Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um ein neurologisches Krankheitsbild, das durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen von grösster Schmerzintensität gekennzeichnet ist. Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden hierzulande unter Migräne, wobei Frauen dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Die meisten Betroffenen erleiden ihren ersten Anfall im Alter von 35 bis 45 Jahren.

Was ist Migräne?

Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen. Sie äussert sich in Form von äusserst starken, anfallsartig auftretenden und wiederkehrenden Kopfschmerzen, die in der Regel nur einseitig auftreten. Häufig geht einem Migräneanfall eine Migräneaura voraus, im Rahmen derer Betroffene unter optischen Wahrnehmungsstörungen leiden.

Abgrenzung von Migräne und Kopfschmerzen

Der Unterschied zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne liegt in erster Linie in der Intensität der Schmerzen. Während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne nicht selten auf eine Kopfhälfte. Im Gegensatz zu Kopfschmerzen geht Migräne meist mit einer starken Licht- und Lärmempfindlichkeit einher, die Betroffene oft zur Ruhe in abgedunkelten, stillen Räumen zwingt. Allgemeine Massnahmen wie frische Luft und Bewegung schlagen bei Migräne kaum an. Darüber hinaus wird der enorm starke Migräneschmerz meist nur in einer Schädelhälfte empfunden und von Übelkeit und Erbrechen begleitet.

Migräne Dauer und Migräneanfall

Ein Migräneanfall kann unterschiedlich lang dauern, meist zwischen vier und 72 Stunden. Dennoch sind mehrtägige Anfälle eher die Seltenheit. In der Regel ist die Migräneattacke nach einem Tag durchgestanden. Eine Besonderheit ist jedoch die Ankündigungsphase der Migräne, die häufig schon zwei Tage vor dem eigentlichen Anfall beginnt und mit diffusen Beschwerden wie Gereiztheit und Müdigkeit einhergeht.

Symptome eines Migräneanfalls

Der Migräneanfall kündigt sich bei einem Drittel aller Betroffenen durch Aufgedrehtheit, Gereiztheit und Müdigkeit an. Rund zehn Prozent aller Betroffenen entwickeln zudem vor dem eigentlichen Schmerzanfall neurologische Störungen, die sogenannte Aura. Es kommt zu Sehstörungen wie flackernden Punkten und Blitzen im Gesichtsfeld. Die Aura dauert üblicherweise nicht länger als eine Stunde und wird schliesslich von stark pulsierenden, einseitigen Kopfschmerzen abgelöst, die von vielen Betroffenen als durchaus vernichtend beschrieben werden. Der Kopfschmerz tritt in fast allen Fällen zunächst einseitig auf, im Verlauf des Migräneanfalls wandert er jedoch in andere Schädelbereiche. Die Schmerzqualität ist pochend und drückend und weitaus stärker als die normaler Spannungskopfschmerzen.

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Migräneaura

Wie bereits angerissen, tritt die Migräneaura meist unmittelbar vor dem eigentlichen Migräneanfall auf. Meist bleibt es bei optischen Störungen, in einigen Fällen erreicht die Aura jedoch auch grössere Ausmasse in Form von Taubheitsgefühlen im Bereich der Finger, des Gesichts und der Zunge. Auch Sprachstörungen und Schwindel können auftreten. Die Migräneaura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde an. Nur sehr selten halten die neurologischen Symptome noch während des Schmerzanfalls an. Allerdings kann eine Migräneaura auch ohne nachfolgende Schmerzattacke auftreten und somit das einzige Symptom einer Migräne sein.

Migräneformen

Die Migräne kann in unterschiedlichen Formen auftreten, mit und ohne Aura, als hormonelle Migräne und als chronische Migräne. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Symptomatik, sondern auch im Verlauf:

Migräne mit und ohne Aura

Die Migräneformen mit und ohne Aura sind die klassischen Formen. Bei der Migräne ohne Aura steht der einseitige, pulsierende Kopfschmerz im Mittelpunkt. Bei einer Migräne mit Aura kommt es kurz vor dem Schmerz zu Sichteinschränkungen in Form von Lichtblitzen, Flackerlinien und Schleiern. Sehr selten treten ausserdem Schwindel, Hautkribbeln und Taubheitsgefühle in einer Gesichtshälfte auf.

Chronische Migräne

Eine Migräne wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sie mindestens drei Monate in Folge an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt. Betroffene leiden quasi unter dauernden Migräneanfällen. Häufig ist der chronische Verlauf die Folge einer zuvor über viele Jahre bestehenden Kopfschmerzerkrankung. Die chronische Migräne ist ein Sonderfall und keineswegs der übliche Verlauf.

Retinale Migräne

Der Begriff retinale Migräne leitet sich vom Wort Retina ab, dem Fachbegriff für die Netzhaut des Auges. Im Rahmen der retinalen Migräne kommt es während des Migräneanfalls zu einseitigen Sehstörungen, die nicht den neurologischen Störungen einer Aura entsprechen. Bei einer retinalen Migräne kann es vorübergehend sogar zur Blindheit auf einem Auge kommen. Die Symptome verschwinden jedoch mit dem Eintreten der Kopfschmerzen oder spätestens während der Kopfschmerzphase wieder.

