Angesichts der Schwierigkeiten bei der Diagnose einer invasiven Meningokokken-Infektion im Frühstadium, der oft schweren Krankheitsverläufe und der hohen Sterblichkeit ist die Vorbeugung von Meningokokken-Erkrankungen von großer Bedeutung.
Was sind Meningokokken?
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die die Mund- und Rachenschleimhaut besiedeln und schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, die in verschiedenen Ländern unterschiedlich stark verbreitet sind. Die Serogruppen A, B, C, W, X und Y sind die häufigsten Auslöser schwerer (invasiver) Erkrankungen.
Warum impfen?
Eine Impfung schützt nicht nur die geimpfte Person vor dem Ausbruch einer Meningitis durch Meningokokken, sondern verhindert auch, dass ein Mensch durch Ansteckung unbemerkter Träger des Erregers wird und diesen an andere weitergibt. Durch eine Impfung werden also über den Individualschutz hinaus auch nicht geimpfte Mitmenschen geschützt. Man spricht im Fachjargon auch von Herdenimmunität. Dieser Schutz ist umso größer, je mehr Menschen geimpft sind und damit kein Erregerreservoir mehr bilden.
Arten von Meningokokken-Impfstoffen
Es gibt verschiedene Klassen von Impfstoffen gegen Meningokokken, die sich in ihrer Zusammensetzung und Wirkungsweise unterscheiden. Die ersten Meningokokken-Impfstoffe bestanden im Wesentlichen aus den Zuckerbausteinen der Bakterienhülle und werden als Polysaccharid-Impfstoffe bezeichnet. Diese Impfstoffe haben jedoch den Nachteil, dass sie bei Säuglingen und Kleinkindern nicht gut wirksam sind, da deren Immunsystem noch nicht effektiv auf die reinen Polysaccharide reagiert.
Konjugatimpfstoffe
Zum Ende des letzten Jahrtausends wurden Konjugatimpfstoffe entwickelt. Bei diesen Impfstoffen werden die Zuckerbausteine der Bakterienhülle chemisch an ein Trägereiweiß gebunden (konjugiert). Der erste Konjugatimpfstoff war ausschließlich gegen Meningokokken C gerichtet.
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Moderne Konjugatimpfstoffe weisen im Gegensatz zu herkömmlichen Polysaccharid-Impfstoffen eine Reihe von Vorteilen auf:
- Schützen besser: Konjugatimpfstoffe besitzen eine höhere Immunogenität, d.h. nach der Impfung werden mehr Antikörper gegen die Erreger gebildet.
- Schützen länger: Nach der Impfung mit einem Konjugatimpfstoff bildet das Immunsystem ein Immungedächtnis aus.
- Führen in allen Altersgruppen zu einer robusten Immunantwort: Im Gegensatz zu Polysaccharid-Impfstoffen, die bei Säuglingen und Kleinkindern nicht gut wirksam sind.
- Ermöglichen Auffrischung des Impfschutzes: Dank des Immungedächtnisses kann die Impfung mit einem Konjugatimpfstoff auch aufgefrischt werden.
- Reduzieren Anzahl der Bakterienträger: Im Gegensatz zu den Polysaccharid-Impfstoffen führt eine Impfung mit einem Konjugatimpfstoff dazu, dass keine Meningokokken mehr unerkannt im Nasen-Rachenraum siedeln können.
- Tragen zum Aufbau einer Herdenimmunität bei: Bei Verwendung von Konjugatimpfstoffen wird der Aufbau einer Herdenimmunität möglich.
Meningokokken B-Impfstoffe
Seit 2013 ist mit 4CMenB (Bexsero) der erste Meningokokken B Impfstoff für alle Altersgruppen ab dem vollendeten 2. Lebensmonat und seit Mai 2017 ein weiterer Meningokokken B Impfstoff (Trumenba) zur Anwendung bei Personen ab dem vollendeten 10. Lebensjahr zugelassen. Sie haben den Vorteil, dass sie eine breite Stammabdeckung bieten, d.h. sie sind gegen einen Großteil der zirkulierenden, potenziell tödlichen Meningokokken-Stämme der Serogruppe B wirksam.
Bexsero wurde mit Hilfe eines innovativen Ansatzes entwickelt, der als reverse Vakzinologie bezeichnet wird. Im Gegensatz zu konventionellen Methoden der Impfstoffentwicklung entschlüsselt man hierbei zunächst das Erbgut (d. h. die Genomsequenz von Meningokokken B-Stämmen) und wählt dann die Proteine aus, die als Antigene in einem zukünftigen Impfstoff höchstwahrscheinlich eine breite Wirksamkeit aufweisen.
Verfuegbare Impfstoffe
Es stehen verschiedene Impfstoffe als 1-fach- oder 4-fach-Impfung zur Verfügung. Gegen Meningokokken B wirken die Impfstoffe Bexsero® und Trumenba®, gegen Meningokokken C die Präparate Menjugate® und Neisvac®. Zudem gibt es 4-fach Impfungen gegen Meningokokken A, C, W und Y.
