Die Mundschleimhaut ist einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt, die zu Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit und der Farbgebung führen können. Ursächlich hierfür können neben harmlosen Erkrankungen auch Präkanzerosen (Krebsvorstufen) und bösartige Neubildungen sein. Etwa 5 Prozent aller Tumoren sind im Kopf-Halsbereich lokalisiert, wobei der Großteil auf das Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle entfällt.
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für eine traumatisierte Zunge, die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten und gibt einen umfassenden Überblick über Erkrankungen der Mundschleimhaut.
Ursachen einer traumatisierten Zunge
Eine traumatisierte Zunge kann verschiedene Ursachen haben, die von akuten Verletzungen bis hin zu chronischen Irritationen reichen. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einleiten zu können.
Akute Verletzungen
Akute Verletzungen der Mundschleimhaut werden sehr häufig beobachtet. Sehr häufig führen scharfkantige Nahrungsbestandteile oder das unbeabsichtigte Ein- oder Aufbeißen während der Nahrungsaufnahme, beim Sprechen oder sogar beim Schlafen zu kleinen Mundschleimhautverletzungen. Prädestiniert für Einbeißverletzungen sind vor allem die seitlichen und anterioren Zungenareale und die Schleimhaut der Unterlippe. Diese Verletzungen sind meistens sehr umschrieben und heilen in der Regel schnell und problemlos ab. Zusätzliche therapeutische Maßnahmen machen sich nicht erforderlich. Schwerwiegender können Ein- oder Abbissverletzungen im Rahmen von Kollisionsvorgängen (Straßenverkehrsunfälle, Kontaktsportarten) verlaufen. Vor allem, wenn die zwischen die Zahnreihen eingelagerte Zunge betroffen ist, können starke und lange anhaltende Blutungen auftreten, die eine notfallmäßige Versorgung erforderlich machen. Am Unfallort sollte eine initiale Blutstillung durch konservative Maßnahmen (Kompression, Tamponade, Eis) erfolgen und eine rasche Vorstellung des Patienten in einer Fachabteilung erfolgen. Voraussetzung für eine effiziente Wundversorgung ist die genaue Inspektion der Wundverhältnisse nach Lokalanästhesie (gegebenenfalls Vollnarkose) und Desinfektion. Im Bereich der Zunge kann neben der notwendigen Adaptation der Wundränder auch die Umstechung beziehungsweise Ligierung von Gefäßstümpfen erforderlich sein. Stumpfe und scharfe Verletzungen der Mundschleimhaut können neben den bereits genannten Ursachen auch durch verschiedene andere Traumata hervorgerufen werden.
Pfählungsverletzungen der Gaumenschleimhaut werden sehr häufig bei Kleinkindern und Kindern gesehen. Ursache ist das plötzliche Abrutschen beziehungsweise gestoßen werden beim Hantieren mit einem langen, scharfen Gegenstand, in der Regel einem Malstift. Hierbei ist häufig eine genaue Wundinspektion ausreichend, da die meist kleinen Wunden ohne adaptierende Maßnahmen sehr gut verheilen. Wichtig ist die Untersuchung des verursachenden Gegenstandes um das Verbleiben eines frakturierten Anteils in der Schleimhautwunde sicher ausschließen zu können.
