Die Frage nach dem Gesundheitszustand von Bundeskanzlerin Angela Merkel rückte im Laufe ihrer Amtszeit immer wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, insbesondere durch wiederholte Episoden von unkontrolliertem Zittern. Diese Vorfälle lösten nicht nur in Deutschland, sondern auch international Besorgnis und Spekulationen über die Ursachen und möglichen Auswirkungen auf ihre Amtsführung aus.
Öffentliches Interesse an Merkels Gesundheit
Millionen Deutsche waren beunruhigt, als Angela Merkel bei einem Staatsbesuch unkontrolliert zu zittern begann. Die Frage, die sich viele stellten: Wie steht es um die Gesundheit der Kanzlerin?
Die Zitteranfälle der Kanzlerin beunruhigten viele, und sie will offenbar lieber auf Nummer sicher gehen und weitere Aufnahmen dieser Art unbedingt vermeiden. Am Dienstag nahm sie bereits das zweite Mal bei einem öffentlichen Empfang teil - und saß dabei. Beim Abspielen der Nationalhymnen vor dem Kanzleramt in Berlin saßen sie und die moldauische Ministerpräsidentin Maia Sandu am Dienstag auf Stühlen mit weißem Stoffbezug.
Die Zitteranfälle: Beobachtungen und Reaktionen
Innerhalb weniger Wochen wurden drei starke Zitteranfälle während ihrer Auftritte beobachtet. Die Kanzlerin selbst versicherte der Öffentlichkeit wiederholt, dass es ihr "sehr gut" gehe und sie voll leistungsfähig sei. Nach dem Anfall auf der Pressekonferenz mit Antti Rinne meldete sich Merkel selbst zu Wort: "Ich möchte gleich zu Beginn sagen, mir geht es gut", so Merkel. Auch an ihrer Leistungsfähigkeit zweifelt sie nicht: "Ansonsten bin ich ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin."
Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer hat gesundheitliche Probleme bei Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz des neuen Anfalls bestritten. „Der Bundeskanzlerin geht es gut“, versicherte Demmer mehrfach. Zu möglichen Ursachen und eventuellen ärztlichen Untersuchungen wollte sich Demmer nicht äußern. Die Zitter-Anfälle schürten die Sorge, dass es nicht gut um die Gesundheit der Kanzlerin stehe, was sie dementierte. „Mir geht es gut“, betonte sie hinterher mehrfach. Und weiter: „Ich bin überzeugt, so wie diese Reaktion aufgetreten ist, so wird sie auch wieder vergehen.“
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Medizinische Erklärungsansätze für Tremor
Mediziner definieren Zittern als Tremor, eine unwillkürliche rhythmische Oszillation eines oder mehrerer Körperabschnitte. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist der Tremor ein Symptom und ätiologisch heterogen, was bedeutet, dass er unterschiedliche Ursachen haben kann.
Die Ursachen für Zittern können vielfältig sein und reichen von harmlosen körperlichen Reaktionen bis hin zu Anzeichen ernsthafter Erkrankungen. Wer friert oder Angst hat, kennt das, wenn sich Muskelgruppen unkontrolliert zusammenziehen. Das ist eine völlig natürliche Köperreaktion und harmlos. Es kann aber auch mehr dahinterstecken.
Häufige Tremorformen
- Verstärkter physiologischer Tremor: Diese Form zeichnet sich durch ein hochfrequentes Zittern von mehr als 6 Hertz aus. Ursachen können Schilddrüsenfehlfunktionen, Vitamin-B12-Mangel, niedriger Kalziumspiegel im Blut, Niereninsuffizienz, Erschöpfung oder Stress sein. Auch Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Schilddrüsenhormone sowie Vergiftungen können Zittern auslösen.
- Essentieller Tremor: Betroffene haben meist Beschwerden mit Halte- und Aktionstremor. Die Symptome nehmen im Laufe der Zeit langsam zu. Das Zittern betrifft verschiedene Körperregionen unterschiedlich häufig: Hände (94 Prozent), Kopf (33 Prozent), Stimme (16 Prozent), Gesicht (3 Prozent), Beine (12 Prozent) und Rumpf (3 Prozent). Fehlfunktionen in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im Kleinhirn, werden als mögliche Ursachen diskutiert.
