Das Institut für Neuroradiologie bietet Diagnostik und minimal-invasive Therapie rund um die Uhr sowie Forschungsarbeit und Lehrtätigkeit auf hohem universitären Niveau. Durch den Einsatz modernster bildgebender Verfahren und innovativer Technik werden umfassende Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten ermöglicht. Die Neuroradiologie ist als spezialisierte Teildisziplin der Radiologie ein wichtiges Diagnose- und Therapieinstrument.
Einleitung
Die Hirnhaut, auch Meningen genannt, ist eine schützende Membran, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Entzündungen oder andere Erkrankungen der Hirnhaut können schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die medizinischen Aspekte der Hirnhaut, einschließlich Definitionen, diagnostischer Verfahren und innovativer Therapieansätze.
Diagnostische Schwerpunkte in der Neuroradiologie
Der diagnostische Schwerpunkt der Neuroradiologie umfasst die Untersuchung von sämtlichen Erkrankungen des Gehirns und der Wirbelsäule mit Hilfe modernster bildgebender Verfahren wie CT, MRT und Angiographie. Erweiterte diagnostische Anwendungen wie die MR-Spektroskopie, Diffusions-Tensor-Bildgebung und andere quantitative MR-Verfahren kommen zum Einsatz, um die klinischen Kollegen mit wichtigen Informationen für die Diagnosefindung und Behandlungsoptimierung unterstützen zu können.
Moderne Ausstattung
Dem Institut stehen zwei hochmoderne 1,5 sowie 3 Tesla-MRT der neuesten Generation, ein 64 Zeilen-Computer-Tomograph sowie eine hochmoderne 2-Ebenen Angiographie-Anlage zur Verfügung. Verfahren der künstlichen Intelligenz oder weitere computergestützte Systeme, wie ein Lasernavigationssystem, werden z. B. für die minimalinvasive Probeentnahme von Gewebe im Schädel-/Halsbereich und der Wirbelsäule eingesetzt. Hochaufgelöste Flachdetektoraufnahmen der Angiographie-Anlage ermöglichen es, selbst winzigste Strukturen, wie z.B. Gehörknöchelchen im Submilimeterbereich, abzubilden. Für Notfälle ist die Neuroradiologie rund um die Uhr einsatzbereit.
Schlaganfallbehandlung
Seit mehr als einem Jahrzehnt werden akute Durchblutungsstörungen des Gehirns (Schlaganfälle) mit Hilfe der Thrombektomie minimal-invasiv behandelt. Das Institut unterstützt auch überregional die rasche Versorgung von externen Schlaganfallpatienten und ist Teil des Neurovaskulären Netzwerkes Ruhr-Universität, welches die Expertise aus den Fachbereichen Neurologie, Neuroradiologie, Neurochirurgie sowie Gefäßchirurgie und Kardiologie der beiden Universitätskliniken der Ruhr-Universität (St. Josef-Hospital und Knappschaftskrankenhaus Bochum) bündelt. Ferner ist das Institut für Neuroradiologie eingegliedert in das Schlaganfallnetzwerk Ruhr und hält zertifizierte interventionelle Neuroradiologen der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) für die Module E und F vor. Darüber hinausgehend ist das Institut für Neuroradiologie qualifiziertes Ausbildungszentrum für die interventionelle Neuroradiologie im Modul E (rekanalisierende neurovaskuläre Therapie).
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Qualitätssicherung
Neben der Umsetzung interner und der Teilnahme an gesetzlich verpflichtenden QS-Systemen sind die strukturierte Datenerfassung der DeGIR und DGNR zur Qualitätssicherung selbstverständlich.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Gefäßbehandlungen
In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Neurologie und Gefäßchirurgie werden Verengungen (Stenosen) hirnzuführender Gefäße (Halsschlagader; Arteria carotis) mit Hilfe einer Gefäßstütze (Stent) behandelt. Neben einer hochmodernen und patientenorientierten interdisziplinären Diagnostik mittels Ultraschall-, MRT- und CT-Diagnostik wird gemeinsam mit den beteiligten Kollegen für jeden Fall eine optimale Behandlung sichergestellt. In ausgewählten Fällen werden auch Verengungen der Hirnarterien minimal-invasiv behandelt. Für sämtliche Eingriffe steht eine hochmoderne 2-Ebenen Angiographie-Anlage zur Verfügung, die es ermöglicht, die Gefäßstützen schonend und präzise im Gefäß zu platzieren.