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Sehr häufig werden Kombinationsverletzungen als Folge unterschiedlichster Unfallmechanismen gesehen, die aber auf Grund der meist komplexen Verletzungsmuster der Patienten in der Regel einer Fachklinik vorgestellt werden. Insbesondere werden perforierende Rissquetschwunden im Unterlippenbereich als Folge des Einbisses der Unterkieferfrontzähne, Verletzungen der Mundschleimhautkontinuität bei offenen Kieferfrakturen, Ablederungsverletzungen im Oberkiefervestibulum, zum Beispiel als Folge von Fahrradstürzen, und Verletzungen der Gingiva nach traumatischen Zahnluxationen diagnostiziert. Das Management dieser Patienten wird durch den Schweregrad der Begleitverletzungen definiert. Schwere innere Verletzungen, Schädelhirn- oder Extremitätenverletzungen machen oft eine initiale Bildgebung und eventuell eine notfallmäßige Operation erforderlich. Können die Begleitverletzungen zunächst vernachlässigt werden, steht die genaue Inspektion und Behandlungsplanung der kiefer-gesichtschirurgischen Verletzungen im Vordergrund. Die Untersuchung schließt neben der Mundschleimhaut auch den gesamten knöchernen Gesichtsschädel ein. An erster Stelle steht der Ausschluss einer akuten Gefäßblutung. Diese kann sowohl direkte Traumafolge aber auch sekundär, wie durch ein scharfkantiges Frakturfragment hervorgerufen werden. Die Untersuchung muss ebenfalls die genaue Beurteilung der Zahnreihen, mögliche Zahnlockerungen und Zahnfrakturen einschließen. Bei Zahnverlust oder Zahnfrakturen muss ein Verbleib der Fragmente oder Zähne in der Mundhöhle ausgeschlossen werden um Aspirationen zu vermeiden. Die Röntgendiagnostik vervollständigt die Diagnostik. Die Wundversorgung erfolgt nach den in den allgemeinen Ausführungen genannten Richtlinien.
Chronische Irritationen
Chronische mechanische Irritationen, die durch scharfe Zahnkanten und Prothesenränder hervorgerufen werden, sind genauso wie chronische Entzündungszustände wichtige Risikofaktoren.
Die Linea alba (weiße Linie) ist eine häufige Alteration der Wangenschleimhaut, die vor allem auf mechanische Traumata durch Druck, Reibung oder Kauen durch die Zähne zurückzuführen ist. Klinisch zeigt sich eine weiße Linie, die in der Regel beidseits auftritt und in der Wangenschleimhaut in Höhe der Okklusionsebene der anliegenden Zähne lokalisiert ist. Sie tritt in der Region der hinteren Molaren stärker in Erscheinung. Eine bioptische Abklärung ist selten indiziert. Histopathologisch zeigt sich häufig eine Hyperkeratose, die die normale Mundschleimhaut überdeckt. Eine Therapie ist nicht erforderlich. Langzeitfolgen dieser chronischen mechanischen Mundschleimhautalteration sind bisher nicht beschrieben.
Chronisches Kauen (morsus, lat. beißen) wird sehr häufig an der Wangenschleimhaut präsent, obwohl in der Literatur auch andere Lokalisationen beschrieben sind (morsicatio labiorum, morsicatio linguarum). Eine hohe Inzidenz wird vor allem bei Menschen in Stresssituationen oder mit psychologischen Auffälligkeiten beschrieben. Sehr häufig geschieht das Wangenkauen ähnlich wie das Knirschen unbewusst und wird von den betroffenen Patienten verneint. Die Inzidenz beträgt 1:800 und das Wangenkauen wird bei Frauen dreimal häufiger als bei Männern angetroffen. Klinisch werden die Läsionen der Wangenschleimhaut häufig beidseits angetroffen. Verdickte weiße Schleimhautareale treten kombiniert mit Erosionen, Erythemen und fokalen Ulzerationen auf. Die weißen Schleimhautareale zeigen eine unregelmäßige Oberfläche. Hauptlokalisation ist die mittlere Region der anterioren Wangenschleimhaut in Höhe der Okklusionsebene. In seltenen Fällen kann die Veränderung sehr ausgedehnt sein und über die Okklusionsebene hinausgehen. Das wird insbesondere bei Patienten beobachtet, die die Wangenschleimhaut von außen mit den Fingern zwischen die Zahnreihen pressen. Auch hier zeigt sich pathohistologisch eine Hyperkeratosis. Oberflächliche bakterielle Kolonien sind typisch. Bei isoliertem Vorkommen am Zungenrand und gleichzeitiger Riskoanamnese für eine HIV-Infektion sollte Letztere beziehungsweise eine Haarleukoplakie ausgeschlossen werden. Eine symptomatische Therapie der Schleimhautveränderungen ist nicht erforderlich. Bei gesicherter Stressanamnese beziehungsweise Vorliegen psychologischer Erkrankungen sollten diese kausalen Ursachen angegangen werden.
