Metamizol zur Behandlung von Migräne: Dosierung, Anwendung und wichtige Hinweise

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Lärmempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Die Therapie von Migräne umfasst im Wesentlichen zwei Ansätze: die Akuttherapie zur Behandlung akuter Attacken und die Intervallprophylaxe zur Reduktion der Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Metamizol in der Migränetherapie, insbesondere im Hinblick auf Dosierung, Anwendung und wichtige Sicherheitsaspekte.

Akuttherapie der Migräne

Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke so schnell und effektiv wie möglich zu lindern. Hierbei kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, darunter nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Triptane, Mutterkornalkaloide und Antiemetika.

Nicht-Opioid-Analgetika

Analgetika wirken, indem sie in unterschiedliche biochemische Prozesse der Schmerzentstehung, Schmerzweiterleitung oder Schmerzverarbeitung eingreifen. Sie können nach ihrer chemischen Struktur, ihrem Wirkort, ihrer Wirkdauer, ihrer Wirkstärke und ihrem Wirkungsspektrum unterschieden werden. Bei therapeutischer Dosierung wird eine Analgesie erreicht, ohne die sensorische Wahrnehmung oder andere wichtige Funktionen des zentralen Nervensystems (ZNS) zu beeinträchtigen.

Zu den in der Akuttherapie der Migräne eingesetzten Analgetika gehört auch Metamizol.

Metamizol: Ein Überblick

Metamizol ist ein nicht-opioides Analgetikum mit antipyretischen und spasmolytischen Eigenschaften. Es wird hauptsächlich zur Behandlung starker Schmerzen und hohem Fieber eingesetzt. Metamizol wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und krampflösend.

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Wirkmechanismus:

Der analgetische Effekt von Metamizol beruht vermutlich auf der Hemmung einer zentralen Cyclooxygenase (COX)-3. Cyclooxygenasen sind an der Synthese von Prostaglandinen beteiligt, welche die Erregungsschwelle von Schmerzfasern herabsetzen. Metamizol hemmt die Prostaglandin-Synthese im Hinterhorn des Rückenmarks, wodurch Nozizeptoren gegenüber Schmerzmediatoren weniger empfindlich werden.

Der antipyretische Effekt von Metamizol ist ebenfalls nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass Metamizol Fieber sowohl Prostaglandin-abhängig als auch -unabhängig senkt. Der spasmolytische Effekt beruht vermutlich auf einer gehemmten intrazellulären Phospholipase C, was zu einer verminderten Freisetzung von Calcium in glatten Muskelzellen führt.

Pharmakokinetik:

Metamizol wird im Verdauungstrakt zu 4-Methylaminophenazon hydrolysiert. Die Bioverfügbarkeit von 4-Methylaminophenazon beträgt zwischen 83 und 90 %. Der aktive Metabolit wird vollständig im Verdauungstrakt resorbiert und unter anderem zum ebenfalls aktiven 4-Aminophenazon weiter metabolisiert. Die Elimination erfolgt renal. Bei oraler Gabe beträgt die Plasmahalbwertszeit ca. drei bis vier Stunden, bei intravenöser Gabe nur vierzehn Minuten.

Anwendung:

Metamizol kann als Tabletten, Tropfen oder Zäpfchen oral oder rektal verabreicht werden. Alternativ kann es langsam unter Puls-, Atem- und Blutdruckkontrolle auch parenteral durch intravenöse oder intramuskuläre Injektionen appliziert werden. Bei parenteraler Gabe sollte jedoch bedacht werden, dass das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen höher ist.

Dosierung:

Die Dosierung von Metamizol ist abhängig von Alter, Gewicht und der Art der Beschwerden.

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  • Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren:
    • Einzeldosis: 500-1.000 mg
    • Tageshöchstdosis: 4.000 mg
  • Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren:
    • Einzeldosis: 250-500 mg
    • Tageshöchstdosis: 2.000 mg

Die Einnahme erfolgt in der Regel in Form von Tabletten oder Tropfen mit ausreichend Wasser. Die Dosierung sollte individuell vom Arzt angepasst werden.

Wann wird Metamizol angewendet?

Metamizol wird bei starken Schmerzen angewendet, wie sie nach Operationen, bei Koliken oder bei Krebspatienten auftreten. Bei Fieber sollte Metamizol nur zum Einsatz kommen, wenn andere fiebersenkende Medikamente nicht ausreichend wirken.

Metamizol bei Migräne

Gemäß der aktuellen S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ kann Metamizol (1000 mg p.o. oder i.v.) zur Behandlung von leichten Migräneanfällen eingesetzt werden, insbesondere bei Kontraindikation von NSAR. Es ist auch eine Option als Notfall-Akutmedikation bei Migräneattacken, wobei die Leitlinie 1000 mg Lysin-Acetylsalicylat i.v. oder 6 mg Sumatriptan s.c. empfiehlt.

Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken sowie bei fehlendem Ansprechen auf andere Analgetika werden Triptane bevorzugt eingesetzt.