Chronisches Subduralhämatom (cSDH)
Das chronische Subduralhämatom (cSDH) ist ein Bluterguss zwischen der Innenseite des knöchernen Schädels und des Gehirns. Ursächlich ist oft ein Bagatelltrauma, z.B. eine leichte Schädelprellung. Die Einnahme blutverdünnender Medikamente begünstigt häufig die Entstehung eines SDH. Neben einer neurochirurgischen Behandlung kann in ausgewählten Fällen eine minimal-invasive Behandlung vorgenommen werden. Studien der letzten Jahre konnten zeigen, dass oft eine andauernde Entzündung der äußeren Hirnhaut eine langsame Chronifizierung oder eine Nachblutung (Rezidiv) nach vorausgegangener operativer Sanierung begünstigt. Der Verschluss kleiner, die Entzündung unterhaltener Arterien kann diesen Zustand günstig beeinflussen und eine (erneute) Operation unnötig machen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahren liegt darin, dass die Patienten durch diesen kurzen und komplikationslosen Eingriff unmittelbar mit einer Wiederaufnahme einer notwendigen blutungshemmenden Therapie (z.B. bei Vorhofflimmern) beginnen können.
Diagnostik von Innenohrerkrankungen
Als eines der wenigen Zentren in Deutschland wird hochmoderne Diagnostik zur Erkennung einer übermäßigen Ansammlung von Endolymphe in der Hörschnecke oder im Vestibularapparat angeboten. Diese als endolymphatischer Hydrops (Morbus Menière) bezeichnete Erkrankung ist oft schwer zu diagnostizieren. Ultrahochaufgelöste spezielle MRT-Aufnahmen mit dem 3T Hochfeld-MRT und der Einsatz von Kontrastmittel können das Ausmaß der Erkrankung sicher erfassen und helfen, die Diagnose sicher und früh zu stellen. Neben dieser Erkrankung ist das Institut auch auf die Diagnostik anderer Schwindelursachen und Ursachen von Hörstörungen, wie z.B. durch ein Cholesteatom spezialisiert. Die Diagnostik erfolgt hierbei in enger Kooperation mit der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik der Ruhr-Universität am St. Elisabeth-Hospital Bochum.
Präoperative Diagnostik und Behandlung von gefäßreichen Tumoren
In enger Kooperation mit der HNO-Klinik wird präoperative Diagnostik und Behandlung von gefäßreichen Tumoren mit Hilfe der Katheterangiographie durchgeführt. Die endovaskuläre Behandlung mit Hilfe der Embolisation (Verschluss von kleinen, den Tumor versorgenden Gefäßen) ist hierbei häufig eine wichtige Ergänzung, um relevante Operationsrisiken durch mögliche Blutungen bei der chirurgischen Entfernung im Vorfeld zu minimieren. In ausgewählten Fällen wird dieses Verfahren auch zur OP-Vorbereitung bei gefäßreichen Tumoren in anderen Regionen angewendet.
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Forschungsschwerpunkt: Entzündliche und degenerative Erkrankungen des ZNS
Der Forschungsschwerpunkt des Institutes liegt auf dem Gebiet entzündlicher und degenerativer Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Kernbereiche stellen hierbei neuroimmunologische Erkrankungen, hauptsächlich Multiple Sklerose (MS) und Neuromyelitis optica Spektrum-Erkrankungen, dar. Die am Institut ansässige Arbeitsgruppe NiRiMS (Neuroimaging Research in Multiple Sclerosis) ist integraler Part der regionalen MS-Forschung an der Ruhr-Universität Bochum und kooperiert mit zahlreichen nationalen und internationalen Einrichtungen.
Hydrocephalus-Therapie
Je nach Ursache der Erkrankung geht eine Hirnkammererweiterung mit einer mehr oder minder ausgeprägten Erhöhung des Hirndrucks und einem Untergang von Hirngewebe einher. Die klinischen Symptome können hierbei sehr unterschiedlich sein. Häufig klagen die betroffenen Patienten über Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Inkontinenz, Antriebslosigkeit oder unsicheres Gehen. Da die genannten Symptome sehr unspezifisch sind, muss in den allermeisten Fällen vor dem Einleiten einer Therapie eine spezielle, gemäß den aktuell gültigen Leitlinien erweiterte Diagnostik erfolgen.
