Ein Hirntumor kann nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch seine Beziehungen stark belasten. Die Diagnose und die damit verbundenen Behandlungen verändern das Leben oft grundlegend und stellen Paare vor enorme Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auswirkungen eines Hirntumors auf Beziehungen, die möglichen Gründe für Beziehungsprobleme und Trennungen und zeigt Wege auf, wie Betroffene und ihre Partner mit dieser schwierigen Situation umgehen können.
Die Diagnose Hirntumor: Ein Schock für die Partnerschaft
Die Diagnose Hirntumor ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben von Betroffenen und ihren Partnern von einem Tag auf den anderen verändert. Plötzlich stehen Paare vor einer ungewissen Zukunft, medizinischen Behandlungen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Diese Situation kann eine enorme Belastung für die Beziehung darstellen.
Psychische Belastungen und Veränderungen
Die Diagnose Hirntumor kann eine Vielzahl von psychischen Belastungen auslösen, sowohl beim Betroffenen als auch beim Partner. Ängste, Depressionen, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl der Überforderung sind häufige Begleiter dieser Krankheit. Der Betroffene kann sich verändert fühlen, sowohl körperlich als auch psychisch. Er kann unter Fatigue, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen und Wesensveränderungen leiden. Der Partner hingegen kann sich hilflos, überfordert und alleingelassen fühlen.
Rollenveränderungen und Verantwortungsübernahme
Eine Krebserkrankung führt oft zu Rollenveränderungen innerhalb der Partnerschaft. Der gesunde Partner übernimmt häufig die Rolle des Pflegenden und Betreuenden, während der Betroffene auf die Unterstützung des Partners angewiesen ist. Diese Asymmetrie kann zu Konflikten führen, insbesondere wenn der gesunde Partner sich überlastet und vernachlässigt fühlt.
Eine Frau berichtet, dass sie sich um die Kinder, den Haushalt, den Garten und das Haus kümmert, den gesamten Papierkram erledigt und alles finanziert. Es gehe nur um ihren Mann und seine Krankheit. Sie gehe komplett unter und ihr Leben mache so gar keinen Sinn, weil einfach jeder Tag mega anstrengend sei für sie.
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Kommunikationsprobleme und emotionale Distanz
Die Belastung durch die Krankheit kann auch zu Kommunikationsproblemen und emotionaler Distanz zwischen den Partnern führen. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen, während sich der Partner möglicherweise nicht traut, seine eigenen Bedürfnisse zu äußern, um den Betroffenen nicht zusätzlich zu belasten. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem sich beide Partner voneinander entfernen und die Beziehung an Intimität verliert.
Beziehungsprobleme und Trennung: Wenn die Belastung zu groß wird
Die genannten Faktoren können dazu führen, dass eine Beziehung durch die Diagnose Hirntumor stark belastet wird. In einigen Fällen kann diese Belastung so groß werden, dass es zu Beziehungsproblemen und letztendlich zur Trennung kommt.
Gründe für Beziehungsprobleme
Es gibt viele Gründe, warum eine Beziehung nach der Diagnose Hirntumor in eine Krise geraten kann. Zu den häufigsten gehören:
- Überforderung des Partners: Der gesunde Partner fühlt sich mit der Pflege und Betreuung des Betroffenen überfordert und vernachlässigt seine eigenen Bedürfnisse.
- Veränderungen im Verhalten des Betroffenen: Der Betroffene leidet unter Wesensveränderungen, die es dem Partner schwer machen, ihn wiederzuerkennen und mit ihm zu interagieren.
- Kommunikationsprobleme: Die Partner können nicht mehr offen und ehrlich miteinander kommunizieren, wodurch sich Missverständnisse und Konflikte häufen.
- Sexuelle Probleme: Die Krankheit und die Behandlungen können zu sexuellen Funktionsstörungen führen, die die Intimität der Beziehung beeinträchtigen.
- Fehlende Unterstützung von außen: Das Paar fühlt sich von Familie, Freunden und dem medizinischen Team alleingelassen und erhält nicht die notwendige Unterstützung.
Das Gefühl, in einer Falle zu sitzen
Eine Frau beschreibt, wie sie sich in einer Falle fühlt. Ihr Mann ist Frührentner, bezieht nur eine kleine Rente und sagt, dass er nichts zahlen kann, schon gar keine eigene Wohnung. Er sagt selbst, dass er komplett abhängig von ihr ist und sich längst umgebracht hätte, wenn sie nicht da wäre. Sie fühlt sich schrecklich.
Trennung als Ausweg?
In manchen Fällen sehen Paare die Trennung als einzigen Ausweg aus der belastenden Situation. Dies kann eine schwierige Entscheidung sein, insbesondere wenn Kinder im Spiel sind oder eine lange gemeinsame Geschichte besteht. Es ist wichtig zu beachten, dass eine Trennung nicht immer die beste Lösung ist und dass es auch andere Wege gibt, mit den Problemen umzugehen.
