Meningitis durch Borreliose: Ansteckungsgefahr, Symptome und Behandlung

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zeckenstiche übertragene bakterielle Infektionskrankheit, die in der nördlichen Hemisphäre weit verbreitet ist. Sie wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst und kann verschiedene Organsysteme betreffen, darunter Haut, Nerven, Gelenke und Herz. Eine der schwerwiegendsten Manifestationen ist die Neuroborreliose, die zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ansteckungsgefahr, Symptome, Diagnose und Behandlung der Meningitis durch Borreliose.

Was ist Lyme-Borreliose?

Die Lyme-Borreliose ist auf der Nordhalbkugel die häufigste von Tieren auf Menschen übertragene Erkrankung, eine sogenannte vektorübertragende Infektionskrankheit. Sie wird durch den Stich einer Zecke verbreitet, genauer gesagt durch ein bestimmtes Bakterium, das beim Zeckenstich übertragen wird und die Borreliose auslöst. Doch nicht jeder Zeckenstich führt zwangsläufig zu einer akuten Lyme-Borreliose, sondern die tritt nur bei etwa gut drei Prozent auf. Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um eine multisystemische Erkrankung, betroffen können also mehrere Organsysteme sein, darunter Haut, Nerven, Gelenke oder auch das Herz.

Der Name „Lyme“ geht übrigens auf eine US-amerikanische Stadt zurück, in der 1975 vermehrt Erkrankungsfälle bei Kindern auftraten und den Fokus der Wissenschaft auf die Erkrankung lenkten. In den 80iger Jahren wurde dann das krankheitsauslösende Bakterium der Lyme-Borreliose von Willy Burgdorfer entdeckt und nach ihm benannt als „Borrelia burgdorferi“.

Ansteckungsgefahr: Wie wird Borreliose übertragen?

Borrelien werden nur durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Das bedeutet, dass die Erkrankung nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die Übertragung erfolgt in Mitteleuropa durch den Stich der Schildzecke I. ricinus. In der nüchternen Zecke befinden sich die Borrelien im Darm. Nach Beginn des Saugaktes wandern die Borrelien in die Speicheldrüsen, von wo sie mit dem Zeckenspeichel auf den Gestochenen übertragen werden. Die Zecke muss daher eine längere Zeit (zumindest mehrere Stunden) gesaugt haben, damit Borrelien übertragen werden können.

Da nicht alle Zecken Träger von Borrelien sind, führt nicht jeder Zeckenstich automatisch zu einer Infektion. Das Risiko steigt allerdings mit jedem Zeckenstich und abhängig vom Alter der Tiere. Ausgewachsene (adulte) Zecken sind häufiger als junge Tiere Überträger der Borreliose.

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Symptome der Borreliose

Die Symptome der Borreliose können je nach Erkrankungsstadium sowie individuell unterschiedlich ausfallen. Typisch, jedoch nicht immer vorhanden, ist eine Hautrötung um die Einstichstelle, die sich von innen her verblassend ringförmig ausbreitet. Sie wird daher auch als „Wanderröte“ (Erythema chronicum migrans) bezeichnet. Grippeähnliche Beschwerden, wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber oder Müdigkeit, sind weitere Symptome.

Die Krankheit kann unterschiedliche Verläufe nehmen. In der ersten Phase (3-30 Tage nach dem Zeckenstich) kann es zusammen mit der runden Hautrötung zu Fieber und Schüttelfrost, zu Fatigue (Abgeschlagenheit) und/oder zu Muskel- und Gelenkschmerzen kommen. Dann - Wochen bis Monaten nach dem Zeckenstich - können neurologische Krankheiten auftreten, bei Kindern ist das vor allem die Hirnhautentzündung (Meningitis), bei Erwachsenen die Meningoradikuloneuritis, eine Meningitis mit gleichzeitiger Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark. Bei gut der Hälfte der Betroffenen kommt es zu Hirnnervenausfällen, häufig dadurch zu einer ein- oder beidseitigen Lähmung des Gesichts. Man spricht hier von der frühen Neuroborreliose.

Die Wanderröte (Erythema migrans)

In etwa 40% der Fälle beginnt eine Borreliose mit der Entwicklung eines Erythema chronicum migrans. Erythem ist ein allgemeiner Begriff, der lediglich eine Rötung der Haut beschreibt. Sie wird durch eine verstärkte Durchblutung der Haut hervorgerufen. Das Erythema migrans (lateinisch: migrare = wandern) wird auch „Wanderröte“ genannt. Die Rötung befindet sich zunächst an der Einstichstelle. Sie blasst im Verlauf in der Mitte ab und breitet sich ringförmig aus. Sie kann auch an mehreren Körperstellen auftreten. Das Erythema migrans ist von einer örtlichen Hautrötung als direkte Folge des Zeckenstiches zu unterscheiden.

Neuroborreliose

Die Neuroborreliose tritt meist wenige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auf und betrifft das zentrale Nervensystem (ZNS). Insbesondere bei Kindern tritt häufig eine Hirnhautentzündung mit starken Kopfschmerzen, Gesichtslähmungen und Fieber auf.

