In unserer schnelllebigen und anspruchsvollen Welt ist es keine Seltenheit, dass die Nerven blank liegen. Ob durch beruflichen Stress, familiäre Verpflichtungen oder die ständige Flut an Informationen, die auf uns einströmt - viele Menschen fühlen sich überfordert und angespannt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Symptome von Nervenanspannung und bietet praktische Strategien, um die innere Balance wiederzufinden und die Nervenstärke zu verbessern.
Stiller Burnout: Die tückische Gefahr
Während ein klassischer Burnout oft mit deutlichen Symptomen und schneller Entwicklung einhergeht, ist ein "stiller Burnout" eine schleichende Gefahr. Betroffene verschleppen ihren Zustand, indem sie kurze, wenig erholsame Pausen einlegen und dann weitermachen. So gleiten sie langsam in einen schweren Burnout, der scheinbar plötzlich mit einem Nervenzusammenbruch zutage tritt.
Die Symptome erkennen: Wenn die Nerven blank liegen
"Meine Nerven liegen blank" - diese Formulierung beschreibt, wie schlecht jemand mit anstrengenden Ereignissen umgehen kann. Betroffene neigen dazu, schnell zu weinen oder aggressiv zu werden, geraten leicht aus der Fassung und werden von einem Gefühl der Überforderung begleitet. Kraftlosigkeit und innere Unruhe sind weitere Anzeichen. Die Symptome können sich auch körperlich äußern, wie z.B. durch ein geschwächtes Immunsystem, erhöhten Blutdruck, Nacken-, Kopf- und Kieferschmerzen.
Ursachenforschung: Warum die Nerven versagen
Die Ursachen für blank liegende Nerven sind vielfältig. Oft sind es besondere Belastungen wie Prüfungen, Trennungen oder der Verlust einer geliebten Person. Auch persönliche Sorgen, fordernde Aufgaben und schulische oder berufliche Herausforderungen können die Nerven strapazieren. Wer keine soziale Unterstützung erfährt und kein Vertrauen in sich und andere hat, ist ebenfalls häufig betroffen. Die eigene Persönlichkeit spielt eine Rolle: Menschen mit einer positiven Grundeinstellung sind eher nervenstark.
Häufige Ursachen für innere Unruhe sind:
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- Hoher Konsum von Kaffee, Nikotin oder Alkohol
- Unterzuckerung (Hypoglykämie)
- Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
- Vegetative Dystonie (psychovegetative Allgemeinstörungen)
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Lungenembolie
- Hormonumstellungen in den Wechseljahren
- Herzneurose (funktionelle Herzbeschwerden)
- Depressionen
- Persönlichkeitsstörungen
- Schizophrene Ersterkrankung
- Drogenkonsum
- Bestimmte Medikamente
Erste Hilfe: Was tun, wenn es akut wird?
Wenn die Nerven blank liegen, ist es wichtig, schnell zu reagieren. Hier sind einige Sofortmaßnahmen:
- Atmen: Gehen Sie aus dem Raum oder der Situation und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Zählen Sie beim Einatmen von 1 bis 4 und beim Ausatmen von 1 bis 6.
- Abklopfen: Stehen Sie auf und klopfen Sie sich mit beiden Händen abwechselnd ab, z.B. indem Sie die Arme über Kreuz legen. Wer sitzen bleibt, tappt sich abwechselnd auf die beiden Knie.
- Perspektivwechsel: Stellen Sie sich vor, zwischen Ihnen und der stressigen Situation befindet sich eine Plexiglasscheibe. Sie stehen geschützt dahinter und können die Situation distanziert betrachten.
- Frische Luft: Gehen Sie an die frische Luft. Ein halbstündiger Spaziergang in der Natur kann Wunder wirken.
Langfristige Strategien für starke Nerven
Um langfristig die Nervenstärke zu verbessern, sind folgende Maßnahmen hilfreich:
1. Bewegung als Segen
Körperliche Aktivität hilft, Ängste zu "verstoffwechseln". Sport oder ein Spaziergang in der Mittagspause verschaffen den Gedanken eine Verschnaufpause. Wichtig ist, dass die Bewegung Freude bereitet und ohne Zwang erfolgt.
2. Ernährung für Körper und Geist
Was wir essen, beeinflusst, wie wir uns fühlen. Eine vollwertige und vielseitige Ernährung ist wichtig für einen ruhigen Geist. Bestimmte Lebensmittel können die Nerven zusätzlich stärken:
- Nüsse: Reich an B-Vitaminen, Magnesium und Vitamin E.
- Paprika: Enthält viel Vitamin C, Magnesium und Eisen.
- Spinat: Liefert Magnesium, Vitamin B6, Kalium und Calcium.
- Kakao: Dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil enthält Tryptophan, das in Serotonin umgewandelt wird.