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Hormonelle Migräne

Die hormonelle oder auch menstruationsbedingte Migräne betrifft ausschliesslich Frauen. Sie tritt, wie der Name schon sagt, kurz vor dem Einsetzen oder während der Periode auf. Ursächlich sind die hormonellen Veränderungen im Verlauf des Zyklus. Die hormonelle Migräne ist schlechter zu behandeln, sie verschwindet erst mit der Normalisierung des Hormonhaushaltes nach Ende der Periode und kehrt zyklisch einmal im Monat wieder.

Triptane Migräne

Triptane sind Medikamente zur Behandlung der Migräne. Sie führen zur Verengung der Blutgefässe und dadurch zur Linderung der Migräneschmerzen sowie der Begleitsymptome. Durch die häufige Einnahme der Triptane kann es jedoch zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der wiederum neuerliche Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen kann.

Hemiplegische Migräne

Diese Form geht mit zusätzlichen motorischen Störungen und Störungen des Gleichgewichts einhergeht. Auch Bewusstseinsstörungen wie Ohnmacht oder sogar Koma treten in Einzelfällen auf. Die hemiplegische Migräne kann sporadisch oder familiär gehäuft auftreten. Bei familiärer Häufung lassen sich häufig Gendefekte im Bereich einzelner Chromosomen nachweisen.

Basilarismigräne

Diese tritt vorwiegend bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und kann mit und ohne Aura entstehen. Klassische Symptome sind neben den Kopfschmerzen auch Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen. Anders als beim klassischen Migränetypus leiden Betroffene im Falle einer Basilarismigräne meist unter beidseitigen Kopf- und Augenschmerzen.

Weitere Migräneformen

  • Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Migräne Ursachen und Auslöser

Obwohl Migräne als Krankheitsbild längst anerkannt ist, sind ihre Ursachen bislang nicht abschliessend erforscht. Eine genetische Vorbelastung scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie der körpereigene Serotoninspiegel. Ein unausgeglichener Serotoninspiegel verändert die Reizbarkeit der Nerven, macht die Blutgefässwände durchlässiger und wirkt sich nicht zuletzt auch auf den Magen-Darm-Trakt aus, sodass Übelkeit und Erbrechen ebenfalls damit in Zusammenhang gebracht werden können.

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Unabhängig von den Ursachen der Migräne stehen die Auslöser im Mittelpunkt. Als sogenannte Trigger kommen vor allem Stress und ein gestörter Schlafrhythmus infrage. Aber auch Hormonschwankungen, etwa während der Regel oder in der Schwangerschaft, können Migräne begünstigen.

Wetterabhängige Migräne

Häufig treten Migräneanfalle auch bei bestimmten Wetterlagen auf. Genauer im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, reagieren viele Migräniker auf sich zu schnell verändernde Wetter- und Temperaturverhältnisse, genauso wie auf starken Fön.

Wochenend- und Pillenmigräne

Häufig tritt die Migräne bei Frauen jungen und mittleren Alters auf, die mithilfe der Anti-Babypille verhüten. Speziell in der Pillen-Pause, also kurz vor, während und kurz nach der Menstruation, wenn der Körper stärkeren hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist, aber auch während einer Schwangerschaft, sind Migräneanfälle häufig zu beobachten.

Viele jüngere Frauen leiden hingegen während der Pilleneinnahme unter Migräne, weil das Gleichgewicht des Körpers unter Zufuhr hormonhaltiger Präparate aus den Fugen geraten kann. Ein weiteres häufiges Phänomen ist ausserdem die Wochenend-Migräne. Sie entsteht, wenn der Körper aus der Stress-Phase in die Entspannungs-Phase übergeht.

Weitere Auslöser

  • Schlafüberschuss oder Schlafmangel
  • Hunger oder Unterzuckerung
  • körperlicher oder psychischer Stress
  • bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
  • Licht, Geräusche oder Gerüche
  • Wetterveränderungen
  • starke Emotionen
  • bestimmte Medikamente
  • Räume, in denen geraucht wird

Migräne Symptome

Migräne-Symptome sind vielgestaltig und teilweise unspezifisch, da innerhalb der Migräneerkrankung mehrere Migräneformen bekannt sind. Migräne geht mit unterschiedlichen Beschwerden einher, je nach Form der Migräne können folgende Symptome auftreten:

