Die Meningitis, eine Entzündung der Hirnhäute, kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien und Viren. Impfungen stellen einen wirksamen Schutz gegen einige bakterielle Formen der Meningitis dar. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Impfempfehlungen gegen Meningitis für unterschiedliche Altersgruppen, basierend auf den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und aktuellen epidemiologischen Daten.
Hib-Impfung (Haemophilus influenzae Typ b)
Was ist Hib?
Eine Infektion mit Haemophilus influenzae Typ b (Hib) kann besonders bei Säuglingen und Kleinkindern schwer verlaufen und eine bakterielle Hirnhaut- oder Kehldeckelentzündung verursachen. Zum Schutz wird eine möglichst frühzeitige Impfung empfohlen.
Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei werden erregerhaltige Tröpfchen, die beim Husten und Niesen oder auch beim Sprechen versprüht werden, von anderen eingeatmet. Eine Weiterverbreitung ist aber auch durch eine Schmierinfektion über Gegenstände möglich, an die erregerhaltige Atemwegssekrete gelangt sind, zum Beispiel wenn Trinkgläser gemeinsam benutzt werden. Ansteckungsgefahr besteht, solange Bakterien nachweisbar sind, manchmal auch, nachdem die Beschwerden abgeklungen sind. 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie sind Erkrankte nicht mehr ansteckend.
Erkrankungen durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) zählen zu den schwersten Infektionskrankheiten im Kleinkindalter. Aber auch Jugendliche und Erwachsene können erkranken. Schwere (invasive) Erkrankungen sind dank Impfungen selten geworden. Bei schwerem Verlauf kann eine Infektion mit Hib zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), Entzündung des Kehldeckels, Lungenentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) führen. Eine Hirnhautentzündung zeigt sich durch plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Erbrechen, Lethargie und eine aufgetriebene Fontanelle bei Säuglingen oder eine Nacken- und Rückensteifigkeit bei älteren Kindern. Kehldeckelentzündungen verursachen ebenfalls hohes Fieber sowie Schluckbeschwerden und Atemnot. Die Erkrankungen können mit Antibiotika behandelt werden. Die Behandlung muss schnellstmöglich begonnen werden, da sich innerhalb kürzester Zeit lebensgefährliche Komplikationen entwickeln können, vor allem im ersten Lebensjahr. Eine Hirnhautentzündung kann zu bleibenden Schäden führen. Durch eine Schwellung des Kehldeckels kann es zu Erstickungsanfällen kommen, die zum Tod führen können.
Empfohlene Altersgruppen und Impfschema
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) für alle Säuglinge. Es gibt noch weitere Typen von Haemophilus influenzae, gegen die jedoch keine Impfungen zur Verfügung stehen. Die Impfung gegen Hib im Säuglingsalter erfolgt üblicherweise mit 6-fach-Impfstoff, der auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Polio (Kinderlähmung) und Hepatitis B schützt.
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- Säuglinge: Bei reifgeborenen Säuglingen werden 3 Teilimpfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen. Frühgeborene sollen 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten erhalten. Für einen langanhaltenden Schutz ist es wichtig, dass zwischen der vorletzten und letzten Impfung ein Abstand von 6 Monaten nicht unterschritten wird.
- Nachholimpfung: Versäumte Impfungen sollen baldmöglichst nachgeholt werden. Die Nachholimpfung gegen Hib wird für alle Kinder unter 5 Jahren empfohlen. Wird eine Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b im Alter von 1 bis 4 Jahren nachgeholt, ist eine einmalige Impfung ausreichend.
- Risikogruppen: Ab dem Alter von 5 Jahren erfolgt die Impfung gegen Hib nur in Ausnahmefällen. Dazu zählen Personen, die keine oder keine funktionsfähige Milz haben (anatomische oder funktionelle Asplenie). Im August 2025 hat die STIKO ihre Empfehlungen erweitert und sieht die Hib-Impfung auch für Personen vor, die im Rahmen eines Ausbruchsgeschehens einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind und die ein medizinisch begründbares erhöhtes Risiko für eine schwere (invasive) Hib-Erkrankung haben. Ein solches erhöhtes Risiko besteht beispielsweise bei Asplenie, bei chronischer Leber- oder Nierenerkrankung sowie bei Mangelernährung oder aufgrund von Drogenkonsum oder prekärer Wohnsituation beziehungsweise Wohnungslosigkeit. Für diese Personengruppen wird eine einmalige Impfung empfohlen.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei jeder Impfung sind Nebenwirkungen möglich. Nach der 6-fach-Impfung kommt es als sehr häufige Impfreaktion durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe an. Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können ebenfalls auftreten. Hohes Fieber ab 39°C ist häufig. Solche Impfreaktionen sind vorübergehend und klingen in der Regel nach wenigen Tagen folgenlos wieder ab. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffs sind möglich. Als weitere Nebenwirkung wurde in Einzelfällen ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand („hypoton-hyporesponsive Episode; HHE“) beobachtet. Dabei erschlaffen die Muskeln des Kindes und es ist nicht ansprechbar. Dieser Zustand bildet sich schnell und folgenlos wieder zurück.
