Der Begriff "Krankschreibung" ist im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreitet, doch präziser ist die Bezeichnung Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Diese Bescheinigung, oft als "gelber Schein" bekannt, wird von einem Arzt ausgestellt und bestätigt, dass ein Patient aufgrund einer Erkrankung nicht in der Lage ist, seine berufliche Tätigkeit auszuüben. Eine Krankschreibung bei Burnout ist ein wichtiges Thema, das sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber betrifft.
Was bedeutet Arbeitsunfähigkeit?
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Erkrankung die Fähigkeit beeinträchtigt, die im Arbeitsvertrag festgelegten Aufgaben zu erfüllen. Dies kann sowohl physische als auch psychische Ursachen haben. Die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit erfordert eine individuelle Betrachtung, da gleiche Krankheitsausprägungen unterschiedliche Auswirkungen haben können, je nach den spezifischen Anforderungen des Arbeitsplatzes. Es ist wichtig zu verstehen, dass krank sein nicht automatisch arbeitsunfähig bedeutet.
Voraussetzungen für eine Krankschreibung bei Burnout
Burnout ist ein Zustand der emotionalen, körperlichen und geistigen Erschöpfung, der oft durch chronischen Stress am Arbeitsplatz verursacht wird. Die Diagnose Burnout wird in der Regel von einem Arzt oder Psychotherapeuten gestellt. Um eine Krankschreibung bei Burnout zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
- Diagnose: Ein Arzt oder Psychotherapeut muss die Diagnose Burnout stellen. Dies geschieht in der Regel durch eine umfassende Anamnese, körperliche Untersuchung und psychologische Tests.
- Arbeitsunfähigkeit: Der Arzt muss feststellen, dass der Patient aufgrund des Burnouts nicht in der Lage ist, seine berufliche Tätigkeit auszuüben.
- Ärztliche Bescheinigung: Der Arzt stellt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, die dem Arbeitgeber vorgelegt werden muss.
Der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat grundsätzlich einen hohen Beweiswert. Sie dient als primäres Beweismittel, um die Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber nachzuweisen. Allerdings ist dieser Beweiswert nicht unerschütterlich. Der Arbeitgeber kann den Beweiswert erschüttern, wenn er tatsächliche Umstände darlegt, die erhebliche Zweifel an der bescheinigten Krankheit begründen.
Aktuelle Rechtsprechung
Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 08.09.2021 (Az. 5 AZR 149/21) zeigt, dass ungewöhnliche Umstände, wie eine Krankmeldung zeitgleich mit einer Eigenkündigung und passgenau zur Kündigungsfrist, ernsthafte Zweifel an der tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit begründen können. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer die Krankheit gegebenenfalls konkret beweisen.
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Rechte und Pflichten bei Krankschreibung
Pflichten des Arbeitnehmers
- Unverzügliche Krankmeldung: Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich unverzüglich krankzumelden (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EntgFG).
- Vorlage der AU-Bescheinigung: Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, muss spätestens am vierten Tag eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden (§ 5 Abs. 1 Satz 2 EntgFG). Der Arbeitgeber kann auch schon früher ein Attest verlangen.
- Kooperation: Bei Zweifeln des Arbeitgebers sollte der Arbeitnehmer kooperativ sein und versuchen, die Zweifel auszuräumen.
Rechte des Arbeitnehmers
- Entgeltfortzahlung: Während der Arbeitsunfähigkeit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für die Dauer von sechs Wochen.
- Kündigungsschutz: Eine Kündigung wegen Krankheit ist grundsätzlich nicht zulässig, es sei denn, es liegen besondere Umstände vor.
Verhalten während der Krankschreibung
Während der Krankschreibung ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer alles vermeidet, was den Heilungsprozess negativ beeinflussen könnte. Dies umfasst nicht nur offensichtlich genesungswidrige Aktivitäten wie Sport oder Reisen, sondern auch weniger offensichtliche Verhaltensweisen wie das Missachten von Medikamentenplänen oder Ernährungsempfehlungen.