- Bananen: Enthalten Tryptophan, Vitamin B6, Magnesium, Kalium und Phosphor.
- Avocados: Reich an B-Vitaminen, Magnesium und Kalium.
- Hülsenfrüchte: Gute Lieferanten für Vitamin B1 und Magnesium.
- Haferflocken: Enthalten Vitamin B1 und komplexe Kohlenhydrate.
- Eier: Liefern fast alle wichtigen Vitamine, insbesondere Vitamin B12 und Vitamin D.
- Fisch: Reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin B2.
3. Ausreichend Ruhepausen
Schlaf ist essentiell für die Regeneration. 7,5 Stunden pro Nacht sind ideal. Auch tagsüber sind kurze Entspannungsphasen wichtig. Menschen, die viel arbeiten, sollten jede Stunde für einige Minuten innehalten.
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4. Ursachenforschung
Führen Sie ein Tagebuch, um den Auslösern für Ihre Sorgen auf den Grund zu gehen. Wenn Sie die Gründe kennen, können Sie gezielt Gegenstrategien entwickeln.
5. Bewusstsein für Körper und Geist
Gedanken und Bewertungen entstehen aus Sinneswahrnehmungen und Erinnerungen. Sie beeinflussen, wie wir uns fühlen und rufen Körper- und Verhaltensreaktionen hervor. Wer sich dieser Verbindung bewusst ist, lernt zielgerichteter mit Grübelei und Sorgen umzugehen.
Übung: Atem beobachten
Schließen Sie die Augen. Atmen Sie durch die Nase ein und konzentrieren Sie sich darauf, wie der Atem in die Lungen strömt. Halten Sie kurz inne. Atmen Sie danach durch den Mund aus. Konzentrieren Sie sich auf den natürlichen Rhythmus des Atems, ohne ihn verändern zu wollen. Bleiben Sie mit den Gedanken beim Atem: Denken Sie an die Worte „Einat-men/Ausatmen“. Üben Sie regelmäßig, am besten täglich.
6. Gedankenstopp
Wenn Sie sich beim sorgenvollen Grübeln ertappen, beobachten Sie, welcher Gedanke Sie konkret belastet. Stellen Sie sich dann ein rotes Stoppschild vor und sagen Sie sich laut oder in Gedanken „Stopp“. Wenden Sie sich dann sofort etwas anderem (z.B. dem Atem, einem beruhigenden Gedanken) zu.
7. Gefühle fokussieren
Konzentrieren Sie sich auf ein momentan vorherrschendes Gefühl (z.B. Angst). Fühlen Sie, wie es sich im Körper anfühlt, wo es zu spüren ist. Nehmen Sie das Gefühl wahr, ohne es zu beurteilen. Richten Sie Ihren Fokus aber auf die Beobachtung (da ist Angst), um sich nicht im Gefühl zu verlieren.
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8. Eigene Ressourcen kennen
Quälende Ängste und Sorgen zehren an den Kräften. Um leistungsfähig zu bleiben, sollten Sie Ihre Kraftquellen kennen und regelmäßig "aufladen".
9. Ärztliche Hilfe suchen
Sprechen Sie mit einem Arzt, wenn Sie sich dauerhaft unruhig und gereizt fühlen. Hinter diesen Symptomen können sich auch behandlungsbedürftige, körperliche Ursachen verbergen.
10. Gewohnheiten ändern und Erkrankungen abklären
Ändern Sie Ihre Gewohnheiten und klären Sie Erkrankungen ab. Ein Coaching im Stressmanagement kann den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern.
Mentale Stärke trainieren
Mentale Stärke bedeutet, zum richtigen Zeitpunkt Ihre Kräfte zu bündeln und die Hindernisse des Alltags zu überwinden. Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie geschafft haben und halten Sie sich nicht zu lange an Kleinigkeiten auf, die Ihnen nicht geglückt sind. Lernen Sie von Ihren Schwächen und Ängsten, anstatt sich von ihnen lähmen zu lassen. Vertrauen Sie auch im Alter auf Ihr Leistungsvermögen angesichts neuer Aufgaben. Gönnen Sie sich Pausen.
Entspannungstechniken für den Alltag
- Autogenes Training
- Meditation
- Yoga
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
Hausmittel und pflanzliche Helfer
- Beruhigungstees aus Baldrian, Passionsblume, Johanniskraut oder Melisse
- Ein Glas Buttermilch
- Ein warmes Vollbad mit Zusätzen aus Lavendel oder Heublumen
- Öle aus Lavendel und Thymian für Einreibungen
- Wadenwickel
Homöopathie und Akupunktur
In der Homöopathie kann innere Unruhe mit verschiedenen Mitteln bekämpft werden. Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung und der individuellen Symptomatik. Auch Akupunktur kann bei innerer Unruhe wirkungsvoll lindern.