Diagnostik und Telemetrische Hirndruckmessung
Die Klinik bietet hier das volle Repertoire leitliniengerecht an. Neben gezielten klinischen Untersuchungen und Punktionen des Duralsacks im Lendenwirbelkanal zur Hirnwasserentlastung (sog. Lumbalpunktion, kurz LP) werden auch moderne kernspintomographische Techniken und minimal-invasive Messungen des Hirndrucks (sog. telemetrische Hirndruckmessung) durchgeführt. Bei dieser neuen und modernen Form der Hirndruckmessung wird den Patienten ein Drucksensor unter die Kopfhaut implantiert. Mit speziellen Empfängern können Hirndruckwerte telemetrisch durch die geschlossene Haut übertragen werden. Es existieren Drucksensoren, die als eigenständiges Implantat verwendet werden, als auch Sensoren, die in eine Hirnwasserableitung (in einen sog. Shunt) integriert werden. Neben diagnostischen Messungen zur Feststellung einer behandlungsbedürftigen Erkrankung können auch postoperative Überwachungen des Hirndrucks nach neurochirurgischen Operationen am Hirnwassersystem durchgeführt werden. Die Integration eines Drucksensors (Miethke Sensor Reservoir) in einen Shunt bietet zudem die Möglichkeit, jederzeit die Funktion der Hirnwasserableitung zu überprüfen. Durch die Expertise bei der Messung und Interpretation von Hirndruckwerten kann eine patientenindividuelle Behandlung durchgeführt werden.
Hirndruckgesteuerte Ventileinstellungen
Um das bestmögliche Therapieergebnis für den einzelnen Patienten zu erreichen, ist es jederzeit möglich, mit einem speziellen Magneten beliebig oft Umstellungen der Druckstufen über die geschlossene Kopfhaut vorzunehmen. Ein unbeabsichtigtes Verstellen mit normalen, handelsüblichen Magneten ist dabei nahezu ausgeschlossen. Durch die etablierte Kombination von Langzeit-Hirndruckmessung und Verwendung verstellbarer Ventile können insbesondere bei sehr schwierigen und komplexen Fällen hirndruckgesteuerte Ventileinstellungen zur Optimierung der Shunt-Therapie vorgenommen werden.
Endoskopische Drittventrikulostomie (ETV)
Die Klinik bietet im Rahmen der Hydrocephalus-Therapie zudem verschiedene endoskopische Techniken an, die teilweise nur von wenigen Zentren weltweit durchgeführt werden. Eine etablierte Technik ist die endoskopische Drittventrikulostomie (kurz: ETV), die bei bestimmten Ursachen des Hydrocephalus eine Therapieoption darstellen und eine Shuntimplantation verhindern kann. Kommt es zu einer Verlegung der Hirnwasserzirkulation, z. B. durch eine Verengung zwischen der dritten und vierten Hirnwasserkammer (Aquäduktstenose), kann ein sog. Verschlusshydrocephalus (Hydrocephalus occlusus) resultieren. Auch Tumoren innerhalb der Hirnwasserkammern können die Abflusswege verlegen und zu einem Verschlusshydrocephalus führen. Bei diesen Formen des Hydrocephalus kann durch eine ETV eine Verbindung zwischen dem III. Ventrikel und den äußeren Liquorräumen geschaffen werden. Hierbei wird über ein kleines Bohrloch im Schädelknochen ein Endoskop bis in den III. Ventrikel eingeführt und dessen Boden durch eine Perforation zu den äußeren Liquorräumen (basale Zisternen) gefenstert.
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Kinderneurologie
Das Spektrum der Kinderneurologie erstreckt sich von Erkrankungen des zentralen Nervensystems und der peripheren Nerven über Muskelerkrankungen und speziellen Syndromen bis hin zu schweren Schädel-Hirn-Traumata bei Kindern. Es kann sich dabei um akute (z.B. Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, Schädel-Hirn-Trauma) oder chronische Erkrankungen handeln. Je nach Krankheitsbild wird eine ambulante oder stationäre Diagnostik und ggf. Therapie durchgeführt. Oft werden Patienten mit chronischen Verläufen nach einer stationären Abklärung rasch wieder nach Hause entlassen und anschließend in der kinderneurologischen Ambulanz weiter betreut.