Gegenanzeigen von Metamizol

Metamizol darf nicht angewendet werden bei:

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  • Allergie gegen Metamizol oder andere Pyrazolone bzw. Pyrazolidine
  • Unverträglichkeit gegenüber Schmerzmitteln (Analgetika-Asthma-Syndrom oder Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödemtyp)
  • Störung der Knochenmarkfunktion
  • angeborenem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
  • im letzten Schwangerschaftsdrittel und in der Stillzeit

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Einnahme von Metamizol und anderen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Wechselwirkungen können auftreten mit:

  • Ciclosporin (Immunsuppressivum)
  • Methotrexat (Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen)
  • Acetylsalicylsäure (bei Einnahme in niedriger Dosierung zum Herzschutz)
  • Bupropion (Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen und zur Raucherentwöhnung)
  • Chlorpromazin (Arzneimittel zur Behandlung von geistig-seelischen Erkrankungen)

Mögliche Nebenwirkungen von Metamizol

Metamizol kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen, die jedoch nicht bei jedem auftreten müssen.

Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen:

  • Blasiger Hautausschlag
  • Blutdruckabfall

Selten auftretende Nebenwirkungen:

  • Allergische Reaktionen (Hautrötung, Niesen, Naselaufen, Schwellungen im Gesicht)

Sehr selten auftretende Nebenwirkungen:

  • Agranulozytose (Zerstörung der weißen Blutkörperchen)
  • Entzündungen im Mund-, Nasen-, Rachen- und Genital- oder Analbereich

Weitere mögliche Nebenwirkungen:

  • Hypotensive Reaktionen
  • Fixes Arzneimittelexanthem
  • Leukopenie
  • Anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen
  • Ausschlag
  • Analgetika-induziertes Asthma-Syndrom
  • Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische epidermale Nekrolyse
  • Akute Verschlechterung der Nierenfunktion
  • Akute interstitielle Nephritis
  • Aplastische Anämie
  • Panzytopenie
  • Kounis-Syndrom
  • Gastrointestinale Blutungen

Agranulozytose:

Eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen von Metamizol ist die Agranulozytose, eine starke Verminderung der weißen Blutkörperchen. Symptome einer Agranulozytose können plötzlich auftretende Schüttelfrost, Halsschmerzen und hohes Fieber sein. Bei Verdacht auf eine Agranulozytose muss Metamizol sofort abgesetzt und ein Arzt aufgesucht werden.

Wichtiger Hinweis:

Metamizol ist in einigen Ländern aufgrund des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen nicht mehr zugelassen. In Deutschland ist Metamizol verschreibungspflichtig und sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingesetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der gesamten Schwangerschaft sollte nach Möglichkeit auf die Einnahme von Metamizol verzichtet und auf andere Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) zurückgegriffen werden. Für die Anwendung in der Stillzeit liegen nur wenige Untersuchungen vor. Es wurden Fälle von Sauerstoff-Unterversorgung bei Säuglingen beobachtet, die den Wirkstoff über die Muttermilch aufgenommen hatten. Auch hier sollte deshalb auf die Einnahme verzichtet werden.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Bei einer vorschriftsmäßigen Einnahme des Schmerzmittels Metamizol ist keine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und der Reaktionszeit bekannt. Die Einnahme hoher Dosen mit Alkohol kann die Wahrnehmung beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, bei der Einnahme von Metamizol Alkohol zu meiden.

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Neben der Akuttherapie spielt die medikamentöse Migräneprophylaxe eine wichtige Rolle bei der Behandlung von häufigen Migräneattacken oder Migräneattacken mit ausgeprägten Beschwerden. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren.

Indikation zur Migräneprophylaxe

Die Indikation zu einer medikamentösen Migräneprophylaxe ergibt sich aus besonderem Leidensdruck, Einschränkung der Lebensqualität und dem Risiko eines Medikamentenübergebrauchs.

Medikamente zur Migräneprophylaxe

Zu den etablierten medikamentösen Prophylaktika gehören:

  • Betablocker (Propranolol, Metoprolol)
  • Kalziumantagonisten (Flunarizin)
  • Antikonvulsiva (Valproinsäure, Topiramat)
  • Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin)
  • CGRP-Inhibitoren (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab, Eptinezumab)

Die Auswahl eines Migräneprophylaktikums sollte sich an der Häufigkeit der Kopfschmerzattacken (episodisch vs. chronisch), Begleiterkrankungen und individuellen Bedürfnissen des Patienten orientieren. Medikamente zur Migräneprophylaxe sind einschleichend zu dosieren. Eine Migräneprophylaxe gilt als erfolgreich, wenn sich die Migränetage um ≥ 50 Prozent verringern.

CGRP-Inhibitoren

CGRP-Inhibitoren sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten zur Migräneprophylaxe. Sie verhindern die Effekte des inflammatorischen Neuropeptids Calcitonin gene-related peptide (CGRP) bei einem Migräneanfall. Die CGRP(Rezeptor)Antikörper konnten in jeder Zulassungsstudie überzeugen und gegenüber Placebo die monatlichen Kopfschmerztage signifikant reduzieren.

Migränetherapie bei Kindern und Jugendlichen

Migräneattacken bei Kindern werden mit Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol behandelt. Bei erforderlicher antiemetischer Intervention ist Domperidon das Mittel der Wahl. Bei Kindern und Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind zur Behandlung von Migräne Sumatriptan und Zolmitriptan als Nasenspray zugelassen.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migränetherapie

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Migräne. Dazu gehören:

  • Informationsmaßnahmen und Verhaltensmodifikation (z. B. Entspannungsverfahren und/oder regelmäßiger aerober Ausdauersport)
  • Akupunktur
  • Ernährungsumstellung (niedrig-glykämische Ernährung)
  • Vermeidung von Migräne-Triggern (z. B. Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel)

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