Bei Fragen rund um die Impfung wenden Sie sich am besten an Ihre Arztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt wird Sie vor der Impfung über Nutzen und mögliche Risiken aufklären.
Meningokokken-Impfung
Meningokokken sind Bakterien, die schwere invasive Erkrankungen wie Sepsis, Meningitis oder Pneumonien hervorrufen können.
Empfohlene Altersgruppen und Impfschema
Die STIKO hat ihre Standard-Impfempfehlungen zur Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen aktualisiert. Hauptverursacher für invasive Erkrankungen sind in Deutschland die vier Untergruppen der Meningokokken (Serogruppen) B, C, W und Y. Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Serogruppe:
- Serogruppe B: Unverändert bleibt die Empfehlung für die Grundimmunisierung gegen Meningokokken der Serogruppe B. Danach sollen Säuglinge frühzeitig - im Alter von 2, 4 und 12 Monaten - gegen Meningokokken der Serogruppe B geimpft werden.
- Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY): Ab sofort wird allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) mit einer Dosis eines quadrivalenten Konjugatimpfstoffs empfohlen. Nachholimpfungen sind bis zum 25. Lebensjahr möglich. Für die Erstattung der Impfung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist jedoch zunächst noch die Aufnahme in die Schutzimpfungsrichtlinie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss notwendig. Die STIKO hat zudem die bisherige Standardimpfung gegen Meningokokken C (MenC) im Kleinkindalter aufgehoben.
Epidemiologische Daten zeigen, dass Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren neben Säuglingen das höchste Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen aufweisen. Die Impfung in der Altersgruppe 12 bis 14 Jahre ermöglicht einen frühzeitigen Immunschutz und reduziert die Krankheitslast durch diese Serogruppen.
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FSME-Impfung (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Was ist FSME?
FSME-Viren werden in der Regel durch Zeckenstiche übertragen. FSME steht für "Frühsommer-Meningoenzephalitis". Die Erkrankung kann Entzündungen des Gehirns, der Gehirnhaut oder des Rückenmarks verursachen. Eine FSME verläuft bei Kindern meist leichter als bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen. Aber auch bei Kindern kann die Krankheit schwer verlaufen. FSME tritt in Deutschland vor allem in Bayern und Baden-Württemberg auf. Aktuell sind 183 Kreise als FSME-Risikogebiete vom Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesen. Zecken sind mittlerweile ganzjährig aktiv, meist aber im Frühling und Herbst.
FSME-Viren werden vor allem durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Sehr selten wird auch von einer Ansteckung durch den Verzehr von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. In Deutschland kommt FSME vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Thüringen, in Südhessen, in Sachsen und Brandenburg vor. Weitere Risikogebiete finden sich in Sachsen-Anhalt (Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Stadtkreis Dessau-Roßlau), in Niedersachsen (Emsland), in Nordrhein-Westfalen (Stadtkreis Solingen), in Mittelhessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf) in Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld) und im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis). Nun sind drei Risikogebiete hinzugekommen: In Bayern kommen der Stadtkreis Augsburg und in Brandenburg der Landkreis Elbe-Elster als Risikogebiete hinzu, in Niedersachsen wird der Landkreis Celle zum Risikogebiet. Somit sind aktuell 183 Kreise als FSME-Risikogebiete benannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht in jedem Frühjahr eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland. Auch außerhalb der Risikogebiete werden in Deutschland vereinzelte FSME-Infektionen beobachtet, sodass besonders während der Zeckensaison stets an FSME gedacht werden sollte, wenn Symptome auftreten. Die Hauptübertragungszeit der FSME liegt zwischen April und November, bei mildem Wetter vereinzelt auch im Winter. Krankheitsübertragende Zecken kommen in Mitteleuropa bis in Höhen von 1.500 m vor. In den vergangenen Jahren lag die Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen in Deutschland jährlich zwischen 195 (2012) und 718 (2020). Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 478 FSME-Fälle gemeldet, 2024 waren es 687 Fälle. Die Mehrzahl (98 %) der 2024 übermittelten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft, das heißt die Grundimmunisierung war unvollständig oder Auffrischimpfungen fehlten.
