verringern. Nebenwirkungen können muskelkaterähnliche Beschwerden, hängende Augenlider oder Schmerzen an der Injektionsstelle sein.
- Pflanzliche Mittel: Rezeptfreie pflanzliche Tabletten auf Basis von Mutterkraut können aufgrund langjähriger Erfahrung zur Vorbeugung von migräneartigen Kopfschmerzen angewendet werden.
CGRP-Antikörper und Gepante im Detail
CGRP-Antikörper sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten zur Migräneprophylaxe. Sie blockieren entweder das CGRP-Molekül selbst oder den CGRP-Rezeptor, wodurch die Wirkung von CGRP gehemmt wird. CGRP spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräneattacken, indem es zu einer Entzündungsreaktion und einer Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit im Gehirn führt.
Gepante sind oral einnehmbare CGRP-Rezeptor-Antagonisten. Sie blockieren die Andockstelle für CGRP im Gehirn und verhindern so, dass CGRP seine Wirkung entfalten kann. Gepante können sowohl zur Akutbehandlung als auch zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Ein Vorteil von Gepanten ist, dass sie keine gefäßverengenden Eigenschaften haben und daher auch bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden können, bei denen Triptane kontraindiziert sind.
Das neue Gepant Atogepant (Aquipta)
Seit dem 1. März ist in Deutschland das erste Gepant zur Migräneprophylaxe verfügbar: Aquipta (Atogepant) von Abbvie. Es ist zugelassen zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit 4 oder mehr Migränetagen pro Monat und kann sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne verschrieben werden. Betroffene nehmen das Präparat einmal täglich als Tablette ein. Studien haben gezeigt, dass Aquipta die Anzahl der Migränetage pro Monat signifikant reduzieren kann. Die Wirkung tritt relativ schnell ein, oft schon innerhalb von 4 Wochen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erwartet im Vergleich zu klassischen unspezifischen Migräneprophylaxen wie Amitriptylin, Betablockern, Flunarizin oder Topiramat bei Aquipta eine bessere Verträglichkeit und damit bessere Therapieadhärenz.
Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Migräne. Dazu gehören:
- Verhaltensänderungen: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, feste Mahlzeiten und das Vermeiden von Migräne-Auslösern (z.B. Stress, bestimmte Nahrungsmittel) können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Entspannungsverfahren: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), kognitive-behaviorale Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement) und Biofeedback-Therapie können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
- Sport und Physiotherapie: Regelmäßiger Sport und gezielte physiotherapeutische Übungen können die Häufigkeit von Migräneattacken senken.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräne wirksam sein kann.
- Neurostimulation: Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) können bei einigen Patienten mit chronischer Migräne hilfreich sein.
Auswahl des geeigneten Medikaments
Die individuelle Auswahl eines Medikaments zur Migräneprophylaxe sollte sich an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. Faktoren wie Häufigkeit und Schwere der Attacken, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und individuelle Präferenzen spielen eine wichtige Rolle. Es ist ratsam, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen, um die Wirksamkeit der Behandlung zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.
Lesen Sie auch: Entspannung ohne Rezept: Ein Ratgeber
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Migränemedikamenten
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
- Lesen Sie die Packungsbeilage sorgfältig durch und beachten Sie die Einnahmeempfehlungen.
- Nehmen Sie Schmerzmittel gegen Migräne nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat ein, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Nebenwirkungen bemerken oder die Behandlung nicht ausreichend wirksam ist.
Migränemedikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit
In der Schwangerschaft und Stillzeit ist besondere Vorsicht bei der Einnahme von Medikamenten geboten. Einige Migränemedikamente können dem ungeborenen Kind schaden oder in die Muttermilch übergehen. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie schwanger sind oder stillen, damit er die geeignete Behandlung auswählen kann.
Lesen Sie auch: Donanemab (Kisunla): Ein Überblick
tags: #medikament #zur #vorbeugung #von #migrane