Meningokokken-Erkrankungen sind zwar in Deutschland insgesamt selten, können aber schwerwiegend verlaufen. Diese Erkrankungen werden durch Bakterien namens Neisseria meningitidis verursacht, von denen es verschiedene Serogruppen gibt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt Empfehlungen zu Impfungen gegen verschiedene Meningokokken-Serogruppen heraus, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Dieser Artikel fasst die aktuellen Empfehlungen zusammen und gibt einen Überblick über Meningokokken-Erkrankungen und Impfstrategien.
Was sind Meningokokken?
Meningokokken sind Bakterien, die den Nasen-Rachen-Raum besiedeln können. Sie werden durch engen Kontakt, zum Beispiel über Speichel oder Nasensekret, übertragen. Da Meningokokken außerhalb des Körpers schnell absterben, ist bei flüchtigen Begegnungen eine Ansteckung unwahrscheinlich. Es gibt 12 verschiedene Serogruppen von Meningokokken, von denen einige häufiger schwere Erkrankungen verursachen als andere. Zu den wichtigsten Serogruppen gehören A, B, C, W, X und Y.
Krankheitsbild: Wie äußern sich Meningokokken-Erkrankungen?
Meningokokken-Erkrankungen können in jedem Alter auftreten, besonders häufig aber bei Säuglingen und Jugendlichen. Eine Infektion kann zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningokokken-Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis) führen. In manchen Fällen treten beide Erkrankungen gleichzeitig auf.
Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt in der Regel 3 bis 4 Tage, kann aber auch zwischen 2 und 10 Tagen liegen. Zunächst treten grippeähnliche Symptome auf, gefolgt von plötzlichen Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel. Oft treten auch Hautveränderungen auf, besonders bei einer sich ausbreitenden Blutvergiftung. Bei einer Meningitis kommen Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu. Eine Sepsis kann sich durch Blutdruckabfall bemerkbar machen und bis zum Organversagen führen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft schwerer zu erkennen. Anzeichen können Fieber, Erbrechen, schrilles Schreien, Reizbarkeit, Krämpfe oder Schläfrigkeit sein. Die Nackensteifigkeit kann fehlen.
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Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich. Eine Meningokokken-Meningitis kann zu Komplikationen wie Krampfanfällen, Taubheit oder Entwicklungsstörungen führen. Etwa 1 % der Erkrankten sterben. Eine Sepsis kann zu Gewebeschäden bis hin zum Absterben von Gliedmaßen führen, was Amputationen erforderlich machen kann. Die Sterblichkeit bei septischem Verlauf liegt bei etwa 13 %, bei schwerem septischem Schock (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) sogar bei etwa 33 %.
Behandlung von Meningokokken-Erkrankungen
Meningokokken-Erkrankungen müssen schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden, da sie fast immer schwer verlaufen und oft Komplikationen verursachen. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, bei Komplikationen sind weitere Maßnahmen, gegebenenfalls auf der Intensivstation, erforderlich.
Impfempfehlungen der STIKO
Aufgrund der Schwere von Meningokokken-Erkrankungen, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit empfiehlt die STIKO verschiedene Impfungen gegen Meningokokken:
Impfung gegen Meningokokken B (MenB)
Die STIKO empfiehlt allen Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten die Impfung gegen Meningokokken B. Die Impfserie sollte frühzeitig begonnen und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden. Versäumte Impfungen sollten so bald wie möglich und spätestens bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden.
- Impfschema:
- Säuglinge (2, 4, 12 Monate): Die Impfserie soll möglichst frühzeitig begonnen werden und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden.
- 12 bis 23 Monate: 2 Impfstoffdosen im Mindestabstand von 2 Monaten und eine 3. Impfstoffdosis 12 bis 23 Monate nach der 2. Impfung.
- Ab 2 Jahren: 2 Impfstoffdosen im Mindestabstand von 1 Monat.
Es ist keine Änderung des Impfschemas für Frühgeborene erforderlich. Die Impfung gegen Meningokokken B soll an einem Termin mit den anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen erfolgen. Um Fieber oder Schmerzen nach der Impfung zu vermeiden, wird die vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte.
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Die STIKO empfiehlt als Standardimpfung gegen Meningokokken B den Protein-basierten Vierkomponenten-Impfstoff 4CMenB (Bexsero).
