Das Nervensystem spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung und Regulation von Bewegungen und Körperfunktionen. Zwei Schlüsselkonzepte, die dabei von Bedeutung sind, sind Feedforward und Feedback. Diese Mechanismen ermöglichen es dem Körper, sich an seine Umgebung anzupassen, Gleichgewicht zu halten und zielgerichtete Handlungen auszuführen.
Die Bedeutung von Differenzierung und Wahrnehmung
Moshe Feldenkrais betonte die Bedeutung der Differenzierung und Wahrnehmung im Zusammenhang mit Bewegung. Er argumentierte, dass Muskeln lediglich auf die Anweisungen des Nervensystems reagieren. Der Fokus sollte daher auf einer verbesserten Wahrnehmung der Bewegung liegen, um die Kompetenz der Bewegung selbst zu optimieren. Jede Person besitzt individuelle Empfindungen, die als Feedback aus dem Körper dienen. Durch genaues Hineinspüren und "Heraushören" dieses Feedbacks kann die Bewegungsqualität verbessert werden.
Feedback: Die Grundlage für Kompetenz
Je besser das Feedback wahrgenommen wird, desto höher ist die Bewegungskompetenz. Feedback aus dem Körper liefert Informationen über die aktuelle Position, Geschwindigkeit und Kraft der Bewegung. Diese Informationen werden vom Nervensystem verarbeitet und zur Anpassung und Korrektur der Bewegung genutzt.
Feedforward: Antizipation und Vorbereitung
Feedforward ist das, was in die Bewegung "hineingegeben" wird, basierend auf früheren Erfahrungen und Erwartungen. Es handelt sich um eine antizipatorische Steuerung, die es dem Körper ermöglicht, sich auf bevorstehende Bewegungen vorzubereiten und Störungen des Gleichgewichts zu antizipieren.
Zusammenspiel von Feedforward und Feedback
Die motorische Kontrolle des Menschen beruht auf der Kopplung von Feedforward- und Feedback-Mechanismen. Durch Bewegungserfahrung und Lernprozesse im Nervensystem kann die antizipatorische Gleichgewichtsregulation trainiert und verbessert werden. Sensorische Einflüsse spielen dabei eine entscheidende Rolle.
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Die Rolle der Sinne
Afferenzen von taktilen, vestibulären, visuellen und propriozeptiven Analysatoren beeinflussen die posturale und motorische Kontrolle. Diese sensorischen Informationen liefern dem Nervensystem ein umfassendes Bild der Körperposition und -bewegung im Raum.
Feedforward und Feedback in der posturalen Kontrolle
Posturale Kontrolle bezeichnet die Fähigkeit, eine aufrechte Körperhaltung entgegen der Schwerkraft beizubehalten oder nach Störungen des Gleichgewichts wiederherzustellen. In alltäglichen und sportspezifischen Bewegungen besteht ein Wechselspiel zwischen Gleichgewichtsregulation und Zielmotorik.
Antizipatorische Gleichgewichtsregulation
Die antizipatorische Gleichgewichtsregulation ermöglicht es, Störungen des Gleichgewichts im Voraus zu erkennen und auszugleichen. Dies geschieht durch die Aktivierung spezifischer Muskeln, bevor die Störung tatsächlich auftritt.
Reaktivität und Kompensation
Wenn das Gleichgewicht gestört wird, reagiert der Körper mit kompensatorischen Bewegungen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Reaktionen basieren auf sensorischem Feedback und werden vom Nervensystem gesteuert.
Die Feedback-Control-Theorie
Die Feedback-Control-Theorie, entwickelt von K.U. Smith, beschreibt die Steuerung des menschlichen Verhaltens durch Rückkoppelungsprozesse. Die wesentlichen Elemente dieser Rückkoppelungsschleifen sind:
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- Bewegungssystem: Die Funktionen des Bewegungsapparates.
- Wahrnehmungssystem: Die Funktionen der Sinnessysteme.
- Nervensystem: Die Funktionen des zentralen und des gesamten Nervensystems.
Diese Elemente bedingen sich wechselseitig und ermöglichen eine kontinuierliche Anpassung und Korrektur von Bewegungen.
Kybernetik und Kinästhetik
Die Kybernetik, die Wissenschaft der Steuerung und Regelung von Systemen, liefert ein Modell für die Beschreibung von Regulations- und Steuerungsprozessen in Lebewesen. Die Kinästhetik nutzt dieses Modell, um die Selbstregulation und das persönliche Lernen durch Bewegung zu fördern.
