Papillenanalyse: Ein umfassender Überblick über Diagnose und Management des Glaukoms

Einführung

Das Glaukom, auch bekannt als Grüner Star, ist eine tückische Augenerkrankung, die durch den fortschreitenden Verlust von Nervenfasern gekennzeichnet ist, die visuelle Informationen vom Auge zum Gehirn übertragen. Dieser Verlust führt zu einer zunehmenden Aushöhlung (Exkavation) des Sehnervenkopfes (Papille). In Deutschland ist das Glaukom die zweithäufigste Ursache für Erblindung und für etwa 15 Prozent aller Erblindungen verantwortlich. Da die Krankheit oft unbemerkt fortschreitet, ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung entscheidend, um das Sehvermögen zu erhalten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Papillenanalyse, die eine zentrale Rolle bei der Diagnose und dem Management des Glaukoms spielt.

Was ist das Glaukom?

In den meisten Fällen wird das Glaukom durch einen erhöhten Augeninnendruck verursacht, der meist auf eine Störung des Abflusses des Kammerwassers zurückzuführen ist. Es gibt jedoch verschiedene Unterformen des Glaukoms, die sich in Ursprung und Verlauf unterscheiden. Im Gegensatz zum Glaukom, das sich langsam entwickelt, tritt der Winkelblock, früher auch als Glaukomanfall bezeichnet, plötzlich auf und ist oft sehr schmerzhaft. Hierbei kommt es zu einem plötzlichen Erliegen des Kammerwasserabflusses, was in der Regel eine sofortige chirurgische Behandlung erfordert.

Bedeutung der Früherkennung

Da das Glaukom in den frühen Stadien keine Symptome verursacht, ist die Früherkennung von entscheidender Bedeutung. Augenärzte empfehlen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere für Personen mit Kurzsichtigkeit, Glaukomerkrankungen in der Familie oder ab einem Alter von 40 Jahren. Diese Untersuchungen umfassen eine gründliche Untersuchung der Papille, die Messung des Augeninnendrucks und gegebenenfalls die Messung der Hornhautdicke.

Standarduntersuchungen zur Glaukomdiagnose

Untersuchung der Papille (Ophthalmoskopie)

Die Untersuchung der Papille ist ein grundlegender Bestandteil der Glaukomdiagnostik. Hierbei betrachtet der Augenarzt den Augenhintergrund mit einem Ophthalmoskop, um den Sehnervenkopf zu beurteilen. Typische Anzeichen für ein Glaukom sind eine Aushöhlung der Papille (Exkavation), eine Abnahme der Zellen des neuroretinalen Randsaums (NRR), der retinalen Nervenfaserschicht (RNF) und der Dicke der Ganglienzellschicht rund um die Papille.

Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)

Die Messung des Augeninnendrucks ist ein wichtiger Schritt zur Früherkennung des Glaukoms. Der normale Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 22 mmHg. Es gibt verschiedene Geräte zur Messung des Augeninnendrucks, darunter solche, die das Auge berühren (Applanationstonometer nach Goldmann) und solche, die das Auge nur durch einen Luftstrahl berühren (Non-Contact-Tonometer). Da der Augeninnendruck tageszeitlichen Schwankungen unterliegt, kann es sinnvoll sein, ein Tagesdruckprofil oder ein 24-Stunden-Druckprofil zu erstellen.

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Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)

Die Gesichtsfelduntersuchung dient dazu, Funktionsverluste durch das Glaukom nachzuweisen. Dabei werden dem Auge optische Reize an verschiedenen Stellen des Gesichtsfelds präsentiert, und es wird festgehalten, an welchen Punkten der Patient die Reize wahrgenommen hat. Aus den wahrgenommenen Testpunkten lässt sich ein Bild erstellen, das über Ausfälle im Gesichtsfeld Aufschluss gibt.

Untersuchung des Kammerwinkels (Gonioskopie)

Die Gonioskopie dient zur Beurteilung des Kammerwinkels, über den das Kammerwasser aus dem Auge abfließt. Nach Gabe eines Betäubungstropfens wird ein Kontaktglas (Gonioskop) auf das Auge aufgesetzt, um den Kammerwinkel einzusehen und strukturelle Veränderungen zu erkennen.

