Atosil: Wirkung von Promethazin auf das Gehirn und Abbau im Körper

Promethazin, bekannt unter dem Handelsnamen Atosil, ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Neuroleptika bzw. Antipsychotika. Es wird jedoch auch als Antihistaminikum eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Promethazin im Gehirn, seinen Abbau im Körper und weitere wichtige Aspekte.

Einführung

Promethazin ist ein Phenothiazin-Derivat, das vielfältige Wirkungen besitzt. Es wirkt beruhigend, angstlösend, antiallergisch, schlaffördernd und brechreizhemmend. Aufgrund dieser Eigenschaften findet es Anwendung in verschiedenen Bereichen der Medizin.

Anwendungsgebiete von Promethazin

Promethazin ist in Deutschland zugelassen für die Behandlung von:

  • Unruhe- und Erregungszuständen bei psychiatrischen Grunderkrankungen (Psychosen)
  • Akuten allergischen Reaktionen, wenn zusätzlich ein beruhigender Effekt gewünscht ist
  • Übelkeit und Erbrechen (wenn andere Maßnahmen unwirksam waren)
  • Schlafstörungen bei Erwachsenen (wenn andere Maßnahmen unwirksam waren)

Wirkungsweise von Promethazin im Gehirn

Promethazin passiert die Blut-Hirn-Schranke und entfaltet seine Wirkung im zentralen Nervensystem. Es blockiert verschiedene Rezeptoren, darunter Histamin-H1-Rezeptoren, Dopamin-Rezeptoren, Serotonin-Rezeptoren und Acetylcholin-Rezeptoren.

  • Blockade von Histamin-H1-Rezeptoren: Histamin ist ein Botenstoff, der unter anderem an der Immunabwehr, der Verdauung und dem Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. Durch die Blockade der H1-Rezeptoren werden die durch Histamin verursachten Reize nicht mehr weitergeleitet. Dies führt zur antiallergischen und sedierenden Wirkung von Promethazin.
  • Blockade von Dopamin-Rezeptoren: Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, Emotionen und des Belohnungssystems. Die Blockade von Dopamin-Rezeptoren trägt zur antipsychotischen Wirkung von Promethazin bei.
  • Blockade von Serotonin-Rezeptoren: Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem die Stimmung, den Schlaf und den Appetit beeinflusst. Die Blockade von Serotonin-Rezeptoren kann ebenfalls zur antipsychotischen und stimmungsstabilisierenden Wirkung beitragen.
  • Blockade von Acetylcholin-Rezeptoren: Acetylcholin ist ein wichtiger Neurotransmitter im zentralen und peripheren Nervensystem. Die Blockade von Acetylcholin-Rezeptoren kann zu anticholinergen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung und Sehstörungen führen.

Metabolisierung und Abbau von Promethazin

Promethazin wird hauptsächlich über die Leber abgebaut. Dabei spielen verschiedene Cytochrom P450-Enzyme eine Rolle, darunter CYP2D6. Die Metabolisierung von Promethazin kann durch andere Medikamente beeinflusst werden, die ebenfalls über diese Enzyme abgebaut werden oder diese hemmen. Die Abbauprodukte werden über den Urin und den Stuhl ausgeschieden.

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Dosierung und Einnahme

Die Dosierung von Promethazin ist abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung sowie vom Alter und der individuellen Reaktion des Patienten. Die Behandlung wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen und bei Bedarf gesteigert.

  • Erwachsene:
    • Unruhe- und Erregungszustände: Initial 20-30 mg zur Nacht, bei Bedarf Steigerung auf 30-40 mg/Tag, maximal 100 mg/Tag. In schweren Fällen kurzfristig bis zu 200 mg/Tag.
    • Erbrechen: Initial 20-30 mg, dann 3-mal täglich 10-20 mg (30-60 mg/Tag).
    • Schlafstörungen: 20-50 mg zur Nacht, maximale Dosis 1 mg/kg Körpergewicht.
  • Kinder über 2 Jahre:
    • Unruhe- und Erregungszustände: Initial 10 mg zur Nacht, dann 3-mal täglich 10 mg (30 mg/Tag), maximale Tagesdosis 0,5 mg/kg Körpergewicht.
    • Erbrechen: Wie bei Unruhe- und Erregungszuständen.
  • Allergische Erkrankungen und Reaktionen:
    • Erwachsene: Initial 30 bis 50 mg Promethazinhydrochlorid. Die Behandlung wird fortgeführt mit am Tage bis zu 4-mal 10 bis 20 mg Promethazinhydrochlorid und zur Nacht 20 mg (entsprechend bis zu 100 mg Promethazinhydrochlorid/Tag).
    • Kinder und Jugendliche Initial 10 bis 20 mg Promethazinhydrochlorid. Die Behandlung wird fortgeführt mit am Tage bis zu 3-mal 5 bis 10 mg Promethazinhydrochlorid und zur Nacht 10 bis 20 mg (entsprechend bis zu 50 mg Promethazinhydrochlorid/Tag). Eine Tagesgesamt-Dosis von 0,5 mg Promethazinhydrochlorid/kg Körpergewicht sollte nicht überschritten werden.

Die Einnahme erfolgt in der Regel ein- bis dreimal täglich mit einem Glas Wasser. Bei Schlafstörungen reicht eine Einzeldosis zur Nacht.

Gegenanzeigen

Promethazin darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Promethazin oder andere Phenothiazine
  • Schwere Blutzell- oder Knochenmarksschädigung
  • Kreislaufschock
  • Vergiftung mit zentral wirksamen Stoffen (Alkohol, Schlafmittel, etc.)
  • Engwinkelglaukom
  • Prostatahyperplasie mit Restharnbildung

Nebenwirkungen

Wie bei allen Medikamenten kann es auch bei der Einnahme von Promethazin zu Nebenwirkungen kommen. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Kreislaufprobleme
  • Blutdruckabfall
  • Verstopfung
  • Sehstörungen

In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie dem malignen neuroleptischen Syndrom kommen.

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Wechselwirkungen

Promethazin kann mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Bei gleichzeitiger Einnahme von anderen zentral dämpfenden Wirkstoffen (z.B. Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Schmerzmittel) kann es zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen. Auch die Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten kann verstärkt werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antiepileptika kann es zu einer Wirkungsabschwächung von Promethazin kommen. Alkohol kann die Wirkung von Promethazin verstärken.

Wichtige Hinweise

  • Während der Behandlung mit Promethazin sollte kein Alkohol getrunken werden.
  • Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können durch Promethazin beeinträchtigt werden.
  • Bei Auftreten von Fieber, Muskelsteifigkeit oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.
  • Die Behandlung mit Promethazin sollte nicht abrupt beendet werden, sondern ausschleichend erfolgen.
  • Während der Behandlung kann das Ergebnis eines Schwangerschaftstests verfälscht sein (falsch-positives Ergebnis).
  • Kaffee und Tee in größeren Mengen während der Behandlung sind zu vermeiden.

Promethazin in Schwangerschaft und Stillzeit

Promethazin kann bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft verordnet werden. Die Schwangerschaft sollte dennoch gynäkologisch und psychiatrisch sorgfältig überwacht werden. Gegebenenfalls wird empfohlen, die Dosis des Medikaments eine Woche vor der Entbindung zu verringern. Auch während der Stillzeit kann Promethazin verordnet werden, sofern es in niedriger Dosis und als alleiniges Medikament eingenommen wird.

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