Entzündungen und Infektionen
Verschiedene Entzündungen und Infektionen können ebenfalls zu einer traumatisierten Zunge führen:
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- Stomatitis: Eine Entzündung der Mundschleimhaut, die sich durch die Bildung von schmerzhaften Bläschen, Aphthen, bemerkbar macht. Es gibt verschiedene Arten von Stomatitis, wie aphthöse, herpetiforme, traumatische und allergische Stomatitis.
- Candidose: Eine Infektion der Mundschleimhaut, die durch den Hefepilz Candida verursacht wird.
- Akute ulzero-nekrotisierende Gingivo-Stomatitis (Vincent-Krankheit): Eine schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches.
- Glossitis rhombica mediana (GRM): Eine gutartige, vor dem Foramen caecum lokalisierte, rötlich imponierende Schleimhautveränderung unklarer Ätiologie.
Weitere Ursachen
- Allergische Reaktionen: Allergische Reaktionen, Unverträglichkeitsreaktionen und toxische Reaktionen können in seltenen Fällen zu mehr oder weniger heftigen brennenden Beschwerden im Bereich der Mundschleimhaut führen.
- Mangelernährung: Ein Vitaminmangel (B1, B2, B5, B6, B12, Folsäure) kann zu Mundschleimhautbrennen führen. Dies trifft vor allem auf einen Vitamin-B12- Mangel zu, der neben einer megaloblastären Anämie (pernizöse Anämie) zu einer Glossitis (Möller - Hunter- Glossitis) führt. Auch ein Eisenmangel kann neben einer hypochromen Anämie mit atrophischen Veränderungen im Bereich der Mund- Rachen- und Speiseröhrenschleimhaut einhergehen (Plummer-Vinson-Syndrom).
- Systemische Erkrankungen: Ein Brennen im Bereich der Mund- und vor allem der Zungenschleimhaut tritt gehäuft beim Diabetes mellitus auf, wobei die Schleimhaut klinisch unauffällig erscheint. Da Frauen in der Postmenopause gehäuft an Zungenbrennen leiden wurde ein Östrogenmangel als auslösende Ursache vermutet. Schließlich wurde in einzelnen Fällen über das Auftreten von Mundschleimhautbrennen bei Gicht, Hypochlorhydrie bzw. Achlorhydrie berichtet.
- Psychische Faktoren: Chronisches Kauen (morsus) wird vor allem bei Menschen in Stresssituationen oder mit psychologischen Auffälligkeiten beschrieben. Selten kann eine Faltenzunge mit einem meist psychogen bedingten Mundschleimhautbrennen einhergehen.
Symptome einer traumatisierten Zunge
Die Symptome einer traumatisierten Zunge können je nach Ursache variieren. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen und Brennen im Bereich der Zunge
- Rötung und Schwellung der Zunge
- Bläschen, Aphthen oder Geschwüre auf der Zunge
- Veränderungen der Zungenoberfläche (z.B. Furchenbildung, Haarzunge)
- Geschmacksstörungen
- Mundtrockenheit
- Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen oder Schlucken
Diagnose einer traumatisierten Zunge
Die Diagnose einer traumatisierten Zunge erfolgt in der Regel durch eine gründliche klinische Untersuchung der Mundhöhle. Der Arzt wird die Zunge und die Mundschleimhaut sorgfältig inspizieren und nach Veränderungen suchen. Zusätzlich kann eine detaillierte Anamnese helfen, mögliche Ursachen zu identifizieren.
Weitere diagnostische Maßnahmen
- Abstrich: Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion (z.B. Candidose) kann ein Abstrich entnommen und im Labor untersucht werden.
- Biopsie: Bei unklaren Veränderungen oder Verdacht auf eine Präkanzerose oder einen Tumor kann eine Biopsie entnommen werden.