Die akute Neuroborreliose äußert sich durch typische, klinisch abgrenzbare Symptome. Am häufigsten findet sich eine Nervenwurzelentzündung (Radikulitis, Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom); im Vordergrund stehen starke, häufig nächtlich betonte Schmerzen, Lähmungen und Sensibilitätsstörungen. Neben den Spinalwurzeln können die Hirnnerven beteiligt sein; hierbei ist in der Mehrzahl der Fälle der VII. Hirnnerv (N. facialis) mit den Folgen einer akuten Gesichtslähmung betroffen. Viel seltener kann es zu einer isolierten Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns selbst kommen.

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Spätfolgen

In seltenen Fällen kann es zu einer späten Form der Erkrankung kommen, die erst Monate, manchmal auch erst Jahre, nach dem Zeckenstich entsteht. Eine mögliche Spätfolge der Borreliose sind schubweise und wiederkehrend auftretende Entzündungen der Gelenke (Lyme-Arthritis), die sich oftmals erst Monate oder Jahre nach der Infektion ausbilden. Meist sind die Kniegelenke betroffen, seltener Sprung-, Ellenbogen-, Finger-, Zehen- und Handwurzelgelenke.

Diagnose der Meningitis durch Borreliose

Die Diagnose der Neuroborreliose wird anhand klinischer Befunde und durch eine Nervenwasseruntersuchung gestellt. Ein unauffälliger Liquorbefund schließt eine Neuroborreliose mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus. Große Vorsicht ist bei der Interpretation von Borrelien-spezifischen Befunden in der Blutuntersuchung angebracht: Ein positiver „Borrelien-Titer“ ohne klinische Symptomatik belegt lediglich den Kontakt des Immunsystems mit dem Erreger, beweist jedoch nicht eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Zur Abklärung des Verdachts kann der Arzt verschiedene Labortests durchführen. Dieser Test kann das Blut und die Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit (Nervenwasser oder Liquor) des Patienten auf spezifische Antikörper gegen Borrelien-Bakterien untersuchen. Die Ergebnisse solcher Tests lassen sich aber nicht immer eindeutig interpretieren. Das liegt unter anderem daran, dass sich auch dann noch Borrelien-Antikörper nachweisen lassen, wenn die Infektion schon lange zurückliegt und längst ausgeheilt ist.

Wenn die Anzahl der weißen Blutkörperchen immer noch erhöht ist und es keine andere Erklärung als die Neuroborreliose dafür gibt, wiederholen sie die Antibiotikatherapie.

Behandlung der Meningitis durch Borreliose

Die Neuroborreliose wird mit einem Antibiotikum behandelt. Unter der Therapie bessern sich bei der Neuroborreliose die neurologischen Beschwerden in fast allen Fällen. Eine Neuroborreliose ist also eine ernsthafte Erkrankung, auch wenn bei Erwachsenen, die behandelt werden, nur sehr selten Langzeitfolgen zurückbleiben. Eine zu spät behandelte Meningitis kann aber bei Kindern zu bleibenden Schäden führen, z. B. zu Hörschäden bis hin zur Taubheit oder zu einer Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung.

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Zur Verfügung stehen folgende Antibiotika:

  • Doxycyclin (als Tablette)
  • Ceftriaxon (als Infusion)
  • Cefotaxim (als Infusion)
  • Penicillin G (als Infusion)

Welches Antibiotikum der Arzt im Einzelfall für die Neuroborreliose-Therapie auswählt, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Eine Rolle spielt unter anderem, wie alt der Patient ist, ob er bekanntermaßen allergisch auf eines der Antibiotika reagiert oder ob eine Schwangerschaft vorliegt. So dürfen beispielsweise schwangere Frauen und Kinder unter neun Jahren nicht mit Doxycyclin behandelt werden.

Die Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich danach, ob eine frühe oder späte Neuroborreliose vorliegt: Bei früher Neuroborreliose werden die Antibiotika im Regelfall über 14 Tage gegeben, bei später Neuroborreliose meist 14 bis 21 Tage lang.

Prävention von Borreliose

Der Schutz vor Zeckenstichen ist also wichtig. Das geht zum einen durch entsprechende Kleidung. Wenn man in die Natur geht, z. B. durch hohes Gras streift, sind lange Hosen und langärmlige Shirts zu empfehlen, auch Anti-Zecken-Sprays/-Lotionen sind ratsam. Wichtig ist darüber hinaus, dass man sich und die Kinder nach jedem Aufenthalt im Freien nach Zecken absucht. Findet man eine Zecke, sollte man diese gleich mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte entfernen und die Stelle im Anschluss desinfizieren. Da nämlich der Übertritt der Borrelien bei einem Zeckenstich einige Stunden dauert, kann die frühzeitige Entfernung der Zecke eine Infektion verhindern.

Hier sind einige Tipps zur Vorbeugung von Zeckenstichen:

  • Tragen Sie lange Hosen und Oberbekleidung mit langen Ärmeln.
  • Tragen Sie geschlossene und feste Schuhe (Hose in die Strümpfe stecken).
  • Wählen Sie nach Möglichkeit helle Kleidung, auf der Zecken besser zu sehen sind.
  • Wechseln Sie nach dem Ausflug in die Natur die Kleidung direkt und suchen Sie den Körper gründlich nach Zecken ab, vor allem in Hautfalten, etwa unter den Achseln.

Eine Impfung gibt es nur gegen FSME, nicht gegen Borreliose.

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