Migräne alle 14 Tage: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken können Stunden oder sogar Tage andauern und werden oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Auslösern (Trigger) eine Rolle spielt.

Was ist Migräne?

Migräne unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen. Der Schmerz ist oft einseitig und stärker. Viele Menschen mit Migräne reagieren während eines Anfalls empfindlicher auf Geräusche und Licht. Manche nehmen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls auch Lichtblitze oder ungewöhnliche Strukturen wahr. Ohne Behandlung dauert ein Migräne-Anfall in der Regel zwischen 4 Stunden und 3 Tagen an.

Episodische Migräne

Charakteristisch für Migräne, auch als episodische Migräne bezeichnet, sind wiederkehrende Kopfschmerzattacken, die zwischen 4 Stunden und 3 Tagen anhalten. Bei einer Attacke treten starke, pulsierend-pochende oder hämmernde Kopfschmerzen auf. Sie verschlimmern sich bei Bewegung (zum Beispiel beim Treppensteigen oder Bücken). Oft ist eine Kopfhälfte besonders stark betroffen.

Chronische Migräne

Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Auslösern (Trigger) eine Rolle spielt.

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Genetische Veranlagung

Migräne ist vererbbar und kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Es kann sich um ähnliche Formen der Migräne handeln, aber nicht immer. Experten gehen von einer polygenetischen Veranlagung aus, bei der Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen das Migränerisiko erhöhen. Einige dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt, während andere mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden.

Mögliche Auslöser (Trigger)

Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solche möglichen Auslöser, auch Trigger genannt, sind:

  • Stress: Aufregung oder Stress, Entspannungsphasen nach Stresssituationen.
  • Schlaf: Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Körperliche Anstrengung: Sport, Freizeitaktivitäten oder Arbeit.
  • Nackenschmerzen
  • Hormonelle Veränderungen: Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre.
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Lebensmittel: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade.
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel: Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter.
  • Düfte und Gerüche: Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays.
  • Licht: Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht.

Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die individuellen Auslöser besser zu erkennen.

Symptome der Migräne

Kennzeichnend für einen Migräne-Anfall sind plötzlich auftretende, oft einseitige Kopfschmerzen. Der Migräne-Schmerz tritt plötzlich auf, er ist oft sehr ausgeprägt und konzentriert sich meist auf nur eine Kopfseite. Viele Migräne-Patientinnen und -Patienten berichten zudem von weiteren Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen. Menschen mit Migräne beschreiben die typischen, meist einseitig auftretenden Kopfschmerzen in der Regel als pochenden oder pulsierenden Schmerz. Bei vielen steigert körperliche Anstrengung diesen Schmerz noch einmal deutlich - manchmal reichen hierfür bereits einfache Bewegungen.

Mögliche Vorboten

Bereits ein paar Tage vor der eigentlichen Migräneattacke können sogenannte Vorboten Hinweise auf den nächsten Anfall liefern. Etwa 30 % der Menschen mit Migräne ohne Aura beschreiben dieses Phänomen. Mögliche Symptome, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten, sind Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, extremer Durst sowie Verdauungsprobleme.

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Migräne mit Aura

Manche Menschen haben eine Migräne mit sogenannter Aura. Diese Patientinnen und Patienten sehen im Vorfeld des eigentlichen Migräne-Anfalls beispielsweise Lichtblitze, ungewöhnliche Formen oder nehmen ihre Umgebung plötzlich verschwommen oder verzerrt wahr. Auch vorübergehende Schwierigkeiten beim Sprechen, zeitweilige Lähmungserscheinungen und Missempfindungen wie ein Kribbeln können einen unmittelbar bevorstehenden Migräne-Anfall ankündigen.

Mögliche Vorboten einer Migräne mit Aura sind:

  • Sehstörungen, die bei geöffneten und geschlossenen Augen auftreten
  • Sehfeldeinschränkung
  • Flimmersehen
  • Blendende Kreise oder Vierecke, die sich immer weiter ausbreiten
  • Lichtblitze, Zickzackstrukturen oder Sterne vor den Augen
  • Gefühlsstörungen
  • Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder im Gesicht
  • Sensibilitätsstörungen, z.B. Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Essen kann anders schmecken oder geschmacklos werden
  • Lähmungserscheinungen
  • Sprech- und Wortfindungsstörungen
  • Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten ist beeinträchtigt

Eine solche Aura lässt nach etwa einer Stunde nach und bleibt in der Regel ohne anhaltende Folgen. Unmittelbar danach stellen sich die für Migräne typischen Kopfschmerzen ein.

Diagnose von Migräne

Ärztinnen und Ärzte erhalten in einem zielgerichteten, ausführlichen Gespräch bereits die wesentlichen Hinweise auf eine Migräne. Zu den wichtigen Fragen des Gesprächs gehören:

  • Wie lassen sich die Kopfschmerzen beschreiben?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf und seit wann sind sie vorhanden?
  • Sind die genannten Symptome früher schon mal aufgetreten?
  • Gibt es neben den Kopfschmerzen noch andere Symptome?
  • Werden Arzneimittel eingenommen? Wenn ja: welche, wie oft, seit wann?

