Die neurologische Versorgung ist ein komplexes Feld, das von der Akutbehandlung von Schlaganfällen bis zur langfristigen Betreuung chronischer Erkrankungen wie Epilepsie und Multipler Sklerose reicht. Die Qualität dieser Versorgung wird maßgeblich durch das medizinische Personal, die angewandten Verfahren, die Ausstattung der Einrichtungen und die Patientenzufriedenheit bestimmt. Dieser Artikel analysiert eine Vielzahl von Patientenerfahrungen, um ein umfassendes Bild der Stärken und Schwächen in der neurologischen Versorgung zu zeichnen.
Positive Aspekte der neurologischen Versorgung
Kompetentes und freundliches Personal
Ein häufig hervorgehobener Aspekt ist die Kompetenz und Freundlichkeit des Personals. Viele Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Ärzten und Pflegekräften, die sich Zeit nehmen, um Diagnosen zu erklären, Fragen zu beantworten und eine unterstützende Umgebung zu schaffen. Besonders hervorgehoben werden Mitarbeiter, die über ihre eigentlichen Aufgaben hinausgehen, um den Patienten zu helfen und ihnen das Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden.
- Ein Patient lobte das Personal für seine Freundlichkeit und Kompetenz und betonte, dass sie Dinge taten, die sie nicht hätten tun müssen.
- Ein anderer Patient hob die respektvolle und geduldige Art hervor, mit der ein Pfleger auch schwierige Patienten behandelte.
- Mehrere Patienten betonten die Kompetenz der Ärzte, die sich Zeit nahmen, um alles zu erklären.
- Ein Patient berichtete, dass er sich vom Personal in der Notaufnahme liebevoll und sorgfältig behandelt fühlte.
Schnelle Reaktion in Notfallsituationen
In Notfallsituationen, insbesondere bei Verdacht auf Schlaganfall, ist eine schnelle Reaktion entscheidend. Einige Patienten berichten von einer zügigen und professionellen Behandlung in solchen Fällen, was lebensrettend sein kann. Die rasche Einleitung diagnostischer Maßnahmen und die umgehende Behandlung werden als besonders positiv hervorgehoben.
- Ein Patient, der mit Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert wurde, lobte die schnelle Reaktion und die aufmerksame Beobachtung durch das Personal.
- Ein anderer Patient betonte, dass er in einer ambulanten Praxis das Ereignis wahrscheinlich nicht überlebt hätte, da er nach Hause geschickt worden wäre, und bedankte sich für das zweite Leben.
- Ein Patient berichtete, dass der Verdacht auf Schlaganfall ordnungsgemäß abgehandelt wurde und von der Ankunft in der Klinik bis zum Ende vier Stunden vergingen.
Wirksame Behandlung chronischer Erkrankungen
Einige Patienten mit chronischen neurologischen Erkrankungen, wie z.B. Epilepsie, berichten von einer erfolgreichen Behandlung und einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität. Dies ist oft das Ergebnis einer langfristigen Betreuung durch erfahrene Spezialisten, die eine individuelle Therapie entwickeln und anpassen.
- Ein Patient berichtete, dass ein Arzt in der ambulanten Sprechstunde seine Epilepsie sehr gut in den Griff bekommen hatte.
- Ein anderer Patient lobte die Betreuung durch die Ärzte, die umfassend und informativ war und in freundlicher Atmosphäre stattfand.
Negative Aspekte der neurologischen Versorgung
Mangelnde Wertschätzung und Empathie
Ein häufiger Kritikpunkt ist der Mangel an Wertschätzung und Empathie seitens einiger Ärzte und des Personals. Patienten berichten, dass sie nicht ernst genommen, als psychisch krank abgestempelt oder mit ihren Beschwerden abgewiesen wurden. Dies kann zu Verzweiflung und zusätzlichen psychischen Problemen führen.
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- Ein Patient fühlte sich nicht ernst genommen und wurde sofort als psychisch krank angesehen, ohne dass seine Beschwerden ernsthaft untersucht wurden.
- Ein anderer Patient berichtete, dass er auf unmenschliche und arrogante Weise von den Ärzten abgefertigt wurde und dass seine mitgebrachten Unterlagen nicht einmal überflogen wurden.
- Ein Patient fühlte sich von einer Neurologin nicht ernstgenommen und erhielt direkt eine Persönlichkeitsstörung "aufgedrückt", obwohl er wegen Nervenschmerzen, Muskelschwund und einer Vordiagnose da war.
- Ein Patient berichtete, dass er in der Notfallambulanz empathielos und unfreundlich behandelt wurde.
Unzureichende Diagnostik und Behandlung
Einige Patienten bemängeln eine unzureichende Diagnostik und Behandlung. Sie berichten, dass wichtige Untersuchungen versäumt wurden, Diagnosen in Frage gestellt wurden oder sie ohne klare Diagnose und Therapieempfehlungen entlassen wurden. Dies kann zu einer Verschlechterung des Zustands und zu zusätzlichem Leid führen.
- Ein Patient mit Small-Fiber-Neuropathie erhielt in der Neurologie Uni Mainz die Auskunft, dass man ihm nicht helfen könne, obwohl es viele Ursachen der Krankheit gibt, die man prüfen sollte.
- Ein Patient wurde nach einem CT, das keinen Schlaganfall feststellte, mit einer Fußheberschwäche diagnostiziert, aber es wurde versäumt, die Adern zu überprüfen, die drei Monate später in einer Not-OP in der Uni Mainz behandelt werden mussten.
- Ein Patient mit einem Schlaganfall und Schluckstörung erhielt im Krankenhaus ein Brot und Wasser, obwohl er nur unter Aufsicht breiige Speisen essen und trinken durfte.