Selbstregulation durch Feedback-Schleifen
Die Selbstregulation beruht auf ununterbrochenen, unmittelbaren Prozessen zwischen Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Nervensystem. Diese Prozesse werden als kybernetische Regelkreise oder Feedback-Schleifen dargestellt.
Die Bedeutung der Bewegungswahrnehmung
Die Bewegungswahrnehmung spielt eine zentrale Rolle bei der Selbstregulation. Durch die bewusste Wahrnehmung von Bewegungen und die damit verbundenen Empfindungen können Menschen ihre Bewegungen besser steuern und anpassen.
Feedforward in der Geruchswahrnehmung
Auch bei der Verarbeitung von Gerüchen spielen Feedforward- und Feedback-Schleifen eine wichtige Rolle. Gerüche werden in hierarchisch organisierten olfaktorischen Hirnarealen dekodiert, die durch diese Schleifen verbunden sind.
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Feedforward vs. Feedback: Eine neue Perspektive für Führungskräfte
Während Feedback traditionell als wichtiges Instrument zur Leistungssteigerung angesehen wird, gewinnt Feedforward zunehmend an Bedeutung. Feedforward konzentriert sich auf die Zukunft und darauf, wie Stärken genutzt und Chancen ergriffen werden können.
Die Vorteile von Feedforward
- Zukunftsorientierung: Feedforward konzentriert sich auf zukünftige Möglichkeiten statt auf vergangene Fehler.
- Stärkenorientierung: Feedforward hilft, vorhandene Ressourcen und Kompetenzen zu erkennen und zu nutzen.
- Ideenförderung: Durch gezielte Fragen wird Kreativität angeregt und gemeinsames Wachstum ermöglicht.
Psychologische Sicherheit als Basis für Feedforward
Damit Feedforward effektiv ist, ist eine Atmosphäre der psychologischen Sicherheit unerlässlich. Menschen müssen sich sicher fühlen, um offen für neue Ideen und Perspektiven zu sein.
Sensokognitomotorik: Ein modernes Verständnis der Bewegung
Die Sensokognitomotorik beschreibt das Zusammenspiel von sensorischen, kognitiven und motorischen Prozessen bei der Steuerung von Bewegungen. Ein modernes Verständnis dieser Grundlagen ist für die manuelle Medizin von entscheidender Bedeutung.
Der neuronal-somatosensorische Regelkreis
Motorische Funktionen werden nicht nur durch "antizipative" Kontrollsysteme (Feedforward) gesteuert, sondern auch durch sinnesgetriebene Feedback-Meldungen kontrolliert. Die Programmierung und Durchführung einer willkürlichen Bewegung erfordern die Aktivierung des ZNS und die Umsetzung in der Muskulatur und dem Bindegewebe.
Die Bedeutung der neuromuskulären Koordination
Neben der Kraft- und Ausdauerleistung des Muskels ist die neuromuskuläre Koordination zwischen Agonisten und Antagonisten sowie Synergisten und Fixatoren entscheidend für die Erzeugung von Kräften und Drehmomenten in einem Bewegungsabschnitt.
Modulation des sensokognitomotorischen Outputs
Neben den neuronalen Schleifen der Sensokognitomotorik modulieren auch neurohumorale und vegetative Mechanismen den sensokognitomotorischen Output.
Die Planung und Umsetzung von Willkürbewegungen
Die Generierung eines Willkürbewegungsbefehls erfordert Motivation, die in hohem Maße von Emotionen beeinflusst wird. Relevante motorische Gedächtnisschablonen und Informationen werden automatisch über Feedback aus den sensorischen und assoziativ kortikalen Arealen einbezogen.
Die Rolle des Feedbacks bei der Bewegungskorrektur
Während der Ausführung einer Bewegung werden fortlaufend sensorische Informationen verarbeitet und zur Korrektur der Bewegung genutzt. Dieses Feedback ermöglicht eine präzise Anpassung an die jeweiligen Umstände.
Das Größenordnungsprinzip und das Zwiebelschalenphänomen
Das Größenordnungsprinzip besagt, dass motorische Einheiten bei statischen und langsamen dynamischen Muskelkontraktionen entsprechend ihrer Größe rekrutiert werden. Das Zwiebelschalenphänomen beschreibt, dass diejenigen motorischen Einheiten, die zuerst aktiviert werden, die höchsten Feuerungsraten erreichen.
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