- Röntgendiagnostik: Bei Verletzungen im Rahmen von Unfällen kann eine Röntgenaufnahme durchgeführt werden, um mögliche Knochenbrüche oder Zahnverletzungen auszuschließen.
- Allergietestung: Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion kann eine Allergietestung durchgeführt werden, um mögliche Allergene zu identifizieren.
- Blutuntersuchung: Bei Verdacht auf eine systemische Erkrankung oder einen Vitaminmangel kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.
Behandlung einer traumatisierten Zunge
Die Behandlung einer traumatisierten Zunge richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Akute Verletzungen
Voraussetzung für eine effiziente Wundversorgung ist die genaue Inspektion der Wundverhältnisse nach Lokalanästhesie (gegebenenfalls Vollnarkose) und Desinfektion. Im Bereich der Zunge kann neben der notwendigen Adaptation der Wundränder auch die Umstechung beziehungsweise Ligierung von Gefäßstümpfen erforderlich sein. Die Mundschleimhaut sollte mit atraumatischem Nahtmaterial versorgt werden. In schwer zugänglichen Bereichen oder bei Kindern kann resorbierbares Nahtmaterial verwendet werden. Umfangreiche Mundschleimhautverletzungen oder Verletzungen bei Kleinkindern sollten unter Vollnarkose durchgeführt werden. Liegt eine Verletzung der Ausführungsgänge der großen Speicheldrüsen vor, muss eine Schienung des Ausführungsganges über einen Silikonschlauch mit Naht der Gangenden erfolgen. Der Schlauch verbleibt mindestens 14 Tage in situ.
Entzündungen und Infektionen
- Stomatitis: Die Behandlung von Stomatitis hängt von der Art der Erkrankung ab. Bei der Behandlung von Apthöser Stomatitis kann der Zahnarzt Antibiotika oder andere Medikamente verschreiben, um die Entzündung zu lindern. Bei der Behandlung von Herpetiformer Stomatitis werden normalerweise antivirale Medikamente verschrieben, um die Entzündung zu lindern. Bei der Behandlung von traumatischer Stomatitis kann der Zahnarzt antiseptische Lösungen oder Lösungen verschreiben, um die Entzündung zu lindern. Bei der Behandlung von allergischer Stomatitis ist es wichtig, dass der Patient seine Allergien identifiziert und vermeidet.
- Candidose: Bei Candidainfektionen der Mundschleimhaut ist der Einsatz von lokal wirkenden Antimykotika (z.B. Moronal(r) - Dragees, Ampho-Moronal(r) - Lutschtabletten oder Ampho-Moronal(r)- Suspension) zu empfehlen. Besonders bewährt hat sich der Einsatz von Nystatin Vaginaltabletten, wobei 2 - 3 dieser zuckerfreien Tabletten pro Tag jeweils über einen Zeitraum von 20 - 30 Minuten gelutscht werden sollten. Um eine gleichmäßige antimykotische Behandlung der Schleimhaut zu gewährleisten müssen die Patienten zuvor ggf. Zahnprothesen entfernen. Zahnprothesen sollten nach gründlicher Reinigung während der Nacht in Benzalkoniumchloridlösung entkeimt und vor dem Wiedereinsetzen mit Nystatinpuder versehen werden um erneuten Infektionen (Prothesenstomatitis) vorzubeugen. Bei therapieresistenten Fällen oder chronischer mucocutaner Candidiasis kann eine systemische Therapie in Betracht gezogen werden.
- Akute ulzero-nekrotisierende Gingivo-Stomatitis: Neben antiseptischen Mundspülungen ist eine systemische Antibiotikatherapie gemäß Abstrichergebnis erforderlich.
- Glossitis rhombica mediana (GRM): Therapeutisch kommt in erster Linie eine antimykotische Therapie in Betracht.
Weitere Behandlungsansätze
- Schmerzlinderung: Bei schmerzhaften Läsionen können topische Schmerzmittel oder Mundspülungen mit Lokalanästhetika eingesetzt werden.
- Entzündungshemmende Mittel: Kortisonhaltige Salben oder Spülungen können bei entzündlichen Erkrankungen der Mundschleimhaut helfen.
