Neue Creme und Medikamente gegen Neuropathie: Hoffnung für Patienten

Neuropathie, insbesondere die periphere Neuropathie, ist eine belastende Erkrankung, die oft mit Schmerzen, Taubheit und Sensibilitätsstörungen einhergeht. Viele Betroffene sind in Sorge, da die Symptome vielfältig sein können und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die diabetische Neuropathie, eine Folgeerkrankung von Diabetes, ist besonders häufig. Glücklicherweise gibt es Fortschritte in der Behandlung, darunter neue Cremes und Medikamente, die Linderung versprechen.

Was ist Neuropathie?

Bei einer Neuropathie ist die Funktion des Nervensystems gestört. Meistens sind die Nerven betroffen, die sich außerhalb des zentralen Nervensystems befinden - man spricht auch vom peripheren Nervensystem. Charakteristisch sind Symptome, die Hände, Arme, Füße und Beine betreffen. Neben dem peripheren Nervensystem kann auch das vegetative Nervensystem betroffen sein. Gerade bei einer Polyneuropathie durch Diabetes ist das nicht selten. Eine erworbene Neuropathie ist meist die Folge von Mangelzuständen oder Erkrankungen. Die diabetische Polyneuropathie betrifft viele, die unter der Zuckerkrankheit leiden - in der Tat zählt sie zu den häufigsten Folgeschäden. Da eine Polyneuropathie verschiedene Ursachen haben kann, gilt es zunächst, den Krankheitsgrund zu ermitteln.

Ursachen und Symptome

Die Ursachen für Neuropathie sind vielfältig. Neben Diabetes können auch andere Erkrankungen, Mangelzustände oder Chemotherapien eine Neuropathie auslösen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kribbeln
  • Taubheit
  • Schmerzen
  • Sensibilitätsstörungen in Händen und Füßen

Diese Symptome können den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen und sogar zu einer Dosisreduktion oder einem Abbruch der Therapie führen, insbesondere bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Neue Hoffnung durch topische Creme bei Chemotherapie-bedingter Neuropathie

Eine besonders vielversprechende Entwicklung ist eine neue topische Creme, die speziell zur Linderung von Chemotherapie-bedingter peripherer Neuropathie entwickelt wurde. Bis zu 80 Prozent der Patienten, die mit Taxanen oder Platinderivaten behandelt werden, entwickeln eine periphere Neuropathie - eine unerwünschte Wirkung, die eine Dosisreduktion oder sogar den Therapieabbruch erzwingen kann.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Forschende am Institute of Research, Development and Innovation in Health Biotechnology of Elche (IDiBE) der Miguel Hernández University (UMH) in Spanien haben eine internationale klinische Studie koordiniert. Diese Studie zeigt, dass eine topische Creme die Symptome lindert. Die in der Fachzeitschrift „Clinical and Translational Oncology“ veröffentlichte Studie wurde in 9 Krankenhäusern in Spanien und Belgien mit insgesamt 142 Krebspatienten durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen eine Reduktion der Inzidenz von Neuropathien an den Händen, eine verzögerte Entwicklung neuropathischer Symptome während der Chemotherapie sowie insgesamt eine geringere Beeinträchtigung des Alltagslebens der Patienten. Die Studie liefert überzeugende Ergebnisse: Die neue Creme schützt Nervenendigungen und senkt die Häufigkeit neuropathischer Symptome während der Chemotherapie.

Ferrer Montiel ergänzt, dass die Inhaltsstoffe der Creme die sensorischen Nervenendigungen in der Haut schützen, die für Missempfindungen und Juckreiz im peripheren neurosensorischen System verantwortlich sind.

Die Bedeutung der neuen Creme für Krebspatienten

„Vor der Entwicklung dieser Formulierung standen Onkologen und Patienten kein spezifisches Produkt zur Verfügung, um diese Symptome zu lindern - Beschwerden, die oft so gravierend waren, dass eine Dosisreduktion oder sogar ein Abbruch der Behandlung notwendig wurde, mit entsprechenden Konsequenzen für die Tumorkontrolle“, erklärt Fernández Carvajal.