- Ein Patient wurde nach einem Schlaganfall wieder nach Hause geschickt, obwohl er eindeutig eine linksseitige Symptomatik zeigte, und erst auf Drängen des Hausarztes stationär aufgenommen.
Organisatorische Mängel und mangelnde Hygiene
Auch organisatorische Mängel und mangelnde Hygiene werden von einigen Patienten kritisiert. Dazu gehören lange Wartezeiten, unklare Abläufe, verlorene Dokumente, falsche Medikamente und unsaubere sanitäre Einrichtungen. Diese Mängel können das Vertrauen der Patienten in die Klinik untergraben und das Behandlungsergebnis negativ beeinflussen.
- Ein Patient musste acht Wochen auf einen Termin zur stationären Aufnahme warten und erfuhr dann erst bei der Ankunft, dass keine Kapazitäten vorhanden waren.
- Ein Patient berichtete von mangelnder Hygiene auf den Besucher Toiletten und bemängelte den Zustand des Toilettendeckels.
- Ein Patient bemängelte die Reinigung und beschrieb Bett, Bad, Bilder, Boden, Oberfläche und Schränke als "Katastrophe".
- Ein Patient berichtete, dass in der Klinik ständig etwas verloren ging, schief lief oder vergessen wurde und dass zwei Mal ein falscher Name auf seinen Tabletten stand.
Mangelnde Kommunikation und Information
Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Kommunikation und Information. Patienten und Angehörige fühlen sich oft unzureichend informiert über Diagnosen, Behandlungspläne und den weiteren Verlauf. Dies kann zu Unsicherheit, Angst und dem Gefühl führen, nicht in die Behandlung einbezogen zu werden.
- Ein Angehöriger erhielt nur dürftig Auskünfte und hatte das Gefühl, sich um alles kümmern zu müssen, während er gleichzeitig das Gefühl hatte zu stören.
- Ein Patient berichtete, dass er nach einer OP seiner Frau keine Auskunft über ihren Zustand und weitere Maßnahmen erhielt.
- Ein Patient wurde nach der Entlassung ohne Medikamentenbrief entlassen und musste extra nochmals zurück, um zu erfahren, wie er seine Frau spritzen musste.
- Ein Patient berichtete, dass Ärzte arrogant und unfreundlich waren und eine Neurologin in der Notaufnahme zwar sehr nett war, aber nicht mehr gesehen wurde.
Entlassungsmanagement und Nachsorge
Das Entlassungsmanagement und die Nachsorge werden ebenfalls kritisiert. Patienten berichten, dass sie zu früh entlassen werden, ohne ausreichende Unterstützung und Informationen für die weitere Behandlung zu Hause. Dies kann zu Komplikationen und einer erneuten Einweisung ins Krankenhaus führen.
- Ein Patient wurde trotz starker Schmerzen und Unweglichkeit bereits am dritten Tag nach der OP zur Entlassung vorgeschlagen.
- Ein Patient wurde ohne weitere Untersuchung entlassen, obwohl er nicht laufen konnte, und erhielt die Bemerkung, dass der Hausarzt alles weiter veranlassen solle.
- Eine Schlaganfallpatientin wurde bereits einen Tag nach der Einlieferung nahegelegt, sich einen Heimplatz zu suchen, obwohl sich ihr Zustand im Heim erheblich verbesserte.
- Eine Patientin wurde trotz unkontrollierter Zuckerwerte entlassen, ohne dass ein Diabetikerarzt hinzugezogen wurde, und musste anschließend in die Kurzzeitpflege überwiesen werden.
Verbesserungspotenziale in der neurologischen Versorgung
Die Analyse der Patientenerfahrungen zeigt, dass es in der neurologischen Versorgung sowohl positive als auch negative Aspekte gibt. Um die Qualität der Versorgung zu verbessern, sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
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- Stärkung der Patientenorientierung: Ärzte und Pflegekräfte sollten sich mehr Zeit nehmen, um den Patienten zuzuhören, ihre Fragen zu beantworten und ihre individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Eine empathische und wertschätzende Kommunikation ist entscheidend für das Vertrauen der Patienten und den Erfolg der Behandlung.
- Verbesserung der Diagnostik und Behandlung: Es ist wichtig, dass alle Patienten eine umfassende und zeitnahe Diagnostik erhalten, um die Ursache ihrer Beschwerden zu ermitteln und eine geeignete Therapie einzuleiten. Dabei sollten auch seltene Erkrankungen und alternative Diagnosemöglichkeiten in Betracht gezogen werden.
- Optimierung der Organisation und Hygiene: Die Kliniken sollten ihre Abläufe optimieren, um Wartezeiten zu verkürzen, Fehler zu vermeiden und eine hohe Hygienestandard zu gewährleisten. Dies trägt dazu bei, das Vertrauen der Patienten in die Klinik zu stärken und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren.
- Verbesserung der Kommunikation und Information: Patienten und Angehörige sollten umfassend über Diagnosen, Behandlungspläne und den weiteren Verlauf informiert werden. Eine offene und transparente Kommunikation ist wichtig, um Unsicherheiten und Ängste abzubauen und die Patienten in die Behandlung einzubeziehen.
- Verbesserung des Entlassungsmanagements und der Nachsorge: Die Kliniken sollten ein strukturiertes Entlassungsmanagement implementieren, um sicherzustellen, dass die Patienten gut auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt vorbereitet sind. Dazu gehören eine umfassende Beratung, die Vermittlung von ambulanter Unterstützung und die Sicherstellung einer nahtlosen Nachsorge.
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