Als Wirbelsäulenchirurg ist es wichtig, die komplexe Verbindung zwischen Wirbelsäule und Nervensystem zu verstehen. Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle in den Zehen können zusammen auftreten, aber ihre Ursachen können vielfältig sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Hüftschmerzen und Taubheitsgefühlen in den Zehen und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Die Rolle der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule ist die tragende Struktur des Körpers, die Stabilität und Flexibilität für Bewegungen bietet. Sie beherbergt auch das Rückenmark und die Spinalnervenwurzeln. Probleme in der Wirbelsäule, wie Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen, können die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Symptomen wie Rückenschmerzen und Taubheitsgefühl führen.
Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose
Taube Zehen können auf Spinalkanalstenosen und Bandscheibenvorfälle hindeuten, die auch gleichzeitig vorliegen können. Bei einem Bandscheibenvorfall mit einseitiger Symptomatik kann der sogenannte Radikulärschmerz (Radikulopathie) rechts oder links ins Bein ausstrahlen. Ein radikulärer Schmerz tritt in dem Bereich auf, in dem der Nerv die Haut versorgt und bringt auch Taubheitsgefühle mit sich.
Zusammenhang zwischen Rückenbeschwerden und Taubheit
Der Zusammenhang zwischen Rückenbeschwerden und Taubheit von Zehen und Fingern lässt sich nicht pauschal herstellen, kann aber individuell gegeben sein und sollte stets geprüft werden. Unsere Zehen sind über das Nervensystem mit den Spinalwurzelnerven entlang der Wirbelsäule verbunden. Die Nerven, die die Zehen anregen, sitzen als Spinalnerven in der Lenden- und Sakralregionen der Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule und Kreuzbein).
Andere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl in den Zehen
Neben Wirbelsäulenproblemen können auch andere Erkrankungen Taubheitsgefühle in den Zehen verursachen. Es ist wichtig zu beachten, dass in der Praxis sowohl Wirbelsäulenerkrankungen als auch andere Erkrankungen wie Diabetes gleichzeitig vorliegen können.
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Polyneuropathien
Polyneuropathien sind Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen, also das Nervensystem außerhalb des Gehirns und Rückenmarks. Da mehrere periphere Nerven betroffen sind, können die Symptome variieren.
Tarsaltunnelsyndrom
Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine Nervenkompression im Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel. Der Tarsaltunnel dient als Durchtrittsstelle für Nerven und Gefäße in die Fußsohle. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen.
Symptome des Tarsaltunnelsyndroms
Die Symptome des Tarsaltunnelsyndroms sind vielfältig und können sich im Laufe der Zeit verändern. Patienten spüren unterschiedlich intensive, wechselnde Beschwerden. Zum Teil treten die Fußschmerzen als Nachtschmerzen mit Ausstrahlung in Ferse und Unterschenkel auf. Kribbeln oder Taubheit der Fußsohle - zum Teil bis in die Zehen - sind möglich. Manche haben auch das Gefühl, dass ihr Fuß "einschläft". Patienten mit Tarsaltunnelsyndrom leiden teilweise auch unter Schmerzen am Fußrücken. Häufig nehmen die Schmerzen im Verlauf des Tages zu. Vor allem aber sind sie in der Nacht und in Ruhe zu spüren.
Diagnose des Tarsaltunnelsyndroms
Die Kooperation eines erfahrenen Spezialisten für Fuß- und Sprunggelenkerkrankungen mit einem Neurologen ist für die exakte Diagnose des Tarsaltunnelsyndroms vorteilhaft. Der Orthopäde stellt eine Verdachtsdiagnose durch intensive Patientenbefragung. Durch Druck mit dem Daumen untersucht der Fußspezialist die im Tarsaltunnel verlaufenden Beugesehnen. Ein wichtiges Ziel der Diagnose ist, nicht nur das Tarsaltunnelsyndrom eindeutig festzustellen, sondern auch den Verlauf, das Stadium und den Schweregrad der Nervenschädigung einzuschätzen.
Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms
Wann immer es möglich ist, behandeln wir das Tarsaltunnelsyndrom konservativ, also ohne operativen Eingriff. Der Arzt therapiert die schmerzhafte Nervenveränderung am Tarsaltunnel primär durch Einspritzungen von lokalen Betäubungsmitteln. Bei starken Entzündungen als Auslöser des Tarsaltunnelsyndroms sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente erforderlich. Sportliche Aktivitäten und körperliche Belastungen, welche die Symptome verstärken, sollte der Patient nach Möglichkeit reduzieren oder vorübergehend aussetzen. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms. Sie reduzieren den Druck und die Beweglichkeit, die beide den Tibialisnerven zusätzlich komprimieren. Sind Knick-Senkfüße die Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom, können auch Schuheinlagen helfen. Langfristig nach Abklingen der akuten Beschwerden sollte durch ein spezifisches Training der Fuß- und Beinmuskulatur die Fußfehlstellung reduziert werden.
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Operative Therapie des Tarsaltunnelsyndroms
Die operative Therapie sollte erst bei Versagen der Injektionsbehandlung und Physiotherapie im Zusammenhang mit wirklich beharrlichen, eindeutigen neurologischen Beschwerden erfolgen. Wie beim Karpaltunnelsyndrom durchtrennt der Arzt die über dem Kanal liegende bindegewebige Struktur, das Retinakulum. Dies befreit den Nerv operativ vom Druck, was unmittelbar die Schmerzen reduziert.
Vordere und hintere Tarsaltunnelsyndrome
Beim vorderen Tarsaltunnelsyndrom liegt der Druck auf den Tarsaltunnel beeinträchtigt nicht nur die nervöse Versorgung. Die Ursachen für das vordere Tarsaltunnelsyndrom sind breit gestreut. Es ist möglich, dass eine Fußverletzung oder ein Überbein verantwortlich sind. Etwa die Hälfte aller Fälle besitzt keine definitive Ursache (idiopathisch). Vor allem ein stechender Schmerz an der Vorderkante des Schienbeins ist kennzeichnend für das vordere Tarsaltunnelsyndrom.
Beim hinteren Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich um eine krankhafte Einengung des tiefen hinteren Unterschenkelbereichs. Diese betrifft den Bereich hinter und unter dem Innenknöchel, in dem zahlreiche Blutgefäße sowie die Sehnen des Großzehenstreckers und des Wadenbeinmuskels verlaufen. Es kann allmählich auftreten und wirkt sich oft nicht so drastisch aus, wie das vordere Tarsaltunnelsyndrom. Es beginnt mit Taubheitsgefühl in den Zehen und geht über Kribbeln oder Prickeln im Fuß bis hin zu starken und brennenden Schmerzen im Bereich der Fußsohle.
Hüftschmerzen und ihre Ausstrahlung
Hüftschmerzen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Sie können akut oder chronisch sein, ein- oder beidseitig auftreten und bis in den Rücken oder das Bein ausstrahlen. Die Ursachen der Hüftschmerzen sind vielfältig und müssen nicht unbedingt in der Hüfte selbst liegen.
Ursachen von Hüftschmerzen
Hüftschmerzen können durch Verschleiß (Arthrose), Entzündungen, Verletzungen oder Überlastung verursacht werden. Auch Erkrankungen wie das Femoro-Acetabuläre Impingement (FAI) können Hüftschmerzen verursachen.
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Femoro-Acetabuläres Impingement (FAI)
Das Femoro-Acetabuläre Impingement beschreibt eine Einklemmungserscheinung der Gelenklippe am Pfannenrand des Hüftgelenks. Auf diese Art und Weise kann es zu einer Schädigung der Gelenklippe sowie im Verlauf zu einem Knorpelschaden mit nachfolgender Arthrose des Hüftgelenks kommen. Typischerweise bestehen Hüftschmerzen bei Beugung und Innenrotation. Meist treten diese dabei in der Leiste auf.
Diagnose von Hüftschmerzen
Neben der ausführlichen Anamnese erfolgt zunächst eine klinische Untersuchung. Hierbei werden schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, Fehlstellungen und eventuelle Instabilitäten beurteilt. Bestimmte Untersuchungstechniken können den Verdacht auf ein Impingement lenken. Im Anschluss führen wir in der Regel eine Übersichtsaufnahme des Beckens in Kombination mit einer 2. Ebene der betroffenen Seite durch. Diese wird dann in der Regel durch eine MRT-Untersuchung, bzw.