Impfung gegen Meningokokken ACWY (MenACWY)
Seit Oktober 2025 empfiehlt die STIKO als Standardimpfung eine Dosis eines quadrivalenten Konjugatimpfstoffs gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren. Nachholimpfungen sollen bis zum 25. Geburtstag erfolgen.
- Alter 12-14 Jahre: Eine Dosis eines quadrivalenten Konjugatimpfstoffs gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY).
- Nachholimpfungen: Bis zum 25. Geburtstag möglich.
Die STIKO begründet diese Empfehlung damit, dass Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren neben Säuglingen das höchste Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen dieser Serogruppen aufweisen. Durch die Impfung im Alter von 12 bis 14 Jahren soll ein Immunschutz aufgebaut werden, bevor das Erkrankungsrisiko ansteigt. Zudem bietet die Jugendgesundheitsuntersuchung (J1) im Alter von 12 bis 14 Jahren eine gute Gelegenheit, die MenACWY-Impfung durchzuführen.
Wegfall der MenC-Impfung im Kleinkindalter
Die bisherige Standardimpfung gegen Meningokokken C (MenC) im Kleinkindalter wird nicht mehr empfohlen und wurde aus der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) gestrichen. Grund dafür ist der deutliche Rückgang der Erkrankungen durch diese Serogruppe. Aktuell werden invasive Meningokokken-Erkrankungen durch MenC nur noch in Einzelfällen beobachtet, sodass der Nutzen einer Impfung im Kleinkindalter nach dem vollendeten ersten Lebensjahr als sehr gering eingeschätzt wird. Mit dem Entfall der MenC-Impfung im zweiten Lebensjahr wird der Impfkalender entlastet. In Einzelfällen kann die MenC-Impfung dennoch sinnvoll und begründet sein. Sprechen Sie mit der Kinderärztin / dem Kinderarzt darüber.
Indikationsimpfungen
Die MenB-Impfung wird als Indikationsimpfung für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko empfohlen. Dies betrifft insbesondere:
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- Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche.
- Gefährdetes Laborpersonal.
- Reisende in Länder mit epidemischen Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung (z. B. bei Entwicklungshilfe, Katastrophenschutz und medizinisches Personal).
- Kinder und Jugendliche sowie Personen in Studium und Ausbildung vor Langzeitaufenthalten in Ländern, die eine Impfung gegen MenB empfehlen.
- Ungeimpfte Haushaltsmitglieder von Erkrankten sowie Personen mit engem haushaltsähnlichem Kontakt, falls die Infektion beim Erkrankten durch Meningokokken A, C, W, Y oder B verursacht wurde.
- Bei gehäuftem Auftreten von Meningokokken-Erkrankungen oder Ausbrüchen können von den Gesundheitsbehörden Impfungen für Personen im Umfeld empfohlen werden.
Personen aller Altersgruppen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Meningokokken-Erkrankung besteht, wird die Impfung mit einem Meningokokken-Kombinationsimpfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Außerdem sollten sie gegen Meningokokken B geimpft werden, wenn dies im Säuglings- oder Kleinkindalter noch nicht erfolgt ist.
Reiseimpfungen
Impfungen gegen Meningokokken ACWY und/oder Meningokokken B können als Reiseimpfungen sinnvoll sein.
Impfstoffe
Für die Serogruppen B und C sind in Deutschland jeweils monovalente Impfstoffe (Einzelimpfstoffe) zugelassen sowie quadrivalente Impfstoffe (Vierfachimpfstoffe) gegen die 4 Serogruppen A, C, W, und Y (MenACWY).
Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen
Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Wie bei jeder Impfung können jedoch Nebenwirkungen auftreten, die je nach verwendetem Impfstoff etwas verschieden und unterschiedlich häufig sind. Durch die Anregung der körpereigenen Abwehr können für kurze Zeit vorübergehende Impfreaktionen auftreten, die in der Regel nach wenigen Tagen ohne Folgen wieder abklingen. Dazu zählen:
- Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle.
- Fieber.
- Kopfschmerzen.
- Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Allgemeines Unwohlsein.
Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Beispielsweise kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern zu einem Fieberkrampf kommen, der in der Regel jedoch ohne Folgen bleibt. Auch allergische Reaktionen sind möglich.
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