- Allergiebehandlung: Bei allergischen Reaktionen ist es wichtig, das auslösende Allergen zu meiden und gegebenenfalls Antihistaminika einzunehmen.
- Vitamin- und Mineralstoffsubstitution: Bei Mangelerscheinungen können entsprechende Präparate eingenommen werden.
- Psychotherapie: Bei chronischem Wangenkauen oder anderen psychisch bedingten Ursachen kann eine Psychotherapie hilfreich sein.
- Anpassung von Zahnersatz: Eine fehlerhafte Zahnprothese (Sitz, Okklusion, Stabilität) kann eine Prothesenstomatitis zur Folge haben. In diesem Fall sollte der Zahnersatz angepasst oder erneuert werden.
Alternative Behandlungsmethoden
Alternative Behandlungsmethoden bei Schleimhauterkrankungen im Mund umfassen verschiedene Ansätze. Homöopathie und pflanzliche Heilmittel spielen eine wichtige Rolle. Zusätzlich sind bestimmte Ernährungsanpassungen empfehlenswert.
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Prävention einer traumatisierten Zunge
Um einer traumatisierten Zunge vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und Mundspülungen können helfen, Entzündungen und Infektionen der Mundschleimhaut vorzubeugen.
- Vermeidung von Reizstoffen: Scharfe oder saure Speisen, Alkohol und Tabak können die Mundschleimhaut reizen und sollten vermieden werden.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind wichtig, um frühe Anzeichen von Erkrankungen der Mundschleimhaut zu erkennen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen stärkt das Immunsystem und schützt die Mundschleimhaut.
- Stressreduktion: Stress kann zu chronischem Wangenkauen oder anderen schädlichen Gewohnheiten führen. Stressreduktionstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen.
- Vermeidung von Traumata: Vorsicht beim Essen, Sprechen und Schlafen, um Verletzungen der Mundschleimhaut zu vermeiden.
Veränderungen der Mundschleimhaut - Ein Überblick
Die Mundschleimhaut ist einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt, die zu Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit und der Farbgebung führen können. Ursächlich hierfür können neben harmlosen Erkrankungen auch Präkanzerosen (Krebsvorstufen) und bösartige Neubildungen sein.
Mundschleimhautveränderungen können fünf großen Kategorien zugeordnet werden:
- Natürliche Variationen: Zu den natürlichen Variationen, die in aller Regel keine chirurgische Intervention notwendig machen, zählen die Fordyce-Flecken, die Lingua geographica, die Lingua fissurata, die orale Varikosis, das Leuködem und der weiße Schwammnävus.
- Epitheliale Veränderungen: Epitheliale Veränderungen wie die melanotische Makula, die Rauchermelanose, die Nikotinstomatitis, das traumatische ulzerative Granulom (TUG), Naevi, das Melanom, die Leukoplakie, die Erythro(leuko)plakie, die proliferative verruköse Leukoplakie und das Plattenepithelkarzinom machen hingegen eine engmaschige Kontrolle und eine Biopsie erforderlich.
- Bindegewebige Veränderungen: Bindegewebige Veränderungen werden in reaktiv-proliferierende Veränderungen (hyperplastische Gingivitis, medikamenteninduzierte Gingivahyperplasie, fokale fibröse Hyperplasie, inflammatorische fibröse Hyperplasie, papilläre Hyperplasie, pyogenes Granulom, fibroid-ossifizierende Epulis) und Neoplasien (Hämangiom, Lymphangiom, Lipom, Kaposi-Sarkom) unterteilt. Hier erfolgt entweder eine kausale Therapie der Ursache, die Anwendung einer Lokaltherapie oder eine Exzision.
- Immunvermittelte Veränderungen: Lokale und systemische Therapieformen werden auch bei immunvermittelten Veränderungen angewendet. Zu diesen Veränderungen zählen chronisch rezidivierende Aphthen, die Minoraphthe, die Majoraphthe, herpetiforme Aphthen, der orale Lichen planus, das Schleimhautpemphigoid, der Pemphigus vulgaris, das Erythema multiforme, das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse und der Lupus erythematodes.