Konservative Therapie von Hüftschmerzen
Die konservative Therapie besteht in der körperlichen Schonung, der vorübergehenden Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR). Krankengymnastik trägt zur Muskelkräftigung und zum Erhalt der Beweglichkeit bei. In vielen Fällen ist eine Besserung durch konservative Therapie jedoch nur vorübergehend.
Weitere Ursachen für Hüftschmerzen und Taubheitsgefühle im Bein
- Ischiasschmerz: Ausstrahlung von Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule aufgrund von Nervenkompression.
- Hüftarthrose: Der Arthroseschmerz der Hüfte kann in das Bein ausstrahlen und sich als lateraler (seitlicher) Knieschmerz zeigen.
- Bandscheibenvorfall in der LWS: Druck auf das Rückenmark kann zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Beinen führen.
- Muskelverspannungen: Starke Verspannungen, wie sie auch bei einem Hexenschuss vorkommen können, sind manchmal der Auslöser für eine vorübergehende Taubheitsgefühl im Oberschenkel.
- Vitamin B12-Mangel: Ein Mangel kann zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in verschiedenen Bereichen des Körpers führen.
- Restless-Legs-Syndrom: Kann Taubheitsgefühle, Kribbeln oder leichte Schmerzen an Beinen und Füßen verursachen.
- Rückenmarksverletzung: Kann zu kurzfristigen oder dauerhaften Störungen in der Motorik und Sensorik führen.
- Meralgia paraesthetica: Einklemmung des Nervus cutaneus femoris lateralis, der die Außenseite des Oberschenkels versorgt, kann zu Kribbeln oder Taubheit führen.
- Guillain-Barré-Syndrom: Seltene Autoimmunerkrankung, die zu Schädigung der peripheren Nerven und Taubheitsgefühlen führen kann.
- Piriformis-Syndrom: Ein verspannter Muskel in der Hüfte (Piriformis) kann den Ischiasnerv einquetschen und Schmerzen und Taubheitsgefühle im Oberschenkel, Rücken und Po verursachen.
Diagnose von Taubheitsgefühlen und Hüftschmerzen
Die Bewertung von Taubheitsgefühlen bzw. Sensibilitätsstörungen erfolgt im Rahmen der klinischen Untersuchung. Ein Neurologe kann dabei zusätzlich zur klinischen Untersuchung auch Nervenmessungen durchführen.
Klinische Untersuchung
Hierbei werden schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, Fehlstellungen und eventuelle Instabilitäten beurteilt. Bestimmte Untersuchungstechniken können den Verdacht auf ein Impingement lenken.
Bildgebende Verfahren
Im Anschluss führen wir in der Regel eine Übersichtsaufnahme des Beckens in Kombination mit einer 2. Ebene der betroffenen Seite durch. Diese wird dann in der Regel durch eine MRT-Untersuchung, bzw.
Allgemeine Behandlungsempfehlungen
Je nach Ursache der Hüftschmerzen und Taubheitsgefühle gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:
- Konservative Behandlung:
- Schonung: Vermeidung von Belastungen, die die Schmerzen verstärken.
- Medikamente: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR), Kortisoninjektionen.
- Physiotherapie: Muskelkräftigung, Dehnungsübungen, Mobilisation.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Je nach Ursache der Schmerzen.
- Schuheinlagen: Bei Fußfehlstellungen.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht.
- Operative Behandlung:
- Tarsaltunnelspaltung: Bei Tarsaltunnelsyndrom.
- Hüftarthroskopie: Bei Femoro-Acetabulärem Impingement.
- Hüftgelenkersatz: Bei fortgeschrittener Hüftarthrose.
Selbsthilfemaßnahmen
- Bewegung: Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen.
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Hüft- und Beinmuskulatur.
- Ernährung: Ausgewogene Ernährung und Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
- Schlafposition: Optimale Schlafposition und Matratze wählen.
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