Midazolam Nasenspray bei Epilepsie: Erfahrungen, Anwendung und Rezeptur

Midazolam ist ein Benzodiazepin, das angstlösend, schlaffördernd, dämpfend und krampflösend wirkt. Es findet breite Anwendung in der Medizin, unter anderem zur Sedierung vor Operationen und zur Behandlung von Krampfanfällen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Midazolam Nasenspray bei Epilepsie, die Anwendungsweise, Dosierung, die Herstellung einer individuellen Rezeptur und gibt wichtige Hinweise zur Anwendung.

Indikationen und Kontraindikationen

Midazolam wird unter anderem bei folgenden Zuständen eingesetzt:

  • Status Epilepticus: Ein anhaltender epileptischer Anfall, der notfallmäßig behandelt werden muss.
  • Analgosedierung / Erregungszustände: Zur Beruhigung und Schmerzlinderung bei unruhigen oder agitierten Patienten.

Es gibt jedoch auch Kontraindikationen, bei denen Midazolam nicht angewendet werden darf:

  • Schwere Ateminsuffizienz oder akute Atemdepression: Da Midazolam die Atmung beeinträchtigen kann.
  • Überempfindlichkeit: Gegen den Wirkstoff selbst oder andere Benzodiazepine.

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Midazolam ist abhängig von Alter, Gewicht und Applikationsweg. Hier eine Übersicht:

Erwachsene:

  • Intranasal / Intramuskulär: 10 mg (entsprechend 0,2 mg/kgKG)
  • Intravenös: 10 mg (entsprechend 0,2 mg/kgKG), wobei bei Patienten unter 60 Jahren 2 - 2,5 mg (max. 7,5 mg) und bei Patienten über 60 Jahren 0,5 - 1 mg (max. 3,5 mg) empfohlen werden.

Kinder:

  • Intranasal: 0,3 mg/kgKG
  • Intramuskulär: 0,2 mg/kgKG

Wichtiger Hinweis zur nasalen Gabe:

Für die nasale Anwendung muss konzentriertes Midazolam (15 mg / 3 ml) verwendet werden, da pro Nasenloch nur 1 ml Flüssigkeit aufgenommen werden kann.

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Applikationswege:

Midazolam kann intravenös (i.v.), intraossär (i.o.), intramuskulär (i.m.) oder intranasal (i.n.) verabreicht werden. Die intravenöse Gabe sollte langsam erfolgen, außer bei der intranasalen Applikation.

Wirkmechanismus von Midazolam

Midazolam verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. GABA führt zu einem vermehrten Einstrom von negativ geladenen Chlorid-Ionen in die postsynaptischen Nervenzellen und sorgt so für eine Hyperpolarisation. Midazolam bindet an GABA-Rezeptoren und beeinflusst diese dahingehend, dass sie eine erhöhte Affinität für GABA aufweisen. Dieser bindet folglich in höherem Maße an den Rezeptor und sorgt für eine verstärkte sedierende, anxiolytische, antikonvulsive und muskelrelaxierende Wirkung.

Dieser Mechanismus führt zu einer dämpfenden Wirkung auf das zentrale Nervensystem, was die angstlösende, schlaffördernde, entspannende und krampflösende Wirkung erklärt.

Midazolam Nasenspray bei Epilepsie: Erfahrungen und Studien

Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit von intranasal verabreichtem Midazolam bei der Behandlung von epileptischen Anfällen. Wissenschaftler des Epilepsiezentrums Frankfurt und der Uniklinik Marburg berichteten von einer erfolgreichen Studie mit intranasalem Midazolam in Form einer speziellen Nasenspray-Rezeptur bei erwachsenen Epilepsie-Patienten. Bei Gabe von 5 mg Midazolam waren die hier behandelten Patienten im Anschluss an die Verabreichung im Schnitt sechs Stunden anfallsfrei. Je nach Anfallsart hielt der Effekt aber auch zwölf oder 24 Stunden an.