- Infektiöse Veränderungen: Infektiöse Veränderungen sind die akute primäre Gingivostomatitis herpetica, der rezidivierende orale Herpes simplex, die infektiöse Mononukleose, die orale Haarleukoplakie, die Herpangina, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Röteln, Masern, Mumps, das Plattenepithelpapillom, die Verruca vulgaris, Condylomata acuminata (Feigwarzen), die multifokale epitheliale Hyperplasie (M. Heck), Scharlach, die oral-zervikofaziale Aktinomykose, die Candidiasis und Candida-assoziierte Läsionen.
Häufige Veränderungen der Mundschleimhaut im Detail
- Oraler Lichen planus: Der orale Lichen planus ist häufig, betrifft vor allem Frauen zwischen dem 30. und 65. Lebensjahr und ist häufig im Bereich der Wangenschleimhaut und im Mundvorhof zu finden. Im Gegensatz zum kutanen Lichen neigt der orale Lichen planus zur Chronifizierung. Charakteristisch sind eine erhabene weißliche Streifung (die sog. Wickham-Streifen) auf einem geröteten Grund. Symptomlose Formen werden jährlich kontrolliert. Bei den symptomatischen Formen erfolgt in aller Regel eine Therapie mit Glukokortikoidpräparaten oder Immunsuppressiva.
- Chronisch rezidivierende Aphthen: Chronisch rezidivierende Aphthen sind weit verbreitete Affektionen der Mundschleimhaut. Klinisch zeichnen sie sich durch wiederkehrende rundliche Ulzerationen mit scharfem Rand, gerötetem Randsaum und gelblichem Grund aus. Aphthen werden durch mechanische Mikrotraumata, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, psychischen Stress und gastrointestinale Störungen ausgelöst. Klinisch erfolgt die Unterscheidung in die Minoraphthe, die Majoraphthe und die herpetiforme Aphthe. Minoraphthen treten schubweise in Form mehrerer, druckschmerzhafter Läsionen mit einem Durchmesser < 10 mm auf. Nach Beseitigung der auslösenden Ursache vergehen ca. 2 Wochen bis zur narbenlosen Abheilung. Intensität und Dauer der schmerzhaften Phase können durch anästhesierende Lösungen und Glukokortikoidsalben reduziert werden. Majoraphthen haben einen Läsionsdurchmesser > 10 mm mit tiefer Ulzeration und heilen mit einer Vernarbung ab. Als herpetiforme Aphthen bezeichnet man das Vorhandensein von vielen kleinen Ulzerationen < 5 mm, die sehr schmerzhaft sind. Herpetiforme Aphthen betreffen vor allem Frauen und neigen zur Rezidivierung. In diesem Zusammenhang kann eine systemische Kortikosteroidtherapie erforderlich werden.
- Melanotische Makula: Eine melanotische Makula zeichnet sich durch eine < 5 mm messende, bräunliche Pigmentierung der oralen Mukosa aus. Diese wird durch die Überproduktion von Melaningranula verursacht. Ein Melanom sollte durch eine Probenentnahme ausgeschlossen werden. Das Melanom imponiert als dunkelbraune, schwarz-bläuliche Läsion und ist vor allem im Bereich des Hartgaumens lokalisiert. Aufgrund der schlechten Prognose ist hier eine frühzeitige Diagnostik wesentlich.
Krebsvorstufen (Präkanzerosen) der Mundschleimhaut
Eine Präkanzerose ist eine histologisch definierte Gewebeveränderung, die mit einem erhöhten Entartungsrisiko einhergeht. Zu den Präkanzerosen der Mundschleimhaut zählt unter anderem die Leukoplakie.