Impfempfehlungen der STIKO
Basierend auf den verschiedenen Serogruppen, die weltweit eine unterschiedliche geografische Verbreitung aufweisen sowie im Hinblick auf die Häufigkeit & Altersverteilung der Meningokokken-Erkrankungen und den derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen hat die STIKO eine Reihe von Empfehlungen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken ausgesprochen:
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- Generelle Empfehlung: Seit 2006 empfiehlt die STIKO, alle Kinder im 2. Lebensjahr mit einem Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken C zu impfen. Ist die Impfung zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgt, sollte sie bis zum vollendeten 17. Lebensjahr nachgeholt werden.
- Meningokokken-B-Impfung: Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) als Standardimpfung für alle Babys im Alter von zwei Monaten empfohlen, weil diese ein hohes Erkrankungsrisiko haben. Wird die Impfung versäumt, soll sie bis zum 5. Geburtstag der Kinder nachgeholt werden.
- Meningokokken-ACWY-Impfung: Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) als Standardimpfung für alle Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren empfohlen. Die Häufigkeit schwerwiegender Meningokokken-Erkrankungen steigt nämlich in der Altersgruppe ab 15 an. Wird die Impfung versäumt, soll sie bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden.
Indikationsimpfung
Bei gesundheitlich gefährdeten Personen sowie bei gefährdetem Laborpersonal wird derzeit eine Impfung mit einem Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken C, gefolgt von einer Impfung mit einem Polysaccharid-Impfstoff gegen Meningokokken ACWY, empfohlen. Empfohlen wird zudem die MenB-Impfung als Indikationsimpfung Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zu verabreichen. Dazu zählen vor allem:
- Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche
- gefährdetes Laborpersonal
- Reisende in Länder, wo Meningokokken-B-Erkrankungen epidemisch vorkommen
Reiseimpfung
Für Reisende empfiehlt die STIKO eine Impfung für alle Personen, die in Länder reisen, in denen Meningokokken-Erkrankungen vorkommen. Dies gilt besonders, wenn sie Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben und sich somit anstecken können. Besonders hervorgehoben durch die STIKO werden Hadj-Pilger, für die eine Impfung gegen Meningokokken A,C,W und Y für die Einreise nach Saudi-Arabien vorgeschrieben ist. Schüler und Studenten sollen ebenfalls, sobald diese einen längeren Aufenthalt in einem Land mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche oder selektiver Impfung für Schüler und Studenten planen, nach den Empfehlungen des Ziellandes geimpft werden.
Impfung bei Krankheitsausbrüchen
Bei Krankheitsausbrüchen durch Meningokokken besteht zur langfristigen Senkung des Infektionsrisikos außerdem die Möglichkeit einer Impfung (der sog. Riegelungsimpfung) von Kontaktpersonen bzw. möglicherweise gefährdeter Gruppen, wenn es sich bei dem Ausbruch um eine Serogruppe handelt, gegen die ein Impfstoff zur Verfügung steht.
Kostenübernahme
Die Barmer übernimmt die Kosten der Impfung gegen Meningokokken B bis zum 18. Geburtstag und gegen Meningokokken ACWY sogar bis zum 25. Geburtstag. Grundsätzlich gilt: Von der STIKO empfohlene Impfungen werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Wann darf nicht geimpft werden?
Der Arzt oder die Ärztin kann nicht impfen, wenn die zu impfende Person an einer akuten und/oder fieberhaften (>38,5 Grad Celsius) Erkrankung leiden. Auch im Falle einer bekannten Überempfindlichkeit auf den Meningokokken-Impfstoff oder einen seiner Bestandteile darf nicht geimpft werden.
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Mögliche Nebenwirkungen
Eine Meningokokken-Impfung kann mitunter Nebenwirkungen haben. Am häufigsten tritt eine harmlose Impfreaktion an der Einstichstelle auf. Typisch dafür sind eine leichte Rötung, Schwellung und Schmerzen. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab. Zusätzlich können in den ersten Tagen nach der Impfung auch vorübergehend Allgemeinsymptome auftreten. Dazu zählen beispielsweise:
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Krankheitsgefühl
- Reizbarkeit (bei Babys und Kleinkindern)
- Appetitlosigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Durchfall, Erbrechen)
- Müdigkeit
- Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Schmerzen in Armen und Beinen
Impfschemata
Wie oft gegen Meningokokken geimpft wird und in welchem Abstand, hängt vom verwendeten Impfstoff und teils auch vom Alter ab.
Meningokokken-B-Impfung
Um frühzeitig vor schweren Erkrankungen geschützt zu sein, sollen Säuglinge eine Grundimmunisierung mit drei Impfdosen erhalten: Im Alter von zwei, vier und zwölf Monaten ist je eine Dosis des empfohlenen MenB-Impfstoffes vorgesehen. Für noch nicht geimpfte Kleinkinder ist eine Nachholimpfung bis zum 5. Geburtstag empfohlen.
Meningokokken-ACWY-Impfung
Für die Standardimpfung bei Kindern im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ist eine Impfdosis der Meningokokken-ACWY-Impfung vorgesehen. Sie kann im Rahmen der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung im Jugendalter (J1-Untersuchung) verabreicht werden. Wird die Impfung verpasst, ist eine Nachholimpfung bis zum 25. Geburtstag empfohlen.
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