  • massive, einseitige Kopfschmerzen von pulsierendem Charakter
  • Aura im Vorfeld
  • Übelkeit und Lichtempfindlichkeit
  • Sehstörungen wie Lichtblitze, Flackerlinien und Schatten
  • Kribbeln auf der Haut oder in den Gliedmassen
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Flimmerskotom (kranzartiges Flimmern, Funken, Flackern, Einschränkung des Gesichtsfelds)
  • Übelkeit bis zum Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen
  • Heisshungerattacken
  • Darmbeschwerden, Verstopfungen
  • erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Schmerzen im Bereich der Stirn und Schläfe
  • Schmerzen, die in das Augenlid ausstrahlen

Migräne ohne Kopfschmerzen

In seltenen Fällen ist die Aura das einzige Symptom einer Migräneerkrankung, die nachfolgenden Kopfschmerzen bleiben hingegen aus. Die Aura dauert in diesen Fällen nur zehn bis 30 Minuten und geht mit Sehstörungen, Kribbeln auf der Haut oder in den Gliedmassen, Schwindel, Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen einher.

Augen-Migräne

Das führende Symptom der Augen-Migräne ist das sogenannte Flimmerskotom, welches beidseitig auftritt. Es ist durch kranzartiges Flimmern, Funken, Flackern und eine Einschränkung des Gesichtsfelds vom Rand zur Mitte gekennzeichnet. Die Augen-Symptome bilden sich nach etwa 20 bis 40 Minuten zurück. Häufig setzt bei der Augen-Migräne kein anschliessender Kopfschmerz ein, sodass das Flimmerskotom das einzige Symptom bleibt.

Migräne und Übelkeit

In den meisten Fällen geht eine Migräneattacke mit Übelkeit einher, die bis zum Erbrechen führen kann. Unabhängig davon, ob die Migräne von einer Aura begleitet ist oder nicht. Eine Ausnahme stellt die Migräne ohne Kopfschmerzen dar. Die Übelkeit tritt in der Regel nicht vor der Schmerzphase auf, sondern währenddessen.

Migräne in Phasen

Migräneschübe treten üblicherweise in vier Phasen auf, im Falle einer Migräne ohne Aura sind es hingegen nur drei Phasen. Ein Migräneanfall läuft daher wie folgt ab:

  1. Vorbotenphase: In dieser Phase kündigt sich die Migräne an. Typische Vorboten sind beispielsweise gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen, aber auch Heisshungerattacken, Darmbeschwerden, Verstopfungen und eine bereits erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  2. Auraphase: Bei einer Migräne mit Aura folgt die Auraphase der Vorbotenphase. Die Aura entsteht unmittelbar vor Beginn der starken Kopfschmerzen. Sie ist geprägt von fehlerhaften Sinneswahrnehmungen im Bereich des Sehens.
  3. Kopfschmerzphase: Sehr selten tritt eine Migräneaura ohne anschliessende Kopfschmerzen auf. In über 90 Prozent der Fälle folgt der Auraphase jedoch die Kopfschmerzphase, die mit einseitigen, starken Kopfschmerzen im Bereich der Stirn und Schläfe einhergeht. Oftmals ist zudem ein Auge betroffen, sodass die Schmerzen in das Augenlid ausstrahlen.
  4. Rückbildungsphase: In der Rückbildungsphase befindet sich der Körper noch in der Erholung. Betroffene fühlen sich müde und abgespannt, die Appetitlosigkeit und die Übelkeit können in dieser Phase noch bis zu 24 Stunden bestehen bleiben, bevor die vollständige Erholung von der Migräneattacke einsetzt.

Migräne Test

Obwohl eine sichere Migräne-Diagnose nur von einem Arzt gestellt werden kann, können Sie sich mithilfe einiger Fragen selbst beantworten, ob Sie unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden. Falls Sie die folgenden Fragen überwiegend mit ja beantworten müssen, ist eine Migräne wahrscheinlich:

  • Ist der Kopfschmerz einseitig?
  • Sind die Kopfschmerzen pulsierend?
  • Sind die Kopfschmerzen sehr stark?
  • Verstärken sich die Kopfschmerzen durch Anstrengung?
  • Leiden Sie unter Übelkeit?
  • Leiden Sie unter Licht- und Lärmempfindlichkeit?
  • Halten die Kopfschmerzen über mehrere Stunden oder Tage an?

Ernährung bei Migräne

Die Häufigkeit und die Intensität der Migräneattacken können durch die entsprechende Ernährung beeinflusst werden.

Was hilft gegen Migräne?

Medikamente bei Migräne

Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.

Pflanzliche Migränemittel

Es gibt verschiedene pflanzliche Mittel, die bei Migräne helfen können.

Hausmittel

Ein feuchtes Handtuch, Kühlelemente aus dem Kühlschrank, ein abgedunkeltes Schlafzimmer: Viele Menschen mit Migräne wissen aus eigener Erfahrung, mit welchen Massnahmen sie einen Anfall am besten lindern können.

Migräneprophylaxe

  • Regelmässiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren
  • Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken
  • Psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren
  • Vermeidung von Migräneauslösern
  • Medikamentöse Vorbeugung (Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat)
  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR)
  • Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement)
  • Biofeedback-Therapie

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