Die Entwicklung dieser Creme stellt somit einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von Chemotherapie-bedingter Neuropathie dar. Sie bietet Krebspatienten die Möglichkeit, ihre Therapie ohne gravierende Nebenwirkungen fortzusetzen und ihre Lebensqualität während der Behandlung zu verbessern.

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

„Der Schritt in die klinische Prüfung ist anspruchsvoll, doch wir sind überzeugt, dass sich dieser Aufwand lohnt, wenn die Formulierung als adjuvante Maßnahme während und nach der Chemotherapie eingesetzt werden kann, um die fortlaufende Betreuung von Krebspatienten zu unterstützen“, schließt Ferrer Montiel.

Weitere Behandlungsansätze bei Neuropathie

Neben der neuen Creme gibt es auch andere medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsansätze bei Neuropathie.

Rezeptfreie Medikamente

Es gibt einige rezeptfreie Medikamente gegen Polyneuropathie, die Ihnen Linderung bringen können. Häufig helfen beispielsweise Medikamente mit Alpha-Liponsäure. Alpha-Liponsäure ist Teil des Zuckerstoffwechsels - bei Diabetikern herrscht daran oft ein Mangel. In Form von Filmtabletten können Sie das Präparat schnell und unkompliziert einnehmen. Schmerzen und Empfindungsstörungen lassen sich dadurch lindern. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt, ob die Präparate infrage kommen und welche Therapieformen sonst noch für Sie sinnvoll sind. Leiden Sie unter Diabetes und Polyneuropathie erkundigen Sie sich am besten bei Ihrem Arzt, welche rezeptfreien Medikamente Ihnen möglicherweise Linderung verschaffen.

Capsaicin-Creme

Capsaicin, der Wirkstoff aus der Cayennepfefferfrucht, wird ebenfalls zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Capsagamma® Dolor Creme ist ein pflanzliches Arzneimittel mit Cayennepfefferfrüchte-Dickextrakt, das leichte Fuß-/Unterschenkelschmerzen infolge einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie lindert.

Wendet man Capsaicin auf der Haut an, wird an dieser Stelle ein schmerzvermittelnder Botenstoff (Substanz P) aus Speicherbläschen ausgeschüttet. Dadurch treten zunächst brennende Schmerzen und Wärmegefühle ein. Da aber praktisch die gesamte verfügbare Menge an Substanz P auf einen Schlag verbraucht wird und der Körper einige Zeit braucht, um Nachschub zu bilden, ist man an der behandelten Stelle für diese Zeit unempfindlicher gegen Schmerzen. Außerdem regt Capsaicin durch Erweiterung kleinster Blutgefäße in der Haut die Durchblutung an.

Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen

Anwendungshinweise für Capsagamma® Dolor Creme:

  • 3-mal täglich 2cm auf die betroffenen Stellen auftragen
  • Vermeiden Sie den Kontakt mit Schleimhäuten, Augen und offenen Hautstellen
  • Waschen Sie nach der Anwendung gründlich die Hände
  • Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3 Wochen anwenden
  • Nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden
  • Nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden

Weitere Maßnahmen

  • Handkühlung oder Kompression: Eine neue Studie zeigt: Handkühlung oder Kompression kann das Risiko für periphere Neuropathie während der Chemotherapie deutlich verringern - mit einfachen Mitteln und klarer Wirkung.
  • Diabetesbehandlung: Bei diabetischer Neuropathie ist es wichtig, die Zuckerkrankheit optimal zu behandeln.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Mangelzustände zu beheben und die Nervenfunktion zu unterstützen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Partnerschaft: Eine neue Studie zeigt: Eine stabile, glückliche Partnerschaft schützt Brustkrebspatientinnen besser vor kognitiven Chemotherapie-Folgen als andere soziale Bindungen. Oxytocin könnte eine Rolle spielen.

tags: #medikamente #gegen #neuropathie #neu #creme