Medikamente als Ursache von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, bei dem sich einzelne Muskeln oder Muskelgruppen ungewollt und stark anspannen. Diese Anspannungen gehen in der Regel mit Schmerzen und tastbaren Verhärtungen einher. Obwohl viele Ursachen für Muskelkrämpfe bekannt sind, werden sie oft nicht mit der Einnahme bestimmter Medikamente in Verbindung gebracht. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Medikamenten als mögliche Auslöser von Muskelkrämpfen, geht auf die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ein und bietet einen umfassenden Überblick über dieses wichtige Thema.

Definition und Symptome von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind plötzliche, vorübergehende und ungewollte Anspannungen eines Muskels oder einer Muskelgruppe, die mit Schmerzen und oft tastbaren Verhärtungen einhergehen. Die Muskeln ziehen sich dabei so stark wie möglich zusammen, meist ohne klaren Auslöser und mit plötzlichem Beginn. Die Dauer der Krämpfe reicht von Sekunden bis zu wenigen Minuten. Häufig sind die Wadenmuskeln oder das Fußgewölbe betroffen. Nach einem Krampf können Muskelschmerzen über einige Tage anhalten. Besonders störend sind nächtliche Krämpfe, die den Schlafrhythmus unterbrechen.

Ursachen von Muskelkrämpfen

Die meisten Muskelkrämpfe haben keine klar definierte Ursache. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die das Auftreten von Krämpfen begünstigen können. Dazu gehören:

  • Höheres Alter
  • Bewegungsmangel
  • Alkoholkonsum
  • Gefäßerkrankungen
  • Mangel an Magnesium, Kalzium oder anderen Elektrolyten

Manche Krämpfe treten als Symptom einer anderen Grunderkrankung auf, z. B. bei Dialyse, schwerer Leberschädigung, Hormonerkrankungen oder Nervenerkrankungen wie dem Restless-Legs-Syndrom oder amyotropher Lateralsklerose. Auch seltene erbliche Muskel- oder Nervenerkrankungen können als Ursache in Frage kommen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der Muskelkrämpfe auslösen kann, ist die Einnahme bestimmter Medikamente.

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Häufigkeit von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind sehr häufig: Vereinzelt treten sie bei mehr als 90 % der Erwachsenen auf. Regelmäßige Muskelkrämpfe haben 50 % der Bevölkerung, wobei 30-40 % mehr als dreimal pro Woche davon betroffen sind.

Diagnose von Muskelkrämpfen

In der Arztpraxis wird zunächst erfragt, wann die Muskelkrämpfe auftreten und wie lange sie anhalten. Wichtig sind auch andere Symptome wie Muskelschwäche, Zuckungen oder allgemeine Steife des Muskels. Die Medikamente und die Familienanamnese (Muskelerkrankungen in der Familie) werden ebenfalls erfragt.

Bei der körperlichen Untersuchung können Nervenausfälle und Muskelauffälligkeiten ausgeschlossen werden. Bei Bedarf können Auffälligkeiten der Niere oder Leber sowie der Elektrolyte durch eine Blutabnahme bestimmt werden. Nur bei Verdacht auf eine seltene ursächliche Erkrankung oder bei sehr schweren Symptomen erfolgt die Überweisung zu Spezialisten wie Neurologen oder Endokrinologen.

Medikamente, die Muskelkrämpfe verursachen können

Zu den Arzneimitteln, die Muskelkrämpfe begünstigen, gehören einige häufig verschriebene Substanzen. So können bestimmte Blutdrucksenker (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, manche Betablocker) das Risiko erhöhen, ebenso Entwässerungsmittel (Diuretika). Aber auch Asthmamedikamente und die Antibabypille fördern Muskelkrämpfe. Nicht nur die Einnahme, auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen. Solche Medikamente sollten daher nicht abrupt beendet werden, sondern die Dosis am besten langsam und schrittweise reduziert werden. Hören Alkoholabhängige plötzlich mit dem Trinken auf, steigt ebenfalls das Risiko für Muskelkrämpfe. Zudem können weitere, teils lebensbedrohliche Zustände resultieren, weshalb eine qualifizierte Entzugsbehandlung in einer Klinik dringend anzuraten ist.

Hier ist eine detailliertere Auflistung von Medikamenten, die Muskelkrämpfe verursachen können:

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  • Statine: Diese Medikamente werden häufig zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt und sind eine häufige Ursache für Muskelschmerzen. Sie beeinflussen die Genexpression in den Muskelzellen und können deren Wachstum und Teilung beeinträchtigen.
  • Diuretika: Entwässerungsmittel können zu einem Mangel an Elektrolyten wie Kalium, Magnesium und Kalzium führen, was Muskelkrämpfe begünstigen kann.
  • Bestimmte Blutdrucksenker: Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker und einige Betablocker können ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.
  • Asthmamedikamente: Einige Asthmamedikamente können das Risiko für Muskelkrämpfe erhöhen.
  • Antibabypille: Auch die Einnahme der Antibabypille kann mit Muskelkrämpfen in Verbindung stehen.
  • Carvedilol, Ramipril, Risperidon oder Citalopram: In den Fachinformationen dieser Arzneistoffe finden sich Hinweise auf Muskel- oder Gliederschmerzen.
  • Aromatase-Hemmer (z.B. Anastrozol) oder Interferone: Eine Arthralgie (Gelenkschmerzen) ist beispielsweise bei einer Behandlung mit diesen Medikamenten beschrieben.
  • Zytostatika: Sensorische Neuropathien, die mit Missempfindungen wie Kribbeln, in manchen Fällen auch mit stechenden oder brennenden Nervenschmerzen einhergehen, können durch Zytostatika wie Platin-Verbindungen, Vinca-Alkaloiden und Taxanen in Abhängigkeit von der Dosis verursacht werden.
  • Nitrate, Nimodipin oder Phosphodiesterase-Hemmer (wie Sildenafil): Diese gefäßerweiternden Substanzen können Kopfschmerzen verursachen.
  • Antidepressiva und Psychopharmaka: Einige Medikamente aus dieser Gruppe können Muskelkrämpfe auslösen.
  • Levodopa/Carbidopa: Diese Medikamente werden zur Behandlung von Parkinson eingesetzt und können ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder, der diese Medikamente einnimmt, Muskelkrämpfe entwickelt. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Muskelkrämpfen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Dosierung des Medikaments, die individuelle Empfindlichkeit und das Vorliegen anderer Risikofaktoren.