Leukoplakien werden nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "weiße, nicht abwischbare, keiner definierten Krankheit zuzuordnende Schleimhautareale" definiert. Die Leukoplakie hat verschiedene klinische Erscheinungsformen. Es werden homogene (ca. 90%) von nicht homogenen (ca. 10%) Leukoplakien unterschieden. Die Leukoplakie gilt im Bereich der Mundhöhle als prämaligne Veränderung und unterliegt je nach Entwicklungsgrad einem erhöhten Risiko, in einen bösartigen Tumor überzugehen. Nach Angaben der Literatur entwickelt sich aus 3 - 8 % aller Leukoplakien innerhalb von 5 Jahren ein Plattenepithelkarzinom. Leukoplakische Mundschleimhautveränderungen bedürfen daher einer fachärztlichen Abklärung und einer Biopsie zum Ausschluss möglicher Differentialdiagnosen.
Erythro(leuko)plakien fallen durch den charakteristischen „roten Fleck“ im Bereich der Mundschleimhaut auf. Die rötlichen Läsionen machen in der Regel keine Beschwerden und sind vor allem im Bereich des Mundbodens, der lateralen und ventralen Zungenflächen, der Wangenschleimhaut und des Weichgaumens lokalisiert. Eine Biopsie zwecks Planung des weiteren Vorgehens ist obligat.
Diagnostisches Vorgehen bei Mundschleimhautveränderungen
Grundsätzlich müssen Mundschleimhautveränderungen so lange als tumorverdächtig eingestuft werden, bis das Gegenteil bewiesen ist. Zur klinischen Verlaufskontrolle empfiehlt sich eine Fotodokumentation. Wenn sich die verdächtige Läsion innerhalb von 2 Wochen nach Ausschaltung der Ursache erkennbar zurückbildet, ist in der Regel keine Biopsie erforderlich. Veränderungen der Mundschleimhaut, die über 2 Wochen nach Behandlungsbeginn persistieren oder eine Größenzunahme verzeichnen, machen eine histopathologische Diagnosesicherung in Form einer Biopsie erforderlich. Abhängig von der Art, Größe und Ausdehnung der Mundschleimhautveränderung erfolgt eine Exzisions- oder Inzisionsbiopsie unter einer örtlichen Betäubung. Im Anschluss erfolgt die histologische Untersuchung durch einen Pathologen. Das Befundergebnis kann in der Regel nach 7 bis 10 Tagen mitgeteilt werden.
Wichtige Risikofaktoren für Mundschleimhauterkrankungen
Wesentliche Risikofaktoren sind das Rauchen, der Alkoholkonsum und die schlechte Mundhygiene. Verhornungsstörungen der Schleimhaut treten bei Rauchern sechsmal häufiger als bei Nichtrauchern auf. Auch Viren können für die Entwicklung von Karzinomen im Mundbereich verantwortlich sein. Chronisch-mechanische Irritationen, die durch scharfe Zahnkanten und Prothesenränder hervorgerufen werden, sind genauso wie chronische Entzündungszustände wichtige Risikofaktoren.
Vorsorge und Früherkennung
Grundsätzlich kann eine rechtzeitige, befundgerechte Therapie nur durch einen frühzeitigen Besuch beim Arzt gewährleistet werden. Im Rahmen der individuellen Vorsorge hinsichtlich der Prävention und Früherkennung von Tumoren innerhalb der Mundhöhle gelten die folgenden Empfehlungen:
- Eine regelmäßige Untersuchung beim Hausarzt und Hauszahnarzt ist obligat. Die Krebsfrüherkennung in der Mundhöhle sollte im Rahmen der zahnärztlichen Routineuntersuchung erfolgen.
- Es empfiehlt sich der verantwortungsbewusste Umgang mit Genussmitteln wie Tabak und Alkohol. Der Tabakkonsum sollte aufgegeben und der Alkoholkonsum weitgehend reduziert werden.
- Eine zielgerichtete, effiziente und regelmäßige Mundhygiene mit handelsüblichen Produkten ist wichtig für eine erfolgreiche Primärprävention.
- Vollwert- und Frischkost sowie Mediterrane Ernährung (frisches Gemüse, Salat, Nüsse, Fisch und Olivenöl) sollten Hauptbestandteile der Ernährung sein.
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