Schwerpunkte der kinderneurologischen Ambulanz
Schwerpunkte der kinderneurologischen Ambulanz sind Patienten mit Kopfschmerzen (z.B. Migräne, Spannungskopfschmerzen) und Kinder mit möglicher oder manifester Epilepsie. Für beide Schwerpunkte erfolgt - wenn erforderlich - eine Supervision zum einen durch das Vodafone Schmerzinstitut für Kinder und Jugendliche und zum anderen durch die Abteilung für Neuropädiatrie der Kinderklinik Datteln. Ferner stellen sich alle Kinder, die mit einem ersten sog. Fieberkrampf stationär betreut wurden, im infektfreien Intervall nach ca. vor.
EEG-Labor
Im EEG-Labor werden die Hirnströme der Kinder und Jugendlichen abgeleitet. Es wird empfohlen, das Kind beim Augenarzt vorzustellen, bevor ein Gesprächstermin vereinbart wird, und die Kollegen darauf hinzuweisen, dass sie sich den Augenhintergrund des Kindes ansehen mögen. Wenn das Kind sowieso in augenärztlicher Behandlung ist und die letzte Vorstellung dort nicht länger als 6 Monate zurück liegt, reicht das aus. Wenn mit dem Kind zum vereinbarten Termin einer der Ambulanzschwerpunkte besucht wird, ist eine Überweisung von einem niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt mitzubringen.
Epileptologie
Seit dem 1.7.2024 hat Herr Dr. Tareq Haedenkamp, zertifizierter Epileptologe, die ärztliche Leitung des Schwerpunktes der Epileptologie der Klinik übernommen. Eine weitere Neuerung ist die neugestaltete Video-Monitoring-Einheit auf der neurologischen Station 24 im Bettenhaus Benedikt-Menni.
Epilepsie: Diagnostik und Therapie
Ein epileptischer Anfall ereignet sich bei einer Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Es liegt eine elektrische Übererregbarkeit der Nervenzellen vor. Dies kann an einer Stelle der Hirnrinde entstehen und eine ganze Anzahl von Hirnnervenzellen zu einer plötzlichen, gleichzeitigen und rhythmischen Entladung veranlassen. Je nachdem welche Nervenzellen entladen, kommt es zu unterschiedlichen Ausfällen oder Symptomen, die wir dann als Anfall wahrnehmen.
Akut-symptomatischer Anfall vs. Epilepsie
Erleidet ein Patient einen ersten epileptischen Anfall, bedeutet dies nicht, dass er eine Epilepsie entwickelt. Viele Menschen erleiden unter bestimmten Umständen epileptische Anfälle. Liegen bestimmte vorrübergehende Auslöser oder Ursachen für einen Anfall zugrunde, bezeichnet man diesen als „akut-symptomatischen Anfall“. Kommt es mehrfach im Leben zu unprovozierten Anfällen, ist ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Anfälle festzustellen und je nach Ergebnis einer Hirnstrommessung und weiterer Zusatzdiagnostik die Entscheidung zu treffen, ob eine Therapie mit anfallsunterdrückenden Medikamenten erforderlich ist. Von einer Epilepsie spricht man, wenn sich wiederholt unprovoziert epileptische Anfälle ereignen.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können völlig unterschiedlich ablaufen. Einige halten nur wenige Sekunden an und bleiben oft unbemerkt. Teilweise zeigt sich ein leichtes einseitiges „Muskelzucken“, eine Missempfindung oder eine Konzentrationsstörung. Andere dauern wenige Minuten an und sind durch einen Bewusstseinsverlust gekennzeichnet. Manchmal kommt es zunächst zu einem extremen Anspannen der Muskulatur in Armen und Beinen, dann rhythmischen Zuckungen von Armen und Beinen. Letzteres wird abhängig vom Ursprung als bilateral oder generalisiert tonisch-klonischer Anfall bezeichnet.
Einteilung der Anfälle nach ILAE
Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) teilt die unterschiedlichen Formen von Anfällen und Epilepsien grob ein:
- Fokale Anfälle: Sie werden von einer Funktionsstörung an einer bestimmten Region des Gehirns ausgelöst und äußern sich klinisch zum Beispiel durch unwillkürliche Zuckungen an einem Arm bei erhaltenem Bewusstsein. Der Patient verspürt häufig ein Vorgefühl (Aura) vor dem Anfall.