Was ist erlaubt, was ist verboten?
- Erlaubt: Aktivitäten, die den Heilungsprozess fördern, wie Spaziergänge an der frischen Luft oder Entspannungsübungen.
- Verboten: Aktivitäten, die den Heilungsprozess beeinträchtigen, wie das Ausüben von Sportarten, die die Genesung beeinträchtigen, oder das Reisen trotz einer ärztlichen Empfehlung, zu Hause zu bleiben.
Die Rolle des Arztes
Der behandelnde Arzt spielt eine wichtige Rolle im Kontext der Krankschreibung. Er ist nicht nur für die Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verantwortlich, sondern auch für die Beratung des Patienten hinsichtlich der Aktivitäten, die vermieden werden sollten.
Konsequenzen von Missbrauch
Das Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit kann sowohl arbeitsrechtliche als auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Eine fristlose Kündigung ist möglich, wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass die Krankheit nur vorgetäuscht wurde. Zudem kann das Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit als Betrug im Sinne von § 263 Abs. 1 StGB angesehen werden.
Die Neurasthenie als Vorläufer des Burnout
Die Neurasthenie, auch als Nervenschwäche bekannt, war insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine häufig verwendete Diagnose. Obwohl die Diagnose aktuell kaum noch verwendet wird, ähneln die Symptome denen des Burnouts. Bei einer Neurasthenie treten psychosomatische Symptome auf, bei denen psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.
Berufsunfähigkeit wegen Burnout und psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen wie Burnout und Depressionen können Grund für eine Berufsunfähigkeit sein. Der Nachweis einer solchen Berufsunfähigkeit ist jedoch oft schwieriger als bei körperlichen Leiden. Es ist wichtig, alle relevanten Dokumente zu sammeln, wie AU-Bescheinigungen, Atteste von Fachärzten und Nachweise zu Klinikaufenthalten.
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Was tun, wenn die BU-Versicherung nicht zahlt?
Wenn die Versicherung die Auszahlung der BU-Rente verweigert, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Auszahlung doch noch durchzusetzen. Dazu gehören ein erneutes Gutachten, weitere Nachweise oder die Mandatierung eines erfahrenen Anwalts.
Prävention von Burnout
Um einem Burnout vorzubeugen, ist es wichtig, ein gutes Gleichgewicht zwischen Stress und Erholung zu finden. Regelmäßiger Sport, eine ausgewogene Ernährung, ausreichender Schlaf und Entspannungsübungen können helfen, das Risiko eines Burnouts zu reduzieren.
Fazit
Die Krankschreibung bei Burnout ist ein komplexes Thema, das sowohl rechtliche als auch medizinische Aspekte umfasst. Es ist wichtig, die eigenen Rechte und Pflichten zu kennen und im Zweifelsfall rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Arbeitnehmer sollten sich bewusst sein, dass eine Krankschreibung nicht gleichbedeutend mit einem Freifahrtschein für jegliche Aktivitäten ist. Arbeitgeber wiederum müssen die Privatsphäre ihrer Mitarbeiter respektieren und dürfen nicht ohne triftigen Grund in deren Privatleben eingreifen.
Wichtige Punkte auf einen Blick
- Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Erkrankung die Fähigkeit beeinträchtigt, die im Arbeitsvertrag festgelegten Aufgaben zu erfüllen.
- Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat grundsätzlich einen hohen Beweiswert, der jedoch erschüttert werden kann.
- Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich unverzüglich krankzumelden und die AU-Bescheinigung vorzulegen.
- Während der Krankschreibung sollten alle Aktivitäten vermieden werden, die den Heilungsprozess beeinträchtigen.
- Das Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit kann sowohl arbeitsrechtliche als auch strafrechtliche Konsequenzen haben.
- Prävention von Burnout ist wichtig, um ein gutes Gleichgewicht zwischen Stress und Erholung zu finden.
Hinweis
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Im Zweifelsfall sollte ein Anwalt konsultiert werden.
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