Eine weitere Studie zeigte, dass die intranasale Anwendung von Midazolam die Anfallsrate in den folgenden Stunden deutlich reduzieren kann. Das Team um Lara Kay verabreichte 75 Patienten während oder unmittelbar nach einem epileptischen Anfall ein Midazolam-haltiges Nasenspray. Nach der intranasalen Applikation von rund 5 mg Midazolam erlitten die Patienten nach durchschnittlich knapp sechs Stunden den nächsten Anfall. Unbehandelt dauerte es bei denselben Patienten im Mittel knapp zweieinhalb Stunden, bis der nächste Anfall auftrat. Der Effekt hielt je nach Anfallsart 12 bis 24 Stunden an. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei keinem Behandelten auf.

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Im Vergleich zu anderen Benzodiazepinen scheint Midazolam durch einen schnelleren Wirkungseintritt und eine kürzere Verweildauer im Körper überlegen zu sein. Dies macht es besonders geeignet für die Notfallbehandlung von Anfällen.

Vorteile der intranasalen Applikation

Die intranasale Applikation bietet einige Vorteile gegenüber anderen Verabreichungsformen:

  • Schneller Wirkungseintritt: Durch die Aufnahme über die Nasenschleimhaut gelangt der Wirkstoff schnell ins Gehirn.
  • Einfache Anwendung: Das Nasenspray ist einfach zu verabreichen, auch von Laien.
  • Nicht-invasiv: Im Gegensatz zu Injektionen ist die nasale Applikation schmerzfrei und weniger belastend für den Patienten.
  • Anwenderfreundlich: Die intranasale Anwendung stellt eine anwenderfreundliche Alternative zur Verabreichung von Midazolam über die Wangenschleimhaut dar.

Individuelle Rezeptur: Midazolam Nasenspray herstellen

Da es in Deutschland kein zugelassenes Midazolam Nasenspray gibt, wird es häufig als Individualrezeptur in der Apotheke hergestellt. Die Applikation, wie sie hier vorgesehen ist, erfolgt off label; das Arzneimittel in dieser Darreichungsform stellen wir deswegen in der Apotheke als Individualrezeptur her. In den USA gibt es ein entsprechendes Fertigarzneimittel mit dem Namen Nayzilam®, der Import ist aber mit hohen Kosten, Diskussionen mit der Krankenkasse und einer langen Wartezeit verbunden. Diese Zeit haben die Kunden häufig nicht.

Rezeptur-Beispiel:

Ein gängiges Rezept ist Midazolam Nasenspray 2,5 Milligramm (mg) pro Hub und davon zehn Milliliter (ml).

Wichtige Hinweise zur Herstellung:

  • Die reine Substanz Midazolam unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und muss entsprechend gelagert und dokumentiert werden.
  • Im Neuen Rezepturformularium (NRF) finden sich Rezepturvorschläge, die jedoch nicht alle geprüft sind. Im Neuen Rezepturformularium (NRF) finden wir vier Vorschläge, von denen aber nur einer geprüft wurde und eine NRF-Nummer erhalten hat: Midazolam-Lösung 2 mg/ml NRF17.3. Sie ist nur zur Einnahme gedacht. Eine Rezeptur zur nasalen Applikation findet sich auch, aber eben mit dem Hinweis, dass sie nicht geprüft wurde - eigenes Mitdenken ist also erforderlich ist. Es zeigt uns jedoch auch, dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen und es erleichtert uns das Arbeiten.
  • Eine mögliche Zusammensetzung laut NRF: Midazolam-Nasenspray 18 mg/ml (entspricht 2,5 mg/Hub) 100 ml enthalten: Midazolamhydrochlorid 2,0 g Natriumhydrochlorid 0,57 g Edetathaltige Benzalkoniumchlorid-Stammlösung 0,1% (Vorschrift S.18) 10,0 g Salzsäure 1% (Vorschrift S.46) q.s. Gereinigtes Wasser zu 100,9 g