Moderne Bildgebende Verfahren zur Papillenanalyse

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die Optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein modernes bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Querschnittsbilder von Gewebestrukturen im Auge erstellt. Mit der OCT können die einzelnen Zellschichten der Papille und der Netzhaut bildlich dargestellt und ihre jeweilige Dicke vermessen werden. Die moderne Spectral-Domain-Technik ermöglicht eine Auflösung von nur 6 µm. Die OCT ist besonders wertvoll für die frühzeitige Diagnose und die Überwachung des Krankheitsverlaufs beim Glaukom.

Die OCT ermöglicht:

  • Schichtweise Darstellung: Hochauflösende Abbildung der Papille und der umliegenden Netzhautschichten.
  • Dickenmessung der RNFL: Messung der Dicke der Nervenfaserschicht rund um die Papille.
  • Analyse der Ganglienzellen: Untersuchung der Ganglienzellschicht in der Makula (GCC).
  • Räumliche Darstellung: 3D-Darstellung des Sehnervenkopfes zur besseren Erkennung struktureller Veränderungen.
  • Früherkennung und Monitoring: Verfolgung des Krankheitsverlaufs durch wiederholte Messungen.

Laser-Scanning-Tomographie (HRT)

Die Laser-Scanning-Tomographie (HRT) ist ein computergestütztes optisches System, das den Sehnerven genau vermessen kann. Ein schwacher Laserstrahl tastet die Papille und die sie umgebende Netzhaut ab, wodurch ein dreidimensionales Reliefbild entsteht. Mit dem HRT lassen sich schon sehr frühe Veränderungen feststellen und der Fortschritt der Krankheit genau analysieren.

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Scanning-Laser-Polarimetrie (GDxVCC)

Die Scanning-Laser-Polarimetrie (GDxVCC) misst mit polarisiertem Licht die Dicke der Nervenfaserschicht. Auch mit dieser Methode können schon kleinste Veränderungen dokumentiert und mit den Ergebnissen früherer Kontrolluntersuchungen verglichen werden.

Stereofotografie

Bei der Stereofotografie wird der Sehnerv aus zwei unterschiedlichen Winkeln fotografiert. Mit speziellen Stereobetrachtern können diese Fotos dreidimensional betrachtet werden, um die räumliche Struktur des Sehnervs genau zu beurteilen.

Einfluss der Hornhautdicke auf die Augeninnendruckmessung

Die Dicke der Hornhaut kann die Messung des Augeninnendrucks beeinflussen. Eine unterdurchschnittlich dünne Hornhaut kann zu einer zu niedrigen Messung führen, während eine überdurchschnittlich dicke Hornhaut den Augeninnendruck fälschlicherweise erhöht. Daher kann eine Messung der Hornhautdicke hilfreich sein, um den gemessenen Augeninnendruckwert richtig einzuschätzen.

Therapie des Glaukoms

Ziel der Glaukomtherapie ist es, den Augeninnendruck zu senken, um den Sehnervenkopf zu entlasten und ein weiteres Absterben der Nervenfasern zu verhindern. In den meisten Fällen genügen Augentropfen, um den Augeninnendruck zu senken. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Laserverfahren (Zyklophoto- und Zyklokryokoagulation, Laser-Iridektomie) oder chirurgische Eingriffe (chirurgische Iridektomie, fistulierende Operationen mit antiproliferativen Substanzen, MIFGs mit Drainage-Implantaten wie XEN oder PreserFlo).

Innovationen in der Glaukomdiagnostik und -überwachung

Implantierbare Drucksensoren

Eine neue Qualität der Druckkontrolle rund um die Uhr ermöglichen ins Auge implantierte Druckmess-Sensoren wie der Eyemate. Dieser Sensor wird im Rahmen einer Operation des Grauen Stars implantiert und ermöglicht die kontinuierliche Messung des Augeninnendrucks. Der Patient kann die Daten mit einem Lesegerät auslesen und an den Augenarzt übermitteln. Die neueste Generation dieses Chips, der Eyemate SC, kann unabhängig von einer Kataraktoperation in einem minimal-invasiven Eingriff unter die Lederhaut eingebracht werden.

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