- Tremor bei Parkinson-Syndromen: Das typische Zittern tritt bereits in Ruhe auf und gilt als eines der zuverlässigsten Kriterien für die Diagnose von Morbus Parkinson. Die Parkinson-Syndrome umfassen verschiedene Formen der Erkrankung, die sich durch unterschiedlich ausgeprägten Tremor kennzeichnen.
Seltenere Tremorformen
Neben den genannten häufigen Arten des Zitterns gibt es seltenere Formen: Dazu zählt beispielsweise der zerebelläre Tremor, synonym verwendet mit Intentionstremor. Als häufigste Ursachen hierfür gelten die Multiple Sklerose und andere Erkrankungen des Kleinhirns.
Orthostatischer Tremor als mögliche Diagnose
Ein Neurologe äußerte die Vermutung, dass es sich bei Merkels Symptomen um einen orthostatischen Tremor handeln könnte, eine harmlose Erkrankung, die sich durch Zittern im Stehen äußert. Die Ursache dafür ist nicht genau bekannt und wird im Hirnstamm vermutet. Vereinzelt findet sich eine familiäre Vorbelastung. Mediziner diskutieren zudem verstärkende Faktoren wie einen Vitamin-B12-Mangel.
Betroffene beginnen beispielsweise, im Stehen zu zittern, werden aber wieder ruhig, sobald sie gehen. Ein solches Zittern ließe sich also durch Treten auf der Stelle größtenteils unterdrücken. Die Therapie des orthostatischen Tremors sei einfach - eventuell mühsam: „Er lässt sich unter anderem mit Benzodiazepinen behandeln“, erklärt der Facharzt. Diese haben teils Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit. Da gilt es oft verschiedene Präparate auszuprobieren. „Dann ist die Erkrankung aber gut therapierbar.“ Heilbar sei sie allerdings nicht - der Patient müsse die Medikamente oft ein Leben lang nehmen. Sobald er sie absetze, könne das Zittern zurückkommen. Zu einer starken Behinderung oder Beeinträchtigung des Nervensystems führt die Krankheit in der Regel nicht.
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Psychologische Aspekte und Stress
Neben organischen Ursachen können auch psychologische Faktoren wie Stress und großer Druck zu Zittern führen. Stress löst Zittern aus, denn dann wird Adrenalin im Körper ausgeschüttet: „Adrenalin gibt dem Nervensystem Sympathikus Bescheid, das den Körper auf Kampf oder Flucht einstellt. Dafür wird Muskelkraft gebraucht und eine ganze Menge Muskeln werden im Körper aktiviert.“ Wenn sich ungezählte Muskeln blitzschnell anspannen und wieder entspannen, kommt es zum Zittern. Handlungsbedarf bestehe aber nur, wenn das Zittern nicht mehr verschwindet.
Politiker stehen unter großem Handlungsdruck und ständiger Beobachtung, was zu einem "schleichenden Verschleiß" führen kann.
Merkels Memoiren: Einblick in persönliche Belastungen
In ihren Memoiren offenbarte Angela Merkel, dass ihre Zitteranfälle möglicherweise mit dem Tod ihrer Mutter und dem damit verbundenen Stress zusammenhingen. Eine Osteopathin erklärte ihr, dass ihr Körper Spannungen abbaute, die sich über lange Zeit aufgebaut hatten. Sie habe danach „kaum Zeit zum Trauern gefunden“ - auch nicht „im Prozess des Loslassens von meinen Ämtern“.
Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Politik
Unabhängig von den Ursachen für Merkels Zittern lenkte die öffentliche Debatte die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von psychischer Gesundheit und den Umgang mit Stress und Belastungen, insbesondere in politischen Führungspositionen.
Merkel betonte die Notwendigkeit, über Depressionen aufzuklären und Gespräche mit Arbeitgebern darüber zu führen. Viele Menschen trauten sich nicht, über Depressionen zu sprechen und kehrten eine Erkrankung unter den Teppich, sagte Merkel heute bei einer mit internationalen Experten besetzten Konferenz im Kanzleramt unter dem Titel „Was Menschen wichtig ist - Globale Gesundheit und Innovation“.
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