Herstellungsschritte:

  1. Umrechnung der Wirkstoffmenge: Da Midazolam als Hydrochlorid angegeben ist, muss die Menge in die Base umgerechnet werden.
  2. Herstellung der Konservierungslösung: Edetathaltige Benzalkoniumchlorid-Stammlösung 0,1% (Vorschrift S.18), 100 g enthalten: Benzalkoniumchlorid-Lösung 0,197 g Natriumedetat 1,0 g Wasser für Injektionszwecke zu 100,0 g. Das Ganze hat einen pH-Wert von pH 4,6.
  3. Herstellung der Salzsäure: Salzsäure 1% (Vorschrift S.46), 100 g enthalten: Salzsäure 10 % 10,0 g Gereinigtes Wasser zu 100 g
  4. Abwiegen der Substanzen: Auf einer Analysenwaage in ein tariertes Becherglas.
  5. pH-Wert-Kontrolle: Der pH-Wert der fertigen Rezeptur sollte zwischen drei und vier liegen.
  6. Abfüllen: Die fertige Lösung wird in ein Tropfglas eingefüllt und mit einem Dosiersprühkopf versehen.

Wichtige Hinweise zum Sprühkopf:

Der verwendete Sprühkopf sollte 0,15 ml pro Hub beziehungsweise 0,14 g pro Hub versprühen, um die verordnete Dosis zu erhalten.

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Haltbarkeit:

Die Haltbarkeit des Midazolam Nasensprays liegt bei sechs Monaten.

Nebenwirkungen und Risiken

Wie alle Medikamente kann auch Midazolam Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten gehören:

  • Sedierung: Müdigkeit und Benommenheit. Sedierung, Amnesie, beeinträchtigte Aufmerksamkeit und gestörte Muskelfunktionen, die zur Wirkung von Midazolam zählen, können die Fähigkeit zum Führen von Kraftfahrzeugen oder Bedienen von Maschinen negativ beeinflussen.
  • Atemdepression: Verlangsamung der Atmung.
  • Amnesie: Gedächtnisverlust. Es besteht das Risiko anterograder Amnesien, besonders nach Einnahme höherer Dosen.
  • Psychische Reaktionen: Insbesondere bei älteren Patienten oder Kindern können unerwünschte psychische Reaktionen auftreten.

Weitere wichtige Hinweise:

  • Midazolam darf während der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation angewendet werden, da in tierexperimentellen Studien embryotoxische Wirkungen wie bei anderen Benzodiazepinen beobachtet wurden.
  • Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass sie nach der Einnahme von Midazolam nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen oder eine Maschine bedienen dürfen.
  • Bei abruptem Absetzen von Midazolam können Entzugserscheinungen auftreten.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Midazolam kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, insbesondere mit solchen, die das Cytochrom P450-Isoenzym CYP3A4 beeinflussen. Wechselwirkungen von Midazolam mit anderen Wirkstoffen sind überwiegend auf das Hauptenzym im Metabolismus zurückzuführen: das Cytochrom P450-Isoenzym CYP3A4. Gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die die CYP3A Aktivität verändern: Kann die Wirkungen und Nebenwirkungen von Midazolam beeinflussen. Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Midazolam in der Tiermedizin

Auch in der Tiermedizin wird Midazolam zur Behandlung von epileptischen Anfällen eingesetzt. Sowohl beim Menschen als auch beim Hund werden Benzodiazepine wie Diazepam und Midazolam genutzt, um einen akuten Anfall zu unterbrechen. Eine Studie an Hunden zeigte, dass die intranasale Applikation von Midazolam effektiv und sicher ist. Die Hunde erhielten 0,2 mg/kg einer 5 mg/ml Midazolam-Lösung. Für die Applikation wurde ein spezieller Zerstäuber verwendet, der auf eine 1- oder 3-ml-Spritze gesteckt wird und das Midazolam als feinen Nebel versprüht. Die Spitze ist weich, um Verletzungen zu vermeiden.

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