FSME tritt auch in zahlreichen weiteren Ländern auf. In den Nachbarländern besteht ein Infektionsrisiko vor allem in Tschechien und Österreich sowie in großen Teilen Polens und der Schweiz. Auch in Frankreich und den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren vereinzelt FSME-Fälle beschrieben. Auch für Reisen außerhalb Europas nach Asien besteht ein bekanntes, zum Teil hohes Infektionsrisiko für eine FSME bei Zeckenexposition: Russland (Sibirien), Mongolei, Nord-China, Nord-Japan.
FSME verläuft bei Kindern meist leichter als bei Erwachsenen und älteren Jugendlichen. Etwa ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich treten zunächst für wenige Tage grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel auf, die sich nach einigen Tagen wieder zurückbilden. In den meisten Fällen ist danach die Krankheit überstanden. In einem zweiten Krankheitsgipfel können Zeichen einer Gehirnhautentzündung mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Erbrechen auftreten. Das Gehirn selbst und das Rückenmark werden bei Kindern aber seltener angegriffen als bei Erwachsenen. Meist heilt die Krankheit auch nach schweren Krankheitsverläufen ohne bleibende Schäden aus. Bei etwa einem Viertel der erkrankten Kinder kann es zu einer schweren Erkrankung kommen, die bei etwa zwei von 100 erkrankten Kindern Langzeitschäden an Gehirn und Nerven verursacht. Im Jugendalter und bei Erwachsenen steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Eine ursächliche Behandlung gegen FSME gibt es nicht. Es können nur die Krankheitszeichen, wie zum Beispiel das Fieber, behandelt werden. Auch wenn FSME besonders bei Kleinkindern seltener auftritt und leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft, kann das Virus doch in einigen Fällen zu einer schweren Erkrankung, manchmal mit langanhaltenden Schäden führen.
Empfohlene Altersgruppen und Impfschema
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden können, sowie Personen, die in der Forst- oder Landwirtschaft oder im Labor arbeiten und so durch FSME beruflich gefährdet sind, einen Impfschutz gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit.
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- Kinder: Kinder können ab dem ersten Geburtstag gegen FSME geimpft werden. Bei Kindern unter drei Jahren kann es durch die Impfung in bis zu 15 Prozent der Fälle zu einer Fieberreaktion kommen. Deshalb sollte in diesem Alter mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprochen werden, wie hoch das tatsächliche Ansteckungsrisiko für das Kind im Einzelfall ist. Die STIKO empfiehlt eine Impfung allen Personen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort wohnen und von Zecken gestochen werden könnten. Dies gilt für alle, die sich in der Natur aufhalten wie Spaziergänger, Camper, Jogger oder Kinder, die oft im Freien spielen. Auch Stadtparks und Gärten sind Lebensräume für Zecken.
- Grundimmunisierung: Für den Aufbau des Impfschutzes sind drei Impfungen erforderlich. Nach dem üblichen Impfschema wird, je nach verwendetem Impfstoff, zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten Impfung die zweite Impfdosis verabreicht. Eine dritte Impfung erfolgt dann nach weiteren 5 bis 12 oder 9 bis 12 Monaten. Der Impfschutz hält dann mindestens 3 Jahre. Um schon zu Beginn der Zeckensaison im Frühjahr geschützt zu sein, ist es sinnvoll, mit der Impfserie in den Wintermonaten zu beginnen. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht bei den meisten Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison zunächst ausreichend ist. Für eine länger anhaltende Schutzwirkung ist die dritte Impfung erforderlich. Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko soll eine erste Auffrischungsimpfung in der Regel nach 3 Jahren erfolgen, bei Kindern je nach verwendetem Impfstoff bzw. Impfschema eventuell bereits nach 12 bis 18 Monaten. Weitere Auffrischungen sind für Kinder alle 5 Jahre empfohlen. Auch wenn eine Auffrischimpfung erst Jahre nach dem empfohlenen Impfzeitpunkt verabreicht wird, bietet sie je nach Lebensalter wieder 3 bis 5 Jahre Schutz (s. Fachinformationen).