Im Anschluss an das Gespräch untersucht die Ärztin oder der Arzt die Patientin oder den Patienten auch körperlich. Meist kann bereits nach diesen Diagnostikschritten eine Migräne festgestellt oder ausgeschlossen werden.

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Behandlung von Migräne

Ein feuchtes Handtuch, Kühlelemente aus dem Kühlschrank, ein abgedunkeltes Schlafzimmer: Viele Menschen mit Migräne wissen aus eigener Erfahrung, mit welchen Maßnahmen sie einen Anfall am besten lindern können. Darüber hinaus nehmen viele bei starken Schmerzen auch Medikamente ein.

Akutbehandlung

Zur Akutbehandlung von Migräne stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Schmerzmittel: Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen.
  • Triptane: Spezielle Migräne-Medikamente, die bei starken Schmerzen eingesetzt werden.

In Apotheken sind Paracetamol, ASS und Ibuprofen ohne Rezept erhältlich, mit Einschränkungen auch einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane in niedriger Dosierung. Bei Kindern und Jugendlichen darf ASS nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, da der Wirkstoff das Reye-Syndrom auslösen kann - eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung.

Wichtig zu wissen: Werden Migräne-Medikamente und schmerzstillende Arzneimittel zu häufig eingenommen, können sich dadurch Kopfschmerzen verstärken. Kopfschmerz- und spezielle Migräne-Medikamente sollten höchstens an 10 Tagen pro Monat eingenommen werden.

Vorbeugung

Schlafgewohnheiten, Essenszeiten, die Auswahl von Nahrungsmitteln und weitere Faktoren können die Häufigkeit von Migräne-Anfällen beeinflussen. Es ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welche Verhaltensweisen Migräne-Anfälle begünstigen oder reduzieren können. Um den Auslösern (Triggern) von Migräne-Anfällen auf die Schliche zu kommen, empfiehlt es sich, ein Migräne-Tagebuch zu führen.

Ärztinnen und Ärzte können zur Vorbeugung bestimmte Medikamente oder eine psychotherapeutische Behandlung verordnen - insbesondere bei Patientinnen und Patienten, die schwere und häufige Anfälle haben. Im Zuge einer Psychotherapie können Menschen mit Migräne beispielsweise Techniken erlernen, die helfen, Stressbelastungen besser abzufedern. Auch bestimmte Entspannungsverfahren wie das autogene Training können dazu beitragen, besser mit der Situation umzugehen. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen.

Spezielle Therapie in der Schmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und allen Kopfschmerzen an. Zur Planung Ihres Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Bitten Sie Ihren Arzt, die Aufnahme-Checkliste auszufüllen.
  3. Füllen Sie den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.

Leben mit Migräne

Ein Migräne-Anfall kann große Auswirkungen auf den Alltag haben: Viele Menschen mit Migräne können in dieser Zeit ihren Beruf nicht oder nur sehr eingeschränkt ausüben. Generell ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit aufgrund der Schmerzen und weiterer Beschwerden stark eingeschränkt.

Das Auftreten von Migräne-Anfällen kann vorhersehbar sein, wenn diese vor allem zu bestimmten Zeiten auftreten. Bei Frauen sind das häufig die Tage vor der monatlichen Regelblutung. Oft treten Anfälle aber auch ohne erkennbares Muster auf. Dadurch können die Betroffenen Verabredungen, Termine oder Freizeitaktivitäten nur schwer in die Zukunft planen. Zu der Angst vor einem erneuten Anfall mit all seinen Einschränkungen kommt oft also noch die Sorge hinzu, wie sich der nächste Migräne-Anfall auf die Familie und den Beruf auswirken wird.

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei unterstützen, solche negativen Denkmuster zu erkennen und ungünstige Verhaltensweisen zu verändern. Auch bestimmte Entspannungsverfahren wie das autogene Training können dazu beitragen, besser mit der Situation umzugehen.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann sehr hilfreich sein. Es tut gut, mit Menschen zusammen zu sein, die ähnliche Probleme haben, sich mit ihnen auszutauschen und sich bei Bedarf auch mal zu trösten.

Sonderformen der Migräne

Es gibt verschiedene Sonderformen der Migräne, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden:

  • Status migraenosus: Eine schwerwiegende Komplikation, bei der eine Migräne-Attacke drei Tage und darüber hinaus anhält.
  • Migralepsie: Eine seltene Form, bei der es innerhalb einer Stunde nach einer Migräne mit Aura zu einem epileptischen Anfall kommt.
  • Migränöser Infarkt: In seltenen Fällen entwickelt sich aus der Auraphase einer Migräne ein Schlaganfall.
  • Persistierende Migräne-Aura ohne Hirninfarkt: Der Aura-Zustand hält länger als normal an, aber es kommt nicht zu einem Hirninfarkt.
  • Augenmigräne: Ähnliche Symptome wie die persistierende Migräne Aura ohne Hirninfarkt.

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