- Fokale Anfälle mit Übergang zu bilateral tonisch klonischen Anfällen (früher sekundär generalisierte Anfälle): Sie treten zunächst wie fokale Anfälle auf, breiten sich aber im Verlauf auf das ganze Gehirn aus, so dass ein Bewusstseinsverlust und Zuckungen an beiden Armen und Beinen auftreten.
- Generalisierte Anfälle: Sie zeigen keinen bestimmten Ursprung und betreffen vom ersten Moment das gesamte Gehirn. Hier kommt es zu einer Bewusstseinsstörung ohne Vorgefühl.
Diagnostik bei Erstereignis
Bei einem Erstereignis ist es sehr wichtig, so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen. Die Beschreibung eines Anfallsereignisses lässt bereits Rückschlüsse auf die erkrankte Region des Gehirns zu (Semiologie). Der Ablauf eines Anfalles kann beschrieben werden als Anfallsphase (iktale Phase), unmittelbar folgende Phase (postiktale Phase) und die Zwischenanfallsphase (interiktale Phase). Meist kann der Patient eine sogenannte Aura, also ein Vorgefühl, beschreiben. Verliert er bei einem Anfall das Bewusstsein, ist eine Fremdbeobachtung des weiteren Geschehens sehr hilfreich. Oft hilft heutzutage auch eine Handy-Videoaufnahme, das Ereignis einzuordnen und einen epileptischen Anfall von anderen Arten der plötzlichen Bewusstlosigkeit abgrenzen zu können. Basisuntersuchungen wie eine Blut- und auch eine Nervenwasseranalyse sind hilfreich. Unter einer Elektroencephalographie (EEG) versteht man landläufig eine Hirnstrommessung, die Veränderungen in der Funktion der Hirnrinde aufdecken kann.
Therapie der Epilepsie
Anfallsunterdrückende Medikamente (Anfallssuppressiva) werden spätestens dann von Ihrem Arzt verordnet, wenn mindestens zwei Anfälle unprovoziert auftreten. In Einzelfällen muss bereits nach dem ersten Anfall eine medikamentöse Behandlung vorgenommen werden. Eine regelmäßige Betreuung durch einen Neurologen, manchmal auch lebenslang, ist für einen guten Behandlungserfolg erforderlich. Ebenso wichtig ist das Führen eines sogenannten Anfallskalenders durch den Patienten. Hierdurch können Auslöser für Anfälle ausgemacht, deren Gefahren erkannt und die Häufigkeit ihres Auftretens besser abgeschätzt werden. Ist durch die medikamentöse Therapie keine ausreichende Anfallskontrolle zu erreichen, so kann auch eine epilepsiechirurgischer Eingriff oder ein elektrisches Stimulationsverfahren (Vagusstimulator) zur Anfallsfreiheit oder Anfallsreduktion führen.
Komplikationen und Status epilepticus
Die Mehrzahl der epileptischen Anfälle hält wenige Sekunden bis ein oder zwei Minuten an und klingt folgenlos ab. Bei Bewusstseinsverlust kann es jedoch durch einen Sturz oder heftige Entäußerungen zu Verletzungen kommen. Gefahrenstellen müssen mit jedem Patienten individuell durchgegangen werden, beispielsweise an der Arbeitsstelle. Selten sind Anfälle von längerer Dauer und verlaufen nicht selbstlimitierend. Dieser Zustand kann lebensgefährlich sein und wird Status epilepticus genannt. Das Gehirn kann bei längerer Dauer eines Anfalles Schaden nehmen. Die Situation muss so schnell wie möglich mit Medikamenten durchbrochen werden.
Ambulante Beratung und Schulungsprogramme
Außerdem erfolgt die ambulante Beratung sozialer Fragen rund um das Thema Epilepsie (z.B. Arbeit, Führerschein, Sport, Schwerbehinderung). Gemeinsam mit dem Sozialdienst der Klinik werden zweimal pro Jahr im Rahmen des MOSES-Schulungsprogramms Epilepsie-Patientenschulungen organisiert mit dem Ziel, Betroffene und Angehörige umfassend über medizinische und psychosoziale Fragen rund um die Krankheit Epilepsie zu informieren.