- Schnellimmunisierung: Wird ein besonders schneller Schutz benötigt, zum Beispiel bei kurzfristig geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete, kann eine Impfung nach dem sogenannten Schnellschema durchgeführt werden. Hierbei hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Es sind zwei bis drei Impfungen nötig. Ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre kann damit schon 3 bis 5 Wochen nach der ersten Impfung erreicht werden. Je nach verwendetem Impfstoff wird eine vorgezogene Auffrischungsimpfung erforderlich. Bitte fragen Sie Ihre Kinderärztin bzw. Ihren Kinderarzt nach dem am besten geeigneten Impfschema.
Mögliche Nebenwirkungen
Am häufigsten werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle beschrieben. Diese Beschwerden treten auch bei anderen Impfungen auf und zeigen, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Innerhalb der ersten vier Tage nach der Impfung können Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung und Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen. Sehr selten werden Missempfindungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln beobachtet. Kinder unter 3 Jahren entwickeln in bis zu 15 Prozent der Fälle Fieberreaktionen nach der FSME-Impfung. Deshalb sollten in diesem Alter der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit den Eltern das Ansteckungsrisiko prüfen. In der Regel klingen die beschriebenen Reaktionen auf die Impfung schnell und folgenlos wieder ab. Sie treten vor allem bei der ersten Impfung, seltener bei den Folgeimpfungen auf. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche
Zusätzlich zur Impfung sollten allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen beachtet werden. Dazu gehört das Tragen geschlossener Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt) in der Natur, denn Zecken sitzen häufig in hohem Gras, im Gebüsch, Laub oder Unterholz. Entgegen der weitverbreiteten Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen auf Menschen oder Tiere herabfallen. Auch zeckenabweisende Mittel, auf unbedeckte Hautstellen und Kleidung aufgetragen, bieten einen gewissen Schutz, der aber nur wenige Stunden anhält. Zecken krabbeln meist eine gewisse Zeit umher, bis sie eine passende Einstichstelle an der Haut gefunden haben. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Kleidung und Körper deshalb sorgfältig nach Zecken abgesucht werden, um diese möglichst noch vor dem Stechen zu entfernen. Insbesondere bei Kindern können die Zecken am Haaransatz sitzen.
Zecken können neben der FSME auch noch verschiedene andere Krankheiten, insbesondere die sogenannte Borreliose, übertragen. Diese Krankheit wird durch Bakterien verursacht und tritt in allen Teilen Deutschlands auf. Sie kann unerkannt und unbehandelt zu chronischen Schädigungen unter anderem des Herzens, der Nerven und der Gelenke führen. Leider gibt es gegen diese Krankheit bisher noch keine Impfung. Die Borreliose kann aber, im Gegensatz zur FSME, mit bestimmten Antibiotika behandelt werden. Die Erreger der Borreliose gehen meist erst nach einer mehrstündigen Saugzeit der Zecke auf den Menschen über. Deshalb sollten nach dem Aufenthalt in der freien Natur Körper und Kleidung sorgfältig nach Zecken abgesucht und diese so schnell wie möglich entfernt werden. Gegen die FSME ist diese Maßnahme leider nicht so wirksam, da die FSME-Viren schon zu Beginn des Zeckenstichs übertragen werden können.
Zusätzliche Informationen zu Impfungen
Impfungen enthalten entweder einen Bruchteil des Erregers, oder einen Erreger, der selber nicht krankmachen kann, dem echten Erreger aber sehr ähnlich ist. Das Immunsystem baut nach Kontakt mit der Impfung Abwehrstoffe (Antikörper) auf. Wird ein Mensch mit dem echten Erreger infiziert, machen die gebildeten Abwehrstoffe diesen unschädlich, oder verhindern dessen Ausbreitung. Impfungen werden in der Regel in den Muskel gespritzt oder oral, also über den Mund, eingenommen. Die meisten erzeugen einen guten Schutz schon nach der ersten Impfung. Durch eine Wiederholung im richtigen Abstand wird der Schutz gegen die Infektion verstärkt und hält jahrelang, wenn nicht sogar das ganze Leben.
Der richtige Zeitpunkt für Standardimpfungen ist im sogenannten Impfkalender der STIKO festgelegt. Die STIKO ist die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut und wird vom Bundesgesundheitsministerium berufen. Die Empfehlung der STIKO wird einmal im Jahr auf ihre Richtigkeit und Aktualität geprüft und zum Teil geändert. Der Impfkalender reicht vom Säuglingsalter bis zu Senior:innen, also über die gesamte Lebensspanne.