Diagnose und Behandlung von medikamenteninduzierten Muskelkrämpfen

Wenn Muskelkrämpfe im Zusammenhang mit der Einnahme eines bestimmten Medikaments auftreten, sollte dies mit dem Arzt besprochen werden. In einigen Fällen kann die Dosis des Medikaments reduziert oder auf ein anderes Medikament umgestellt werden. Es ist jedoch wichtig, Medikamente nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen.

Zusätzlich zu den oben genannten Maßnahmen können auch die folgenden Behandlungen helfen, Muskelkrämpfe zu lindern:

  • Dehnen: Das Dehnen des betroffenen Muskels kann helfen, den Krampf zu lösen.
  • Massagen: Massagen können die Durchblutung fördern und Muskelverspannungen lösen.
  • Wärme: Wärme kann helfen, die Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu lindern.
  • Elektrolyte: Die Einnahme von Elektrolyten wie Magnesium, Kalium und Kalzium kann helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen, insbesondere wenn ein Mangel vorliegt.
  • Regelmäßige Dehnungsübungen: Regelmäßige Dehnungsübungen über den Tag verteilt (nicht direkt vor dem Zu-Bett-Gehen) reduzieren eventuell die Häufigkeit der Krämpfe.

Weitere Ursachen von Muskelkrämpfen

Es ist wichtig zu beachten, dass Muskelkrämpfe nicht immer durch Medikamente verursacht werden. Es gibt viele andere mögliche Ursachen, darunter:

  • Dehydration: Ein Mangel an Flüssigkeit im Körper kann zu Muskelkrämpfen führen.
  • Elektrolytmangel: Ein Mangel an Elektrolyten wie Kalium, Magnesium und Kalzium kann ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.
  • Muskelermüdung: Überanstrengung der Muskeln kann zu Krämpfen führen.
  • Schlechte Durchblutung: Eine schlechte Durchblutung der Beine kann ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.
  • Neurologische Erkrankungen: In seltenen Fällen können Muskelkrämpfe durch neurologische Erkrankungen verursacht werden.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen wie eine Unterfunktion können ebenfalls den Stoffwechsel verlangsamen und so indirekt Schmerzen in den Waden auslösen.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die helfen können, Muskelkrämpfen vorzubeugen:

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  • Ausreichend trinken: Achten Sie darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, insbesondere bei körperlicher Anstrengung.
  • Elektrolyte zu sich nehmen: Essen Sie eine ausgewogene Ernährung, die reich an Elektrolyten ist. Bei Bedarf können auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.
  • Regelmäßig dehnen: Dehnen Sie Ihre Muskeln regelmäßig, insbesondere vor und nach dem Training.
  • Vermeiden Sie Überanstrengung: Steigern Sie Ihre Trainingsintensität langsam und vermeiden Sie Überanstrengung.
  • Achten Sie auf eine gute Durchblutung: Tragen Sie bequeme Schuhe und vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist besonders wichtig, um die Durchblutung zu fördern und die Muskulatur zu stärken.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil, der den Verzicht auf Rauchen und die rechtzeitige Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck umfasst, trägt ebenfalls zur Vorbeugung bei.

Wadenschmerzen im Ruhezustand

Unabhängig von körperlicher Aktivität können auch Wadenschmerzen im Ruhezustand auftreten und Betroffene in Ruhephasen stark beeinträchtigen. Es handelt sich dabei um ein relativ weit verbreitetes, häufig harmloses Symptom im Zusammenhang mit einer Überanstrengung oder einem Mineralstoffmangel. Anders als bei belastungsabhängigen Schmerzen wie im Zusammenhang mit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), bei denen Schmerzen typischerweise bei Bewegung entstehen, sind Ruhezustandsschmerzen durch ihre kontinuierliche oder anfallsartige Präsenz gekennzeichnet. Die Schmerzen können ziehend, drückend oder stechend sein und auf verschiedene Erkrankungen hinweisen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Muskelkrämpfe häufig auftreten oder sehr schmerzhaft sind.
  • Die Muskelkrämpfe nicht auf Dehnen oder andere Selbsthilfemaßnahmen ansprechen.
  • Die Muskelkrämpfe von anderen Symptomen begleitet werden, wie z. B. Muskelschwäche, Taubheit oder Kribbeln.
  • Sie vermuten, dass Ihre Muskelkrämpfe durch ein Medikament verursacht werden.
  • Anhaltende Wadenschmerzen im Ruhestand auftreten.

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