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Eine Frau schreibt einen Brief an ihren Partner, in dem sie die Trennung erklärt. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sich viel Zeit dafür gelassen. Sie wolle und müsse die schlimme Ungewissheit aber beenden. Sie hoffe, er sei nicht allzu traurig, wenn sie ihm sagen müsse, dass sie ihre Beziehung nicht fortsetzen möchte.
Wege aus der Krise: Unterstützung und Bewältigungsstrategien
Auch wenn die Diagnose Hirntumor eine Beziehung vor große Herausforderungen stellt, gibt es Wege, mit der Situation umzugehen und die Partnerschaft zu stärken.
Offene Kommunikation und Ehrlichkeit
Eine offene und ehrliche Kommunikation ist das A und O für eine gelingende Partnerschaft in Krisenzeiten. Beide Partner sollten in der Lage sein, ihre Ängste, Sorgen und Bedürfnisse zu äußern, ohne Angst vor Verurteilung oder Ablehnung zu haben. Es ist wichtig, einander zuzuhören und zu versuchen, die Perspektive des anderen zu verstehen.
Professionelle Hilfe suchen
Paartherapie oder Einzeltherapie können wertvolle Unterstützung bieten, um Kommunikationsmuster zu verbessern, Konflikte zu lösen und die psychischen Belastungen zu bewältigen. Ein Psychoonkologe kann dem Betroffenen helfen, sich an die Diagnose anzupassen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Selbstfürsorge und Entlastung
Es ist wichtig, dass beide Partner auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden achten. Der gesunde Partner sollte sich regelmäßig Auszeiten gönnen, um Kraft zu tanken und seine eigenen Interessen zu verfolgen. Der Betroffene sollte sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen und sich von Aufgaben entlasten zu lassen.
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Gemeinsame Aktivitäten undQuality Time
Trotz der Belastung durch die Krankheit sollten Paare versuchen, gemeinsame Aktivitäten zu pflegen undQuality Time miteinander zu verbringen. Dies kann dazu beitragen, die Intimität und Verbundenheit in der Beziehung aufrechtzuerhalten.
Akzeptanz undFlexibilität
Es ist wichtig, die veränderte Situation zu akzeptieren und sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Flexibilität und Kompromissbereitschaft sind entscheidend, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Psychoonkologische Betreuung
Eine psychoonkologische Betreuung kann in dieser schwierigen Situation sehr hilfreich sein. Sie bietet Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, der Bewältigung von Ängsten und Depressionen und der Stärkung der Partnerschaft.
Selbsthilfegruppen
Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen in Selbsthilfegruppen kann sehr entlastend sein und neue Perspektiven eröffnen.
Die Rolle der Familie und des sozialen Umfelds
Die Familie und das soziale Umfeld können eine wichtige Stütze für Paare sein, die von einem Hirntumor betroffen sind. Es ist wichtig, offen über die Situation zu sprechen und um Unterstützung zu bitten. Familie und Freunde können praktische Hilfe leisten, emotionale Unterstützung bieten und den Partnern helfen, sich nicht alleingelassen zu fühlen.
Die Bedeutung derSexualität
Eine Krebserkrankung kann häufig auch zu sexuellen Funktionsstörungen führen, welche wiederum die partnerschaftliche Zufriedenheit beeinträchtigen können. Die Ursachen sind vielfältig und können aus Veränderungen oder Beeinträchtigungen des Körperbildes oder der Körperfunktionen resultieren sowie dem partnerschaftlichen oder dem psychosozialen Erleben. Veränderungen des Körperbildes (wie Narben, Verlust von Körperteilen, Gewichtsveränderungen, Haarverlust etc.) oder der Körperfunktionen (z. B. Inkontinenz, Impotenz, Verlust der Stimme, Fatigue), die durch medizinische Behandlungen ausgelöst sein können, beeinträchtigen mitunter das Selbstwertgefühl, das Bedürfnis nach sexueller Aktivität und die Libido. Darüber hinaus können sie auch depressive Symptome, Angst und Insuffizienzgefühle begünstigen.
Es ist wichtig, offen über diese Probleme zu sprechen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Kinder im Blick behalten
Eine weitere in der klinischen Versorgung häufig noch vernachlässigte Gruppe von Angehörigen stellen die minderjährigen Kinder Krebserkrankter dar. Für Kinder sind die Eltern während der gesamten Entwicklung und insbesondere hinsichtlich der Verhaltens- und Emotionsregulation die wichtigsten Bezugspersonen und die Eltern-Kind-Beziehung hat einen bedeutenden Einfluss auf eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Erkrankt ein Elternteil körperlich oder psychisch, kann dies auch einen Risikofaktor für die kindliche Entwicklung darstellen.
Es ist wichtig, die Kinder in den Krankheitsverlauf einzubeziehen und ihnen altersgerechte Informationen zu geben. Auch sie brauchen Unterstützung, um mit der Situation umzugehen.