Im Säuglings- und Kleinkindalter werden Impfungen bei den Vorsorgeuntersuchungen für das gelbe U-Heft besprochen und meistens auch durchgeführt. Daraus ergibt sich ein Impfplan. Die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung werden vor jeder Injektion besprochen.
Die erste Schutzimpfung ist bereits für die sechste Lebenswoche vorgesehen. Sie wird oral verabreicht und schützt vor dem Rotavirus. Ohne Impfung kann eine Infektion im Säuglingsalter sehr gefährlich sein. Wenn der Säugling zwei Monate alt ist, steht die erste Kombinationsimpfung an: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus Influenza B, Hepatitis B, Kinderlähmung (Polio) und Pneumokokken. Als Kombinationsimpfung wird die gleichzeitige Verabreichung mehrerer Impfstoffe bezeichnet, die sich gegen verschiedene Erreger richten. Diese Impfstoffe heißen Kombinationsimpfstoffe. Darüber hinaus empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten eine Impfung gegen Meningokokken B (MenB). Ab dem ersten Geburtstag sollte dann eine Immunisierung gegen Meningokokken C (Hirnhautentzündung), Windpocken, Masern, Mumps und Röteln folgen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kombinationsimpfung. Im Alter von 14 Monaten sollte ein Kind die sogenannte Grundimmunisierung erreicht haben.
Einige Impfungen müssen im Jugend- und/oder Erwachsenenalter aufgefrischt werden. Dazu zählen zum Beispiel der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre. Wurden Impftermine im Kindesalter vergessen oder verpasst, können fehlende Impfungen, wie Hepatitis B oder die Masernimpfung nachgeholt werden. Um dies zu vermeiden, empfehlen unsere Expert:innen, den Impfpass sehr sorgfältig zu führen.
Besondere Impfungen im Kinder-und Jugendalter, wie zum Beispiel eine Impfung gegen Grippe-Viren oder eine Immunisierung gegen Windpocken sowie Reiseimpfungen sollten individuell mit den behandelnden Ärzt:innen besprochen werden.
Eine vollständige Grundimmunisierung schützt nicht nur das Kind selbst. Auch andere Kinder in der Kita oder der Schule, wie auch die Geschwister und Eltern, sind dadurch vor Krankheiten besser geschützt. Wenn 95 Prozent aller Personen, die miteinander Kontakt haben oder miteinander leben, geimpft sind, nennt man das Herdenimmunität. Notwendig sind Impfraten von über 95 Prozent, um Krankheiten wie die Masern zu eliminieren. Ziel muss es nun allerdings sein, die Impfprävention insgesamt zu stärken. Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung stehen laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) dem Thema Impfen kritisch gegenüber. Prof. Dr. Wirth sieht hier die Herausforderung. Dieser Bevölkerungsanteil sei „zwar skeptisch gegenüber Impfungen, in der Praxis aber zumeist diskussionsbereit und letztlich offen gegenüber Impfungen.
Seit 2007 gibt es die Möglichkeit und die klare Empfehlung, Mädchen und Jungen ab dem neunten Lebensjahr gegen HPV (Humanes Papillomavirus) impfen zu lassen. Die Impfung gilt als gut verträglich und wurde in den letzten zwölf Jahren über 270 Millionen Mal verabreicht. Die Virus-Infektion wird durch Sexualkontakt übertragen und heilt meistens aus. Die Viren bleiben aber weiterhin im Genitalbereich nachweisbar und ansteckend, selbst, wenn sich die Betroffenen kerngesund fühlen. Die Infektion mit HPV kann Mädchen und Jungen betreffen, oder aber Frauen und Männer. Je nach Impfstoff tritt bei etwa 20 Prozent der Geimpften eine leichte Rötung oder Schwellung der Impfstelle auf. Diese ungefährlichen Impfreaktionen an der Einstichstelle zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen leichte Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder auch Übelkeit und Durchfall. Diese betreffen weniger als 10 Prozent der Geimpften. Nach Impfungen mit Lebendimpfstoffen, wie dem Mumps- Masern-, Röteln-Impfstoff kann selten eine schwache Form der Masern auftreten. Allgemein gilt Impfen als sehr sicher. Die Verträglichkeit von Impfstoffen wird bei der Zulassung genau überprüft und auch im Nachgang überwacht.
In Deutschland ist die Kostenübernahme für Standardimpfungen für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen geregelt. Immer vorausgesetzt, die jeweilige Impfung wurde vorher genau auf ihre Sicherheit geprüft.
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