Stationärer Bereich für Epilepsiepatienten
Der stationäre Bereich für Epilepsiepatienten ist mit 3 Video-Langzeit-EEG-Monitoring-Betten sowie einem Video-Überwachungsbett ausgestattet. Diese Methode dient dazu, Patienten mit Anfällen rund um die Uhr sowohl mittels Videokamera als auch mittels synchroner Registrierung der Hirnstrom-Aktivität (EEG) zu überwachen. Dadurch können Aussagen zur Anfallsart, Anfallsfrequenz und Intensität getroffen werden. Ebenso dient das Video-Langzeit-EEG-Monitoring dazu, epileptische Anfälle von nichtepileptischen Anfällen (Kreislaufregulationsstörungen, Schlafstörungen, psychogenen Anfällen) abzugrenzen.
Hirnstammaudiometrie (BERA)
Die Hirnstammaudiometrie, kurz BERA, zeigt, wie gut das Gehirn Töne verarbeiten kann. Hierbei geht es nicht nur darum, ob das Ohr einen Ton aufnehmen kann, sondern auch darum, wie dieser Ton durch den Hörnerv ans Gehirn weitergeleitet wird. Für diesen Test werden weiche Elektroden auf die Kopfhaut platziert. Diese Elektroden zeichnen die elektrischen Signale auf, die das Gehirn produziert, wenn es einen Ton verarbeitet. Dieser Test kann auch im Schlaf durchgeführt werden, da er keine aktive Antwort erfordert. Er wird deshalb auch zur Früherkennung von Hörstörungen bei Babys verwendet.
Hornhautbank Aachen
Um die Verfügbarkeit von Hornhautgewebe zur Transplantation zu verbessern und um insbesondere in Notfallsituationen stets Spendergewebe zur Verfügung zu haben, wurde Ende der 1980er Jahre die Hornhautbank Aachen etabliert. Das Aufgabenspektrum der Hornhautbank Aachen umfasst auch die Bereitstellung von humanen Amnionmembranen zur Transplantation. Diese werden zur Behandlung von Oberflächendefekten an Bindehaut und Hornhaut des Auges transplantiert. Amnionmembranen werden aus Plazentaspenden bei geplanten Kaiserschnitten gewonnen - entsprechend aufbereitet können die Amnionmembranen bis zu einem Jahr in der Hornhautbank Aachen, als eine auch darauf spezialisierte Gewebebank gelagert werden.
Die Gewebespenden werden unter modernsten Aspekten aufgearbeitet und konserviert, wodurch den meisten Patienten die Hornhauttransplantation und darüber hinaus auch die Amniontransplantation als geplanter Eingriff angeboten werden können. Mit dem umfassenden klinischen Leistungsspektrum in der Krankenversorgung und ihrer begleitenden wissenschaftlichen Arbeit gehört die Hornhautbank Aachen zu einem Schwerpunkt der Klinik für Augenheilkunde der Uniklinik RWTH Aachen.
Qualitätsmanagement
Seit ihrer ersten Auditierung im Dezember 2004 besitzt die Hornhautbank Aachen eine gültige Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 ff, die die Grundlage für das Qualitätsmanagement der Hornhautbank Aachen und den Maßnahmen zur Qualitätssicherung darstellt, das für alle Bereiche und Mitarbeiter der Hornhautbank Aachen gültig ist. Im Jahr 2015 erhielt die Hornhautbank Aachen die Auszeichnung EFQM (European Foundation of Quality Management) Recognised for Excellence 4 star. 2018 hat sich die Hornhautbank Aachen erneut der intensiven Begutachtung im Rahmen des Ludwig-Erhard-Preisverfahrens auf Basis des Excellencemodells der EFQM gestellt und dabei die Auszeichnung Recognised for Excellence 5 star erhalten.
Keratokonus: Diagnose und Screening
Keratokonus ist eine fortschreitende Erkrankung, die eine Kontraindikation für refraktive Chirurgie darstellt. Eine spezifische Anamnese ist erforderlich, und Differenzenvergleiche im Zeitverlauf sind zu empfehlen. Die isolierte Betrachtung von Indizes reicht nicht aus, da dies frühe Stadien nicht aufdeckt. Die Beurteilung der Hornhautrückfläche ist wichtig für die Diagnose.
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